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Alptraum Promotion: Doktoranden vor der Pleite

Dumpinglöhne, Selbstausbeutung und sehr viel Arbeit: Zehntausende deutsche Doktoranden leben in prekären Verhältnissen. Statt sich um den notleidenden Forschernachwuchs zu kümmern, setzen die Universitäten auf Prestigeprojekte. Jetzt regt sich Widerstand.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...706286,00.html
  1. #70

    Dr. Unnütz

    Den meisten Leuten, die so einen Kram machen und zwecks Namensverlängerung ein so pseudowisschenschaftliches wie weitgehend sinnfreies Produkt erstellen, das eine Leserschaft im hohen einstelligen Bereich finden wird, kann man wohl auch kaum helfen. Es sind wohl meistens Leute, mit Angst vor der Wirklichkeit bzw. mit Null Plan, was sie im Leben machen wollen, die sich so noch eine Weile in der Wärmestube Uni rumtreiben. Wirtschaftlich gesehen bringen diese Titel gar nichts, denn in der Wirtschaft wird kommt es auf Fähigkeiten an, die Länge des Namens ist weitgehend uninteressant und mit Leuten, die drei Jahre ihres Lebens mit Pillepalle verbracht haben, wird kaum jemand was anfangen können.
  2. #71

    Letztlich

    Zitat von Dodol Beitrag anzeigen
    Was für ein Witz, von allen brotlosen Künsten gerade einen Germanisten für diese Story auszuwählen. Der Autor wird wohl Schwierigkeiten haben überhaupt einen Germanistendoktoranten zu finden der davon leben kann.

    Ich kann eh allen Studenten nur raten sich den Doc zu sparen, arbeiten zu gehen und richtige Berufserfahrungen zu machen. Ausser man will an der Uni verbeamtet! (Prof) werden, oder man strebt eine echte Forscherkarriere (machen am Ende die allerwenigsten) an, ist der Doc im Grunde Zeitverschwendung.

    Ausser bei solchen Studiengängen (Chemie,Med...) wo der Doc im Grunde nur eine Verlängerung des Regelstudiums ist, wird ein Doktorant in der Industrie mehr und mehr als das anerkannt: einer der nicht weiß was er will und zuviel Zeit an der Uni verschwendet.
    bringen Sie es auf den Punkt. Allerdings mit der Einschränkung, dass als Übergangslösung eine Promotion bei fehlenden Alternativen immer noch besser ist als sich aufgeben oder nichts tun.
  3. #72

    Berufserfahrung

    Von Dodol: "Ich kann eh allen Studenten nur raten sich den Doc zu sparen, arbeiten zu gehen und richtige Berufserfahrungen zu machen. Ausser man will an der Uni verbeamtet! (Prof) werden, oder man strebt eine echte Forscherkarriere (machen am Ende die allerwenigsten) an, ist der Doc im Grunde Zeitverschwendung."

    Zitat von Hamburgues Beitrag anzeigen
    bringen Sie es auf den Punkt. Allerdings mit der Einschränkung, dass als Übergangslösung eine Promotion bei fehlenden Alternativen immer noch besser ist als sich aufgeben oder nichts tun.
    ja ja, die Industrie und 'richtig arbeiten' als Quell der Innovation - das ich nicht lache. Die Industrie ist im Regelfall konservativ (ich erinnere an die Erfindung der selbstreinigenden Oberflaechen an einer Universitaet; die Industrie hat das Konzept abgelehnt weil 'wenn es so etwas gaebe haetten wir es schon' usw.). Eine Promotion bringt die Erweiterung des Grundlagenwissens, tieferes Verstaendnis eines - zugegeben - meist sehr spezialisierten Bereiches, bringt den Doktoranden an den Stand der Forschung heran und entwickelt das kritische und reflektierte Denken - alles Dinge die man wenn man 'richtig arbeitet' nie lernen kann (Wann haben Sie das letzte Mal ein Fachbuch Ihres Bereiches aufgeschlagen um sich weitere Grundlagen zu erarbeiten?). Schliesslich erweitert eine gute Promotion auch das Gesamtwissen der Menschheit (um diesen hehren Begriff hier mal zu nutzen), und das kann durchaus auch praxisrelevante Auswirkungen haben (v. Ohain z.B. hat das Duesentriebwerk als Promotionsprojekt entwickelt - na, was sagen Sie jetzt - war das Zeitverschwendung??) Und das bringt die Promovierten gerade in der Industrie an die Fuehrungsstellen.
  4. #73

