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Amtsgericht: Burschenschafter hat Widerstandskämpfer verunglimpft

dapdEin hoher Burschenschaftsfunktionär hatte den Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als Landesverräter bezeichnet, jetzt soll er dafür zahlen: Das Amtsgericht Bonn hat Strafbefehl gegen ihn erlassen. Der Burschenschafter will das nicht hinnehmen.

Amtsgericht Bonn erlässt Strafbefehl gegen Norbert Weidner - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    Funktionierende Justiz

    Da sieht man es deutlich: die Justiz scheint zu funktionieren. Eine längst fällige und "rein juristisch" zutreffende entscheidung des Gerichtes.
  2. #2

    Verräter

    Man kann sich nur wünschen, dass das Gericht diesen Mann für seine Äußerungen bestraft. Ich finde, das ist notwendig, gerade wenn man liest, was für abwegige Argumente Menschen ins Feld führen, die anscheinend immer noch nicht begriffen haben, dass der Widerstand gegen die Nazis kein Verrat war sondern etwas, das die Katastrophe hätte verhindern können. Ich finde es wirklich wichtig, dass das gerade von der Instanz bestätigt wird, die sich seinerzeit ihre Unabhängigkeit hat nehmen und durch die Nazis die Verräter des deutschen Volkes gleichschalten lassen.
  3. #3

    10.000 Bonhoeffers

    Zitat von jaxxx Beitrag anzeigen
    Eine berechtigte Kritik an einem Widerstandskämpfer, der durch seine "heldenhaften" Taten, die nachweisbar aus Verrat bestehen, den Tod von deutschen Soldaten verursacht, ist also Verunglimpfung. Eine beleidigende und beweis- und haltlose Unterstellung ist vom Grundgesetz geschützte Meinungsäußerungen. Ein Schelm wer da Böses denkt. :) Ganz davon abgesehen, dass die Burschenschaftlichen Blätter nicht "öffentlich" sind, sondern als interne Zeitung in Burschenschaften, für Burschen. Sie sollen auch eine interne Diskussionsplattform für Burschen darstellen.
    Hätten Millionen (auch deutsche) Menschenleben gerettet mit derartigen Taten, die Sie als Verrat und den Tod deutscher Soldaten verursachend bezeichnen. Was Sie als beweis- und haltlose Unterstellung bezeichnen, wird allein durch die Äußerung zu Bonhoeffer durchaus ausreichend belegt. Zudem gibt es etliche weitere Äußerungen, Artikel und Taten dieses Burschenschaftlers, die es rechtfertigen, ihn als rechtsradikal zu bezeichnen.

    Und mit dem Begriff "öffentlich" haben Sie offensichtlich beträchtliche Schwierigkeiten.
  4. #4

    Mich erstaunt immer wieder die niedrigen Tagessatzhöhen, zu denen diese Herrschaften regelmäßig verurteilt werden.

    40 Euro Tagessatz lassen nicht unbedingt auf eine qualifizierte Tätigkeit schließen. Und damit liegt er vergleichweise zu anderen seiner Sorte noch hoch. Aber als Burschenschafter wird er ja Akademiker sein.
  5. #5

    nichts desto weniger....

    ... wundert es mich, daß man in Deutschland mittlerweile nicht mehr sagen kann, was man glaubt zu wissen - unabhängig davon wie idiotisch das Gesagte ist, muß es doch mögllch sein, auch den letzten Mist äußern zu dürfen. Ja, der Burschenschafter erzählt Blödsinn - zumindest nach meinen Wertevorstellungen; ja es ist ein Unding sowas zu behaupten! Aber - Nein, keine Urteile deswegen, keine Gesinnungsjustiz! Wo bewegen wir uns hin?
  6. #6

    Das Grundgesetz schützt auch akademische Dummköpfe

    [QUOTE=jaxxx;10668382]Eine berechtigte Kritik an einem Widerstandskämpfer, der durch seine "heldenhaften" Taten, die nachweisbar aus Verrat bestehen, den Tod von deutschen Soldaten verursacht, ist also Verunglimpfung. Eine beleidigende und beweis- und haltlose Unterstellung ist vom Grundgesetz geschützte Bonhoeffer: von der Dummheit. Ein Schelm wer da Böses denkt. [...][/QUOTEätzl

    Haben SIE noch nie darüber nachgedacht, wie viele - zusätzliche - tote Soldaten UND ZIVILISTEN (auch, aber nicht nur deutsche) diejenigen verurssacht hatten, die gegenüber ihrem "Führer und Reichskanzler" keinen "Verrat" begehen wollten, selbst als er das eigene Volk in seinen persönlichen Untergang mit hineinreißen wollte?

    "Gedankenlosigkeit tötet - andere". St. J. Lec, polnischer Aphoristiker.

