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Aragonien in Spanien: Der Koch und seine Krippe
Mark BrandenburgSobald das Lichterfest naht, dreht sich bei José Maria Turmo alles um seine Krippe. Dann wird aus dem kleinen Koch im spanischen Aragonien wieder ein Kind: Steine für sein Kunstwerk holt er aus dem Fluss, Häuser macht er aus Flaschenkork - und vor allem darf das "Scheißerchen" nicht fehlen.
http://www.spiegel.de/reise/europa/k...-a-871081.html
- #1 10.12.2012 08:11 von
Alles katalanisch ...
Dies ist ein schöner Beitrag über die katalanische Krippentradition - nicht über die "spanische". Jedes einzelne der "spanischen" Wörter des Artikels ist in Wahrheit katalanisch. Der Ort, über den berichtet wird, liegt im katalanischsprachigen Streifen Aragoniens entlang der Grenze zu Katalonien, der Franja d'Aragó. Ist das alles wichtig? Vielleicht nicht. Das Problem ist, dass so ziemlich alle Äußerungen katalanischer Kultur in Deutschland als "spanisch" kategorisiert werden und katalanische Kultur damit so gut nicht stattfindet. Wenn nun die Katalanen nach 300 Jahren militärisch erzwungener (durch die Bourbonen & erneut im Bürgerkrieg) Zugehörigkeit zu Spanien mit demokratisch gewaltfreien Mitteln um ihre Unabhängikeit kämpfen, so klingt das auf dieser Informationsbasis selbst für gebildetete Menschen absurd. Katalanisch? Nie gehört. Sicher so eine unwichtige Spinnerei von einigen verblendeten Lokalpatrioten ... Kein Spanier würde die beschriebene Krippe (pessebre) als "spanisch" empfinden. Warum sollten die Spiegel-Leser?
- #2 10.12.2012 11:15 von
Alles Katalanisch....
Endlich! Der Kommentar spricht mir aus der Seele. Es ist eine Sisiphusarbeit, immer wieder auf diese Dinge aufmerksam zu machen, das Katalonien (nicht Katalanien oder Katalonisch) eine eigene Sprache und Kultur hat, und der Caganer ist dafür ein typisches Beispiel. Leider wird in den meisten Medien fast alles, was auf der Iberischen Halbinsel passiert, in einen Topf geworfen. So hört man z. B. Flamencomusik als Hintergrund in einer Doku über die Balearen oder auch in Barcelona. Unendlich viele Beispiele könnte man anführen. Die Medien sollten da etwas sensibler recherchieren.
- #3 10.12.2012 12:02 von
"Kein Spanier würde die beschriebene Krippe (pessebre) als "spanisch" empfinden"
Ich doch! Meine ersten "pesebres" mit "Caganer" habe ich in Andalusien und Madrid vor vielen Jahren gesehen. Ich habe aber auch das Glück gehabt, die "pesebres" in Aragonien, Kastilien-Leon und Katalonien zu bewundern.
Für mich die beschriebene Krippe ist doch auch spanisch ;-) - #4 10.12.2012 16:45 von
Ja, alles sehr Spanisch hier. Allem voran auch die Uebersetzung des urig kastilischen Spruches "Menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!"...
Ein wenig mehr Hintergrundwissen zur Lage waere wuenschenswert, zumindest ein paar Links auf die eigene Berichterstattung hier koennten durchaus helfen.
14N und 25N waren hierzulande brennende Themen, die selbst im Spiegel Beachtung fanden und somit Katalonien ein wenig mehr ins Interesse der Deutschen brachte. Zumindest einen kleinen Hinweis koennte man sich selbst in einem eher gemuetlichen Artikel erlauben.
Auf der anderen Seite ist es wohl gut, dass die Katalanen nicht nur mit scheissenden Figuren und Baumstuempfen sowie Barça ins allgemeine Gedaechtnis eingehen ;) - #5 10.12.2012 19:16 von
...
Ach ja, die stolzen Kleinstvölker Europas. Als ob das so wichtig wäre. Wenn über Deutschland berichtet wird, wird auch nicht immer erwähnt, ob man über Bayern spricht oder über Sachsen oder wen auch immer. Ganz zu schweigen von den diversen Kleinstgemeinden, den Sorben o.ä.
Es ist auch schön, daß es dadurch kulturelle Eigenheiten und Unterschiede gibt, noch schöner wäre es allerdings, wenn man mal davon wegkäme, sich deshalb ab- und auszugrenzen und gleich zu meinen, man bräuchte einen eigenen Staat. Gab es alles schon im Mittelalter und hat es irgendwas gebracht? Außer daß Europa jahrhundertelang im Krieg versunken ist. Mindestens einmal pro Generation. - #6 11.12.2012 15:43 von
Die Katalanen sind kein
Die Katalanen sind nicht stolzer als irgendein anderes Volk. Sie mit Bayern (keine eigene Schriftsprache, keine Sezessionsbewegung) oder den Sorben (ein echtes "Kleinstvolk") in einem Atemzug zu nennen, ist sicher verfehlt. Das katalanische Sprachgebiet umfaßt etwa 69.000 km2, was ungefähr der Fläche der Niederlande und Belgiens zusammen entspricht und etwa 12% des spanischen Territoriums ausmacht. Es hat eine Gesamtbevölkerung von nahezu 11 Millionen Einwohnern, was 27% der spanischen Gesamtbevölkerung entspricht. Die Gesamtsprecherzahl des Katalanischen beträgt nach niedrigsten Schätzungen 8, nach den höchsten 10,5 Millionen. In einer nach Sprecherzahlen sortierten Liste von insgesamt 74 europäischen Sprachen (Haarmann 1993) landet die “Regionalsprache” Katalanisch genau am Ende des oberen Viertels, auf Platz 19, und rangiert damit in ihrer demographischen Bedeutung weit vor einer ganzen Reihe von Staatssprachen wie Slowakisch (23), Albanisch (24), Dänisch (25), Finnisch (26), Norwegisch (28), Litauisch (31), Slowenisch (34), Makedonisch (36), Lettisch (37), Estnisch (40), Isländisch (56).
In katalanischer Sprache existieren mehrere Tageszeitungen, zahlreiche Radio- und Fernsehsender und eine Buchproduktion, die sich durchaus mit der anderer Länder gleicher Größe messen kann. Im Gegensatz zu beinahe allen anderen europäischen Regionalsprachen ist Katalanisch eine alte Kultur- und Staatssprache, die bereits im Mittelalter voll ausgebaut war. Nach einer gerade erschienenen Untersuchung ist Katalanisch in Spanien die wichtigste Wikipedia-Sprache. http://www.zerogeography.net/2012/10/dominant-wikipedia-language-by-country.html
Warum wir Dänen, Slowenen, Litauern, Letten, Niederländern und sogar Luxemburgern problemlos einen Staat zubilligen, den Katalanen diesen aber aus moralischen Gründen verweigern sollte, leuchtet mir nicht ein. In jedem Fall waren es eher die großen Staaten, die Kriege vom Zaun gebrochen haben. Warum sollte es also schelcht sein, wenn Katalonien innterhalb der EU den gleichen Status erhalten sollte, wie die genannten anderen Länder? In den letzten Wahlen haben zwei Drittel der Katalanen in diesem Sinne gewählt.
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