Anlageberater entführt: Rentner-Gang muss für Geiselnahme büßen

Es war ein spektakulärer Fall von Selbstjustiz: Vier Pensionäre haben ihren Anlageberater entführt und vier Tage lang in einem bayerischen Haus als Geisel gehalten. Nun wurden sie verurteilt - der 74-jährige Haupttäter muss sechs Jahre ins Gefängnis.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...685248,00.html
  1. #20

    Titel verweigert!

    Zitat von redwed09 Beitrag anzeigen
    Ich kann nicht verhehlen, bei der "Tat" der Rentner von klammheimlicher Freude gepackt worden zu sein. Alle Bankster, die Leute um ihr Geld bringen, sollten sich das Vorgehen der Rentner immer vor Augen halten. Es könnte jeden dieser Bankster einmal treffen. Denn von der Justiz haben Opfer von Bankstern und anderen Betrügern keine große Hilfe zu erwarten.
    Leider ist es genau anders rum. Die Banker nehmen sich die Reaktion auf kriminelle Banker zum Vorbild und machen genau so weiter, wie vor dem Crash.

    Aber in diesem Urteil zeigt die Justiz, was sie machen könnte, wenn sie wollte und wenn es gegen Verlierer geht.

    MfG. Rainer
  2. #21

    Ihr Artikel ist merkwürdig

    Zitat von MarthaMuse Beitrag anzeigen
    Der Artikel ist merkwürdig: die Täter werden namentlich nicht genannt, ihre Fotos verfremdet. Gleiche Rücksichtnahme darf das Opfer nicht erwarten, es wird mit vollem Namen genannt. Soll man dadurch auf klammheimliche Parteinahme des Spiegels schließen?

    Die Strafen sind völlig in Ordnung, wenn nicht sogar erstaunlich niedrig bei manchen Tatbeteiligten. Nirgendwo im StGB gibt es Sonderparagrafen für ältere Mitbürger, um deren Strafen niedrig zu halten. Sicher ist eine mehrjährige Gefängnisstrafe für einen 74-Jährigen härter als für einen 25-Jährigen, aber dafür dürfte man bei einem 74-Jährigen auch mehr Besonnenheit erwarten.

    Die merkwürdige Fraternisierung mit den Tätern kann ich nicht nachvollziehen.
    Alles klar, Anlagebetrüger sind arme Opfer. Merkwürdig, dass Sie das Motiv der "Täter" überhaupt nicht zu interessieren scheint.
  3. #22

    Es ist beschämend

    in welch einem Justiz-Molloch man als Bürger in dieser Täterschutznation leben muss. Ich würde dem Richter und dem Rechtssystem eine Sammelklage wegen "Anstiftung zur Selbstjustiz" anhängen.

    Erst die versteckte und justizial gedeckte Korruption dieses Landes ermöglicht es Plutokraten, Betrügern & Patriziern die Ausbeutung der "Kleinen". Die Regierung (und deren Vasallenbeamte) stecken voll mit drin.

    Pfui Teufel. Ich schäme mich heutzutage Deutscher zu sein.
    Und das hat nichts mit dem WK2 zu tun. Da war ich noch lange nicht geboren.
  4. #23

    So ein Quatsch!

    Zitat von mm01 Beitrag anzeigen
    gibt es für Rentner nicht. Dieses Programm ist nur für gewalttätige, jugendliche Wiederholungstäter vorgesehen.
    Natürlich gibt es auch Bewährung für Rentner! Wie in dem Artikel zu lesen war, sind die beiden Ehefrauen ja mit Bewährung davon gekommen! Bewährung KANN gewährt werden, wenn es sich um ERSTTÄTER handelt und die Strafe weniger als 3 Jahre beträgt. Auch bei mehreren Delikten kann es Bewährung geben, wenn alle zusammen ebenfalls ein geringes Strafmaß haben.
  5. #24

    Maßlos

    Ein weit überzogenes Strafmaß im Vergleich zu weitaus brutaleren Straftaten. Natürlich ist so etwas nicht zu tolerieren, und wenn dem Mann Gewalt angetan wurde, muss sich das im Strafmaß niederschlagen. Aber ich glaube, das hier geht zu weit.
    Es spiegelt wider, was in diesem Land Priorität genießt - Vermögen kommt vor Menschlichkeit!
  6. #25

