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Als Lehrerin in China: Mein Alltag in der Lernfabrik

Katja MeußSechs Jahre lang unterrichtete Katja Meuß, 61, an einem chinesischen Elite-Gymnasium. Bis zuletzt war sie befremdet: Teamarbeit ist verpönt, gewinnen gefordert und wer Fehler macht, wird ausgelacht. Ein Erfahrungsbericht.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/a...815668,00.html
  1. #40

    Die Frau ist zu alt

    Für mich spricht aus dem Artikel eine verschmähte Liebe. Diese Frau hats einfach nicht geschafft (und das nach 6 !!! Jahren), sich hier in China zurecht zu finden. Schade.
    Ich denke, es gibt eine ganze Menge, die Deutschland von China lernen könnte:

    Wenn man sich mal auf einem chinesischen Schulhof aufhält, dann wird auffallen, wie harmonisch die Kids zusammen spielen und sich nicht wie auf westlichen Pausenhöfen gegenseitig die Rüben einhauen.
    Im Artikel steht nichts über den ungeheuren Leistungsdruck, den die jungen Chinesen seitens ihrer Eltern haben. Die Schüler kommen meist erst abends um 6 aus der Schule und haben auch noch am Wochenende Privatstunden.

    Ja, die Chinesen ticken anders. Weil man hier weiß, dass Bildung ein GUT ist, das man schätzt und ernst nimmt. Das ist kein Wunder im Land von Konfzius, wo Handarbeit dermaßen verpönt ist.
    Und Innovatives aus China? Oh! Liest man denn keine Statistiken? Ein Drittel aller weltweiten Patente kommen momentan aus, na? CHINA!
    Solche Artikel wie dieser verhärten nur ein Chinabild, das uns zwar im Moment schön weiterträumen lässt. Aber bald wird auch Deutschland sehen müssen, wie kreativ die Menschen hier sind :)
    Macht euch schon mal frisch !
  2. #41

    Bin ich hier der Nachhilfelehrer?

    Zitat von kaksonen Beitrag anzeigen
    ... wenn Sie uns einige der zahllosen Beispiele vorstellen?
    Schauen Sie doch selber im Internet. Fahren Sie nach China. Lernen Sie Chinesen kennen und machen Sie sich selber ein Bild.

    Ich bin doch nicht ihr Nachhilfelehrer.
  3. #42

    Das Regime

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sechs Jahre lang unterrichtete Katja Meuß, 61, an einem chinesischen Elite-Gymnasium. Bis zuletzt war sie befremdet: Teamarbeit ist verpönt, gewinnen gefordert und wer Fehler macht, wird ausgelacht. Ein Erfahrungsbericht.

    Als Lehrerin in China: Mein Alltag in der Lernfabrik - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Das Regime an der Macht halten geht nun mal besser mit Menschen die Angst haben aus der Masser heraus zu stechen.
    Kreativität, mit anderen Zusammenarbeiten ist da unerwünscht evtl. gefährlich für das einparteien Regime.
  4. #43

    Kulturschock - 6 Jahre lang!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sechs Jahre lang unterrichtete Katja Meuß, 61, an einem chinesischen Elite-Gymnasium.

    Als Lehrerin in China: Mein Alltag in der Lernfabrik - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Die anderen Kommentatoren haben einiges schon klargestellt. Diese Artikelserie berichtet in teilweise ziemlich zynischem oder überheblichem Ton aus einer Perspektive, die eine geringe Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort offenbaren.
    Frau Meuß unterrichtete an einer Kader-Schule. Die meisten Schüler dort sind entweder Kinder von Familien mit sehr guten Verbindungen zur Regierung und zur Partei - oder sie sind reich und haben sie den Platz in dieser Schule erkauft.

    Fast alle Situationen, die hier beschrieben werden, sind verzerrt dargestellt und völlig falsch interpretiert. Interkulturelle Blindheit spricht aus diesen Seiten.

    Mit einer Ausnahme. Der Umgang mit dem Selbstmord einer Schülerin oder Studentin schockt auch mich immer noch. Es vergeht kaum ein Monat, an dem es nicht zu einem Selbstmord an einer großen Universität kommt. Das ist nicht typisch Chinesisch, aber es kommt auch hier vor.
    Wenn man lange Jahre in China lebt, dann muss man einfach über diese arrogante und uninformierte Sichtweise der kulturellen Besonderheiten hinauswachsen. Frau Meuß hat es offenbar nicht geschafft, trotz der Bevorzugung, die sie als Lehrerin der Nankai-Schule genoss.

