DDPDrei Jahre nach dem Unfall eines ICE 3 will die Deutsche Bahn das Problem endlich mit einer Umrüstung lösen. Ab Herbst sollen mehr als 60 Züge neue Radsatzwellen bekommen. Der Zugverkehr werden nicht beeinträchtigt, verspricht das Unternehmen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unt...836627,00.html
Die Aussage "will endlich" in dem Artikel ist absolut mißverständlich bzw. irreführend. Die DB will diese Achsen bereits seit Bekanntwerdung des Problems wechseln und treibt dies auch voran; alleine muß das Teil erst einmal entwickelt werden, geprüft werden, zugelassen werden, und letztlich eingebaut werden, ohne den Betrieb über Gebühr zu behindern. Es geht hier nicht um das Redesign einer zu schwachen Schraube am Regal "Billy", sondern um ein sicherheitskritisches und betriebsrelevantes Bauteil in einem äußerst technisch aufwendigen Eisenbahnfahrzeug.
Wir feiern heute also die Bahn von 2002 und tun so, als würde noch der Mehdorn uneingeschränkt die Misstöne angeben oder gar verteilen. Eine echte Beruhigungsspritze ist das.
Der Zulassungsprozess hatte sich jedoch verzögert
Der Mai 2012, sprich Juni gleichen Jahres, hat alles neu gemacht, somit auch die Auswechslung der Radsätze die jetzt nicht mehr brechen sollen. Beim TGV hatte man nie so ein Problem, zumindest wurde nie darüber berichtet. Ist die deutsche Ingenieurkunst doch nicht das, für das man sie die ganze Zeit gehalten hat? Sind die deutschen Entwickler vom Waggonbauer Siemens jetzt beim "israelischen Blaumilchkanal" angekommen?
Wickelt sich die Bahn neuestens rückwärts ab? Das wird noch interessant. Kiefer erklärt dann dem Schlichter von Stuttgart 21 Heiner Geißler, "Alles war ein Irrtum" mit diesem unterirdischen Bahnhof, der Baumabholzung im mittleren Schlossgarten samt der Bedrohung des seltenen Juchtenkäfers. Aufatmen der Projektgegner. Aber der Albtraum CDU und dieser Stefan Mappus kommt doch nicht zurück, weil die Verstaatlichung der EnBW von der Grüne Partei gefressen wurde und die verdroschenen Milliarden das Land BW nicht mehr belasten.Ursprünglich sollte mit dem Austausch bereits 2011 begonnen werden. Bis dahin sollten die Ersatzwellen entwickelt, geprüft, vom Eisenbahnbundesamt zugelassen und produziert sein. Der Zulassungsprozess hatte sich jedoch verzögert
Ach, könnte Deutschland doch auch die Bundeskanzlerin rückabwickeln und hätte nie so viel Schulden!!
bevor jetzt wieder ein Bashing der Deutschen Bahn einsetzt:
nicht die Deutsche Bahn hat die schlechten Achsen zu verantworten, sondern der Hersteller bzw. Zulieferer der ICE 3-Züge. Durch die kürzeren Inspektionsintervalle und die Umrüstung fehlen der DB Züge und es entstehen ihr nicht unerhebliche Folgekosten.
Der Vorteil des ICEs gegenüber dem TGV waren die langen Wartungsintervalle der Räder. Erzielt wurde dies durch ein auf einem Hochgeschwindigkeitsprüfstand entwickeltes Radreifenprofil. Die Sparbremse bei den Güterzügen verändert die Laufflächen der Güterzüge. Diese verändern die Schienen, diese widerum die ICElaufflächen. Dann wirds nix mit den langen Wartungsintervallen.
Ja und da stand drin, dass die Achse 'dauerfest' zu sein hat. Was sie am Ende nicht war. Nun mag man darüber streiten, ob dass mit der Dauerfestigkeit an sich ein gute Idee war und ob man es nicht besser bei den konventionellen Achsen belassen hätte, aber der Hersteller hat der DB eine als dauerfest bezeichnete Achse geliefert und die Zulassungsbehörde hat das Ding anstandslos abgenommen.
Die Geschichte beweist, welche Auswirkungen die Schmiergeldaffäre des Herstellers haben. Wenn Bestechungsgelder auf der politischen und der Managementebene fließen, dann ist es den Beteiligten egal ob dadurch das Leben und die Gesundheit von Fahrgästen gefährdet werden. Wenn der Rubel rollt dann korrigieren Einkäufer Pflichtenhefte oder sie drücken bei Qualitätskontrollen beide Augen zu.
Die Leidtragenden sind die Geldgeber der Bahn AG denn die muss jetzt durch teure Nachrüstungen das Sicherheitsrisiko beseitigen. Und sie muss sich auf einen Rückgang der Fahrgastzahlen gefasst machen denn es ist möglicherweise zu befürchten dass noch andere Sicherheitsrisiken verheimlicht werden.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an einen bestimmten Bahnchef der gefeuert wurde weil er Bestechungsskandale auf den Grund gehen wollte.
Juristisch wurde die Schuldfrage nie geklärt, da man sich außergerichtlich auf eine Kostenteilung zwischen Bahn, Zughersteller (Konsortium aus Siemens und Bombardier) und dem Hersteller der Radsätze (Radsatzfabrik Ilsenburg) geeinigt.
Wie kam es dazu? Die Bahn hat dauerfeste Radsätze nach EN 13104 aus einer neuartigen Stahlsorte bestellt. Die neue Stahlsorte sollte zu leichteren Radsätzen führen. Siemens und Bombardier haben diese Bestellung an die Radsatzfabrik durchgereicht, wie im Übrigen auch die Firma Alstom beim ICE-T. Die Radsätze wurden von der DB und vom Eisenbahnbundesamt (EBA) abgenommen. Heute weiß man, dass die Norm EN13104 fehlerhaft war und dass die neue Stahlsorte ein tückisches Rissverhalten hat. Die neuen Radsätze werden darum wieder aus der seit vielen Jahrzehnten bewährten Stahlsorte gefertigt.
Es handelt sich um ein kollektiven Irrtum der gesamten Bahnbranche. Der Anstoß für die neue Stahlsorte kam zwar von der Bahn aber auch die 3 größten Zughersteller der Welt (Bombardier, Alstom, Siemens) und die Zulassungsbehörde (EBA) haben dem zugestimmt.
Beim TGV ist das nicht passiert, weil die französische Bahn zurückhaltender ist als die deutsche Bahn beim Einsatz neuer Technik. Bis heute hat die französische Bahn keine Neigezüge, keine Wirbelstrombremse, keine Hochgeschwindigkeitszüge mit verteiltem Antrieb. Andere Technologien wurden in Frankeich 10 - 20 Jahre später als in Deutschland eingeführt, wie z. B. Antriebe mit Drehstromasynchronmotore (die beim Bremsen Strom in die Oberleitung einspeisen) oder die Magnetschienenbremse.
Wenn man wie die deutsche Bahn immer die neueste Technik will, die Hersteller zu kurzen Lieferfristen drängt und trotzdem wenig bezahlen will (ein TGV ist pro Sitzplatz etwa 25 % teurer als ein ICE 3) geht man auch größere Risiken ein.