Dumpinglöhne, Selbstausbeutung und sehr viel Arbeit: Zehntausende deutsche Doktoranden leben in prekären Verhältnissen. Statt sich um den notleidenden Forschernachwuchs zu kümmern, setzen die Universitäten auf Prestigeprojekte. Jetzt regt sich Widerstand.
http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...706286,00.html
Weil es nur eine wahre Wissenschaft gibt?
Dass Sie Ihre Arroganz mal nicht blind werden lässt vor den Errungenschaften der Kultur- bzw. Geisteswissenschaften. Womöglich würden wir heute noch vom Boden fressen und unsere Höhlen-Nachbarn aus Langeweile meucheln.
Mal etwas überspitzt ;)
Dafür dass das Thema "wie Gedichte auf der Theaterbühne umgesetzt werden können" wirklich KEINEN müden Cent aus Steuergeldern bekommt, dafür würde selbst ich auf die Strasse gehen.
Was ist der Typ nachher? Doktor der Poesie?
Eine falsche Behauptung wird durch stete Wiederholung nicht richtiger. Wie kommen Sie auf die Behauptung Akademiker würden höhere Einkommen versteuern?
Frei nach dem Motto wer nicht studiert ist doof und verdient auch nichts?
Akademiker nutzen einen teureren Ausbildungsweg, dessen Nutzen für die Gesellschaft sich in keiner Weise von anderen Erwerbsformen unterscheidet, der Nutzen ist eben nur ein anderer. In der Arbeit einer Altenpflegerin oder eines Installateuermeisters kann ich nicht weniger erkennen, nur Anderes. Wie kommen Sie auf den krummen Ast Exportüberschuss wäre die einzig denkbare Lebensform? Ich halte diese Lebensform ganz im Gegenteil für gesellschaftsschädlich und opportunistisch, folgt sie doch immer nur dem eigenen Nutzen, nicht dem der Gesellschaft, die mehr oder weniger zufällig davon profitiert. Sozusagen die umgekehrte Form des Kolonialismus.
Kommen Sie mal wieder runter von dem Ross!
Ist Hedonismus nicht ursprünglich ein philosophischer Begriff? Ich meine, was von einem Epikur gehört zu haben ;)
Es grüsst ein durchaus hedonistisch orientierter Freund der Poesie und Philosophie... und immer schön dran denken: "Rasendes Automobil ist schöner als die Nike von Samothrake" (Marinetti)...
Dass Doktoranden sich derart abrackern müssen, um dann auf Annehmlichkeiten wie Freizeit, Kino und sogar ihr Frühstück verzichten zu müssen, und HarzIV Empfänger den lieben langen Tag zu Hause vor sich hinbrüten, in ihren 98qm Wohnungen (neue woche 33/10 berichtete von einem Paar in diesen Verhältnissen) und auf die neuen Beschlüsse der Diskussionen um die Erhöhung des Arbeitslosengeldes warten ist unfassbar. Natürlich bleibt den Arbeitslosen genug Zeit, sich bei Vater Staat zu beschweren und noch mehr Rechte und Gelder einzufordern, im Gegensatz zu den überarbeiteten Doktoranden, die sich das Verhältnis zu ihrem Doktorvater nicht verscherzen sollten. Haben die dann aber erst einmal promoviert, arbeiten sie fleißig, um das gute HarzIV zu finanzieren, die armen Arbeitslosen haben ja so wenig...
So eine Gleichmachung sollten wir uns in unserem Sozialstaat nicht bieten lassen. Der Kommunismus lässt grüßen...
Mit welcher vorauseilenden Unterwürfigkeit sich hier manche dem vermeintlich allheilenden Marktdiktats andienen, finde ich nicht nur angesichts der herrschenden Krise(n) und Bankenrettungen, gelinde gesagt, nur peinlich, devot und eindimensional. Ich vermute, dass sich diese Leute auch noch für „normal“ halten, obwohl sie im Grunde Radikale sind. Marktradikale.
