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Alkoholentzug: Wie die Tröpfchen-Therapie Trinkern hilft

DPAMehr als eine Million Deutsche sind alkoholabhängig. Aber nicht einmal jeder zwölfte Betroffene beginnt eine Therapie. Dabei könnte ein umstrittener Ansatz sie retten: Süchtige sollen lernen, kontrolliert zu trinken.

http://www.spiegel.de/gesundheit/dia...844209,00.html
  1. #1

    Die Sucht ist nur das Symptom

    Beim Trinken wie bei anderen Süchten ist es leider oft so, dass sie nur das sichtbar werdende Anzeichen für ein anderes Problem sind. Essen, Trinken, Glücksspiel - die Therapie solcher Probleme lenkt kurzzeitig ab und gibt so die Möglichkeit, fürs erste eine Änderung zu erzielen. Kriegt man das zugrunde liegende Problem aber nicht in den Griff, ist auch der alte Krisenbewältigungsmechanismus schnell wieder in Kraft gesetzt. Hohe Rückfallquoten sind daher nicht unbedingt ein Zeichen für eine schlechte Therapiemethode.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mehr als eine Million Deutsche sind alkoholabhängig. Aber nicht einmal jeder zwölfte Betroffene beginnt eine Therapie. Dabei könnte ein umstrittener Ansatz sie retten: Süchtige sollen lernen, kontrolliert zu trinken.

    Alkoholentzug: Kontrolliertes Trinken ist besser als Abstinenz - SPIEGEL ONLINE
    Na endlich räumt mal jemand mit dem Schulmedizinischen Unsinn auf. Ich kenne selbst Fälle, die als hoffnungslose Alkoholiker abgestempelt wurden und heute durchaus kontrolliert trinken. In einem Fall geht es so, dass der Jung zwei mal die Woche in die Kneipe geht und zu Hause grundsätzlich nichts trinkt. Leberwerte wie ein Neugeborener.
  3. #3

    Alter Wein ....

    ... in neuen Schläuchen!
    Sucht = keine Kontrolle über das Suchtmittel haben! So die kurzgefasste Definition.
    Klar gibt es welche, die kontrolliert trinken können, es ist sogar die riesengroße Mehrheit der Bevölkerung. Diejenigen aber, die gerade das nicht können, sollen nun Vabanque spielen?
    Zitat: "Mindestens zwei Tage die Woche bleiben trocken." Tollens Ziel! Und an den anderen fünf Tagen? Wie soll das aussehen? Montag, Dienstag trocken, Mittwoch Donnerstag ein wenig, Freitag ein wenig mehr, Samstag dann die Kante geben um Sonntag seinen Rausch aufzuwärmen? Dumm nur, wenn in der Phase der Unkontrollierheit, also des Rausches sich dann doch einer ins Auto setzt um an der Tankstelle neuen Stoff zu besorgen ... dumm nur, wenn gerade dann ein Kind über die Straße läuft und die Reaktionszeit sich im Alkoholnebel verliert!!!
    Tipp: statt der meist selbst nicht betroffenen "Fachleute" (die oft nur versuchen, sich mit immer neuen abstruesen Ideen hervor zu tun und damit ihr Geld zu verdienen) lieber mal die wahren Fachleute fragen, nämlich Süchtige, die es geschafft haben (oder eben auch nicht), einfach mal die Selbstheilfegruppen besuchen und dort nachfragen, Anonyme Alkoholiker, Blaukreuzler, Guttempler, Feundeskreis u.a. geben gerne Auskunft, wie es funktioniert.
  4. #4

    Sehr vernünftig

    Der von Herrn Körkel vertretene Ansatz ist sehr vernünftig, pragmatisch und realitätsnah.
    Leider wird dieser Ansatz mit alten Dogmen (Totale Abstinenz!) kollidieren, die einen religiös-spirituellen Kern haben und als Alternative zur Abstinenz den Tod in Aussicht stellen.
    Wer sich bei Wikipedia einen kurzen Überblick über die AA (Anonymen Alkoholiker) und deren "Zwölf-Schritte-Programm" verschafft, wird erahnen können, welche Widerstände von den konservativen Therapeuten geboten werden.
  5. #5