    Oder so

    Zitat von falcon12 Beitrag anzeigen
    Sagen wir mal so: Goethe war kein Ingenieur, Einstein war kein Schreiner, Kant war kein Dachdecker...
    Und sagen wir's mal anders: jeder von ihnen hat seinen Unterhalt selbst bestritten

    - Goethe war ein reicher Erbe, der in seinem ganzen Leben nie für seinen Unterhalt arbeiten musste

    - Einstein sorgte selbst für seinen spärlichen Lebensunterhalt. Erst als Hilfslehrer, dann als Angestellter des Patentamts Bern

    - Kant unterbrach sein Studium für 9 Jahre, um dessen Finanzierung durch Tätigkeiten als Hauslehrer sicher zu stellen.

    Sie sehen, keiner der von Ihnen Genannten durfte sich über eine finanzielle Förderung seiner akademischen Laufbahn freuen. Mir will scheinen, dass sich daran also der künftige gesellschaftliche Wert eines Akademikers nicht bemessen lässt.
  5. #74

    68

    Zitat von falcon12 Beitrag anzeigen
    Ich wollte mir meinem langen Beitrag primäe ausdrücken, dass (kostenlose) Ausbildung von Akademikern erstens:
    - langfristig (!) im Interesse der Öffentlichkeit ist
    - ein erkämpfter Erfolg der 68er (nein, ich bin keiner) ist. Denn davor waren Kinder aus Arbeiterfamilien (ich bin auch eines) kaum Chancen, eine Uni von innen zu sehen.
    Da wäre ich gern etwas präziser. Es ist nicht die kostenlose Ausbildung von Akademikern, die im Interesse der Allgemeinheit liegt, sondern eine Ressource an Menschen, die befähigt sind, einen guten Job zu machen. Dazu gehört nicht notwendig eine akademische Ausbildung, schon gar keine Titel, wohl aber die Erkenntnis von Verantwortung und die Bereitschaft sie zu übernehmen.

    Ich selbst habe mir - als Kind des Proletariats - mein Studium komplett selbst finanziert. Mir war klar, dass ich das nicht länger als eine Regelstudienzeit aushalten würde und habe deshalb entsprechend zügig abgeschlossen. Schneller als die meisten meiner Mitstudenten, die nicht noch einen Job nebenher hatten. Durch diese Umstände habe ich mehr gelernt, würde ich sagen, als durch das Studium selbst, nämlich Verantwortung zu übernehmen, hohe Erwartungen an mich zu haben und zu erfüllen und dass ich schaffen kann, was andere für unmöglich halten.

    Ich würde sagen, dass die Gesellschaft davon mehr profitiert, als von einem Doktoranden, der nicht fertig wird, weil er damit beschäftigt ist, sein Schicksal zu beweinen.
  6. #75

    lächerlich

    Es ist lächerlich, wenn jemand eine Gruppe mit dem Namen "Intelligenzija Potsdam" gründet, der einen Lehrvertrag über 504 Euro pro Semester unterschrieben hat und sich wundert, dass die Kohle nicht zum Leben reicht.

    Herr Bahn erörtert in seiner Dissertation, wie Gedichte auf der Theaterbühne umgesetzt werden können.

    Lieber Herr Bahn, wenn Sie z.B. über Effizienzsteigerungen von Abgaskatalysatoren promovieren würden, hätten Sie bestimmt eine nette Förderung!

    Und allen Foristen, die hier bereits Einstein bemüht haben, sei gesagt, der gute Albert war Angestellter des Schweizer Patentamtes, während er seine Relativitätstheorie geschrieben hat. Von wegen Förderung!
  7. #76

    Alle werden Ingenieur

    Na, hier sind ja viele Neunmalkluge unterwegs. Junge Leute mit 20 Jahren sollen also flugs etwas studieren, von dem man sicher weiss, dass man damit gesucht und wohlhabend wird.
    In meiner Schulzeit gab es endlos arbeitslose Ingenieure. Lehrer sassen zu tausenden rum. Orientalistik galt als Orchideenfach, bis man Leute brauchte, die einem die Islamisten und Terroristen erklärten. Die Leute sollen das studieren, wa sie wirklich können, nur braucht das Land eben nicht so viele Akademiker.
    Meine Prognose übrigends, dass die hier so gelobten BWler und Vowis demnächst in Massen arbeitslos sein werden. Schnellstudierte, geldgierige, alleswissende Berater und Investmentbanker will demnächst keiner mehr. Aber vielleicht kann man die auf Söldner/ Soldat umschulen.
  8. #77

    kleine Anmerkung

    Liebe Diskutanten,

    nachdem ich bemerkte, dass der Artikel aus dem UniSpiegel nun online ist, habe ich mit großem Erstaunen die Diskussionen dazu registriert. Da ich selbst als rahmendes Beispiel zum Thema fungiere - und Ihre kontroversen Reaktionen zeigen, dass Sie sich im Streitgespräch klar auf mich berufen - möchte ich doch einmal Stellung zu alledem beziehen.