    Schade.
  5. #44

    Kreativität in China

    China verändert sich sehr schnell. Viele Dinge die bei uns seriell funktionierten, passieren in China parallel.

    Ich war selber mehrmals beruflich und privat in China und finde, dass ttrotz aller kultureller Unterschiede China ein kreatives Land ist. Wenn man sich die Entwicklung Chinas seit den 40er Jahren anschaut, dann ,muss man feststellen, welch gewaltige Entwicklung dieses Land hinter sich hat und in welchem Maße sein Wohlstand gewachsen ist.

    Dies ist überhaupt nur möglich, wenn ein gewisses Maß an Kreativität vorhanden ist. Gleichzeitig ist in China auch ein hohes Maß an Disziplin vorhanden. Mit der voranschreitenden Öffnung gegenüber dem Westen und der Industrialisierung, nimmt die Disziplin etwas ab, die Freiheit nimmt zu und mit ihr auch die Kreativität.

    Mit jeder neuen Generation verändert sich China. Und die jungen Leute von Heute, wie man so schön sagt, die gleichen den jungen Leuten aus dem Westen immer mehr.
    Die Kinder sprechen in China am besten Englisch. Fragt man 40 jährige auf der Straße etwas in Englisch, antworten die wenigsten. Aber fragt man einen jungen Bengel, dann kann der meist Englisch. Nur mal als Beispiel.
    Was die Kreativät betrifft, so gibt es in China viele Künstler, Designer, Werbegrafiker.
    Kreativpotenzial: China: Reich der Ideen - Ausland - Politik - Wirtschaftswoche

    In diesem Artikel aus der Wirtschaftswoche möchte ich belegen, wie sehr sich die Kreativätit in China weiter entwickelt.

    Abschließend möchte ich sagen, wie sehr mir die einseitigen Anti-China-Artikel in Deutschland mißfallen. Sie sind geprägt von Unwissenheit, Desinteresse, Angst und wohlstandsverwöhnter Hochnäsigkeit und auch sogar fehlender Anpassungs- und Lernbereitschaft.

    Wenn Deutschland mit China mithalten will, dann muss es wieder mehr Disziplin wagen. Die Alt-68er-Lehrerin ist genau das falsche Leitbild.
  6. #45

    Ich zweifle den Wahrheitsgehalt des Artikels nicht an, aber

    der Bericht besteht leider nur aus einer Handvoll zusammengewürfelter Erfahrungen, die zudem nahezu unreflektiert niedergeschrieben wurden.

    Vermutlich handelt es sich um diese Schule: Tianjin Nankai High School - Wikipedia, the free encyclopedia

    Der amtierende Premier höchstselbst ist demnach ein Absolvent dieser Schule. Sie wurde Anfang des vorigen Jahrhunderts nach westlichem, vor allem britischem (!), Vorbild gegründet. Seither hat sich an Lehrmethoden wohl nicht viel geändert. Das Bewahren von Geschichte und Traditionen ist immer grundlegender Bestandteil so genannter "Eliteschulen" und begründet deren herausgehobene Stellung. Es ist daher schon befremdlich, wenn darüber jemand erstaunt ist.

    Da es sich um eine "Eliteschule" handelt, welche die Kinder unter anderem auf höchste Weihen vor allem in Partei und Ministerien vorbereiten soll, liegt es doch auf der Hand, dass die Kinder offenbar schon seit ihrer frühen Kindheit von Eltern und wahrscheinlich diversen Pauk- und Nachhilfeschulen gedrillt worden sind. Dazu passt ins Bild, dass Drill und Tadel, wie sie uns in Deutschland heute befremdlich erscheinen (noch vor wenigen Jahrzehnten war das anders), sogar ausdrücklich erwünscht sind von den Eltern.

    Weitere Merkmale diese Artikels: Allerlei Herumdeuterei: "... lachten alle laut - als ob sie dachten: "Wie gut, dass es mich nicht erwischt hat!" - Ist doch logisch, dass der hier beschriebene mehrfache soziale Tabubruch Irritation, peinliche Berührtheit oder einfach Belustigung (jedes davon kann in China in Gelächter münden) auslöst, oder?

    Kaum Reflexion: "Namen auf Kärtchen, die die Schüler während des Unterrichts mit Clips an ihrer Kleidung befestigten" - Ist das willkürliche Verteilen von Namen so viel besser als das Anreden mit Nummern?

