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Allensbach-Studie: Junglehrer erleben Praxisschock

CorbisEine neue Studie stellt der Ausbildung junger Lehrer ein schlechtes Zeugnis aus: Viele fühlen sich unzureichend auf ihre Arbeit vorbereitet. Zugleich jedoch sind sie idealistisch, karriereorientiert - und schätzen die Jobsicherheit dank Verbeamtung.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...829264,00.html
  1. #1

    "Dabei gehört der Lehrerberuf in der Bevölkerung insgesamt zu den angesehensten Berufen: Er landet auf Platz vier - hinter Arzt, Krankenschwester und Polizist. "

    Aha, und was ist die Quelle für diese Aussage?
    Ich studiere selbst auf Lehramt und muss mich andauernd vor Freunden und Bekannten rechtfertigen.
    Es sei schließlich "nur" Haupt- bzw. Realschullehramt, außerdem muss man da ja nur Halbtags arbeiten und Ferien hat man auch zur Genüge. Abgesehen davon ist so ein Lehramtsstudium ja auch "nichts ganzes und nichts halbes" und so weiter und so fort.
    Die wenigsten Leute begegnen einem mit weniger Vorurteilen - es gibt sie, aber ich würde doch mal behaupten, dass es Berufsbilder gibt, die in Deutschland weitaus höher angesehen sind als der des Lehrers.
  2. #2

    "Dabei gehört der Lehrerberuf in der Bevölkerung insgesamt zu den angesehensten Berufen: Er landet auf Platz vier - hinter Arzt, Krankenschwester und Polizist. "

    Aha, und was ist die Quelle für diese Aussage?
    Ich studiere selbst auf Lehramt und muss mich andauernd vor Freunden und Bekannten rechtfertigen.
    Es sei schließlich "nur" Haupt- bzw. Realschullehramt, außerdem muss man da ja nur Halbtags arbeiten und Ferien hat man auch zur Genüge. Abgesehen davon ist so ein Lehramtsstudium ja auch "nichts ganzes und nichts halbes" und so weiter und so fort.
    Die wenigsten Leute begegnen einem mit weniger Vorurteilen - es gibt sie, aber ich würde doch mal behaupten, dass es Berufsbilder gibt, die in Deutschland weitaus höher angesehen sind als der des Lehrers.
  3. #3

    Das eigentliche Defizit der Lehrerausbildung besteht in der Praxisferne. Statt in Seminaren schlicht mal ein Schülerbuch aus der Praxis aufzuschlagen und zu überlegen, wie könnte man aus dem Stoff eine tolle Stunde machen, geht es meist um abstraktes und hochtrabendes Wissen, das leider so nicht nutz- und umsetzbar ist.
  4. #4

    Ich sehe immer noch nicht den Sinn, warum Lehrer verbeamtet werden müssen. Angestellte Lehrer sind sicherlich keine schlechteren Lehrer und von der "Sicherheit" der verbeamtung gehten auch negative Signale hinsichtlich der Leistungsbereitschaft aus. Wenn ist denn mal endlich Schluss mit dem Bematentum im Bildungsbereich und den damit einhergehenden Privilegien???
  5. #5

    Leider wird während der Ausbildungszeit an vielen Stellen einfach zu viel des Guten getan!
    Schulleiter versuchen „gute Klassen“ bereit zu stellen, Mentoren versuchen Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen, Klassenlehrer „drohen ihren Klassen Strafen an“, um gutes Verhalten zu erzielen, da sie sich selbst auf dem Prüfstand fühlen und die Auszubildenden versprechen Belohnungen für gutes Verhalten: Mohrenköpfe, Eis essen, etc. …
    Dazu kommen eine begrenzte Stundenzahl und viel Hilfe von Ausbildern und Kollegen bei den Vorbereitungen und der Zurverfügungstellung von Materialien oder Medien.

    Das entfällt nach der 2. Staatsprüfung und plötzlich hat man alleine 26 oder 26 h zu bestehen, Vorbereitungen alleine zu machen und Auseinandersetzungen mit Schülern, Eltern und Kollegen zu bestehen. Hat man dazu noch die „richtigen Fächer“ und eine Schülerzahl von fast 30, dann hat man schnell über 500 Klassenarbeiten im Halbjahr zu korrigieren.
    Diese Aufgaben strengen ALLE an, ein Neuanfänger verzweifelt aber anfangs leicht unter dieser Last!
  6. #6

