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Anti-Neoliberalismus: Unsozial sind immer die anderen

Das Wort "neoliberal" ist zum politischen Kampfbegriff verkommen. Von CSU-Politikern bis zu Vertretern der Linken: Der unsoziale Generalverdacht wird gern und schnell formuliert -*dabei hat die Vokabel mal so unschuldig begonnen.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...533857,00.html
  1. #1

    Danke

    Danke, danke und nochmals danke für diesen Artikel.

    Er drückt GENAU das aus, was ich als bekennender Neoliberaler jedesmal fühle, wenn einer von diesen Schwachköpfen nicht die nötige Intelligenz besitzt, sich über die Bedeutung der Begriffe zu informieren, die er oder sie verwendet.
  2. #2

    Eine Portion Realitaet - kommt sofort!

    Koestlich. So wie die Debatte um Globalisierung und die Oeffnung der Maerkte derzeit polarisiert und zur Schlammschlacht verkommt, ist dieser Artikel gerade richtig um die Realitaet wieder ins Zentrum der Wahrnehmung zu ruecken.
  3. #3

    Mein lieber Herr Reiermann

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Wort "neoliberal" ist zum politischen Kampfbegriff verkommen. Von CSU-Politikern bis zu Vertretern der Linken: Der unsoziale Generalverdacht wird gern und schnell formuliert ...
    Schön dass Herr Reiermann dem Internet-Publikum seine "Erkenntnisse" zum Begriff "sozial" vorerst vorenthält.

    Seine "Erkenntnisse" zum Begriff "neoliberal" lassen sich im Brockhaus des Jahres 1955 nachschlagen. Dort werden explizit die Herren Röpke, Rüstow, Hayek, Eucken, Böhm und Miksch in Bezugnahme auf die legendäre "Genfer Konferenz" genannt. Sie strebten lt. Brockaus einen "dritten Weg" zwischen Kapitalismus und Kollektivismus an. Davon konnte jedoch bei der Gruppe um Hayek schon keine Rede sein und so gründet sich die ideengeschichtliche Verwirrung schon in der Zeit, als der Begriff entstand.

    Was fehlt, ist somit der Hinweis auf die Unvereinbarkeit der Ansichten der Gruppe um Hayek und den Freiburgern, sowie die Erwähnung der Sonderstellung von Müller-Armack, der der eigentliche theoretische Vater der "sozialen Marktwirtschaft" wurde und keineswegs in allen Details mit W. Röpke oder W. Eucken konform ging.

    Für die heutige (und teilweise auch schon damalige) Struktur der Wirtschaft hat der damalige Ordoliberalismus keine Antwort - er hat ein eklatantes Theorieloch zwischen angeblich wünschenswerter kleinteiliger Konkurrenz, da nur sie dem "Ideal" des "vollständigen Wettbewerbs" wenigstens nahekommt und den zur Erzielung von Skalenerträgen notwendigen Agglomerationen zu Großkonzernen. Praktiziert wurde teilweise Verstaatlichung (!), gewünscht eher Zerschlagung, jedoch um den Preis, eben jenen Fortschritt, der auf Skalenerträge angewiesen ist, gleich mit auszuschließen.

    Der Schlüsselsatz beim Reiermann ist aber ein anderer:

    "... Als neoliberal gelten hierzulande generell Leute, die sich mit dem Rüstzeug der Ökonomie den Problemen der Wirklichkeit stellen und dabei auch noch Sympathie für das Wirken von Märkten erkennen lassen oder die Globalisierung für eine gute Sache halten. ...

    Dieses an Unverschämtheit kaum zu überbietende Eigenlob deckt sich in keinster Weise mit dem was am kontemporär sogennanten Neoliberalismus von dessen Gegnern vehement und ökonomisch fundiert kritisiert wird.

    Nicht umsonst beruft sich z.B. Lafontaine ja selbst auf die Begründer der "Sozialen Marktwirtschaft", aber vor allem auf das was sie tatsächlich vertreten haben.

    Im Brockhaus von 1991 ist der gravierende Unterschied in Herrn Reiermanns Einheits-Sauce bereits deutlich herausgestellt. Dort werden unter Neoliberalismus die beiden Schulen der Freiburger (Ordo-) und der US-amerik. Strömung (Friedman) unterschiedlich subsumiert und einige wichtige Aspekte der Freiburger herausgestellt.

    Dort findet sich sogar das Ziel der Verstetigung wirtschaftlicher Entwicklung, um Konjunkturschwankungen auszugleichen.

    ...
  4. #4

    Mein lieber Herr Reiermann II

    ...

