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Anonymisierte Jobsuche: Jungunternehmer gegen neutrale Bewerbungen

Ein Verband junger deutscher Unternehmer hält anonymisierte Bewerbungen für unnötig. Ein Drittel Mitglieder glaubt nicht, dass*Personaler Bewerber überhaupt diskriminieren. Für kleine Firmen sei ein anonymes Verfahren außerdem zu aufwendig.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...714952,00.html
  1. #50

    Risiko...

    Zitat von VerHartzter Beitrag anzeigen
    Wie soll das denn ihrer Meinung nach geschehen? Was ist denn überhaupt mit Risiko gemeint? Weil ich die Leute dann nicht mehr los werde wenn es sein muß?
    Nein. Das Risiko ist eine Klage des Bewerbers gegen die Absage. (Das AGG greift weiter; es berührt auch den Arbeitsalltag. Wenn man sich als AG halbwegs vernünftig verhält, hat man aber zumindest in diesem Bereich wenig Ärger oder Risiko.)

    Aber nehmen Sie meine Erfahrung mit meiner Rumänin (siehe Post #23): gute Papierform, aber keine Ahnung im relevanten fachlichen Bereich. Ihre Absage nach dem Vorstellungsgespräch beantwortete sie mit einer Klage wegen geschlechtsspezifischer Diskriminierung, u.a. mit dem Hinweis, dass die letztendlich eingestellte Person eine geringere Qualifikation hätte (Danke, Facebook...) und bei uns keine Frau in einer gehobenen Position arbeiten würde (stimmte zu der Zeit, ist aber bei einer rel. kleinen Gruppe von Ingenieuren kein Alleinstellungsmerkmal...).

    Dass der tolle Abschluss in Wirklichkeit von einer bulgarischen "Feierabend-Uni" stammte und die behauptete vierjährige einschlägige Arbeitserfahrung nicht weitergehend belegt werden konnte, liess die Richterin in der Güteverhandlung kalt. Auch war die Argumentation rel. schwierig, um nicht auch noch in der Verdacht weiterer Diskriminierungsfaktoren (Bulgarien...) zu kommen.

    Letztendlich führten dann formale Nachweise zur "Abschmetterung" der Klage. Macht nicht wirklich Spaß...
  2. #51

    kann mich nicht beklagen

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen
    Das glaube ich, dass sind diejenigen Arbeitgeber, die über den Fachkräftemangel klagen, weil sie keine Leute bekommen.
    Also ich kann mich nicht beklagen, gutes Personal zu finden.
    Es ist nun mal Fakt, dass ich, wenn ich eine Stelle besetzte, allen anderen absagen muss - egal wie qualifiziert oder nicht.

    Im übrigen gilt die Devise "Aufstieg vor Einstieg".
    Das klappt sehr gut (wenn auch nicht immer anwendbar) und ist auch darauf zurückzuführen, dass etwas strenger selektiert wird bei der Auswahl von neuen Mitarbeitern.
  3. #52

    BGE jetzt !

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen
    Das glaube ich, dass sind diejenigen Arbeitgeber, die über den Fachkräftemangel klagen, weil sie keine Leute bekommen.
    Genauso sieht es aus. Das liegt aber darin, dass gerade bei der Personalauswahl die Fachkräfte fehlen. besonders hier in Deutschland wird fehlendes Fachwissen mit überzogenen Ansprüchen kompensiert. Beispiel: Der deutsche Stammsitz sucht jemanden für den TK-Bereich, hier braucht man Studium, natürlich mit sehr guten Abschluß. Der schweizer Ableger für die exakt gleiche Position (Aufgabenbeschreibung wurde wortwörtlich übernommen) einen Telematiker (also Handwerker). Bewerbung auf beide Stellen. Aus Deutschland kam nach 15 Minuten die Eingangsbestätigung, nach 25 Minuten die Absage wegen fehlenden Studium. Aus der Schweiz nach 30 Minuten die Eingangsbestätigung mit der Terminabsprache für das Telefoninterview für den nächsten Tag. Bei Telefongespräch hat nur ein Faktor bei der Einstellung gefehlt, der nicht in der Ausschreibung stand. Ich kann kein italienisch und mein französisch ist halt eingerostet. Schweiz halt. Sonst hal alles gepasst und ich hätte es geschafft hier rauszukommen. Wie gesagt selbe Firma selbe Position.
    Einzelfall?
    Ne, sowas passiert nicht nur mir immer wieder.

