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Anonymer Schavan-Ankläger: "Ich wollte das nicht unter den Tisch fallen lassen"

DPAWill er im Alleingang eine Ministerin stürzen? In seinem ersten Interview erklärt der anonyme Ankläger hinter der Seite "schavanplag" was ihn antreibt, warum er an den Titelentzug glaubt - und wieso er sich über die Mehrheitsentscheidung der VroniPlag-Rechercheure hinwegsetzte.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...831459,00.html
  1. #1

    Tradition

    Das Abschreiben ohne zu zitieren ist sicher eine unsaubere Sache beim Schreiben einer Dokorarbeit, die den Wert dieser Arbeit ebenso verringert, wie sie den Wert des Doktortitels schmälert bzw. zunichte macht.

    Was indessen die Form der Veröffentlichung, wenn nicht diese selbst betrifft, angeht, so sehe ich hier eher die gute alte Tradition von Denunziation wieder aufleben. Wenn es nur um des Spaßes an der Detektivarbeit als Motiv und dem Wunsch, dass Leute mit einem akademischen Betrug nach Möglichkeit nicht durchkommen sollten, ginge, genügte ein Hinweis an die jeweilige Universität.
  2. #2

    Des Guten zu viel...

    ...verkehrt schon mal ins Gegenteil.

    Ich habe mir die fraglichen Stellen angeguckt. Sie erreichen bei Weitem nicht die Dimension der prominenten Vorgängerfälle. Die Stellen sind spärlich, zum Großteil nicht nicht-zitiert, sondern allenfalls falsch zitiert (weil bspw. auf eine schon zitierende Zweitquelle und nicht aufs Original verwiesen. Wobei Mr. Unbekannt auch anmahnt, wenn das Original zitiert wird und irgendeine ebenfalls zitierende andere Quelle nicht - was schon gaga ist) Ein ernst zu nehmender Vorwurf betrifft wirklich nur die Passage auf 75/76. Die anderen Stellen sind keine.

    Ich halte es für äußerst unklug, mit solchen Fällen "Geschäft" zu machen. Hier verkehrt sich sonst ein eigentlich guter Nutzen ins Gegenteil und man verliert massenweise Leute, die sich nur noch fragen, was der ganze Quatsch eigentlich soll. Mit dem Ergebnis, dass auch die eigentlich wichtigen Fälle hinten über fallen.

    Wichtig sind die Fälle, die deutlich gegen wissenschaftliches Arbeiten verstoßen, von Leuten, die an eben jenem wissenschaftlichen Arbeiten Null Interesse haben, sondern die nur aus Karrieregründen auf den schnellen Doktor aus sind.

    Ich halte Schavan für eine ziemlich schädliche Fehlbesetzung im Amt. Aber diesen Vorwurf kann man ihr bei den bisher bekannten Fundstellen nun wirklich nicht machen.

    Das wirft kein gutes Licht auf Mr. Unbekannt!
  3. #3

    Ist nicht wirklich plagiiert

    ...wenn man sich die Stellen im Schavanplag anschaut, erscheint nichts davon wirklich abgeschrieben. Bestimmte Dinge kann und darf man auch mit seinen eigenen Worten ausdruecken. Z.B. wenn man auf Theorien Freuds deskriptiv Bezug nimmt kann es natuerlich dazu kommen dass man sich genauso wie ein anderer Sekundaerautor ausdrueckt und jeweils "Versatzstuecke" der freudschen Terminologie einfuegt. Aber das ist ja nicht wirklich plagiiert. In der Form erscheinen mir aber fast alle Stellen, die angemaekelt werden.
  4. #4

    Copy, Shake and Rewrite

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Leute mit einem akademischen Betrug ... (sollten)...
    nach Möglichkeit nicht durchkommen ... .
    Denn leider erkennen manchmal Fakultäten selbst bei
    zig plagiierten Seiten am Stück den Doktorgrad nicht ab.
    Inhalts- und Übersetzungsplagiate können nicht so
    leicht erkannt werden. Die Anwendung von google-books
    reicht dafür nicht aus. Was ist da noch alles nicht sauber
    in diesem Macherk?

    Engagierte Fachwissenschaftler könnten feststellen,
    was überhaupt nur als originelle Ideen, Gedanken
    und Ausführungen noch gelten könnte
    nach Abzug von all dem definitiv Übernommenen.

    Es besteht nun der begründete Verdacht,
    dass das Originelle mitnichten viel sein kann.

