Allensbach-Studie: Junglehrer erleben Praxisschock

CorbisEine neue Studie stellt der Ausbildung junger Lehrer ein schlechtes Zeugnis aus: Viele fühlen sich unzureichend auf ihre Arbeit vorbereitet. Zugleich jedoch sind sie idealistisch, karriereorientiert - und schätzen die Jobsicherheit dank Verbeamtung.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...829264,00.html
  1. #190

    Wettbewerb

    Zitat von zwuck Beitrag anzeigen
    Mehr Leistungsprinzip würde dem Ganzen aber durchaus mehr Effektivität verleihen und (da bin ich mir sicher) auch die Arbeitszufriedenheit der Junglehrer steigern.
    Das sind aber auch Dinge, die sich mit Beamtentum nur schwerlich vereinbaren lassen.
    Erzählen Sie mir nix - ich komme selbst aus einer Beamtenfamilie ...
    Mehr Wettbewerb ist gut. Und wie entsteht der bei nur einem Arbeitgeber?

    Leistung muss sich lohnen? "Lehrer" - nicht zu verwechseln mit Studienräten - ist der einzige Studiengang, der mit einem Master-Abschluss und Zweitem Staatsexamen abschließt und im gehobenen Dienst endet. In allen anderen Fällen reicht für den gehobenen Dienst der Bachelor-Abschluss.

    An welchen Kriterien wollen Sie die Leistung messen?
    Kollege A unterrichtet den E-Kurs (Gesamtschule) in Mathematik mit 17 SuS und Kollege B unterrichtet den G-Kurs mit 26 SuS ebenfalls in der gleichen Jahrgangsstufe. Wer von beiden leistet mehr?

    Warum bekommt der Mathe-Lehrer des E-kurses im 9 Jahrgang an der Gesamt- oder an der Realschule weniger Geld als der Kollege am Gymnasium, die Kernrichtlinien für das Fach Mathematik sind an allen drei Schultypen ebenso wie die inhalte identisch?
  2. #191

    Lehramt ist Ehrenamt!

    Zitat von Gaztelupe Beitrag anzeigen
    ...
    Und schlussendlich würde ich ein Modellprojekt begrüßen, in dem sich das Kollegium einer Schule ausschließlich aus nebenberuflichen Lehrkräften zusammensetzt,
    ...
    Ein innvovativer Vorschlag, der aber leider auf halbem Wege stehenbleibt: Der Unterricht sollte nicht durch nebenberufliche, sondern ausnahmslos durch ehrenamtliche Lehrkräfte erteilt werden.

    Der Große deutsche Schulforscher und Bildungsexperte Rauin, Universität Frakfurt, stellte in seiner lesenswerten Studie von 2008 fest, dass der größte Teil derer, die sich für ein Lehramtsstudium entscheiden, dies mit der Tatsache begründen, dass diese Tätigkeit bezahlt wird. Rauin sah darin zurecht eine ebenso abwegige wie falsche Motivation. für die Studienwahl

    Die ehrenamtliche Tätigkeit könnte solchen Fehlentscheidungen entgegenwirken.
  3. #192

    ich fühle ich mit Ihren Schülern...

    Zitat von nina_hb Beitrag anzeigen
    Derjenige, der nicht in der Lage ist ein einfaches englisches Wort richtig zu schreiben, sollte sich Gedanken machen, wer der eigentliche "Loser"
    ist. Wer so einen unqualifizierten Beitrag schreibt und schon bei der Überschrift versagt, ist kein "Winner". Ich bin mir sicher, dass ihr Englischlehrer oft "jammern" musste bei Ihnen.
    Sorry. Setzen. Sechs.
    Werte nina aus Bremen

    Bei Aufsätzen wird in der Regel der Inhalt, die Struktur und weniger die Orthographie bewertet.

    Man darf also nur über Defizite im Bildungsbereich schreiben, wenn man Ihre Ansprüche an die Orthographie erfüllt?

    Sollten Sie Lehrerin sein, dann habe ich fühle ich mit Ihren Schülern, die weniger die Substanz als die Form in Ihrem Unterricht lernen.
  4. #193

    Zitat von Emil Peisker Beitrag anzeigen
    Man darf also nur über Defizite im Bildungsbereich schreiben, wenn man Ihre Ansprüche an die Orthographie erfüllt?
    Die Foristin folgt dem Vorbild der freien Wirtschaft, bei der orthographisch herausvordernde Bewerbungen bevorzugt bearbeitet und unverzüglich beschieden werden.
  5. #194

    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    [...] Man sollte das ganze differenziert betrachten: Es gibt Schüler die gehen freiwillig in die Schule, es gibt Schüler die gehen in die Schule weil sie nichts besseres zu tun haben bzw. weil ihre Freunde dort sind und es gibt Schüler die zwingt man zum Schulbesuch.
    Klar, trotzdem ist die Mehrheit der Schüler froh, die »Penne« oder die »Lernfabrik« hinter sich zu haben.