    Interkulturaliststischer Tunnelblick: Nicht alles, was ich in einem fremden Land sehe, muss typisch für gerade dieses Land sein. "Oft fing das Gelächter schon an, wenn ich einen schwachen Schüler nur aufrief.", "Auch das Stehen im Unterricht war als Strafe sehr verbreitet. Oder sie rezitierten vor dem Lehrer lange Passagen eines auswendig gelernten Stoffes." - Das deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen an einem angesehenen Berliner Gymnasium, und das ist so lange nun auch wieder nicht her. Vom Alter her hätte Frau Meuß auch meine Lehrerin dort sein können.

    Dieses Niveau hätte ich von einer deutschen Lehrerin mit reichlich Berufserfahrung nicht erwartet - und das meine ich nicht sarkastisch.
  7. #46

    Das China-Bild in unseren Medien

    Zitat von 83774 Beitrag anzeigen
    Erstaunlich viele kritische, ablehnende Kommentare hier. Warum sollte Frau Meuß eine derart verzehrte Sicht der Dinge wiedergeben?
    Vielleicht deshalb, weil sie eine verzerrte Sicht hat?
    Der Bericht ist wirklich einseitig - einfach weil er nur eine Seite der Sache beleuchtet, nämlich die negative. Eine halbe Wahrheit ist manchmal schlimmer als eine ganze Lüge.

    Zitat von 83774 Beitrag anzeigen
    Ich finde das Bild, das sie zeichnet paßt zu allem, was über China und dessen kalter, rücksichtloser Gesellschaft bisher berichtet wurde (man erinnere sich nur an die Geschichte mit dem kleinen Mädchen, dass von einem Kleinlaster zweimal überfahren wurde und keiner half).

    Die große Zahl der seltsam kritischen Antworten hier hinterläßt bei mir den Eindruck als ob China bereits, über bezahlte oder regimetreue Kommentatoren versucht, realistische klingende Meinungen in der westlichen Presse zu diffamieren.
    Ich hab einfach mal die problematischen Worte in Ihrem eigenen Text fett hervorgehoben; man könnte beinahe vermuten, Sie wären hier der Auftragsschreiber. Wie oben schon geschrieben: Halbe Wahrheiten...
    Ich halte mich lieber an das, was ich selber sehe und höre. Das ist zwar auch kein vollständiges Bild, aber liefert manchmal recht... - äh, verblüffende Ergänzungen zu unseren Medien. Die chinesische Öffentlichkeit mag "kalt" sein (mehr als die erfährt oder erlebt der übliche Tourist ja auch nicht), die chinesische Gesellschaft ist es meiner Meinung nach nicht.

    Zitat von 83774 Beitrag anzeigen
    Ich kann mich vor diesen Kindern nur fürchten, denn wenn sie erstmal in Führungspositionen in Politik und wirtschaften gelangen, werden wir die Rücksichtslosigkeit des chinesischen Systems noch stärker zu spüren bekommen.
    Haben Sie den Bericht nicht gelesen? Die vorige Generation dieser Kinder ist doch längst dort! Und die davor auch.
    Die größte Unbekannte in der Rechnung ist wahrscheinlich die Ausprägung von Nationalstolz oder Nationalismus. Der Rest sollte aus westlichen Ländern oder sogenannten "jungen Demokratien" wie Weißrussland oder Asebaidshan mehr oder weniger bekannt sein.


    Gruß,
    Steve
  8. #47

    Ich glaube schon, dass die deutsche Lehrerin den chinesischen Schulalltag so erlebt hat.

    Erst kürzlich habe ich einen Internet-Artikel von einem Süd-Koreaner gelesen. Der hat ebenfalls die soziale Kälte und das Bildungssystem seines Landes kritisiert.

    Die Ursachen liegen im knallharten Konkurrenzkampf innerhalb der Gesellschaft. Schon heute gibt es Abermillionen arbeitslose Hochschulabsolventen in China. Alle (gerade auch in China) wissen, wie furchtbar das chinesische Schul- und Bildungswesen ist. Aber wer nicht mitmacht, hat schon verloren. Und das, in einer kapitalistischen Gesellschaft in Reinstkultur (Manchesterkapitalismus im 21. Jhr.).

    Der Egoismus kommt im Übrigen nicht vom kollektiven Denken, sondern von der Individualisierung der Gesellschaft. Kollektiv wurde in der DDR gedacht, da gab es eine Kultur des Zusammenhalts. Im heutigen China geht es nur ums individuelle Vorankommen, da ist kein Platz für falsches Mitleid. Die Familie ist Alles, worauf man sich in China heute noch verlassen kann.

