Alkohol in der DDR: Jungs, macht die Kehle frei!

Warum wurde in DDR so extrem viel Alkohol konsumiert?*Der Ethnologe Thomas Kochan sucht in seinem Buch "Blauer Würger" eine Erklärung für den Durst*der Ostler*- und widerspricht dem gängigen Klischee.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...755856,00.html
  1. #140

    Prima Sprit

    Zitat von ostseestern
    ....gute Schnäpse wie "Prima Sprit"...

    Das war wohl ein Freudscher Versprecher: "Prima Sprit" fast reiner Alkohol - natürlich nur zum Ansetzen geeignet - als guten Schnaps zu bezeichenen.
  2. #141

    ....

    Zitat von 3-plus-1 Beitrag anzeigen
    Ja, das kann ich nachvollziehen und es korreliert auch mit den Daten zum Westen, wo der Alkoholkonsum bis in die 1970er höher war. Genau bis dahin - also zur Ölkrise - war das Leben im Westen nämlich auch problemloser (quasi Vollbeschäftigung).

    Ich weiß in solchen Threads tauchen natürlich auch Poster auf, die jeden, der ein Bier zur Hand nimmt - und das auch noch genießt - gleich als Alkoholiker darstellen. Doch so ist die Realität nicht!

    Warum wird aber heute weniger getrunken? Weil alle "so vernünftig sind und Alkohol als Gift sehen"? Blödsinn! Es läuft doch so ab, dass - grillt man auf einen Freitag - mindestens 35% der Leute am Samstag noch arbeiten müssen und nichts trinken, weitere 35% mussten auch am Freitag so lange arbeiten, dass sie nur direkt mit dem Auto von der Firma kommen konnten und nichts trinken. Für die verbliebenen 30% gibt's dann vielleicht 'ne Kiste Bier. Das bedeutet also eigentlich würden alle gerne mal ausgelassen feiern, aber das gesellschaftliche Korsett ist so eng, dass da kein Raum mehr zum Ausschlafen ist.

    Tja und dann noch die Anti-Alkoholiker. Brandmarken zwar jedem der trinkt als Alkoholiker, doch wenn man näher forscht verzichten sie nicht aus gesundheitlichen Gründen auf den Alkohol, sondern weil sie _niemals_ das Gesicht verlieren wollten. Menschen die sich - gefühlt - permanent in einer Konkurrenzsituation sehen: Hier könnte ein Nachbar vielleicht später mal mein Chef sein! Niemals aus der Rolle fallen immer beherrscht sein. Ein Effekt, der mit Social Networks und Handycams noch viel mehr um sich greift, so das jedes Tun lebenslauf- und bewerbungskonform zu sein hat!

    Genau dies musste man in der BRD bis Mitte der 70er gar nicht bedenken und im Osten war das bis zur Wende kein Thema. Aber motzen wir ruhig über den Osten und freuen uns, dass nun die Leute mit 50 und Herzinfarkt abklappen, aber die Leber dann noch Topwerte hat!

    Ein äußerst interessanter Punkt, von dem ich hoffe, dass er zumindest im Fazit der Kochanschen Arbeit wenigstens als weiterführende Frage formuliert wurde.

    Grundsätzlich ist die Erforschung des Alkohol- und Drogenkonsums generell ein wichtiger kulturgeschichtlicher Aspekt, daher halte ich es für gerechtfertigt, dass solche Themen auch jenseits der BLÖD diskutiert werden.
  3. #142

    Lustige Schnäpse

    Apropos "Schnäpse mit lustigen Namen": Den Markennamen "Blauer Würger" trug in der DDR natürlich keine Schnapssorte - es war der umgangssprachliche Begriff für den Klaren Juwel.
  4. #143

    Vergessen Sie das Magazin!

    Zitat von kein Ideologe Beitrag anzeigen
    Die Soldaten hatte faktisch keinen Ausgang. Und wenn, in Gruppen. Die Offiziere, die ausserhalb der Kasernen wohnten, waren mir nie durch .....
    Wo Sie Soldaten der Udssr erlebt haben entzieht sich meiner Kenntnis. Aus dem verlinkten Artikel von Wiki zitiere ich für Sie.

    "WGT 1991 [Bearbeiten]Die sowjetischen Truppen belegten auf dem Territorium der DDR 777 Kasernenanlagen an 276 Orten. Dies schloss 47 Flugplätze und 116 Übungsplätze mit ein. Die WGT zählte im Januar 1991 nach eigenen Angaben 337.800 Soldaten in 24 Divisionen, verteilt auf fünf Landarmeen und eine Luftarmee. Dazu kamen noch 208.400 Familienangehörige von Offizieren sowie Zivilangestellte, darunter befanden sich etwa 90.000 Kinder."

