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Arbeitslosigkeit in Spanien: Absturz mit Ansage

SPIEGEL ONLINEInformatiker und Putzfrauen, Aushilfskellner und Flugzeugmechaniker: Spanier aller Schichten wollen weg, weil sie keine Aussicht auf einen Job haben. Hochqualifizierte streben nach Deutschland - von ihrer kriselnden Heimat verabschieden sie sich ohne schlechtes Gewissen.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...816278,00.html
  1. #60

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Informatiker und Putzfrauen, Aushilfskellner und Flugzeugmechaniker: Spanier aller Schichten wollen weg, weil sie keine Aussicht auf einen Job haben. Hochqualifizierte streben nach Deutschland - von ihrer kriselnden Heimat verabschieden sie sich ohne schlechtes Gewissen.

    Arbeitslosigkeit in Spanien: Absturz mit Ansage - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
    Na willkommen im deutschen Jobparadies!!

    Einige Spanier glauben anscheinend den scheinheiligen Lobeshymnen der Wirtschaftselite. Freuen können Sie sich auf minimal besser bezahlte Stellen, wenn sie denn überhaupt welche finden. Sollten sie aber glauben hier gutes Geld verdienen zu können sind sie fehl am Platz. Für mehr als den Lebensunterhalt wird es auch hier nicht reichen.

    Deutschland hat genau die gleichen Probleme wie alle anderen europäischen Länder. Verursacht durch einen Kapitalismus der die Menschen zunehmend ausquetscht und Ihnen das Leben so schwer wie möglich macht.
  2. #61

    Sollte ich Auswandern?

    Ich erzähle Ihnen mal meine Geschichte. Meine Eltern sind beide Spanier und arbeiteten in Deutschland. Mitte der 90 Jahre zogen wir nach Spanien. Ich war 14. In Spanien machte ich mein Abitur (in Deutschland war ich Gymnasiast). Nach dem Abitur entschied ich mich für ein Studium, da das spanische Ausbildungssystem noch nicht ausgereift war. Ausserdem waren meine Eltern davon überzeugt, dass eine Studium mir eine viel bessere Zukunft bescheren würde. Da ich eine gute Basis in Fremdsprachen habe, entschloss ich mich Diplom Dolmetscher und Übersetzer zu werden. Damals wurde diesem Studium nachgesagt es hätte die besten Arbeitsaussichten in naher Zukunft. Fehlanzeige. Ich versuchte es als vereidigter Freelance Übersetzer und Dolmetscher, was leider nach zwei Monaten fehlschlug, wegen der fehlenden Umsätze. Ich arbeitete einige Zeit in einer deutschen Hotelkette in Spanien (Aldiana). Meine Kollegen waren vorwiegend deutsche Fachkräfte. Leider war diese Stelle nur für 6 bis 8 Monate im Jahr, weshalb ich mich entschloss eine Ausbildung als Aussenhandelskaufmann zu absolvieren. Ich habe mich auch weiter in diesen Bereich gebildet und konnte dank dieser Ausbildung und meinen Fremdsprachkenntnissen auch Arbeit bekommen. Leider habe ich nie mehr als 1000 Euro Brutto Gehalt bekommen. Wenn Sie da die Steuern abziehen bleiben rund 800 Euro übrig. Da können die Lebenshaltungskosten in Spanien noch so billig sein, was sie nicht sind, man kommt da über die Runden. Für grosse Sprünge ist da nicht viel übrig. Und wenn man immer nur 3 oder 6 Monatsverträge bekommt, muss man auch daran denken wie man ohne Monatsgehalt überlebt, da es in Spanien kein Hartz IV gibt, sondern nur Arbeitslosengeld (4 Monate pro gearbeitetes Jahr und wenn man weniger als ein Jahr gearbeitet hat, aber mehr als ein halbes bekommt man 6 Monate 426€).
    Dannach entschloss ich mich weiter zu studieren. Da die einzige Zukunftsaussichten auf eine unbefristete oder halbwegs sichere Arbeitsstelle der Staat war, began ich mein Studium um später ins Lehramt zu gelangen. Dann kam die Krise und die Aussichten auf etwas Sicherheit werden immer düster. Ich fühle mich verlassen und betrogen vom System. Ich habe studiert, was man studieren sollte, ich habe mich weitergebildet und ich werde mich auch weiterbilden (habe mich bereits für ein Ausbildungsplatz im IT-Gewerbe beworben), habe im Ausland gelebt (Deutschland, Kanada und GB) und trotzdem sehe ich keine Zukunft. Heutzutage arbeite ich bei einer spanischen Firma, die OPP-Film produziert, als Backoffice Analist für den deutschen, den niederländischen und spanischen Sales Representatives und betreue auch eigene Kunden. Mein Vertrag: ein Werk- oder Dienstvertrag, dabei ist nicht einmal richtig, da es sich hierbei um einen festen Bestandteil des Unternehmen handelt und ich kein selbständiger bin. Mein Gehalt 1500€ Netto pro Monat, da ist übrigens meine Abfindung, mein Urlaub (wenn ich Urlaub nehme ist es unbezahlt), meine zwei Extra-Monatsgehälter und weiss Gott nicht alles mitberechnet. Ich brauche jeden Tag eine Stunde Autofahrt bis ich im Büro bin. Ich fange morgens um 8.30 an, mache eine Mittagspause von 14.00 bis 15.30 (weiss auch nicht warum, ich bin sowieso meistens wieder um 15.00 am Arbeitsplatz) und sollte um 18.00 aufhören. Letzteres ist jedoch unsicher. Das Schlimme hierbei ist, dass ich ein Glückspilz bin, weil ich noch Arbeit habe und auch noch halbwegs gut verdiene.
  3. #62

