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Arm trotz Arbeit: "Soziale Isolation lässt die Menschen zerbrechen"

DPASie verdingen sich für minimalen Lohn als Erntehelfer oder am Fließband. Leiharbeiter stehen in der Beschäftigungshierarchie ganz unten. Bestsellerautor Günter Wallraff beklagt im Interview die massive Zunahme dieser Jobs. Am schlimmsten aber sei der Verlust der Solidarität untereinander.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...823887,00.html
  1. #60

    Diesen Zusammenhang hat schon ...

    Zitat von ArnoNuem Beitrag anzeigen
    ...
    Zum weiterdenken: als diese Welt aus zwei Blöcken bestand, musste der Kapitalismus gegenüber dem Sozialismus (den ich jetzt überhaupt nicht bewerten möchte, es reicht, wenn ich anerkenne, dass es diesen "Machtblock" gab) als überlegen darstellen. Das manifestierte sich u.a. auch in der sogenannten "Sozialpartnerschaft". Stichwort "Rheinischer Kapitalismus. Seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Machtblocks braucht der Kapitalismus keine Rücksicht mehr zu nehmen. Und dann gab es da noch zwei Herren namens Schröder und Fischer, die dafürverantwortlich zu machen sind, dass die Verwerfungen auf dem Arbeits"markt" noch mehr zugnommen haben.
    ..., wenn ich mich recht entsinne, Peter Sloterdijk in "Kritik der zynischen Vernunft" (Frankfurt a. M., 1983) beschrieben.
  2. #61

    Lernen sie erstmal den Unterschied zwischen Unternehmer und Unternehmen...

    Zitat von Asirdahan Beitrag anzeigen
    Ich behaupte, wenn ein Unternehmer ausbeuten kann, dann tut er es. Je größer der Betrieb, je anonymer und gering qualifizierter die Arbeitnehmer, desto stärker die Ausbeutung. Je kleiner der Betrieb, desto familiärer geht es zu, desto weniger Ausbeutung. Positive Ausnahmen gibt es, sie sind gering. Ausgebeutet wird immer dort, wo die Verhältnisse es zulassen. Je höher der Akademiker-Anteil in einem Betrieb, desto weniger erlaubt sich der Arbeitgeber Sperenzchen.

    Geringqualifizierte werden oft behandelt, als hätten sie weniger menschliche Bedürfnisse als andere Menschen. Doch wenn sie ihre Arbeitskraft 8 Stunden täglich oder mehr zur Verfügung stellen, was gleichzeitig einschließt, dass diese Arbeitskraft benötigt wird, dann ist das bereits eine Leistung. Es heißt, mehr Lohn würde Arbeitsplätze kosten. Das suggeriert, die Unternehmen taumelten mehr oder weniger an der Grenze zum Bankrott, wenn sie mehr zahlten. Doch in Wahrheit steckt sich der Unternehmer doch den höheren Gewinn selbst ein. Er zahlt wenig, um selber mehr zu haben, nicht weil er sonst zumachen müsste. Ich glaube, dass die Mehrzahl der größeren Unternehmen dazu gehört. Kleine Familienunternehmen nehme ich ausdrücklich davon aus.

    Die Regierung steht dabei ganz klar auf der Seite der Unternehmen. Bevor einem Arbeitnehmer zugebilligt wird, dass er ausgebeutet wurde, muss er schon auf dem Zahnfleisch kriechen. Er hat nicht nur jeden Job anzunehmen, er muss sich auch sämtliche Schikanen und Demütigungen gefallen lassen, geringen Lohn, Übervorteilung bei Überstunden, Urlaub etc. Beschwert er sich, heißt es, was wollen Sie? Ihr Job ist doch immer noch besser als gar keine Arbeit zu haben.
    danach gehen wir auf Arbeitsrecht und Sozialrecht und Tarifhoheit.
    Danach auf den Sinn und Unsinn von Gewerkschaften und warum es Deutschland ohne Gewerkschaften besser ginge - Gewerkschaften sind nichts anderes als "Spielerberater" !.

    Dann - und erst dann - nehmen wir uns den BEgriff "Ausbeutung" und versuchen den erstmal zu buchstabieren ehe wir an die BEdeutung gehen.

    Nuhr hatte vollkomen recht
  3. #62

    Zitat von u.loose Beitrag anzeigen
    die von den Gewerkschaften "erkämpften" und von der Politik in Gesetze gegossenen "Errungenschaften" in Sachen Kündigungsschutz und Mitbestimmung zu hinterfragen?