    das waren einige der wenigen richtige Worte von Herrn Schröder!
    1. Welche Berufsgruppe kann es sich leisten mehrfach im Berufsleben ein sog. "Sabbatjahr" in Anspruch zu nehmen.
    2. Welche Berufsguppe hat noch nie das "richtige" Berufsleben kennengelernt. Daraus folgt, dass Lehrer mindestens 5 Jahre in der Industire oder im Handwerk tätig gewesen sein müssen, damit Sie die Realitäten kennen lernen. Wer nur in der Schule, der Hochschule und dann wieder in der Schule als Lehrer tätig ist, kann als "unerfahren" bezeichnet werden und die Kinder nicht auf das Leben vorbereiten.
    3. Beamtentum gehört sofort für Lehrer abgeschafft! Wieso gibt es soviele Lehrer mit dem sog. Burn-out-Syndrom? Da es keine genaue Definition dieses Syndroms gibt, verstecken sich viele Lehrer ab einem bestimmten Alter hinter dieser Bezeichnung, um frühzeitig auf Steuerzahlerkosten ein bequemes Leben führen zu können.
    4. Jeder Lehrer sollte, wie jeder andere Arbeitnehmer auch, bei Berufsunfähigkeit entweder an einen anderen Arbeitsplatz versetzt werden oder nach 6 Wochen in Krankengeld gehen und danach in Hartz 4. Es gibt keinen Grund, dies für Lehrer anders zu regeln.
    5. Lehreramtstudenten müssten vor Beginn des Studiums oder spätestens nach 2 Semestern eine Eignungsprüfung für den Beruf "Lehrer" machen. Nicht allein das Wissen eignet eine Person zum Lehrer, sondern es gehört auch die Fähigkeit dazu das Wissen vermitteln zu können.
    6. Selbstverständlich gibt es auch eine große Zahl von guten, engagierten, fähigen und arbeitsamen Lehrern, die unter den "faulen Säcken" leiden müssen. Man muss endlich diesen "faulen Säcken" einen würdigen Abgang aus dem Schulleben ohne Anspruch auf Pensionen usw. ermöglichen.
  7. #7

    ... sofern man das ganze als Witz betrachtet.

    Es ist eigentlich noch komplett untertrieben. Die Praktika, die man absolvieren muss, bereiten einen darauf nicht im Geringsten vor.

    Denn so läuft es in Niedersachsen tatsächlich ab:
    Man wird in eine Seminarveranstaltung eingeladen, bei der man innerhalb von 4 Tagen mit Formalia komplett erschlagen wird - und teilweise, aufgrund von beständigen Regeländerungen (Z.B.: Wie hat denn nun ein Unterrichtsentwurf auszusehen?) einiges davon schon nach kurzer Zeit wieder revidieren darf.

    Nach diesen 4 Tagen muss man dann sofort eigenverantwortlich 6 Stunden Unterricht geben. Das heißt, da hinten sitzt niemand und guckt sich das an und gibt Feedback. Dafür sind die Besuche da, die zwei- bis dreimal im Monat stattfinden.

    Das bedeutet dann wiederum, dass man in der Anfangszeit komplett überfordert ist:
    - Man muss sich erstmal einen Überblick darüber verschaffen, welche Inhalte man vermitteln will, in welcher Reihenfolge und worauf kann ich überhaupt zurückgreifen?
    - Als nächstes dann die Frage danach, welche Methoden ich einsetze, um meinen Stoff zu vermitteln? Auch hier ist erstmal fröhliches Experimentieren teilweise zu Lasten der Schüler angesagt.
    - In den Naturwissenschaften: Wo ist welches Material in welchem Zustand in welcher Menge? Wie führe ich Schülerexperimente durch? Welcher der 25.000 Schlüssel passt in welches Schloss?
    - Wie sorge ich dafür, dass die Schüler konzentriert meinem Unterricht folgen? Wie gehe ich mit verhaltensauffälligen Schülern um?
    - Wie bewerte ich das, was die Schüler da eigentlich machen? Wie protokolliere ich das?
    - Wie gestalte ich Tests und Klassenarbeiten?

    Das alles sind Fragen, die zumindestens in Niedersachen mittlerweile geklärt werden müssen, _während_ man sie bereits braucht und anwenden muss. In manchen Fällen bedeutet das dann fröhliche Improvisation - was dann auch bedeutet, dass man gerne mal daneben liegt.
  8. #8

    Ich kann dem nur zustimmen, die Ausbildung ist ein Scherz! Dies gilt im Übrigen nicht nur für die universitäre Ausbildung, sondern auch für die Ausbildung im Studienseminar., die zumindest in meinem Fall, genauso theoretisch wie an der Universität war. In meinem Seminar erging es nicht nur mir so, die meisten meiner Kollegen und Kolleginnen empfanden das Seminar als pure Zeitverschwendung.
  9. #9

    Ein nicht auszutreibendes Grundübel...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Eine neue Studie stellt der Ausbildung junger Lehrer ein schlechtes Zeugnis aus: Viele fühlen sich unzureichend auf ihre Arbeit vorbereitet. Zugleich jedoch sind sie idealistisch, karriereorientiert - und schätzen die Jobsicherheit dank Verbeamtung.

    Allensbach-Studie: Junglehrer erleben Praxisschock - SPIEGEL ONLINE
    ... der Lehrerausbildung ist es, anzunehmen, man würde einen wissenschaftlichen Beruf erlernen, dessen Grundlagen (didaktischer und methodischer Art) wissenschaftlichen Kriterien genügen würden.

    Statt dessen stellt man fest, dass bei dem Kollegen, der auf das ideologische Geschwafel pfeift, der Unterricht läuft, bei einem selbst nicht.
    Schreibt es euch ans schwarze Brett: Ihr übt ein Handwerk aus. Ein anspruchsvolles zwar, aber ein Handwerk...
    Und immer daran denken: Pädagogik ist diejenige Wissenschaft, die jedes Jahr auf die alten Fragen neue Antworten weiß...


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