    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    Welches Herumgewurschtel? [...] Was genau würden sie denn noch zusätzlich einführen?
    Autarke Schulen.

    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    Wenn Schüler wissen möchten wie etwas das sie gemacht haben eingeschätzt wird liegt das woran? Nur daran das die Schule sie versaut?
    Genau. Daran liegt das.

    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    Tatsächlich? Wie andere die eigene Leistung einschätzen spielt außerhalb der Schule keine Rolle?
    Aufstiegschancen und Bewertungen im Berufsleben werden nur durch Seilschaften, persönliche Vorlieben und Würfel entschieden?
    Jedenfalls nicht durch Zensuren.

    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    Wie möchten sie auf Eigenverantwortung setzen wenn die Schüler doch gar nicht zur Schule gehen wollen? Es gibt also gar keine Eigenverantwortung.
    Wenn die Schüler mehr Eigenverantwortung hätten, wäre der Schulbesuch auch keine so große Zumutung mehr. Ist ja nicht so, das die jungen Hirne nicht etwa aufnahmebereit wären (da sind sie auf jeden Fall). Je jünger, desto mehr Informationen saugen sie umso gieriger auf. An Kreativität mangelt es auch nicht, die wesentlichen Voraussetzungen sind also gegeben.

    Man muss sie halt lernen lassen. Zensuren sind dazu nicht notwendig, überhaupt einiges an Protokollarischem könnte man weglassen. Vielleicht sogar die Lehrer? Nein, die nicht. Deren Arbeit kann (noch) nicht von Maschinen erledigt werden.
  6. #195

    Zitat von marit Beitrag anzeigen
    Das klingt mal nach einer witzigen Idee.
    Wie soll das aussehen?
    Ein Lehrer ist nur noch an zwei Tagen in der Woche im Unterricht. Und arbeitet sonst an einer anderen Arbeitsstelle. Die dabei auch mitmachen muss, das ein qualifizierter Mitarbeiter nur an 2-3 Tagen in der Woche anwesend ist. Und regelmäßig wegen Konferenzen, Prüfungen, Projekten, Elterngesprächen, .....
    Na, das sind doch überschaubare, ganz alltägliche Problemchen. Und wie immer gilt: Ein Rezept zur grundsätzlich richtigen Lösung gibt es nicht. Man muss es ausprobieren.

    Und das ist wahrscheinlich der Grundkonflikt: Dass es da etwas Richtiges auf der einen und den Fehler auf der anderen Seite gäbe. Davon muss man runterkommen, sonst bleiben nur die üblichen Klischees übrig.
  7. #196

    Beamtentum

    Natürlich muss das Beamtentum bleiben. Gute Lehrer sind hochengagiert und arbeiten oft 1/3 an Zeit mehr, als sie müssten. Eine gute Vorbereitung dauert an Zeit und von den Korrekturen und Elternabende / Gespräche mal abgesehen! Diese Zeit bekommt eine "angestellte" nicht entlohnt, er muss mit seinem Angestelltengehalt (ein Witz der Betrag abzügl Steuern). Da stimmt das Gehalt / LEistungsverhältnis dann gar nicht mehr. Da der Staat die Gehälter für Lehrer sowieso nicht steigern wird in den nächsten 200 Jahren, muss wenigstens dieses Plus vom Beamtentum bleiben, sonst sind die Lehrer bald unterbezahlt und fungieren nur noch als Erzieher (Gehaltsstufe).
    Also mal auf die Bremse treten und den Neid wegpacken. Schätzt lieber mal die Arbeit der Lehrer als euch zu beschweren!
  8. #197

    Veralteter Unfug, Teil 1

    Zitat von neuroheaven Beitrag anzeigen
    die aufgaben eines lehrers sind
    vorbereitet auf den stoff in den unterricht kommen und den dort anwesenden schülern das thema vermitteln und ggf. zuvor aufgetragende hausarbeiten zu kontrollieren.

    mehr nicht.

    es ist nicht aufgabe des lehrers: [...]


