ARD-Dokudrama "München 72": "Es war das 9/11 der Siebziger"

NDRBunt sollten die Spiele werden, doch sie wurden vor allem blutig. SPIEGEL-TV-Produzent Marc Brasse hat für die ARD im Film "Vom Traum zum Terror" das Olympia-Attentat von München rekonstruiert. Im Interview spricht er über Parallelen zum 11. September - und einen gefühlvollen Genscher.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...842108,00.html
  1. #1

    Terrorismus 1972

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Bunt sollten die Spiele werden, doch sie wurden vor allem blutig. SPIEGEL-TV-Produzent Marc Brasse hat für die ARD im Film "Vom Traum zum Terror" das Olympia-Attentat von München rekonstruiert. Im Interview spricht er über Parallelen zum 11. September - und einen gefühlvollen Genscher.
    Marc Brasse meint, man habe nicht mit einem Anschlag auf die Olympischen Spiele gerechnet. Dies mag für einige verantwortliche Politiker und Organisatoren gelten, die aber die im Grunde bekannte Gefahr wohl eher ignoriert haben. Es gab Anfang der 70er schon weltweit eine Reihe von Flugzeugentführungen und anderen Attentaten durch die PLO und Linksextremisten. Beispielsweise hatte die RAF in Deutschland im Mai 1972 mehrere Bombenattentate verübt. Der Münchner Kriminalpsychologe Georg Sieber hatte vor der Olympiade verschiedene mögliche Szenarien entwickelt, darunter eines, das dem wirklichen PLO-Anschlag ziemlich genau entsprach. Somit hätte der gezielte Einsatz von Sicherheitskräften das Attentat vielleicht sogar verhindern können.
  2. #2

    Naja..

    Zitat von Discordius Beitrag anzeigen
    Marc Brasse meint, man habe nicht mit einem Anschlag auf die Olympischen Spiele gerechnet. Dies mag für einige verantwortliche Politiker und Organisatoren gelten, die aber die im Grunde bekannte Gefahr wohl eher ignoriert haben. Es gab Anfang der 70er schon weltweit eine Reihe von Flugzeugentführungen und anderen Attentaten durch die PLO und Linksextremisten. Beispielsweise hatte die RAF in Deutschland im Mai 1972 mehrere Bombenattentate verübt. Der Münchner Kriminalpsychologe Georg Sieber hatte vor der Olympiade verschiedene mögliche Szenarien entwickelt, darunter eines, das dem wirklichen PLO-Anschlag ziemlich genau entsprach. Somit hätte der gezielte Einsatz von Sicherheitskräften das Attentat vielleicht sogar verhindern können.
    Es kam wohl vieles zusammen.

    (1) Man wollte unter allen Umständen vermeiden, dass Deutschland sich als Polizeistaat präsentiert, sondern ganz bewußt einen Kontrapunkt zu den Spielen 1936 setzen.

    (2) Aus heutiger Sicht gab es genug Hinweise auf eine terroristische Bedrohung (Attentate von palästinensischen Gruppen, der RAF, etc). Man muss das Handeln der Beteiligten aber vor dem Hintergrund der damaligen Zeit sehen. Die Attentate palästinensischer Gruppen waren (scheinbar) weit weg und hatten keinen Bezug zu Deutschland.

    Der Terror der RAF wurde als beendet betrachtet, insbesondere weil die wesentlichen Figuren (Baader, etc.) kurz vorher verhaftet worden waren und im Gefängnis saßen. Nach den Verhaftungen im Sommer 1972 gab es auch einige Jahre keine Terroranschläge, da die 1. Generation faktisch zerschlagen war.

    (3) Die von Sieber erdachten Szenarien wurden (tragischerweise) wohl für unrealistisch gehalten . AUch vor 9/11 wurde das Szenario "Flugzeug in Wolkenkratzer" erdacht, aber es wurde für unrealistisch betrachtet.

    Ich will nicht sagen, dass ich Ihnen nicht grundsätzlich zustimme, dass Fehler gemacht wurden, aber aus der Zeit heraus ist das Handeln der Protagonisten nicht unplausibel.
  3. #3

    Geht gar nicht!

    Also das mit dem 9/11 zu vergleichen ist ehrlichgesagt ziemlich abwegig ...
  4. #4

    Nichts geahnt? Politisches Wolkenkuckucksheim!