    Keine große Firma wäre bereit für einen Leiharbeiter erheblich MEHR an die Verleihfirma zu bezahlen als ein "Fest" Angestellter kostet. Es ist allerdings die einzige Möglichkeit auf schwankende Nachfrage zu reagieren. Das ist eben der Preis für den "hart erkämpften" fast Beamtenstatus!

    Ulrich
    Sehe ich theoretisch auch so. Nur : Meinen sie ernsthaft, das Betriebe bei anderer Möglichkeit der Arbeitsvertragsgestaltung mehr zahlen würden ? Die würden einfach das doppelte Geschäft machen : Keinen lästigen Kündigungsschutz mehr und Gehalt trotzdem wie bei der Zeitarbeit. Und die ganzen teuren Festangestellen kann man ohne Kündigungsschutz dann auch nach und nach durch Niedriglöhner ersetzen.
    Unternehmen haben doch schön länger entdeckt, das es sehr profitabel ist, eigenen Zeitarbeitsfirmen zu Gründen und sich darüber das Personal zu beschaffen. Meinen sie ernsthaft, ohne Kündigungsschutz würden die Unternehmen plötzlich wieder einen Schritt zurück machen und vernünftige Löhne zahlen ?
    Dann kann man sich schon bildlich vorstellen, wie in der Managementetage die Champagnerkorken knallen würden. Das rigerose Abschaffen des Kündigungsschutzes hätte vor allem einen Erfolg : Die Gewinne der Unternehmen aufgrund von gigantischen Lohneinsparungen in die Höhe schiessen zu lassen, damit sich die Schlipsträger davon dann noch einen Porsche vor die Villa stellen können.
  4. #63

    ....

    Zitat von hansmaus Beitrag anzeigen
    Dürfen tun sie das grundsätzlich schon aber wer hört ihnen zu?
    Der Praktikant der für 400€ in Redaktionen von Zeitungen arbeitet?
    Wie zahlt so jemand eigentlich seine Miete?


    Zitat von dhanz Beitrag anzeigen
    Wenn sich die Würde tatsächlich an den finanziellen Möglichkeiten eines Menschen festmachen ließe, dann liefe wirklich etwas schief.

    Ein BGE mag einige Probleme lösen (und dafür andere schaffen), aber das BGE löst mit Sicherheit nicht das Problem von fehlender 'Würde'.

    Glauben Sie tatsächlich, 'Würde' ließe sich für ein paar Silberlinge mehr käuflich erwerben? Wieviel kostet denn bei Ihnen ein paar Gramm ''Würde', 50 EURO, 100 EURO, 250 EURO?
    Ich gebe Ihnen da grundsätzlich Recht, es ist eine Schande, dass Würde bei uns so sehr ans Finanzielle gekoppelt wird. Allerdings hat man durch mehr Geld noch nicht unbedingt mehr Würde, denke ich jedenfalls - aber durch weniger Geld haben wird ihnen meist weniger Würde zugeschrieben. Es geht darum, dass man mit wenig Geld nicht richtig würdevoll leben kann, denn leider kostet die sog. gesellschaftliche Teilhabe auch Geld. Ein Mitglied in einem Verein kostet Beiträge. Wenn sie einen Sport mit anderen betreiben wollen, für das sie ein Sportgerät brauchen - es kostet Geld. Ein Besuch im Schwimmbad - kostet Geld. Zusammen Essen gehen - kostet Geld. Entferne Freunde besuchen - kostet Geld. Jemandem ein Geschenk kaufen - kostet Geld. Einen Sprachkurs machen - kostet Geld. Kann man sich das nicht leisten, droht die soziale Isolation und damit auch das Absinken der Würde, falls man nicht eine extrem starke Persönlichkeit hat.
    Ich sage überhaupt nicht, dass dies alles z.B. kostenlos sein soll, aber jeder sollte sich die sog. gesellschaftliche Partizipation leistn könne, nein leisten müssen!
    In einer "gesunden" Gesellschaft darf es eigentlich erst gar nicht dazu kommen, dass jemand, der seine Arbeit verliert, sich dafür schämt bzw. dafür schämen muss und sich verkriecht, aus Angst vor sozialer Repression und Stigmatisierung. Ist es nicht seltsam, dass Deutschland angeblich ausstirbt, aber gleichzeitig immer mehr Konkurrenz und Misstrauen zwischen den Individuen besteht? Das zieht sich rein bis in private Beziehungen.
  5. #64

    Vorausgesetzt, die Teilhabe am Berufsleben

    Zitat von TangoGolf Beitrag anzeigen
    Dem muss ich entschieden widersprechen. Bei aller sozialer Ungerechtigkeit, die jene "untersten" Jobs auch ausgesetzt sind - die Teilhabe am Berufsleben ist imemr besser, als staatliche Fürsorge.
    befreit einen von der staatlichen Fürsorge.