    Zitat von el_rotschi Beitrag anzeigen
    Na das ist so aber nicht ganz richtig. Es gibt sehr wohl ein Ausbildungssystem.
    Mag sein, dass wir uns hier missverstanden haben. Ich meinte, ein Berufsausbildungssystem. Hier gibt es zwar seit der Reform Anfang des Jahrtausends auch ein Berufsbildungsprogramm, das wendete sich aber auch in besseren Zeiten nur an Jugendliche, die keinen Arbeitsplatz gefunden hatten und war so eine Art Warteschleife. Mit einer Lehre plus Berufsschule ist das wirklich nicht zu vergleichen.

    Aber hier gibt es eben auch einfach ein weiteres Problem: Bildung hatte hier nie den Stellenwert wie z.B. in Deutschland. Für die Karriere waren schon immer Verbindungen viel wichtiger. Wer der Cousin vom Onkel vom Geschäftsführer ist, hat weit bessere Chancen auf eine Einstellung als ein Hochqualifizierter, der keinen kennt. Wer jetzt meint, das sei doch in Deutschland auch so, hat keine Ahnung von den Ausmaßen, die das in Spanien annimmt. Hier würde wirklich der Neffe eines Abteilungsleiters, der einen Sommerkurs in München gemacht hat, eher mit einem Übersetzungsjob betraut, als ein studierter Übersetzer. Wir haben mal im Freundeskreis ein Spiel daraus entwickelt, die deutschen Versionen von Websites vorzulesen und zu raten, worum es da wohl gehen mag.

    Zitat von el_rotschi Beitrag anzeigen
    Ein Berufsanfänger bekommt bestenfalls ein meisst unbezahltes Praktikum. Leider ist die Industrie hier (ich lebe hier seit Jahren) am sterben.
    Das wiederum würde voraussetzen, dass sie jemals am Leben war. Tatsächlich aber hat sich Spanien erst auf den Tourismus und dann auf den Bauboom verlassen. Das geht halt jetzt schwer nach hinten los.
  4. #63

    Der Artikel ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ... Hochqualifizierte streben nach Deutschland - von ihrer kriselnden Heimat verabschieden sie sich ohne schlechtes Gewissen.
    ... ist interessant und informativ. Nur, etwas wirklich Neues bringt dieser fuer mich nicht.
    Schon vor ueber zwei Jahren haben mir spanische Freunde die Lage(n) in ihrem Heimatland so dargestellt. Deshalb habe ich diese Freunde auch im aussereuopaeischen Ausland, in O.asien kennengelernt.
    Alles Ingenieure, die im Heimatland keinerlei Chancen, oder nur als Kurzfristjobler u.Lueckenbuesser nur wenig Einkommenschancen hatten. Aber die Freunden sind bereits seit drei Jahren weg aus Spanien. Die jetzt abziehenden, insb. Hochqualifizierten, sind dazu spaete Nachzuegler, die lange, evtl. zu lange gezoegert haben, und dessen Job-Vita rudimentaer aussieht. Bei A.gebern immer ein Manko, dass vor allem im Gehalt/Lohn seinen Niederschlag finden wird.
  5. #64

    Vielleicht...

    Zitat von Pat-Riot Beitrag anzeigen
    ich suche für meine Hütte auf Mallorca dringend
    - eine Putzfrau (die auch unter den Betten wischt)
    - einen.....
    ...sollten Sie mehr bieten als 75 Cent pro Stunde...
  6. #65

    Aha!

    Zitat von testthewest Beitrag anzeigen
    Als versierter Unfallchirurg finden sie auch noch mit 50 eine Stelle - und zwar weltweit.