    Dringende Lektüreempfehlung: D. Bonhoeffer, Von der Dummheit.
    Bonhoeffer: von der Dummheit
  7. #7

    Rein juristisch gerechtfertigt

    war dann wahrscheinlich erst recht eine Kleinigkeit, wie das Verbot der Burschanschaften durch die Nazis. Aber logisch, für Herrn Weidner sind seine Bundesbrüder ja auch eher "Kameraden", er scheint in der Denkwelt zwischen 1933 und 1945 gefangen zu sein. Wie er das mit den Burschenschaftlichen Idealen in Einklang bringen kann, verstehe wer will. In jedem Falle trägt die schwerste Krise der Deutschen Burschenschaft schon heute seinen Namen. Und da er weiter eisern an seinem Amt klebt, kann wohl nur eine strafrechtliche Verurteilung diesen Zustand beenden.
  8. #8

    Volltext

    Der Leserbrief war in einer Mitgliederzeitung eines Bundes abgedruckt. Auflage ca. 100 Stück.

    Und hier der Volltext zu den im Spiegel genannten Zitaten:

    "Ich möchte ausdrücklich betonen, daß meine Kritik an den Verschwörern nicht als Sympathiebekundung für den Nationalsozialismus verstanden werden darf. Das Eintreten gegen eine undemokratische und totalitäre Diktatur ist ehrenwert! Darüber brauchen wir nicht zu streiten! Aber es ist eine Frage der Moral, wie man gegen eine Diktatur vorgeht. Der Hochverrat mag ein probater Weg sein, der Landesverrat auf Kosten von tausenden Soldaten an der Front und der durch diese beschützten Flüchtlinge besonders in den Ostgebieten ist es sicherlich nicht. Hier muß zwischen Hochverrat und Landesverrat genauestens differenziert werden. Und Bonhoeffer war zweifelsfrei ein Landesverräter."

    "Verhaftet wurde Bonhoeffer am 5. April 1943 allerdings nicht aufgrund seiner verschwörerischen Taten, sondern aufgrund von rein kriminellen Devisenschiebereien im Bereich der Abwehr. Die Umstände im Gefängnis Tegel müssen sehr erträglich und auch im Widerspruch zur herrschenden Geschichtsschreibung gewesen sein: Als ihn sein Onkel Generalmajor Paul von Hase besucht, zecht man über fünf Stunden inklusive Freigang gemeinsam mit dem „Stargefangenen“ und der Gefängnisführung und „schafft“ dabei vier Sektflaschen. In BRD-Gefängnissen dürfte es nicht so fidel zugehen. Der „Zossener Aktenfund“ im September 1944 ändert diese Vorzugsbehandlung aber schlagartig. Dieser Aktenfund belegt das landesverräterische Engagement Bonhoeffers und besiegelt sein Schicksal: Die Hinrichtung am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg. Rein juristisch halte ich die Verurteilung für gerechtfertigt. Hier mag nun der eine oder andere empört aufschreien, aber wenn ich den Verrat in Kriegszeiten beurteile, der dazu führt, daß Deutsche an der Front zu Tausenden hingemetzelt werden, ist ein solches Urteil nachvollziehbar. Auf Landesverrat hat zu allen Zeiten und vor allem während des Krieges im schlimmsten Fall der Tod gestanden, ganz gleich, welche Staatsform regierte."

    "Daher ist es interessant, daß die Leitung der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem es nach wie vor ablehnt, Dietrich Bonhoeffer als „Gerechten der Völker“, also als anerkannten und einwandfreien Gegner des Nationalsozialismus, aufzulisten, der sein Leben für die Rettung von Juden einsetzte. Einen lebensbedrohenden Einsatz für Juden habe es nicht gegeben. Und auch der
    Bundesgerichtshof, unzweifelhaft freiheitlich-demokratischen Gesichtspunkten verpflichtet, sprach die Richter, die Bonhoeffer verurteilten, 1956 ausdrücklich frei."

    Den Rest bitte selbst ergoogeln. Erst lesen - und bitte erst danach und nur danach! - soll sich bitte jeder seine Meinung bilden.
  9. #9

    Man lässt ihn

    Zitat von überholspur Beitrag anzeigen
    war dann wahrscheinlich erst recht eine Kleinigkeit, wie das Verbot der Burschanschaften durch die Nazis. Aber logisch, für Herrn Weidner sind seine Bundesbrüder ja auch eher "Kameraden", er scheint in der Denkwelt zwischen 1933 und 1945 gefangen zu sein. Wie er das mit den Burschenschaftlichen Idealen in Einklang bringen kann, verstehe wer will. In jedem Falle trägt die schwerste Krise der Deutschen Burschenschaft schon heute seinen Namen. Und da er weiter eisern an seinem Amt klebt, kann wohl nur eine strafrechtliche Verurteilung diesen Zustand beenden.
    Nur deshalb kann er weiterhin an seinem Amt kleben. Er genießt (bedauerlicherweise) anscheinend noch genug Rückhalt innerhalb der Bewegung, die sich dadurch endgültig selbst disqualifiziert.

    Die Burschenschaften sind nun einmal ein Sammelbecken Ewiggestriger mit wenigen liberalen oder gar sozialdemokratischen Abweichlern.

    Dieses Kleben könnten die Burschenschaftler schnell selbst beenden, wenn sie denn wollten. Offensichtlich wollen sie nicht.


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