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ARD-Reportage über Somalia: 20 Gewehre, eine Kamera

SWRFür die riskante Reportage "Im Land der Piraten" hat sich ein ARD-Team in die Piratenhochburgen von Somalia vorgewagt. Der Film zeichnet das düstere Porträt eines gescheiterten Staates, in dem nur noch mit zwei Dingen gehandelt wird: Menschenleben und Militärgerät.

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,852260,00.html
  1. #1

    Befrieden?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wie soll man ein Land befrieden, wo fast ausschließlich mit Menschenleben und Waffen gehandelt wird?
    Normalerweise indem sich die Nachbarlaender Teile einverleiben.

    Waeren also im wesentlichen Äthiopien und Kenia.

    Vorwand waere auch da, Fluechtlinge, Waffenschmuggel, Piraterie, Grenzprobleme und arme, unterdrueckte Zivilisten.

    Jetzt muessen die sich nur trauen. "Für immer" festgelegte Grenzen funktioniert ja nicht mal in Europa und die da unten haben's echt nötiger als wir.
  2. #2

    .

    Zitat von vhe Beitrag anzeigen
    Normalerweise indem sich die Nachbarlaender Teile einverleiben.

    Waeren also im wesentlichen Äthiopien und Kenia.

    Vorwand waere auch da, Fluechtlinge, Waffenschmuggel, Piraterie, Grenzprobleme und arme, unterdrueckte Zivilisten.

    Jetzt muessen die sich nur trauen. "Für immer" festgelegte Grenzen funktioniert ja nicht mal in Europa und die da unten haben's echt nötiger als wir.
    An alle, die den Staat aus ihrem Leben verjagen wollen: So sieht euer Traumland aus solltet ihr Erfolg haben.
  3. #3

    Böse USA

    Zitat von vhe Beitrag anzeigen
    Normalerweise indem sich die Nachbarlaender Teile einverleiben.

    Waeren also im wesentlichen Äthiopien und Kenia.

    Vorwand waere auch da, Fluechtlinge, Waffenschmuggel, Piraterie, Grenzprobleme und arme, unterdrueckte Zivilisten.

    Jetzt muessen die sich nur trauen. "Für immer" festgelegte Grenzen funktioniert ja nicht mal in Europa und die da unten haben's echt nötiger als wir.
    Da würde sofort das Forum überschwemmt werden von "Experten" die wissen das das ganze nur von den Amerikanern initiiert wurde um an das Öl zu kommen. der Iran würde intervenieren um den Glaubensbrüdern zu helfen und das Massaker an der Bevölkerung würde losgehen. Politik ist nicht einfach :-(
  4. #4

    Schwarz/weiß

    Zitat von AFH Beitrag anzeigen
    An alle, die den Staat aus ihrem Leben verjagen wollen: So sieht euer Traumland aus solltet ihr Erfolg haben.
    Genau, denn es gibt kein Mittelding zwischen Nanny-Staat und Anarchie.

    Ein Staat, der sich im wesentlichen darauf beschränkt, Sicherheit und Herrschaft des Rechts zu gewährleisten, ist schlicht unvorstellbar.

    Genug der Ironie.
  5. #5

    wenig glaubhaft

    ich hab ein Teil der Reportage gesehen und vieles was die Piraten als quasi Entschuldigung für Ihr Tun aufgetischt haben war wenig glaubhaft. Ersten war angeblich alles verseucht ohne das irgendjemand das irgendwie näher erläutern konnte. Und dann ist die ganze verseuchte Region auch noch komplett leergefischt.

    logischerweise wird dort das eine oder andere illegal verklappt und genauso werden dort auch fremde Fischer fischen. Aber das dies in so großen Ausmaß geschieht das die Fischer und Bauern der Region als Nebenjob Pirat werden müssen würde ich mal unter sozialromantisches Gutmenschengeschwätz abtun.

    Die werden Piraten weil sie nie Fischer oder Bauern waren und als Pirat viel Geld verdienen können.
  6. #6

    Somalia...

    Das Traurige ist, dass die sog. "1. Welt" keinen Plan und kein Interesse an diesem Land hat. Man hat sich mit dem Status quo abgefunden und beschränkt sich darauf die Gefahren in der Peripherie (Piraterie, islamistische Extremisten) einzudämmen - und selbst das nur halbherzig. Die Islamistenjagd überlässt man Nachbarländern wie Kenia die selbst genug Probleme haben und die Piratenjagd könnte wesentlich effektiver betrieben werden, wenn sich die Weltgemeinschaft nicht immer selbst Beschränkungen auflegen würden, über die jeder somalische Pirat nur herzlich lachen kann.

    In einem Bericht vor einigen Monaten auf Phoenix wurde sehr deutlich gezeigt, was dieses halbherzige Engagement gegen die Piraten für Folgen hat. Die enormen Gelder die als Lösegelder in dieses Land fließen führen nämlich zu einer immer stärkeren Konsolidierung der Macht einzelner Gruppen und Warlords. Es ist eben nicht nur der arme Fischer der zur Piraterie "gezwungen" ist, hinter ihm stehen mafiöse Strukturen, die ganze Landstriche beherrschen und die von dem erpressten Geld immer mehr Waffen und Kämpfer kaufen. Und sie können sich immer teurere und bessere Waffen leisten. Bis sich der Kreis dann wieder bei den Islamisten schließt, die diese Waffen nicht nur benutzen, um Tanker damit zu kapern.