    Jetzt ein paar zur ungefähren Standortbestimmung.
    (von meiner Person)

    "57. Garde-Mot. Schützendivision (Naumburg)"
    "66. Garde-Mot. Schützenregiment (Nohra)"
    "172. Artillerieregiment (Rudolstadt)"
    "65. Garde-Panzerregiment (Nohra)"
    "57. Garde-Mot. Schützendivision (Naumburg)"

    Wenn Sie jetzt so ganz grob ein paar Linien ziehen auf einer Karte, landen Sie wo???

    "79. Garde-Panzerdivision (Jena)"
    "79. Flugabwehrregiment (Jena)"
    "211. Garde-Panzerregiment (Jena)"

    Die Masse macht es!

    Dazu noch diverse Standorte wie
    http://de.wikipedia.org/wiki/Komplexlager_22
    oder http://wikimapia.org/9010197/Jena-Forst
    Oder, oder tief und breit... usw....

    Sind Sie ein Verklärer der (Ost-)Deutsch-sowjetischen Freundschaft?

    Die sowjetischen Streitkräfte unterhielten hier sogar eine eigene Bäckerei.

    Und über das ... und das könnte ich Geschichten erzählen...

    Sie können bestimmt auch etwas mit dem Begriff "Schwarze Hand" anfangen? (im Bezug auf den großen Bruder)

    MfG Argosch

    P.s:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Gruppe_...in_Deutschland
  5. #144

    Eine Erkenntnis?

    Wer viel Zeit hat, denkt sich was lustiges aus. Das war schon immer und überall so. Gegen die Langeweile greift man zu Drogen oder macht Liebe. Beides Dinge, die sehr viel Spaß machen und nicht unerhebliche Nebenwirkungen haben ...

    Aber bedarf es für die Erkenntnis, dass in einer "an Zeit umso reicheren Welt" der Alkoholkonsum höher sein kann, wirklich eine Doktorarbeit?
  6. #145

    Gesoffen wie ein Loch

    Meine zweite Frau war aus dem Osten. Kurz nach der Maueröffnung bin ich in die noch existierende DDR umgezogen. Dort hieß es allgemein: Besuch kommt? Pulle auf den Tisch! Kaffee, Tee oder Saft wurde gar nicht erst angeboten. Beim Telefonieren? Bierchen dabei! Schwiegermutter kam von Arbeit? Erst mal ein großes Wasserglas Wein auf ex! Gartenfest? Die Eltern krochen besoffen auf allen Vieren vor den Kindern herum! Abends auf dem Balkon? Wein rein! Zum Essen? Bier! Danach? Schnaps!
  7. #146

    Friedrich Schiller

    Zitat von artusdanielhoerfeld Beitrag anzeigen
    Meine zweite Frau war aus dem Osten. Kurz nach der Maueröffnung bin ich in die noch existierende DDR umgezogen. Dort hieß es allgemein: Besuch kommt? Pulle auf den Tisch! Kaffee, Tee oder Saft wurde gar nicht erst angeboten. Beim Telefonieren? Bierchen dabei! Schwiegermutter kam von Arbeit? Erst mal ein großes Wasserglas Wein auf ex! Gartenfest? Die Eltern krochen besoffen auf allen Vieren vor den Kindern herum! Abends auf dem Balkon? Wein rein! Zum Essen? Bier! Danach? Schnaps!
    "Drum prüfe, wer sich ewig bindet,
    Ob sich das Herz zum Herzen findet!
    Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang."

    Hoffentlich klappt es mit der Dritten besser. ;-)
  8. #147

    Jung gefreit, oft gereut

    Zitat von martinju Beitrag anzeigen
    Hoffentlich klappt es mit der Dritten besser. ;-)
    Ja, danke, das tut es. Schon seltsam, dass man erst durch die Hölle gehen muss, um das Paradies erleben zu können...
  9. #148

    .....

    Zitat von stewog Beitrag anzeigen
    Apropos "Schnäpse mit lustigen Namen": Den Markennamen "Blauer Würger" trug in der DDR natürlich keine Schnapssorte - es war der umgangssprachliche Begriff für den Klaren Juwel.
    Das gleiche galt für den "Bär vom Schilkinsee" :)
  10. #149

    freundliche liebe DDR?

    und was ist mit dem absurd für die Wismut-Kumpels unter Tage absurd verbilligtem Korn? Alkohol als Stimulans, sich zu Tode zu schinden?