    Sie haben Recht die Fachkräfte fehlen an der falschen Stelle.
  4. #53

    Naja

    Zitat von marvinw Beitrag anzeigen
    Es ist jedem bekannt dass die Bewerbungen von Cem, Yusuf usw. als Erstes im Papierkorb landen, die Qualifizierung ist eher zweitrangig, das belegen schon unzählige Spiegelartikel oder glauben Sie dass hier geborene hochqualifizierte Türken aus Spass nach Türkei gehen? Personaler und die Wahrheit.... Jeder erinnert sich was einem im Vorstellungsgespräch versprochen wurde und was danach kam....
    Nicht wenige der hier (auf unsere Kosten übrigens) gut ausgebildeten "Türken" (dem Papier nach eigentlich meist schon Deutsche) gehen in die Türkei weil es dort ganz einfach gut bezahlte Arbeit gibt für Leute die neben ihrer beruflichen Qualifikation gut deutsch und türkisch sprechen können.
    Fals es ihnen entgangen sein sollte haben auch gut ausgebildete Müller,Meier,Huber mittlerweile Schwierigkeiten einen gut bezahlten Posten zu bekommen.
    Die könnens nur nicht auf den Namen schieben und die werden auch diskreminiert, in deutsch/türkischen Import/Exportfirmen tun Sie sich nämlich auch sehr schwer mit einem deutschen Namen einen Posten zu bekommen, von den vielen kleinen türkischen Händlern schon mal abgesehen.
    Aber das ist natürlich gaaanz was anderes stimmts ?
  5. #54

    ...

    Zitat von VerHartzter Beitrag anzeigen
    ...
    Ne, sowas passiert nicht nur mir immer wieder.
    Hmm, solche Sätze höre oder lese ich in letzter Zeit recht häufig.
    Ich denke dann immer, warum versucht die Person sich dann nicht ein wenig zu ändern? Wenn es ihr doch ständig passiert? Liegt es dann wirklich immer bei denen, die diesen Personen "Unrecht" tun?
    Eine typisch deutsche Eigenschaft, wie ich vermute. Es ist ja auch einfacher, die Schuld immer bei den anderen zu suchen und sich bemitleiden zu lassen.
    Wenn ich ständig "vor die Pumpe lauf", sollte ich vielleicht lernen, den Kopf einzuziehen anstatt der Pumpe die Schuld zu geben.

    Es ist ja auch leichter, die Gesellschaft zu ändern, als an sich selbst zu arbeiten.

    "Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler".
    Wenn man nicht hungrig am Teich überwintern möchte, kann man meist mit wenigen Handgriffen den Köder wechseln.

    Das ist sicher einfacher, wie den Fischbestand im Teich auf neues Futter zu erziehen.
  6. #55

    Auswahlverfahren

    Zitat von buerger2008 Beitrag anzeigen
    Also ich kann mich nicht beklagen, gutes Personal zu finden.
    Es ist nun mal Fakt, dass ich, wenn ich eine Stelle besetzte, allen anderen absagen muss - egal wie qualifiziert oder nicht.

    Im übrigen gilt die Devise "Aufstieg vor Einstieg".
    Das klappt sehr gut (wenn auch nicht immer anwendbar) und ist auch darauf zurückzuführen, dass etwas strenger selektiert wird bei der Auswahl von neuen Mitarbeitern.
    Das kann ich mir vorstellen, ich halte die Sache mit dem Fachkräftemangel nämlich für ein Märchen.

    Ich kenne in meinem Umfeld 2 junge Männer sehr gut. Beide mit der Ausbildung fertig (Tischler und Anwendungsinformatiker), beide gute Abschlüsse, gewissenhaft und motiviert. Letzteren habe ich selber ausgebildet, leider haben wir Einstellungsstopp, brauchen könnte ich ihn nämlich.

    Die schreiben eine Bewerbung nach der anderen und bekommen nur Absagen. Solange das so ist, glaube ich kein Wort vom angeblichen Fachkräftemangel.

    Aber wenn man fortfährt in dem Umfang und in der Geschwindigkeit Bewerbungen auszusortieren, dann kann man natürlich in kürze Probleme bekommen geeignetes Personal zu finden. Ich denke, da wird man sich bald ein wenig mehr Mühe geben müssen.
  7. #56

    BGE jetzt !