    Genau das ist aber in den weitaus meisten Fällen (nicht nur) von Zeitarbeit nicht der Fall. Da ist man trotz "Teilhabe am Berufsleben" von staatlicher Fürsorge abhängig - mit allen daraus resultierenden negativen Konsequenzen wie z.B. der liebevollen Unterstützung durch die argen Jobcenter.
  6. #65

    Zitat von donnerfalke Beitrag anzeigen
    Informieren Sie sich doch zuerst. Zwar zahlt jede Firma mehr für Leiharbeiter, aber die Kosten sind steurlich absetzbar, wie eine Betriebsaufwendung.
    Hmm, sind die Personalkosten für festangestellte Mitarbeiter nicht auch als Betriebskosten steuerlich absetzbar?
  7. #66

    Ich bin verwundert...

    Zitat von MütterchenMüh Beitrag anzeigen
    Ganz richtig. Unser Kündigungsschutz betoniert den Arbeitsmarkt.

    Die Zeitarbeitsfirmen waren das notwendige Ventil für die benötigte Flexibilität.

    Wie Sie schon gesagt haben, bei entsprechender Flexibilität würden di AG auch schneller Arbeitsplätze aufstocken.

    Wollen wir nicht vergessen, dass Gewerkschaften und SPD seit 30 Jahren jede Flexibilität des Arbeitsmarktes bekämpfen.

    Man bedauert zwar Sonntags tränenreich die Arbeitsbedingungen der Zeitarbeitsarbeitnehmer, aber das war es dann auch schon.
    ..., daß einige so weinen Mist immer noch glauben.

    Nur zur Info, der gesetzliche Kündigungsschutz ist mehr als ausreichend und flexibel genug:

    2 Jahren auf 1 Monat zum Ende eines Kalendermonats,
    5 Jahren auf 2 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
    8 Jahren auf 3 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
    10 Jahren auf 4 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
    12 Jahren auf 5 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
    15 Jahren auf 6 Monate zum Ende eines Kalendermonats,
    20 Jahren auf 7 Monate zum Ende eines Kalendermonats.

    Wann das zu hohe Hürden sind, liegt der Beton wohl eher in den Köpfen unflexiblen Menschen.

    Leiharbeit ist definitiv zu billig in Deutschland. Falsch ist die Aussage, daß Unternhemen nur Kräfte nehmen, die den Stundensatz der eigenen MA unterbieten. Unternhemne würden und zahlen auch mehr, weil sie a) keinen eigenen MA beschäftigen müssen, b) Sozialabgaben sparen, c) Kosten direkt getend machen können und damit sich steuerlich besser stellen könnnen.

    Leiharbeit wird aber mit Kostenersparnis gleichgesetzt. Und da liegt der eigentliche Denkfehler. Bei gleicher Entlohnung hätte der ausleihende Unternehmer nicht zwangsweise Nachteile. Er nimmt nur den positiven Effekt des schlechten Image und Ausbeutung des Leiharbeiters mit. Jeder von uns würde das ähnlich handhaben.
    Schlussendlich zeigt sich nur eins. Die Entfesselung der reinen Marktwirtschaft unter Einwirkung von Menschen funktioniert NICHT. Das belegt auch unsere Historie. Gewisse Regularien werden einfach benötigt. Um menschliche Schwächen auszugleichen.