Der Artikel selbst ist m.E. nicht besonders erhellend, eher reißerisch und auf Betroffenheit abzielend (was hier von einigen anscheinend geradezu als Provokation empfunden wird.).
Deutschland ist europaweit das einzige Land, in dem es unterhalb der Professorenebene hauptsächlich prekäre Anstellungsverhältnisse gibt (nur Österreich und Schweiz haben ähnliche Systeme bei besserer Entlohnung).
Ich finde es höchst erstaunlich, dass noch (fast) niemand auf die strukturell-historischen Ursachen eingegangen ist und stattdessen lieber der uralte, gegenseitig diffamierende (und zu nichts führende) Streit zwischen Natur- und Geisteswissenschaftlern reproduziert wird.
Fakt ist, dass durch die Privatisierung des Bildungssektors (Stichwort GATT/GATS-Abkommen) der Einflussnahme von Konzernen auf die Bildungspolitik und somit der konkreten Beeinflussung von Studieninhalten Tür und Tor geöffnet wurden. Mit der These, der private Sektor sei in sich stabil (hahaha), empfahlen OECD und IWF ihren Mitgliedsstaaten den Abbau staatlicher Infrastruktur zugunsten von Privatunternehmen. (Zugrunde liegen hier der „Washington Consensus“ (1990)und der „Maastricher Vertrag“(1992)). Das aktuelle Ergebnis sind die sog. Bologna-Reformen…
In Bezug auf Deutschland sollte festgehalten werden, dass es 1977 den sog. „Öffnungsbeschluss“ für die Unis gab. Damit wurde sozusagen eine „Untertunnelung“ des Studierendenpeaks bei gleich bleibenden Ausgaben beschlossen. Bis heute sind „wir“ aus diesem Tunnel nicht herausgekommen. Im Gegenteil. Staatliche Finanzierung der Hochschulen wird und wurde zurück gefahren, während immer mehr Drittmittel den Lehr- und Forschungsbetrieb aufrecht erhalten sollen.(Selbstverständlich unter der Einflussnahme auf die Studieninhalte). Die Gelder, die durch Studiengebühren eingeholt werden, werden meist im folgenden Semester aus dem jeweiligen Bildungsetat abgezogen. Dies alles vor dem Hintergrund steigender Studierendenzahlen.
Hinzu kommt, dass durch die Fristenregelung langjährige Mitarbeiter von zukünftigen Anstellungen ausgegrenzt werden, Juniorprofessuren bedeuten für Promovierte über 40 quasi den schlagartigen Entzug der Karriereplanung. Allein zwischen 1995 und 2005 bundesweit 663 Professuren im Bereich Sprach- und Kulturwissenschaften gestrichen.
Das ursprüngliche Konzept des Lehrbeauftragten war, dass Experten aus der Praxis ihre Erfahrungen in die Unis tragen. Heute sind schlecht oder gar nicht bezahlte LB zur Grundsicherung der Lehre nötig, die ohne sie nicht mehr zu garantieren wäre.
Unabhängig von persönlichen Vorlieben und Meinungen sollte es weder an den Unis noch in irgendeinem anderen Beschäftigungssektor prekäre Arbeitsverhältnisse geben. Es wird Zeit, dass den Menschen der Respekt (auch in finanzieller Form) entgegen gebracht wird, den sie verdienen. Statt Neiddebatten brauchen wir ein solidarisches Miteinander der Menschen, dass der Willkür und Definitionsmacht der Unternehmen Grenzen setzt. Die derzeitigen politischen Entscheidungsträger sind dazu offensichtlich entweder nicht in der Lage oder gar nicht erst willens. „Bildungsrepublik“? Wo?
Sie haben sich als Student einer anderen Fachrichtung in die Philosophie-Vorlesung gesetzt. Wissen Sie, wieviele Ihrer Sitznachbarn Philosophie im Hauptfach studiert haben, und wieviele einfach aus demselben Grund wie Sie in der Vorlesung saßen - um über ihren Tellerrand zu schauen?!