    Zitat von Werner M. Beitrag anzeigen
    Nein. Das Risiko ist eine Klage des Bewerbers gegen die Absage. ......
    Letztendlich führten dann formale Nachweise zur "Abschmetterung" der Klage. Macht nicht wirklich Spaß...
    Klar kann ich alles verstehen. Nur wie kommen wir aus dem Problem raus? Auch im Sinne einer neutralen vorurteilsfreien Bewerbung bzw. Auswahlverfahrens.
    Mein Lösungsvorschlage (Auch wenn jetzt die Datenschützer wieder aufschreien, dazu komm ich aber dann noch.)

    Alle Stellen werden nur über das Arbeitsamt bzw ArGe gesucht und vermittelt.
    Hier kann die Qualifikation gerade auch die der ausländischen Abschlüsse überprüft werden und in normierte Form gebracht werden. Alle Stellensuchenden, auch die die Derzeit in Beschäftigung sind, haben dort einen Datensatz.
    Vorteile: Der Ag kann ohne die Anzeigekosten dort suchen oder oder vom AA/ArGe suchen lassen. Der Bewerber bekommt nur mit wieoft sein Profil aufgerufen wurde, nicht von wem. Keine Prozesse wegen Diskreminierung. Der Arbeitssuchende braucht keine unsinnigen Bewerbungen zu schreiben und kann die Zeit in Weiterbildung stecken.
    Nachteil: Es müssten ALLE ob AG oder Stellensuchender mitmachen, ohne Ausnahme. Derzeit ist das Personal dort nicht nicht in der Lage, die Qualifikationen richtig zu erfassen. (meinen Beruf z.B der über 10 Jahre ne annerkannte Ausbildung war gibt es bei der BA nicht. Das eine Stellenangebot was ich bekommen habe, mußte ich ablehnen O-Ton "Wieso? Sie kommen doch aus der IT" "Klar, aber sie schicken ja auch keinen Schreiner in die Metzgerei, nur weil es Handwerk ist. Oder?" Zudem ist das Ansehen was die Vermittlung seiten der BA angeht nicht das Beste. (Da hätte ich nen Beispiel als ich auf AG Seite einstellen mußte/durfte)Da fehlt beiderseitiges Vertrauen.

    Was den Datenschutz angeht. Wenn wir ehrlich sind, ist die Realität folgende: Wenn ich mich bewerbe mach ich das über E-Mail und was in der Firma damit passiert, darauf hab ich kaum einen Einfluß. Ob die Frima die Bewerbung konzerintern weiterleitet erfahre ich erst dann, wenn sich eine andere Konzerntochter meldet. Dann sich kein Personaler davon freisprechen ab einer gewissen Position im Internet nach den Pesonen zu suchen. Die meisten Zugriffe bei Xing kommen aus den Firmen wo ich mich gerade beworben habe. Gebe ich meine Unterlagen raus, hab ich doch kein Problem damit, dass diese auch von den betroffenen Abteilungen/Personen vertrauensvoll weitergegeben werden. "Schau mal, der passt nicht bei uns rein, könnte aber was für eure Abteilung sein". Solange das alles im datenschuztrechlichen Rahmen bleibt ok.
    Dann ist natürlich nichts mehr mit neutraler Bewerbung.
  8. #57

    ABM für Juristen

    Zitat von Werner M. Beitrag anzeigen
    Nein. Das Risiko ist eine Klage des Bewerbers gegen die Absage. (Das AGG greift weiter; es berührt auch den Arbeitsalltag. Wenn man sich als AG halbwegs vernünftig verhält, hat man aber zumindest in diesem Bereich wenig Ärger oder Risiko.)

    Aber nehmen Sie meine Erfahrung mit meiner Rumänin (siehe Post #23): gute Papierform, aber keine Ahnung im relevanten fachlichen Bereich. Ihre Absage nach dem Vorstellungsgespräch beantwortete sie mit einer Klage wegen geschlechtsspezifischer Diskriminierung, u.a. mit dem Hinweis, dass die letztendlich eingestellte Person eine geringere Qualifikation hätte (Danke, Facebook...) und bei uns keine Frau in einer gehobenen Position arbeiten würde (stimmte zu der Zeit, ist aber bei einer rel. kleinen Gruppe von Ingenieuren kein Alleinstellungsmerkmal...).