    Zunächst einmal frage ich mich, wie Sie darauf kommen, dass ich keine Förderung erhalten habe, denn wie Sie - und ich bin mir sicher, das haben Sie getan - beim genauen Lesen feststellen konnten, wurde mir ab Oktober ein Dreijahresstipendium zugesprochen.
    Dieses Stipendium erhalte ich nicht, weil ich mich mit dem Thema „Märchen im Theater“ oder „wie Gedichte auf der Theaterbühne umgesetzt werden“ auseinandersetze. Ich kann verstehen, dass diese verkürzte Darstellung meines Promotionsprojektes bei Ihnen zu Irritationen führt, obwohl ich durchaus auch für solche Themen eine Berechtigung sehe. Aber nein, Thema meiner Arbeit ist die Entwicklung einer Methodik der Lyrikanalyse aus theatraler Perspektive. Eine Methodik, die einerseits dem menschlichen Bedürfnis nach Spiel Rechnung trägt und andererseits Wissen über lyrische Texte in neuer Form generiert. Übrigens etwas, wovon Ihre Kinder im Schulunterricht und Studium einmal ebenso profitieren könnten, wie von den „Effizienzsteigerungen von Abgaskatalysatoren“.

    Zu unserer Initiative sei angemerkt, dass wir eben gerade für die bessere Bezahlung von Lehraufträgen kämpfen. Aber sollen wir deswegen keine mehr annehmen? Lehren zu können ist eine wichtige Qualifikation auf der einen Seite, aber auch eine erfüllende Aufgabe auf der anderen. Mit positiven Zustimmungszahlen zu meinen Kursen von weit über 90% kann ich zumindest davon ausgehen, nicht nur etwas richtig gemacht zu haben, sondern es auch zu können. Und warum nun, so meine Frage, sollte ich dann nicht für meine geleistete Arbeit (ca. 80 Studierende im Schnitt) angemessen entlohnt werden und dies auch einfordern?

    Abschließend bleibt mir noch mit Verwunderung auf die negative Einstellung vieler Teilnehmer zu den Geisteswissenschaften einzugehen. Was wäre denn daraus zu folgern? Abschaffung der Geisteswissenschaften? Reduzierung auf Lehrerbildung? Wie stellen Sie sich das vor? Sollen in Zukunft nur noch Menschen nach der jeweiligen wirtschaftlichen Lage ausgebildet werden? - Es ist ein schwer errungenes Kulturgut, dass jeder Mensch in unserem Land, zumindest dem Gesetz nach, seine Ausbildung frei wählen kann, wobei die Anmerkung erlaubt sein muss: Sofern die finanziellen Mittel es ermöglichen. Ich selbst habe mich bis zum Stipendium mit Nebenjobs wie Nachhilfe durchgeschlagen, Wohngeld und dem restlichen Ersparten - wie im Artikel zu lesen. Sicherlich hätte ich mich in der freien Wirtschaft versuchen können. Aber weshalb sollte ich einen Weg - auch wenn er steinig ist - nicht gehen, wenn ich gut bin in dem, was ich tue? Und weshalb, das frage ich noch einmal, sollte ich die Missstände nicht anprangern?

    M. Bahn
  9. #78

    Werden Sie Pate

    Zitat von Artikel
    Bevor Michael Bahn vor 80 Studenten tritt, um ihnen die "Typenbildung in Theaterstücken" nahezubringen, schluckt er noch schnell ein Stück Traubenzucker. Ihm knurrt der Magen, auf ein ausgiebiges Frühstück am Morgen musste er verzichten. "Das Geld reicht einfach nicht", sagt der dürre Doktorand.

    Eine 500 g Packung Haferflocken gibt es für rund 30 Cent.
    Ich werde demnächst eine Patenschaft für einen hungernden Doktoranden übernehmen.
  10. #79

    zynisch

    Zitat von gelegentlicher Leser Beitrag anzeigen
    Eine 500 g Packung Haferflocken gibt es für rund 30 Cent.
    Ich werde demnächst eine Patenschaft für einen hungernden Doktoranden übernehmen.
    Zynismus auf Kosten anderer ist ein Armutszeugnis.


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