    Re: Jahrzehntelang haben die Rentn

    Zitat von SvenMeyer Beitrag anzeigen
    Jahrzehntelang haben die Rentner (hoffentlich) ehrlich gespart und dann werden Ihre sauer verdienten Ersparnisse mit denen Sie sich einen verdienten Lebensabend können wollen von den paar leichtfertigen Anlageberatern (oder Anlagebetrügern), die nur an ihren eigenen Vorteil und Provision denken, leichtfertig verspielt.
    Leichtfertig verspielt haben wohl die Rentner ihr Geld selbst! Wer so dumm ist, Geld ohne Absicherung in einem anderen Land zu investieren, weil mit hohen Zinsen geworden wird, ist selbst schuld. Sorry, aber hier war die Gier der Rentner doch zu groß. Im übrigen waren es keine "armen Rentner", sondern wohl sehr wohlhabende Menschen, da es ja hier zum Millionenbeträge ging.

    Zitat von SvenMeyer Beitrag anzeigen
    Die deutsche Justiz versagt diese Leute entsprechend zur Rechenschaft zu ziehen und wenn die Geschädigten es dann selber in die Hand nehmen, dann ist die Justiz wieder da, um ein Exempel zu statuieren, um klar zu machen, dass nur sie das Recht haben Täter zu bestrafen.
    Auch wenn ich anfangs mit den Rentnern sympatisierte, Selbstjusitiz, hier also Entführung und Erpressung, sind dann doch zuviel des Guten...

    Zitat von SvenMeyer Beitrag anzeigen
    Dafür auch noch einen 74-jährigen 6 Jahre hinter Gitter zu schicken, ist dann auch sehr extrem.
    Das Alter sollte bei der Strafbemessung kein Unterschied spielen. Aber es gibt "Rabatt" bei Judendlichen und Kindern, und auch bei Älteren Menschen wird der Gesundheitszustand bedacht. Aber generell eine Narrenfreiheit für Rentner gibt es zum Glück nicht.
  7. #26

    @ Marthamuse

    "Die merkwürdige Fraternisierung mit den Tätern kann ich nicht nachvollziehen."

    Ich schon!
  8. #27

    Ein Freispruch wäre besser gewesen…

    …zur weiteren Abschreckung und Warnung an all jene, die glauben, uns weiter verarschen zu können. Mehr von solchen Aktionen hätten doch einen erfrischend anarchischen Touch, der mich an die Spaßguerilla der 70er erinnert. Vielleicht würden sich dann mehr von diesen Zweireiher-Typen überlegen, wie oft sie noch ahnungslose Anleger und Rentner bescheißen wollen.

    Das wäre doch ein ästhetischer Jugendtraum, perfekt fürs moderne Theater: Joe, Zumwinkel und andere geschniegelte Typen von HRE, HypoVereinsbank etcetera bei körperlicher Ertüchtigung, z.B. in einer sozialen Einrichtung beim richtigen Arbeiten…

    Natürlich ist und wäre das alles illegal. Doch diese kreative Rentnergang hat bei mir tiefste Sympathie ausgelöst und weit mehr als nur "klammheimliche Freude". Die Tage des Raubtierkapitalismus sind gezählt.
  9. #28

    So einfach ist das eben nicht

    Zitat von SvenMeyer Beitrag anzeigen
    paar leichtfertigen Anlageberatern (oder Anlagebetrügern), die nur an ihren eigenen Vorteil und Provision denken, leichtfertig verspielt.
    Ich kenne (Ex)-Bänker, die haben schon zur Hochzeiten der Krise den alten Leuten ihre sicheren Fonds etc angeboten.

    "Ja, hier alles sicher 4% über 10 Jahre."

    "Sie wollen mich verarschen, oder? 4% ist doch gerade bischen über der Inflation!"

    "Sie wollten Sicherheit, dass ist Sicherheit."