    Interessant, dass endlich mal ein Artikel zu dem Thema kommt.
    Bei uns an der Uni wird im Schwerpunkt der Beratungspsychologie auch mit dem Beratungsansatz des Motivational Interviewing (MI) gearbeitet, der ähnliche Erkenntnisse zulässt - ich wurde im Bekanntenkreis dann immer blöd angeguckt, wenn ich die These vertrat, dass einige (nicht alle!) Alkoholiker gern wieder Alkohol trinken könnten.
  6. #6

    Alkohol und Glücksgefühl

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mehr als eine Million Deutsche sind alkoholabhängig. Aber nicht einmal jeder zwölfte Betroffene beginnt eine Therapie. Dabei könnte ein umstrittener Ansatz sie retten: Süchtige sollen lernen, kontrolliert zu trinken.

    Alkoholentzug: Kontrolliertes Trinken ist besser als Abstinenz - SPIEGEL ONLINE
    Mir fällt es leichter keinen Alkohol zu trinken, als ein oder zwei Gläser Wein. Wenn ich beispielsweise ein Glas Wein zum Essen trinke, werden so viele Glücksgefühle freigesetzt, dass ich unbedingt mehr trinken möchte. Aber das tue ich nicht und fühl mich deshalb nicht mehr so wohl, wie vor dem ersten Glas.

    Wahrscheinlich bin ich gefährdet und trinke daher lieber gar nicht.
  7. #7

    Mut der Verzweiflung

    Wahrscheinlich jeder Alkoholiker meint, dass er kontrolliert trinken kann. Das ist ja ein Teil des Problems. Funktioniert aber nicht, sonst wäre man ja nicht süchtig. Symptomatisch für eine Sucht ist ja eine verminderte Kontrollfähigkeit des Konsums. Diese "Tröpfchen-Therapie" (Was für ein Name) kann nur der verzweifelte Versuch sein, die Alkoholiker überhaupt in eine Therapie zu bekommen. Wenn sich daraus dann etwas entwickeln kann, ok. Aber dem Süchtigen zu verkaufen, dass er die Sucht kontrollieren kann, finde ich moralisch sehr fragwürdig.
  8. #8

    Hilfreich..

    ..wäre es gewesen, wenn in dem Artikel auch einige anerkannte Einrichtungen erwähnt worden wären. Bei der Suche im Netz bleibt man von schwarzen Schafen sicherlich nicht verschont.
  9. #9

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mehr als eine Million Deutsche sind alkoholabhängig. Aber nicht einmal jeder zwölfte Betroffene beginnt eine Therapie. Dabei könnte ein umstrittener Ansatz sie retten: Süchtige sollen lernen, kontrolliert zu trinken.

    Alkoholentzug: Kontrolliertes Trinken ist besser als Abstinenz - SPIEGEL ONLINE
    Mir leuchtet das sehr ein. Maximalziele sind insofern ein Problem, als dann oft eine Art "Dammbruch-Effekt" eintritt: "Ich wollte Diöt halten, aber jetzt habe ich meine guten Vorsätze über Bord geworfen und einen Riegel Schokolade gegessen, jetzt ist es schon egal, dann kann ich auch gleich noch das Stück Torte hinterherstopfen."
    Außerdem ist es in bestimmten Situationen oft schwierig, auf Alkohol zu verzichten. Man muss sich erklären. Der Sekt im Büro zur Feier einer Beförderung, die Einladung zum Essen...nicht immer kann man sich auf "Ich muss noch fahren" herausreden. Dann ist es doch besser, man lernt, einfach EIN Glas zu trinken und es dabei zu belassen.


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