Romneys Problem wird sein, dass er wohl nicht einmal selbst so genau weiß, warum er eigentlich gewinnen soll. Einen Staat kann man kaum wie eine Investment-Firma führen. Und mit weniger Steuern wird man auch das Staatsdefizit der USA kaum in den Griff bekommen, sondern die Lage verschlimmern.
Mein Tipp ist ja, dass Romney das eigentlich auch weiß, und nach einem eventuellen Wahlsieg durchaus die Steuern erhöhen wird (wie Obama auch), aber so deutlich sagt das natürlich jetzt keiner der beiden. Wäre auch Selbstmord im Wahlkampf.
Romney ist aber kein konservativer Hoffnungsträger. Weniger sogar als McCain vor vier Jahren, der eine andere Herangehensweise der Republikaner versprach als sie von Bush gewohnt war und durch die Tea Party in noch extremerer Weise repräsentiert wird. McCain, der Kriegsveteran, hatte durchaus eigene Gestaltungsideen, war an Obamas Kriegsstrategie deutlich näher dran als an Bushs - und ihm war bewusst, dass er als Kandidat gesellschaftliche Verantwortung für alle Amerikaner trug. Romney hingegen wirkt ohne eigenes Profil, es steht zu befürchten, dass er keine eigenen Akzente setzen kann. Der einzige Grund, ihn zu wählen, wäre der, Obama nicht mehr zu wollen. Ob das für den Sieg bei der Präsidentschaftswahl reichen wird? Möglich, aber eher unwahrscheinlich. Vielleicht hat er eine Chance, wenn er sich bei den anstehenden TV-Duellen von Obama nicht zerlegen lässt. Aber das wird schwierig für jemanden, der oft ohne nachvollziehbaren Gedankengang seine Meinung geändert hat. Obama wird ihm diese Wechsel vorhalten, und der republikanische Vorwahlkampf hat bereits gezeigt, dass fast jeder Bewerber Romney in die Ecke drängen konnte. Hätte Santorum sich nicht erst so spät als ernsthafter Gegenkandidat entwickelt, als schon hunderte Stimmen "verloren" waren, wäre es vermutlich nun Santorum, der Obama herausfordern würde. Außerdem wird Obama es Romney nicht so einfach machen wie die Kandidaten Gingrich, Perry oder Cain, die sich alle gekonnt selbst zerlegten.

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