    Es brauchte nicht einen Georg Sieber, um 1972 terroristische Anschläge vorauszusehen. Bereits vor dem 5. September hatte es palästinensische Attentate in Deutschland gegeben. Flugzeugentführungen, Bombenanschläge usw. waren keine Ausnahme-Erscheinungen mehr: Unter anderem attackierte am 10.2. 1970 ein PLO-Kommando auf dem Münchener Flughafen Reisende in einem Bus auf dem Weg zur El-Al-Maschine. Wurde aber alles verdrängt, bagatellisiert und als Ausnahmefall beschönigt.

    Und: Bereits ein Jahr vor dem Massaker in Fürstenfeldbrück hatte die Münchener Polizei (unter dem gleichen Chef und dem gleichen Bürgermeister!) bei der Geiselnahme in der Prinzregentenstraße sich so gottserbärmlich blamiert, aber trotzdem gab es keine ausgebildeten Scharfschützen, keine entsprechend geschulten Zugriffsteams bei dem bayrischen oder anderen Polizeien. Warnern innerhalb des Polizeiapparats wurden ausgelacht nach dem Motto "Wir sind doch nicht im Wilden Westen!" - auch der SPIEGEL schlug immer gern in diese Kerbe. Vogel-Strauß-Politik und politisches Wunschdenken gab es damals wie heute. In ähnlicher Weise wie bis vor kurzem (vor der Enttarnung des NSU-Trios aus Zwickau) die neonazistische Gewaltbereitschaft von Politik und Behörden negiert und schöngeredet wurde, wurde damals die Gefahr durch grenzübergreifend agierende Terroristen fahrlässig mißachtet. Jahrzehntelang versuchten uns auch die gleichen "Herren der Lage" zu erklären, dass es hierzulande keine organisierte Kriminalität gäbe. Was Wunder auch, reichten doch deren Verbindungen bis in höchste politische Kreise. Wir sind doch hier nicht in Chikago - hieß es immer wieder.

    Reden wir doch mal Klartext: Gewisse Politiker und ihre Trabanten im Sicherheitsapparat haben damals in nahezu krimineller Weise, auf jeden Fall grob fahrlässig die Gefahren außer Acht gelassen. Da wird immer was von einem Georg Sieber erzählt, als wäre der der einzige Sehende unter all den Blinden vor der Olympiade gewesen. Gab es keine Hinweise aus Verfassungsschutz, BND, BKA? Keine Warnungen aus den "Diensten" - und das zu einer Zeit, wo palästinensische Terrorgruppen und Baader-Meinhof genauso wie Alt- und Neo-Nazis schon regen Kontakt pflegten, Informationen und Waffen austauschten? Es wäre an der Zeit für die investigativen Journalisten vom SPIEGEL, da mal in den Archiven nachzuschauen. Ach ja, und dann checken sie auch gleich mal nach, was mit den Versagern von München, dem Bürgermeister Vogel, dem Polizeipräsidenten Schreiber und dem Einsatzleiter von Fürstenfeldbrück, Münchens Vize-Polizeichef Wolf nach 1972 passierte und welche schönen Karrieren sie noch machten...
  5. #5

    Terror?

    Zitat von Meskiagkasher Beitrag anzeigen
    Die RAf hatte aber inhaltlich nix mit der PLO zu tun. Die RAF waren linke Spinner, (...)
    Teile der PLO (insb. PFLP, etc) haben sich durchaus als revolutionär verstanden und sahen sich - wie die RAF - als Teil der Weltrevolution.

    Zitat von Meskiagkasher Beitrag anzeigen
    (...) die PLO waren Araber, denen man das Land geklaut hat.
    Das ist - zumindest - stark vereinfacht.

    Zitat von Meskiagkasher Beitrag anzeigen
    Der PLO stand es moralisch zu, sich gegen Israel zu wehren.
    Sogar, wenn ihre These des "Landklaus" stimmen würde, rechtfertigt das nicht den Terror gegen Unschuldige.
  6. #6

    Stimmt nicht

    Zitat von Meskiagkasher Beitrag anzeigen
    Die RAf hatte aber inhaltlich nix mit der PLO zu tun. Die RAF waren linke Spinner, die PLO waren Araber, denen man das Land geklaut hat. Der PLO stand es moralisch zu, sich gegen Israel zu wehren.
    Einige RAFler haben sich in palästinensischen Lagern ausbilden lassen. Und nach dem Scheitern der Flugzeugentführung (Mogadischu) durch PLOler haben sich einige umgebracht.