    40 Schiffe rosten dort auf Reede vor sich hin und niemand tut etwas? Warum? Weil die Besatzung aus armen Schluckern aus Indonesien, den Philippinen und Ghana besteht? Mit dem entsprechenden Willen wäre es sicherlich möglich, diese Schiffe mittels Spezialeinheiten einzunehmen, mit minimalem Risiko für die Geiseln. Und wenn man die Piraten einfach umlegen oder über Bord werfen würde, wie das in der christlichen Seefahrt jahrhundertelang Brauch war, anstatt sie in den Luxusknast nach Hamburg zu schicken, wo sie auch noch Asyl beantragen können, wäre das auch ein sehr deutliches Signal - Piraterie muss ein Risiko sein!

    Nein, dem kann man nur beikommen indem man beherzt zufasst und unter Anwendung militärischer Gewalt diese Strukturen zerstört, bevor sie zu stark geworden sind. Dafür müsste man halt an Land gehen. Es würde wahrscheinlich auch einige Opfer kosten, aber die Überlegenheit einer westlichen Armee dürfte diese sehr gering ausfallen lassen. Danach muss das Land demilitarisiert werden und eine robuste(!) internationale Schutztruppe dafür sorgen, dass keine Fraktion mehr (militärisch) so stark werden kann, dass sie die anderen terrorisieren kann. Mag neokolonialistisch klingen, aber das sollte man einfach ohne ideologische Scheuklappen sehen - oder man macht sich mitschuldig an der Fortsetzung von Mord, Totschlag und Leid. Nach Jahrzehnten des erzwungenen Friedens, der Fremdverwaltung und der Reifung ("nation building") wird es vielleicht möglich sein diese Nation sich selbst zu überlassen ohne, dass sofort das Gemetzel wieder losgeht. Vielleicht.

    Das wäre der Weg, wenn der Westen es ernst meinen würde. Ist aber zu teuer und zu unpopulär. Daher wird es immer so weitergehen...
  7. #7

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Nach dem Ende seines Somalia-Trips erfährt er, dass seine sogenannten Bodyguards auch als Geiselnehmer arbeiten.
    Nein! Ihr wollt uns weismachen, dass schwerbewaffnete Leute auch illegalen Beschäftigungen nachgehen könnten?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    "Ja, das sind arme Fischer wie wir", erklärt er in die Kamera, "aber sie sind hier hergekommen, um unser Meer leerzufischen."
    Natürlich könnte ein funktionierender somalischer Staat sie daran hindern. Aber wozu sich mit solchen Details herumschlagen?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Macht der deutschen Marine ist beschränkt: Wenn keine deutschen Schiffe oder Personen involviert sind, dürfen sie den mutmaßlichen Piraten zwar die Gewehre abnehmen, müssen sie dann aber ziehen lassen.
    Früher hat man sowas am Mast aufgeknüpft oder mit einer Kanonenkugel schwimmen geschickt. Ich mein ja nur...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wie soll man ein Land befrieden, wo fast ausschließlich mit Menschenleben und Waffen gehandelt wird?
    Da gibt es so ein paar mögliche Ansätze.
    1. Der Stalin-Ansatz. "No people, no problem.". Hingehen und jeden umbringen der nach Pirat aussieht. Oder so aussieht, als könnte er zu einem nicht näher spezifizierten zukünftigen Zeitpunkt auch nur ein paar Sekunden darüber nachdenken einer zu werden. Dafür sind wir zu politisch korrekt.
    2. Der Verkrüppeln-Ansatz: Ganz einfach alle verdächtigen Schiffe versenken, am besten noch im Hafen. Keine Schiffe, keine Piraterie. Kann man sehr gut unterscheiden, weil Fischer keine Schnellboote benutzen und Piraten keine Kutter. Dafür sind wir zu politisch korrekt.
    3. Der Terror-Ansatz. Von 10 gefangen Piraten 9 exekutieren und 1 ins Meer werfen, damit er die Geschichte erzählt. Dafür sind wir zu politisch korrekt.
    4. Der Opfer-Ansatz. Keine Lösegelder mehr bezahlen. Geiseln nur noch gewaltsam zu befreien versuchen. Ein paar hundert bis tausend Seeleute werden sterben. Dann wird's wohl aufhören. Haben wir nicht den Willen zu.
    5. Der Geheimdienst-Ansatz. Herausfinden wer die Akteuere dahinter sind, wer die Bosse. Und die dann jagen. Gefährlich, teuer und politisch unkorrekt, aber wahrscheinlich am erfolgversprechendsten.
    6. Somalia besetzen und eine handlungsfähige Regierung etablieren. Jeder andere humanitäre Versuch (freie Nahrung, etc.) würde nur dazu führen, dass wir die Piraten auch noch durchfüttern. Kostet zu viel Geld und Blut.
  8. #8

    Zitat von AFH Beitrag anzeigen
    An alle, die den Staat aus ihrem Leben verjagen wollen: So sieht euer Traumland aus solltet ihr Erfolg haben.
    "This is what anarchy looks like". Aber erzählen Sie's nicht den Linken :D
  9. #9

    Ihre Meinung

    Zitat von Christ 32 Beitrag anzeigen
    ich hab ein Teil der Reportage gesehen und vieles was die Piraten als quasi Entschuldigung für Ihr Tun aufgetischt haben war wenig glaubhaft.

    In Ordnung, aber das ist Ihre Ansicht. Ich schätze insbesondere an Raman, dass er keine Wertungen vornimmt, sondern dies dem Zuschauer überlässt. Mir scheint es, als würden sie genau das kritisieren - genau das ist aber der Verdienst einer solchen Dokumentation: zum Denken anregen.

    Ich freue mich auf die Dokumentation und bin dankbar für diesen seltenen Einblick in einen "failed state". Die Bilder sollten uns eine Mahnung sein.


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