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Armutsfalle Schauspielerei: Willkommen in der Rollenlotterie

Ninja Böhlke Ruhm und Glamour? Von wegen: Auf die meisten Schauspieler warten mickrige Gagen und ein unstetes Leben. Wie es in der Traumbranche wirklich zugeht, zeigen Gespräche mit Jungstars wie David Kross und Max Riemelt, mit erfahrenen Darstellern wie Christian Kahrmann und Florian David Fitz.

http://www.spiegel.de/karriere/beruf...838053,00.html
  1. #110

    Kunst oder nix.

    Zitat von pescador Beitrag anzeigen
    Der eigene Beruf ist immer so lange fundamental anders, wie man keinen anderen kennt.

    Der Lehrer hat ständig neue Zusammensetzungen von Schülern, vor sich, die Normen des Ingenieurs sind nach spätestens 5 Jahren obsolet, der Krankenpfleger hat (unter enormenm Zeitdruck) mit Menschen zu tun, die gelegentlich auch mal sterben...

    Das liegt möglicherweise am Nimbus, der manche Berufe (in Deutschland) umgibt. In vielen anderen Ländern ist das nicht so extrem.
    Ich denke man kann sich in Berufe hineindenken auch ohne sie auszuführen, vor allem wenn man Freunde hat die Schauspieler, Ingenieure oder Krankenpfleger sind und ich selber semi-professionel mit Musik Geld verdiene und einen Designberuf ausübe.
    Man kriegt ja mit wie der Alltag von diesen Menschen abläuft, wie viel Herzblut sie in ihre Projekte stecken, wie Erwartung und Ergebnis oft auseinanderklaffen, wie manche Glück haben, wie manche bereit sind nach Jahren des Nomandelebens nach China zu ziehen, ob einer Anstellung bei einem Orchester (für fünf Jahre wohlgemerkt).

    Bin ganz ihrer Meinung: Krankenpfleger kann ein sehr harter Job sein, wie Lehrer und Ingenieur auch. Als Musiker wird man sich weniger mit dem Tod herumschlagen als ein Arzt oder Pfleger und das Produkt seiner eigenen Leistung ist unmittelbar genießbar...

    Und doch bin ich überzeugt, dass künstlerische Berufe keine normalen Berufe sind. Sie verlangen viel mehr Eigeninitiative, "das gewisse Etwas" das man hat oder nicht, mehr Selbstaufgabe, weniger Trennung zwischen Privatleben und Beruf, usw. Außerdem ist schon ein gewisser Wahnsinn dabei sich so einer großen Konkurrenz zu stellen und das bei Verzicht auf Arbeitssicherheit und Stabilität. Manche lieben diese Freiheit. Viele scheitern daran.

    Ich denke Deutschland ist nicht die Ausnahme was das Prestige von manchen Berufen angeht...
  2. #111

    Zitat von firoforo Beitrag anzeigen
    Und doch bin ich überzeugt, dass künstlerische Berufe keine normalen Berufe sind. Sie verlangen viel mehr Eigeninitiative, "das gewisse Etwas" das man hat oder nicht, mehr Selbstaufgabe, weniger Trennung zwischen Privatleben und Beruf, usw. Außerdem ist schon ein gewisser Wahnsinn dabei sich so einer großen Konkurrenz zu stellen und das bei Verzicht auf Arbeitssicherheit und Stabilität. Manche lieben diese Freiheit. Viele scheitern daran.
    Treffend formuliert und schwer zu explizieren.
    Nur das mit dem Prestige, finde ich überbewertet,
    weiß ich was es heisst, gleich auf die Probe zu gehen bis 23 Uhr ...
  3. #112

    Zitat von firoforo Beitrag anzeigen
    Klar sind die Grenzen da fließend. Selbständige müssen sich wohl immer gut vermarkten, Politiker sollten immer gut reden können, Kellner werden lieber angestellt wenn sie gut aussehen. Sprich jeder Beruf hat gewissen körperliche oder geistige Anforderungen.
    Unbestritten.

    Und doch sind Künstlerberufe fundamental anders. Sie setzen viel mehr Zweifel, Suchen und die Arbeit an sich und seiner Kunst voraus, mit Regeln die nirgends stehen, sondern die selber gemacht werden. Die Persönlichkeit ist da viel mehr mit der eigenen Leistung verwoben. Kritik triff einen da immer persönlicher und intimer als die Kritik eines "normalen" Arbeitgebers. Am ehesten sehe ich noch parallelen zur Forschung.
    Die des Unternehmers sind auch komplex (ich weiss, das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite..)
    Sie müssen Menschen einschätzen, Produkte erfinden, Märkte erschliessen, Rückschläge einstecken, Intrigen Machtspiele und Betrug wegstecken, die Menschen in der Forschung motivieren und gleichzeitig drängeln, und auch noch eine Familie zusammenhalten.
    Von den externen Faktoren wie dem, dass am ersten Löhne fällig sind, und die Banken auch noch was wollen ganz abgesehen.
    Und dann gibt es noch das unbekannte Wesen, den Kunde, das ganz scheue Reh.
    Wenn dem das Design nicht gefällt, oder der Service oder die Farbe oder die Technik oder der Preis, oder der Verkäufer, oder der Vertrieb, oder der Katalog, oder der Messeauftritt, oder......