    Müller-Armack wäre niemals auf die absurde Idee gekommen, dem abstrakten Markt eine Definitionsmacht über etwas was gut sei oder schlecht sei, zuzugestehen - oder gar das Marktergebnis als das rekursiv dann einzig richtige anzunehmen, sondern er verstand Markt als das was es sinnvollerweise nur sein kann:

    Ein vorzügliches Instrument um gesellschaftliche Ziele zu erreichen, wenn es richtig angewendet wird, d.h. dass die Politik Rahmen setzt, die die Marktakteure dazu bringen, das gewünschte zu erreichen.

    Heutige "Neoliberale" bringen die Politik dazu, die Rahmen zu beseitigen, die sie stören, um das von ihnen selbst gewünschte besser zu erreichen.
  5. #5

    Neoliberalismus alt und neu

    Sehr wahr, was Herr Heil da schreibt.
    Darüber hinaus würde ich noch betonen, wie stark der Gebrauch in den USA (und auch in Chile) den Inhalt des Begriffes geändert haben, dadurch, dass die Chicago School Neoliberalen ja auch massiv politischen Einfluss gewonnen haben und die Politik unter Reagan nachhaltig mitbestimmt haben.
    Dass Begriffe ihren Inhalt auch ändern können, sollte ja auch nicht verwundern - "Demokratie" z.B. war als sie "erfunden" wurde ja auch die Herrschaft der freien, Eigentum innehabenden Männer und nicht das, was wir heute darunter verstehen.
  6. #6

    klar

    Zitat von Andreas Heil Beitrag anzeigen
    Heutige "Neoliberale" bringen die Politik dazu, die Rahmen zu beseitigen, die sie stören, um das von ihnen selbst gewünschte besser zu erreichen.
    Klar und deutlich erklärt. Neoliberale wollen sozialliberale Errungenschaften beseitigen.

    Von daher ist die neue Bedeutung von neoliberal klarer, im Sinne von "ur"-liberal.
  7. #7

    Jaja ...

    Zitat von Andreas Heil Beitrag anzeigen
    ...

    ...

    Heutige "Neoliberale" bringen die Politik dazu, die Rahmen zu beseitigen, die sie stören, um das von ihnen selbst gewünschte besser zu erreichen.
    Aber doch nur solche "Rahmen" (überbordender Kündigungsschutz, Dauerallimentierung durch AA, Bürokratieausswüchse, ...) die sich als kontraproduktiv herausgestellt haben - und zwar für Unternehmungen u n d Beschäftigte. Ohne den gehörigen Schuß Neoliberalismus in der Agenda 2010 wären wohl kaum die Erfolge zu erzielen gewesen. Aber das paßt natürlich nicht ins linke Weltbild zu den bösen Neoliberalen - klar das man sich da in den Brockhaus von 1955 flüchtet ... gähn.

    Fritz
  8. #8

    Nichts als die Wahrheit

    Herzlichen Dank für diesen Artikel - er war sehr unterhaltsam und informativ.

    Natürlich hat es von vorneherein keinen Sinn, auf eine Einsicht von Seiten derer zu hoffen, die das neoliberale Schreckgespenst so gerne beschwören. Hier geht es nicht um Vernunft, Fakten oder Objektivität - sondern um Stimmung. Man kann das gut bei der Bewegung von Obama studieren, wie naiv, infantil, richtungslos und damit letztendlich destruktiv diese Art ist, gesellschaftliche Strukturen und Entwicklungen zu erfassen.

    Es dauert dann nicht lange, bis der richtige Rattenfänger kommt, um sich zum Sprachrohr des Wandels zu machen und als neuen Kennedy zu stilisieren - und auch Kennedy war damals ja ein Medienprodukt mit wesentlich mehr Schein als Sein, die Stimmungskanone der 60er sozusagen.

    Vielleicht kann man da auch ein Wort für diesen Vorgang im Hirn der Wähler finden, mein Vorschlag lautet: neoinfantil.
  9. #9

    Desinformation auf BILD-Niveau

    Auf der Lohnliste vom Springerverlag stand Herr Reiermann bereits:
    http://www.netzeitung.de/medien/367970.html

    Auffällig sind Ähnlichkeiten zwischen dem Wikipediaeintrag
    http://de.wikipedia.org/wiki/Neoliberal
    und dem Artikel: 30er Jahre, Erhard..

    Ich empfehle den englischen Eintrag
    http://en.wikipedia.org/wiki/Neoliberal
    Dieser erwähnt die wahren Hauptpersonen des Neoliberalsmus: Thatcher, Reagan, Chile unter Pinochet und die "Chicago Boys".
    (Die im SPON-Artikel nicht vorkommen -- warum wohl? ;)

    Dank an Herr Heil für die fundierten Infos.


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