    Und das mit dem Rentensystem ist eh bald hinfällig. Die Rente wirds in der Form nicht mehr lange geben. Das ist eine demographische Gewissheit.
    Super! Dann werden wir alle Unfallchirurg und helfen uns gegenseitig.
    Ach nee, dann hat ja keiner mehr Zeit, Unfälle zu bauen. So sitzen dann alle gemeinsam im Dunkeln und kauen auf den Fingernägeln, denn Unfallchirurgen produzieren weder Nahrung noch Gebrauchsgüter noch Strom noch Ersatzteile noch...noch...
    MERKEN SIE ETWAS?
  7. #66

    Willkommen in D

    Glauben Sie in D ist das anders. Habe selber 3 Abgeschlossene Ausbildung + Zusatz Quali gleichwertig wie Master und was bekomme ich Zeitarbeitsverträge und ein Solär 1200 - 1450 € Netto in D wohlgemerkt bei einem Arbeitsweg von 65 km das bei unserer Politik in Baden Württenberg (DB hörig) im Schnitt 1,5 h einfache Fahrt dauert.
    DB = 1h 10 min Kosten fast identisch.
    Arbeitgeber in Deutschland sind nur auf der suche nach Hochqualifizierten Personal die so gut wie nichts kosten. Habe seit 10 Jahren keinen Urlaub mir mehr leisten können bei dem Gehalt.
  8. #67

    Sehen Sie !?

    Zitat von egal74 Beitrag anzeigen
    Glauben Sie in D ist das anders. Habe selber 3 Abgeschlossene Ausbildung + Zusatz Quali gleichwertig wie Master und was bekomme ich Zeitarbeitsverträge und ein Solär 1200 - 1450 € Netto in D wohlgemerkt bei einem Arbeitsweg von 65 km das bei unserer Politik in Baden Württenberg (DB hörig) im Schnitt 1,5 h einfache Fahrt dauert.
    DB = 1h 10 min Kosten fast identisch.
    Arbeitgeber in Deutschland sind nur auf der suche nach Hochqualifizierten Personal die so gut wie nichts kosten. Habe seit 10 Jahren keinen Urlaub mir mehr leisten können bei dem Gehalt.
    Ich habe nur eine Ausbildung ( Werkzeugmacher, Abschl. 1981 ),
    später CNC-progr, erweitert.
    Habe als Alleinverdiener ,verh., 1. Kind 1988, 2. Kind 1991 ) bereits
    1989 ein 2 Fam.-Haus kaufen können.
    Sogar ab und zu war ein Schwarzwald und Hollandurlaub drin.
    lar habe ich alles gegeben, Überstunden ohne Ende geleistet, aber es war realisierbar.
    Meine Frau war 12 !! Jahre nicht Berufstätig. Ich war sehr aktiv in der IGM- Gewerkschaft, und im Betriebsrat.
    Das wäre heute wohl nicht mehr zu schaffen.
    Aber Ihr jungen Leute unternehmt nichts dagegen. Alles was wir damals erreichten wurde nach und nach wieder demontiert.
    Wo wart Ihr denn da?? Klagt jetzt nicht, sondern stemmt Euch mak dagegen, und wählt die richtige Partei(en) !
    Glück auf!
  9. #68

    Aber Ihr jungen Leute unternehmt nichts dagegen. Alles was wir damals erreichten wurde nach und nach wieder demontiert.
    Wo wart Ihr denn da?? Klagt jetzt nicht, sondern stemmt Euch mak dagegen, und wählt die richtige Partei(en) !
    Glück auf![/QUOTE]

    Wo sollen unsere Kinder denn noch etwas sagen? Die kommen doch wegen der Zeitverträge ( mal dieser...mal jener neue Arbeitgeber ) gar nicht mehr dazu sich gewerkschaftlich zu organisieren! Sie sind doch schon froh wenn Sie überhaupt einen, wie auch immer gearteten Arbeitsvertrag bekommen!
  10. #69

    Aktiv werden !

    Zitat von moeschtijall Beitrag anzeigen
    Wo sollen unsere Kinder denn noch etwas sagen? Die kommen doch wegen der Zeitverträge ( mal dieser...mal jener neue Arbeitgeber ) gar nicht mehr dazu sich gewerkschaftlich zu organisieren! Sie sind doch schon froh wenn Sie überhaupt einen, wie auch immer gearteten Arbeitsvertrag bekommen!
    Aktiv werden, und fordern , fordern ..fordern , Mißstände anprangern, streiken . demonstrieren- das ganze Programm halt!
    Man kann was ändern, man muss nur aufstehen !








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