    Was Sie hier halluzinieren, ist der Lehrer des 18. und 19. Jahrhunderts.
    Ich weiß, in Westdeutschland seit je das Paradigma geblieben.

    Wenn man gesamtgesellschaftlich vorankommen will, das heißt Schule wird nicht mehr als Halbtags-Viehzucht gedacht, sondern Schule wird zum Mittelpunkt der Gesellschaft (Voraussetzung für die "Bildungsrepublik"), muß das Bild des Lehrerberufs überdacht werden.

    Der stoische und autoritäre Wissensvermittler ist hoffnungslos veraltet.

    Was mußten denn die Lehrer im Osten leisten?

    1. Wissensvermittler (Fachlehrer für 2 bzw. 3 Fächer an sechs Tagen der Woche: Montag-Sonnabend; der Sonnabendunterricht wurde erst im März 1990 abgeschafft)

    2. Kindererzieher

    3. ggf. Klassenleiter (Koordination des Unterrichts aller Fachlehrer der Klasse, Koordination von Maßnahmen für leistungsschwache Schüler wie z.B. Nachhilfe im Hort, individuelle Lernpläne, Sommerschule wenn Kinder das Klassenziel desaströs verpaßten oder lange Krankheit den Schulbesuch vereitelte, Koordination des Elternkontaktes d.h. Sprechstunden, Sprechtage, Elternabende, Durchführung von Hausbesuchen teilweise 2x im Jahr, Qualitätssicherung der Produktiven Arbeit (PA) bzw, des Unterrichtstages in der Produktion (UTP), etc)

    4. Außerunterrichtliche Tätigkeit (Nachmittagsbetreuung, pädagogische Förderung, individuelle Hilfe für leistungsstarke und leistungsschwache Schüler, Arbeitsgemeinschaften, Interessenszirkel, Kulturveranstaltungen, Exkursionen, Sonderveranstaltungen wie Matheolympiaden, Physikolympiaden, Besuche der Werktätigen in Volkseigenen Betrieben)

    5. Klassenfahrten in der unterrichtsfreien Zeit (Klassenfahrten durften in der DDR nicht an Schultagen gemacht werden, sondern mußten in den Ferien stattfinden, vor allem mehrtätige Abschlußfahrten)

    6. Freizeitgestaltung für Kinder (Ferienlager in den Sommerferien, Skireisen in den Februarferien, Teilnahme am sogenannten "Kindersport" d.h. am Sportsystem, das kooperativ von Schule, Massenorganisationen und Vereienen getragen wurde)

    7. Betreuung von Kindern im Rahmen von DDR-Wettbewerben (Leistungssportinitiativen wie z.B. Spartakiaden, Hochbegabtenwettbewerbe wie Matheolympiade, Physikolympiade, Schachwettbewerbe etc)

    8. Sozial- und Familienbetreuer (Hausbesuche, Hilfe bei familiären oder sozialen Problemen, individuelle Berufs- und Karriereberatung, Vermittlung von Behördenhilfe und Kontaktpersonen wenn die Kompetenzen des Lehrers nicht mehr ausreichten)

    [...]
  9. #198

    Veralteter Unfug, Teil 2

    Zitat von neuroheaven Beitrag anzeigen
    die aufgaben eines lehrers sind
    vorbereitet auf den stoff in den unterricht kommen und den dort anwesenden schülern das thema vermitteln und ggf. zuvor aufgetragende hausarbeiten zu kontrollieren.

    mehr nicht.

    es ist nicht aufgabe des lehrers: [...]
    9. Persönlichkeitsentwicklung der Kinder (Beobachtung und Begutachtung der Kinder, schriftliche Einschätzungen, Talentsichtungen)

    10. Vorbild und positiver pädagogischer Begleiter und Bezugspunkt für Kinder sein

    11. ggf. Teilnahme an wissenschaftlichen Projekten zur Unterrichtsentwicklung, Lehrplanentwicklung, Schulentwicklung, zum Testen von Prüfungsaufgaben

    12. Teilnahme am intensiven Statistikapparat des Deutschen Pädagogischen Zentralinstitutes (DZPI) und der Schulbürokratie des Ministeriums für Volksbildung (MfV)

    und obendrauf von der SED oktroyiert:

    13. Politischer Funktionär und Kämpfer für den realexistierenden Sozialismus (Leninismus-Stalinismus) sein


    Fanden das die Ostlehrer belastend?
    Manchmal.