    Ich glaube dass Deutschlands junge Demokratie zu diesem Zeitpunkt einfach überfordert war. Natürlich hätten sie die Gefahr sehen und entsprechend reagieren müssen. Aber sie haben ja noch nicht mal vernünftig auf Anti-AKW Demonstranten reagieren können. Das ist beschämend und ich hoffe lehrreich gewesen.
  7. #7

    ??

    Zitat von Meskiagkasher Beitrag anzeigen
    Aber doch nur, weil sie die eingewanderten Juden als Teil der westlichen (imperialistischen) reaktionären Obrigkeit betrachteten, der sie sich völlig ausgeliefert fühlten.
    Es ging nicht um die Ursachen, sondern darum, ob inhaltliche Übereinstimmungen zwischen RAF und der PLO bestanden.
    Zitat von Meskiagkasher Beitrag anzeigen
    Ist es nicht. Soll ich Ihnen mal die Geschichte von Syrien/Palästina zwischen 1896 und 1948 auseinandersetzen?
    Ich glaube nicht, dass ich dabei viel Neues erfahre, aber fühlen Sie sich frei.
    Zitat von Meskiagkasher Beitrag anzeigen
    Wer unter Besatzern ist unschuldig?
    Sie meinen, alle Israelis sind schuldig und haben den Tod verdient? Ich weiß nicht, ob ich auf dieser Ebene eine Diskussion mit Ihnen führen möchte. Diese Behauptung ist einfach abstoßend und abstrus.

    Die Männer, Frauen und Kinder, die im israelischen Kernland Terroranschlägen zum Opfer gefallen sind, waren ohne jeden Zweifel unschuldig.
  8. #8

    Hierzu gibt es eine sehr gute Doku, die mir sehr gefallen hat:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ein_Tag_im_September
  9. #9

    Wehren

    Zitat von Meskiagkasher Beitrag anzeigen
    Sie können nicht Ihre eigene Perspektive als die im geschichtlichen Kontext allgemeingültige verwenden.
    (1) Warum sollte ich das tun?
    Zitat von Meskiagkasher Beitrag anzeigen
    Araber (und zwar nicht nur als abstrakter Kollektivbegriff, sondern insbesondere die einzelnen betroffenen Individuen) betrachteten das als von Invasoren besetztes eigenes Land, das es zu befreien galt.
    (2) Klar. Aber Sie beschreiben eine subjektive Wahrnehmung. Das hat nichts mit der objektiven Frage der "Schuld" oder "Unschuld" zu tun und ob es gerechtfertigt ist, diese Menschen zu töten.
    Zitat von Meskiagkasher Beitrag anzeigen
    Wie könnte man die als unschuldig betrachten, die nun auf dem Land lebten, auf und von dem noch der eigene Vater und Großvater gelebt hatte?
    (3) Worin soll deren Schuld gelegen haben? Schuld ist eine Frage der persönlichen Vorwerfbarkeit. Kriegsverbrechen (z.B. Vertreibungen, Morde) können jemandem persönlich vorgeworfen werden. Diese Person ist schuldig. Welche Schuld soll jemand tragen, der als Siedler in ein Land kommt und Land, das der Staat (bzw. die Jewish Agency) ihm zuweist, besiedelt? Selbst wenn Sie ihm das vorwerfen, ist das niemals eine Rechtfertigung, diese Menschen zu töten.

    Außerdem: Vertreibungen hat es leider immer gegeben. In Schlesien und im Sudetenland leben jetzt auch Menschen auf Land, auf dem die Väter und Großväter heute lebender Deutschen gelebt haben. Denen ist sicherlich - aus ihrer persönlichen Sicht - großes Unrecht geschehen. Soll das eine REchtfertigung sein, die heute dort lebenden Menschen zu töten?
    Das können Sie doch nicht ernst meinen.
    Zitat von Meskiagkasher Beitrag anzeigen
    Als die Niederlande von Deutschen besetzt war, hatten Niederländer da das moralische Recht, sich mit allem was sie hatten gegen die Besatzung zu wehren?
    (4) Sie hatten weder rechtlich noch moralisch das Recht, Frauen und Kinder in Deutschland zu töten. Das hat auch niemals jemand behauptet.

    Außerdem verdrehen Sie mit Ihrem Beispiel implizit die Tatsachen. Nicht die Juden (die - im Gegensatz zu den Arabern - den UN-Teilungsplan akzeptiert haben) haben 1948 die Araber angegriffen, sondern die Araber die Juden. Ziel war die Vernichtung des gerade gegründeten israelischen Staates.

    (5) Sie haben außerdem meine Frage nicht beantwortet:

    Meinen Sie, alle Israelis sind schuldig und haben den Tod verdient?