    "Sie haben doch da so Anleihen...so Papiere...8% aufwärts."

    "Diese sind aber nicht SICHER."

    "Ja, wer glaubt denn dass eine Bank wie Lehman-Brothers Pleite geht? Sie als Bänker doch auch nicht!"

    Ja, es gibt viele Leute im System die nur an ihren eigenen Erfolg denken. Deswegen wurden viele auch Investment-Bänker: weil es da unverschämtes Geld gibt. Und für jeden Nasen der 5-50 Mio. Boni kriegt, gibt es 100 die ohne Bonus mit ein paar €100.000 "zufrieden" sein müssen.

    Trotzdem ändert es nicht, dass sehr viele Anleger auch jetzt noch mehr als die 2,5% auf ihrem Sparbuch wollen. Und das ist eben z.T. nur noch mit ehrheblichen Risiko/Volatilität des Marktes möglich.

    Deswegen finde ich das Beratungsprotkoll so wichtig: einfach und klar reinschreiben, dass der Kunde volle 10% wollte und das er 50% Sicherheit und 50% Risiko akzeptiert hat. Fertig!

    Dann ist alles ganz klar. Wer schmierigen Immobilienmaklern aus einem anderen Land das Geld gibt ("der totale Geheimtipp, kein anderer will das Geld!" Klar!) und sich dann wundert wenn es weg ist, lebt in einer anderen Welt.

    Dann bleibt wohl wirklich nur noch die Kriminalität in diesem Wunderland des geheimen, unbekannten "Reichtums".

    senx
  10. #29

    Langsam.....

    Zitat von SvenMeyer Beitrag anzeigen
    Jahrzehntelang haben die Rentner (hoffentlich) ehrlich gespart und dann werden Ihre sauer verdienten Ersparnisse mit denen Sie sich einen verdienten Lebensabend können wollen von den paar leichtfertigen Anlageberatern (oder Anlagebetrügern), die nur an ihren eigenen Vorteil und Provision denken, leichtfertig verspielt.
    Bin mir nicht ganz sicher wer hier leichtfertig sein Geld "verzockt" hat. Zur Lektüre empfehle ich den Spiegel 08/2010:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-69174709.html

    Ich darf auszugsweise zitieren:

    "Im Dezember 1999 legte Roland K. 680 000 Dollar für drei Jahre an. Um Steuern zu sparen, gründete er mit Hilfe von Amburn eine Firma namens Bogey Limited, was aus K.s Mund klingt wie eine Tanzkapelle aus den Fünfzigern. Bogey Ltd. wurde in Nassau, Bahamas, registriert. Roland K. erkundigte sich bei einem Rechtsanwalt, ob das ein Problem darstellen könnte. Aber nein, erfuhr er, das machen alle so. Vor allem die Top 500."

    und

    "Amburn zahlte pünktlich seine Zinsen, oft sogar zeitiger als ausgemacht. Als die drei Jahre rum waren, erschienen Roland K. und seine Frau Sigi wieder im Palast von James Amburn, um ihr Darlehen zurückzuholen. [...]

    Amburn lächelte und überreichte ihnen den Scheck. Natürlich würde er sich freuen, wenn sie weiter im Geschäft bleiben könnten. Womöglich mit noch besseren Zinsen. Der Boom war ja nicht vorbei. Draußen sprudelten die Fontänen, die Palmen raschelten, es fing an zu rumoren in Roland K. Es war die Gier, die da in ihm rumorte. Die Angst, etwas zu verpassen. Er nahm den Scheck, ging mit seiner Frau kurz raus ins Foyer. Der Marmor, der Kamin, die Jagdszene in Öl. Die Top 500."

    Für mich sieht es mehr so aus als seien hier Zocker auf Zocker getroffen, nicht arme Rentner auf bösen Betrüger.

    Das Amburn ein Betrüger ist, also von vornherein geplant hatte den Rentnern das Geld aus der Tasche zu ziehen, steht im Übrigen auch nicht fest. Vielleicht hat auch er sich einfach bei seinen Geschäften verzockt. Shit happens.

    Die Rentnergang zu heroisieren ist in meinen Augen daher verfehlt.