    Na ja. Ist halt in jeder Branche was eigenes.
    Schauspieler sollten nicht denken, dass es bei Ihnen was ganz Besonderes ist.
  4. #113

    @positives Denken- Schön wäres- Der Kommentar kommt 10 Jahre zu spät!

    So war es durchaus einmal nach den ersten Jahren der Privatsender um ca 1988 herum. Damals gab es brauchbare Anfängergagen im Bereich TV- Produktion, es war günstiger, selbst zu produzieren als die steigenden Lizenzgebühren der US- Produktionen zu bezahlen... Seit etwa 10-12 Jahren geht die Zahl der deutschen Produktionen kontinuierlich teils drastisch zurück, parallel dazu verringert sich der Mut der Sender, etwas neues zu probieren. Wie viele Serien "funktionieren" denn heute neu? (Außer Comedy, wo man heute - glaubt man- nur noch unfallfrei ab 3 Witze zum Besten geben können muß, um als neuer Shootingstar gekauft zu werden) Von Sat 1 kenne ich nur "Der letzte Bulle" und Danny Lowinski, und dann hört es auch schon auf. Sonst laufen die Tatorte noch gut- und alles, was daily wortreich Bilder verpestet. Eine Statistik des Arbeitsamtes aus einer Konferenz mit Schasuspielschulen vor 3 Jahren: Ca 200 Schauspielabsolventen aus staatlichen Schulen drängen sich um ca 60 Anfängervakanzen staatlicher deutschsprachiger Theater, ca. 400-600 kommen aus privaten Schulen bis schauspielerischen Versuchsanstalten hinzu- ca. 100, wenn es hoch kommt, kommen etwa an freien Bühnen (zwischen 50 und 150 € am Abend, WENN gespielt wird) zum Zug... bei einem solchen Angebot bleiben Gagen und Können schnell auf der Strecke- und die, die man IMMER sieht, sind deshalb nicht besser als die anderen- sie sind nur irgendwie die Garantie geworden, dass die Sendung läuft...
    Im Moment sehe ich schwarz für ganz viele meiner Kollegen und derjenigen, die sich neu ins Getümmel stürzen- nach bald 25 Jahren in diesem Gewerbe ist meine Lust auf solche Bedingungen fast auf Null- und die Kreativität ist, wie man sich denken kann, wenn der Kühlschrank leer bleibt, nicht einladend hoch...
  5. #114

    Warum?

    Was mir immer wieder auffällt: Warum meinen gerade Leute mit Studienabschluss, daß dieser automatisch den Anspruch auf ein wirtschaftlich sorgenfreies Leben beinhaltet. Jeder "normale" Arbeitnehmer muß auch zusehen wie er zurecht kommt und verschiebt die "Selbstverwirklichung" in seine Freizeit.
  6. #115

    ...

    Zitat von brandmeister Beitrag anzeigen
    Was mir immer wieder auffällt: Warum meinen gerade Leute mit Studienabschluss, daß dieser automatisch den Anspruch auf ein wirtschaftlich sorgenfreies Leben beinhaltet. Jeder "normale" Arbeitnehmer muß auch zusehen wie er zurecht kommt und verschiebt die "Selbstverwirklichung" in seine Freizeit.
    Ich beobachte ähnliches. Viele merken erst nach dem Abschluss, dass sie niemand vor der Uni abhohlt und wohlwollend aufnimmt.

    Vielleicht weil es vor 20 Jahren noch einigermaßen der Realität entsprach... In einigen Studiengängen ja immer noch. Denke jede Statistik bestätigt, dass Akademiker im Durchschnitt mehr verdienen.

    Vielleicht weil Bildung selbst ein großes Geschäft geworden ist. Und für Abschlüsse geworben wird die nicht halten was sie versprechen. Teilweise Pyramidensysteme geschaffen werden, wo die eigenen Studenten einen ernähren und nicht der freie Markt (zB. Psychotherapieausbildung, manche Kunstakademien, usw...)

    Vielleicht auch weil bei einigen Akademikern Selbstverwirklichung und der idealistische Glaube etwas wichtiges für die Gesellschaft zu leisten unzertrennbar sind. Ich hoffe das bleibt auch bei gestiegenem wirtschaftlichem Druck so...








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