    Dass der tolle Abschluss in Wirklichkeit von einer bulgarischen "Feierabend-Uni" stammte und die behauptete vierjährige einschlägige Arbeitserfahrung nicht weitergehend belegt werden konnte, liess die Richterin in der Güteverhandlung kalt. Auch war die Argumentation rel. schwierig, um nicht auch noch in der Verdacht weiterer Diskriminierungsfaktoren (Bulgarien...) zu kommen.

    Letztendlich führten dann formale Nachweise zur "Abschmetterung" der Klage. Macht nicht wirklich Spaß...
    Ich denke auch nicht, dass dies der richtige Weg ist. Profitieren werden davon die Personal Consulting Firmen und Headhunter. Wieder ein Bereich, in dem Freiheiten abgebaut werden und ohne Juristen keiner mehr zurecht kommt.

    Was dann später in einem anderen SPON Artikel lauthals beklagt werden kann.
  9. #58

    BGE jetzt !

    Zitat von buerger2008 Beitrag anzeigen
    Hmm, solche Sätze höre oder lese ich in letzter Zeit recht häufig.
    Ich denke dann immer, warum versucht die Person sich dann nicht ein wenig zu ändern? Wenn es ihr doch ständig passiert? Liegt es dann wirklich immer bei denen, die diesen Personen "Unrecht" tun?
    Eine typisch .....
    Natürlich verändere ich mich und meinenBewerbungsprozess. Die Bewerbungen ins Ausland liegen derzeit bei 70% Tendenz steigend. Während ich hier in Deutschland ohne Studium aber mit Facharbeiterbreif nicht mehr als Fachkraft gelte und damit kaum eine Chance habe auf die entsprechenden Positionen (die ich witzigerweise jahrelang besetzt hatte) überhaupt eingeladen zu werden. Hab ich inzwischen mehr Erfolg im Ausland. Teilweise wurde mir schon geraten bei bewerbungen in den USA das Foto und persönliche Angaben wegzulassen, weil das dort üblich sei. Gesagt getan. Leider fehlt mir für die USA die Greencard um schneller reagieren zu können, sonst wäre ich schon weg. Bei der Schweiz kommt halt öfters die Viersprachigkeit dazwischen. Auch da hatte ich schon Erfolge mit neutralen Bewerbungen über Privatvermittler.
    Aber das ist wieder OT.

    Neutrale Bewerbungen werden sich leider in deutschen Firmen nicht durchsetzen. In den großen Firmen, die es machen könnten, scheitert es an der Fachkompetent deren, die die erste Durchsicht machen und nur nach den Diplomen und Zertifikaten suchen und makellose Lebensläufe haben wollen. Dadurch fallen evtl passende Leute raus. Bei den KMU´s muß man akzeptieren, dass dort die Personalauswahl etwas persönlicher läuft, aber die von den AN geforderte Flexibilität bei den AG´s selber noch nicht angekommen ist.
  10. #59

    .

    Zitat von Olaf Beitrag anzeigen

    Aber wenn man fortfährt in dem Umfang und in der Geschwindigkeit Bewerbungen auszusortieren, dann kann man natürlich in kürze Probleme bekommen geeignetes Personal zu finden. Ich denke, da wird man sich bald ein wenig mehr Mühe geben müssen.
    Ich behaupte jetzt einmal, die Unternehmen, die langfristige Personalplanung betreiben, werden hier keine nennenswerten Problem bekommen.

    Natürlich wird es Anpassungen geben müssen, wss die Auswahl angeht. Dies ergibt sich aber nicht dadurch, dass Bewerber die Richtung angeben.
    Die Richtung ergibt sich aus betrieblichen Erwägungen und es gibt immer eine Lösung - ohne seine Philosophie komplett umkrempeln zu müssen.

    Was die meisten wohl oder übel vergessen, ist die Tatsache, dass ein sehr hoher Prozentsatz der Neubesetzungen überhaupt nicht an die Öffentlichkeit kommen. Immer mehr Stellen werden via Vitamin-B vergeben.

    Da können die noch so qualifizierten Bewerber in Facebook ihre Freunde sammeln - wenn vor der eigenen Haustür niemand im reelen Leben ein gutes Wort einlegt oder man sich in der virtuellen Welt besser auskennt als vor der Haustür, kann die Zeit ruhig weiter damit verplempert werden, in Amerika, Japan oder sonstwo, Freund zu finden.

    Ob es dann hilft weiterzukommen?


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