    Gruß

    Balu
  8. #67

    Zitat von ArnoNuem Beitrag anzeigen
    Die Würde des Menschen hat m.E. durchaus etwas damit zu tun, ob er ein ausreichendes Einkommen hat. Essen und Trinken kosten nun Mal Geld. Ich halte es für würdelos, wenn Menschen gezwungen werden, nur das Billigste an Lebensmitteln zu kaufen. Kulturelle Teilhabe kostet auch. Am vergangenen Sonntag sas ich in der Berliner Staatsoper neben einer älteren Dame, die hat sich die 22,50 Euro für die Eintrittskarte förmlich "vom Mund" abgespart, weil die Rente so mickrig ist. Vergünstigung für Rentner? Fehlanzeige. So geht es auch den Menschen, die zu Hungerlöhnen arbeiten. Ich halte Kultur für ein unverzichtbares Überlebensmittel.
    Zur Würde des Menschen gehört auch, in einer anständigen Wohnung zu wohnen, sich gut zu kleiden, in Urlaub fahren, Ausflüge machen, im Cafe eine Tasse Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen (kostet etwa 5 Euro). Bücher lesen, CDs hören, ja selbst sich einen Blumenstrauss auf den Tisch zu stellen - das hat etwas mit Würde zu tun. Ich bin zornig, weil ich weiss, dass das vielen Menschen Vieles nicht möglich ist. Und wir leben in einem sehr reichen Land.
    Das, was Sie oben beschrieben haben, hat nichts mit Würde zu tun, sondern mit dem Anspruch auf einen gewissen Lebensstandard. Wenn dieser Anspruch nicht mit dem Einkommen korreliert, so ist das für den Betroffenen natürlich bedauerlich, hat aber nichts mit 'Würde' zu tun.
    Nach Ihrer Definition von 'Würde' leben bzw. vegetieren 90% der Menschen auf unserem Planeten vor sich hin.
    Schauen Sie sich unsere Eltern und Großeltern an, welche von den Dingen, die Sie oben postuliert haben, nur träumen konnten. Wollen Sie denen posthum ihre Würde absprechen.
    Sie verwechseln 'Würde' mir einer - aus welchen Gründen auch immer -nicht erfüllbaren Anspruchshaltung.
  9. #68

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sie verdingen sich für minimalen Lohn als Erntehelfer oder am Fließband. Leiharbeiter stehen in der Beschäftigungshierarchie ganz unten. Bestsellerautor Günter Wallraff beklagt im Interview die massive Zunahme dieser Jobs. Am schlimmsten aber sei der Verlust der Solidarität untereinander.

    Arm trotz Arbeit: "Soziale Isolation lässt die Menschen zerbrechen" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    Ich verstehe diesen ganzen Kündigungsschutz nicht. 3 Moante Kündigungsfrist, das würde reichen. Ohne Gründe, ohne großes Bohai.

    Stattdessen Gesetze, die zu Leiharbeit führen, weil niemand mehr jemand wirklich anstellen will - er bekommt ihn ja nicht mehr los!
    Oder so Dinge wie Sachen zustecken, um jemand per Diebstahl kündigen zu können. Alles irre Blüten unseres Kündigungsschutzes.
    In den USA würde sowas niemals passieren, da bekommt man sein letztes Gehalt und ciao.

    Dort ist es auch keine Schmach seinen Job zu verlieren, es gehört einfach dazu.
    Hier schaut man Entlassene schief an - wer entlassen wurde, muss ein Unmensch sein.

    Alles Dank dieses Kündigungsschutzes.

    Einfach total irre schon vom Prinzip her. Warum darf ein Arbeitgeber nicht jemanden kündigen, wenn er dessen Arbeitskraft nicht mehr braucht?!??!?
  10. #69

    Zitat von alexbln Beitrag anzeigen
    leiharbeit ist wichtig und notwendig! - aber leiharbeiter müssten per se mehr geld bekommen als festangestellte. damit hätte sich die ganze problematik schon erledigt.
    meines wissens wird das in dänemark so praktiziert.
    Dass Leiharbeit "wichtig und notwendig" ist, ist m.E. eine unbewiesene Tatsachenbehauptung. Würden die Unternehmer in ihrem Sinne verfahren - Leiharbeit durch höhere Löhne verteuern - würde sie für die Unternehmer ihren Sinn verfehlen. Sie müssen Leiharbeit schon in die real existierenden Verhältnisse einordnen. Der Kündigungsschutz war vor 30 Jahren rigoroser und da gab es sehr viel weniger Leiharbeit. Diese "Kräze" des 21. Jahrhunderts muss m.E. in den neoliberalen Umbau unserer Gesellschaft eingeordnet werden.
    Einst diente die Leiharbeit dazu, Produktionsspitzen kurzfritig abzudecken. Heute ist Leiharbeit ein Mittel für die Unternehmer, um Beschäftigte, ihre Betriebsräte und ihre Gewerkschaften gefügig zu machen.
    Zum weiterdenken: als diese Welt aus zwei Blöcken bestand, musste der Kapitalismus gegenüber dem Sozialismus (den ich jetzt überhaupt nicht bewerten möchte, es reicht, wenn ich anerkenne, dass es diesen "Machtblock" gab) als überlegen darstellen. Das manifestierte sich u.a. auch in der sogenannten "Sozialpartnerschaft". Stichwort "Rheinischer Kapitalismus. Seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Machtblocks braucht der Kapitalismus keine Rücksicht mehr zu nehmen. Und dann gab es da noch zwei Herren namens Schröder und Fischer, die dafürverantwortlich zu machen sind, dass die Verwerfungen auf dem Arbeits"markt" noch mehr zugnommen haben.








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