    Ein bischen Kritik muss ich auch an der Lehrerin üben: Namensschilder sind gut und richtig - aber dann doch bitte die richtigen Chinesischen Namen.
    Das Verständnis der chinesischen Lehrer ist gerade an einer Eliteschule elitär bis arrogant. Die Lehrer halten sich für etwas besseres, weil sie hier arbeiten und die Schüler, weil sie hier lernen dürfen.
    Eine Mischung, die auch in Europa (z.B. in UK) bisweilen unappetitliches Verhalten offen legt.
    Das chinesische Bildungssystem ist nur oberflächig erfolgreich und bereitet nicht wirklich auf das 21. Jhr. vor.

    Deswegen schicken alle reichen Chinesen ihre Kinder spätestens zum Studium nach Europa, Amerika oder Australien.
  9. #48

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sechs Jahre lang unterrichtete Katja Meuß, 61, an einem chinesischen Elite-Gymnasium. Bis zuletzt war sie befremdet: Teamarbeit ist verpönt, gewinnen gefordert und wer Fehler macht, wird ausgelacht. Ein Erfahrungsbericht.

    Als Lehrerin in China: Mein Alltag in der Lernfabrik - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL
    Ein guter Bekannter der knapp ein Jahr beruflich als Ingenieur dort ein Projekt betreut hat schilderte ganz ähnliche Eindrücke, sowohl aus privatem als auch beruflich,öffentlichem Erleben. Fehlendes Mitgefühl gegenüber Schwächeren, wenig Hilfsbereitschaft (vor allem in der Öffentlichkeit wenn z.B.jemand stürzte,Dinge verlor oder ihm runterfielen), hohe Bereitschaft sich über die Fehler/ Missgeschicke anderer lustig zu machen verbunden mit dem Willen sich unbemerkt auch gegen die Regeln einen Vorteil zu verschaffen konnte er oft beobachten. Auch die Fantasie bei der Suche nach Lösungswegen bei Problemen in der Arbeit schien ihm begrenzt. Gleichzeitig wurde sich auch gern mal mit fremden Federn geschmückt Hauptsache man war Gewinner oder schien es zu sein.
    Liest man diesen Bericht wird dieses Verhalten offenbar schon früh gefördert. Diese Verhaltensmuster kannte er grundsätzlich natürlich auch aus westlichen Arbeitsumfeldern in den USA oder Spanien(natürlich auch in Deutschland!) aber bei weitem nicht in dieser Ausprägung.
    Interssant ist das im Forum diejenigen, die selbst dort gelebt haben meist ähnliches schildern, während viele andere ohne Vororterfahrungen diese Verhaltensweisen entweder als verzerrt/falsch oder schlimmer noch als vorbildhaft bezeichnen. Sehr traurig.
  10. #49

    Zitat von curryander Beitrag anzeigen
    Für mich spricht aus dem Artikel eine verschmähte Liebe. Diese Frau hats einfach nicht geschafft (und das nach 6 ! Jahren), sich hier in China zurecht zu finden. Schade.
    Ich denke, es gibt eine ganze Menge, die Deutschland von China lernen könnte:

    Wenn man sich mal auf einem chinesischen Schulhof aufhält, dann wird auffallen, wie harmonisch die Kids zusammen spielen und sich nicht wie auf westlichen ......
    Sind Sie tatsächlich der Meinung, dass man in Deutschland den Leistungsdruck auf chinesisches Niveau anheben sollte, die Kinder erst um 6 aus der Schule lassen und ihnen am Wochenende auch noch Privatstunden verpassen sollte. Ist es das, was Deutschland aus China lernen sollte?
    Nach über 30 Jahren Pausenaufsichten auf einem "westlichen" Pausenhof habe ich nur zwei Prügeleien in Erinnerung. Ich will das nicht verallgemeinern, wohl aber damit Ihrer Verallgemeinerung entgegentreten.
    Was Ihre Statistiken betrifft: Bei mehr als der Hälfte der chinesischen Patente handelt es sich um Gebrauchsmusterschutz. Für Europa stellt welt online im April 2012 fest:

    "27 Prozent aller bei der europäischen Behörde angemeldeten Schutzschriften kommen aus den USA. Gleich auf Platz zwei rangieren die Deutschen mit 20 und auf dem dritten Platz die Japaner mit 16 Prozent."

    China kommt hier nicht vor. Noch nicht. Dazu müssten sie wohl erst ihr Ausbildungssystem umstellen.


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