    Da Frau Schavan ihre wissenschaftliche Unfähigkeit leugnet,
    wird sehr viel mühsame Arbeit notwendig sein,
    um ihr den ungenügenden Neuigkeitswert ggf. zu beweisen.
  5. #5

    Hört sich wirklich sehr dünn an. "Unsauberes Zitieren" klingt schlimmer als es eigentlich ist, denn eine komplett saubere Doktorarbeit wird sich wahrscheinlich kaum finden lassen, wenn dutzende Leute alles akribisch durchkämmen. Man muss echte Plagiate (Gutti, vroni) vom normalen gestressten und hart erarbeiteten "ich muss meine Doktorarbeit bis zur Deadline abgeben" unterscheiden. Denn dabei passieren nunmal automatisch Fehler, v.a. bei der hochaufwändigen Zitiererei, da diese kaum durch Freunde korrektur zu lesen ist.
    vroniplag scheint da wirklich gute Arbeit zu leisten. Ich glaube hier nicht an ein Plagiat und vertraue eher dem Urteil der Mehrheit als einem selbsternannten Einzelkämpfer.
  6. #6

    Übereifer

    Ich halte die Arbeit der Plagiatsjäger für verdienstvoll. Mittlerweile droht die Begeisterung dieser Jäger allerdings in Übereifer umzuschlagen, was gerade in diesem Fall deutlich zu sehen ist. Selbst die besonders "brisanten" Seiten auf schavanplag bieten nur Beispiele, wo Schavan Quellen paraphrasiert - und in fast allen Fällen auch genannt - hat. Was ist daran verwerflich? - Die Konstruktion solcher "Affären" ist kontraproduktiv, weil hierdurch der gewaltige Unterschied zwischen solchen Arbeiten wie der von Schavan und solchen gänzlich verwerflichen Raubkopien wie der von Guttenberg verwischt wird. Die Plagiatsjäger täten gut daran, sich auf die echten Plagiate zu konzentrieren, auch um den Preis, eventuell einmal eine Sauregurkenzeit in Kauf zu nehmen.
  7. #7

    Vielleicht bin ich ja voreingenommen, aber aus dem Bauch heraus hätte ich gesagt, dass jemand wie Schavan ihre Doktorarbeit aus einer anderen Motivation heraus geschrieben hat, wie ein zu Guttenberg.

    Von daher bin ich auch eher geneigt, bei ihr "im Zweifel für den Angeklagten" durchgehen zu lassen, selbst wenn sie vielleicht nicht komplett sauber gearbeitet hat.

    Ich wette in meiner Diplomarbeit sind auch so zwei, drei Zitate nicht als solche gekennzeichnet, weil ich die während des Studiums irgendwann mal gelesen und dann wiederverwendet habe, ohne mir dessen komplett bewusst gewesen zu sein.

    Immerhin kann ich jetzt, 10 Jahre später, immer noch eins zitieren, von dem ich weiß, dass es ein Zitat von Peter F. Drucker war:

    "The customer is the foundation of a business and keeps it in existence. He alone gives employment."
  8. #8

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Will er im Alleingang eine Ministerin stürzen? In seinem ersten Interview erklärt der anonyme Ankläger hinter der Seite "schavanplag" was ihn antreibt, warum er an den Titelentzug glaubt - und wieso er sich über die Mehrheitsentscheidung der VroniPlag-Rechercheure hinwegsetzte.

    Plagiat-Verdacht gegen Schavan: Schavanplag-Autor im Interview - SPIEGEL ONLINE
    So langsam wird es lächerlich. Und zwar von beiden Seiten. Vielleicht sollten Beteiligten mal akzeptieren, dass man in den sogenannten Geisteswissenschaften das Rad sprachlich nicht immer neu erfinden kann. Ein Doktorgrad in bestimmten Fächern ringt mir nur ein Schmunzeln ab. Der Arbeitsaufwand ist extrem unterschiedlich.
  9. #9

    Es bleibt nur noch Verachtung...

    ... für diese selbsternannten Hexenjäger, die in den Krümeln suchend auf böswillige Art und Weise Personen herabwürdigen.

    So wie man in einem Lied immer Akkorde finden kann, die viele andere schon vorher verwendet haben, findet man solche Stellen auch in jeder geisteswissenschaftlichen Abhandlung. Teilweise handelt es sich um Platitüden, teilweise - wie ein anderer Forist schon bemerkt hat - um Sätze, die man irgendwo einmal aufgeschnappt hat, ohne die Quelle - die oft auch nicht die Primärquelle ist - zu kennen.

    Nicht das Bestreben um wissenschaftliche Redlichkeit ist hier das Ziel, sondern einzig das Bestreben einen politisch missliebigen zu diskreditieren.

    Und es funktioniert auch: Irgendwas bleibt immer hängen...








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