    Meistens aber nicht, denn:

    Ihre Arbeitsbedingungen waren hervorragend. Niedriges Stundendeputat (Vollzeitdeputat Wochenstunden: 14-19, Ausnahme: Lehrer für die 1.-4. Klasse: 22-24); ordentliche materielle und finanzielle Ausstattung der Schulen; preußische Disziplin und Ordnung unter den Kindern; konsensfähige und bildungsinteressierte Eltern; drei- bzw. fünfjährige Vorschule in Form von Kinderkrippen/Kindergärten und entsprechend gut vorgebildete, beschulbare Kinder; wissenschaftliche Begleitung des Bildungssystems (Lern- und Entwicklungspsychologie) durch international renommierte Forscher (Lompscher, Kossakowski u.v.v.v.v.m.); landesweit einheitliche Lehrbücher und Lehrpläne und somit Konzentration auf Fachmethodik statt Zeitverschwendung auf Fachdidaktik; von Wissenschaftlern und erfahrenen Lehrern erstellte Unterrichtshilfen; in der DDR hat es von 1950-1990 nie auch nur eine falsche Prüfungsaufgabe in zentralen Abschlußprüfungen gegeben ("Oktaeder des Grauens").

    Was war besonders belastend in der Schule der DDR?
    Besonders die politischen und paramilitären Elemente hätten die Psyche arg strapaziert, gaben die meisten Lehrer 1990 zu Protokoll.

    Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Woche inklusive Vorbereitung, Nachbereitung, Korrektur von schriftlichen Arbeiten, und aller obengenannten Aufgaben (!!) wurde 1990 von Ostlehrern mit 45-50 Stunden pro Lehrer beziffert.



    Daß der ideale Lehrer reiner Wissensvermittler sein soll, ist und bleibt ein lachhafter Versuch der Lobby der Gymnasiallehrer, ihr ungenügendes pädagogisches Können zu relativieren.
  10. #199

    Ähm?!

    Zitat von bödensen Beitrag anzeigen
    wurden die Maxwelschen Gleichungen und deren Herleitung (!) eingetrichtert. Wie ich die Klausur geschafft habe, kann ich heute nicht mehr sagen.
    Ich auch nicht. :P ;-)

    Die Maxwellschen Gleichungen (die jahrzehntelang übrigens Heaviside-Hertz-Gleichungen hießen; den Namen Maxwellsche Gleichungen haben wir Einstein zu verdanken) kann man nicht herleiten. Es sind klassisch wie quantenmechanisch nicht mehr hinterfragbare phänomenologische Naturvorgänge, ausgedrückt in Mathematik als partielle Differentialgleichungen. (Die Quantenelektrodynamik beschreibt die elektromagnetische Wechselwirkung nur mit einem anderen mathematischen Apparat.)

    Zitat von bödensen Beitrag anzeigen
    befreundeter Elektrotechnikstudent hatte diese Gleichungen als "vorhanden" vorgesetzt bekommen.
    Das ist korrekt. Es existiert keine etablierte und von Beobachtungen gestützte physikalische Theorie, aus sich die Maxwellschen Gleichungen ergeben oder aus der die Maxwellschen Gleichungen mittels mathematischer Umformungen hergeleitet werden können.

    Um das zu tun, braucht man höherdimensionale Theorien. Die gibt es, doch keine von denen ist auch nur ansatzweise von der empirisch Methode der Naturwissenschaftler gestützt. Manche können vermutlich noch nicht einmal falsifiziert werden (Stringtheorie) und sind deswegen eigentlich keine akzeptablen Theorien mehr.

    Was Sie eventuell mit Herleitung verwechseln, ist das induktive Erschließen der Gleichungen im Trial-and-error-Verfahren, wie es die Physiker und Elektrotechniker im 19. Jahrhundert taten und wie es jeder Universitäts-Elektrotechnikstudent spätestens im 3. Semester hört.


    Zitat von bödensen Beitrag anzeigen
    Unterm Strich gibt es extremen Bedarf die angehenden Lehrer besser auf die Schüler vorzubereiten. Eventuell sorgt ja diese überflüssige Studie für ein Handeln.
    Diese Probleme sind doch aber olle Kamellen. Die Lehrerbildung wurde - wie das dreigliedrige Schulsystem - schon zu Zeiten der Weimarer Republik als dringend reformbedürftig diskutiert. In Westdeutschland unternahm nach 1945 niemand den Versuch einer ernsthaften Reform und 1990 wurde das leistungsfähigere Alternativmodell der Ossis im Zuge der Siegermentalität sang- und klarnglos verschrottet.

    Glauben Sie wirklich, ausgerechnet diese Studie wird etwas bewegen??