Albanerin in Deutschland: "Grandios, so was als Ausländerin zu leisten"

Sandra OttenwälderSie lebt in zwei Kulturen, spricht zwei Sprachen, hat zwei Heimaten: Egzona Hyseni, 18, ist Kosovo-Albanerin in Deutschland. Sie geht aufs Gymnasium, ist Klassenbeste in Deutsch, muss ständig ihren Namen buchstabieren und die Frage beantworten: Woher kommst du? Das nervt sie! Sehr!

http://www.spiegel.de/schulspiegel/l...833143,00.html
  1. #30

    Habe das Problem ebenfalls

    Mit einem arabischen Namen wird man hier auch ständig gefragt, woher man denn kommt. Nach dem 1000. Mal nervt es einfach nur noch. Mein Rat: lieber gleich einen zweiten deutschen Namen dazunehmen und den als Rufnamen verwenden. Mit 18 wird der Freundes- und Bekanntekreis sowieso noch einmal fast komplett wechseln im Laufe der Zeit.
  2. #31

    Von Bayern und Preußen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ...und die Frage beantworten: Woher kommst du? Das nervt sie! Sehr!

    Als Ausländerin in Deutschland: Ständig unfreiwillig auffallen - SPIEGEL ONLINE
    Liebe Egzona,

    ich schreibe hier in der Hoffnung, dass Du mitliest. Irgendwie.
    98% aller Ausländer, denen ich begegne frage ich nicht nach ihrer Herkunft oder mache ihnen Komplimente für ihr Deutsch.

    Dennoch glaube ich, dass es oft ein erstauntes Kompliment ist, wenn ein "Deutscher" einem Migranten (entschuldige, Du bist eigentlich ja eine gebürtige Deutsche mit anderem Pass!) die Frage stellt "Woher kommen Sie?" und "Sie sprechen aber (sehr) gut Deutsch!" hinterherschiebt, wenn die Migrationsherkunft geklärt ist.

    Man kann das negativ sehen, genervt davon sein - oder aber man sieht es als das an, was es vermutlich ist:
    Der offene Prozess in der deutschen Gesellschaft, wahrzunehmen, dass es eben doch die Mehrheit der Migranten und Migrantenkinder ist, die sich hier wohl fühlt und versucht sich zu integrieren ohne sich assimilieren zu müssen.

    Als Deutsche weißt Du sicher längst, was "typisch deutsch" ist - und vergleichst dies ja auch mit dem typisch albanischem...

    Du kannst jederzeit zwischen den Kulturen und ihren Eigenarten wechseln, wie Du ja auch die Sprache wechseln kannst.
    Die meisten "Deutschen" können dies nicht. Wer Englisch sprechen kann, kann noch lange nicht zur englischen Kultur und Mentalität wechseln, ja nicht einmal die Unterschiede klar definiert benennen.
    Und huh: Was denken die Bayern eigentlich über die "Preußen"? ;o)

    Ich finde, Du bist gesegnet damit, jemand Besonderes zu sein.
    Eine attraktive, junge Deutsch-Albanerin... und das ist nicht diskriminierend gemeint!

    Es passt einem immer nur der Schuh, den man sich anziehen will!

    Viel Erfolg und alles Gute auf Deinem weiteren Lebensweg!
    Ich bin irgendwie überzeugt: Du wirst Erfolg haben!

    LG,
    khid
    (ist thailändische Lautschrift für "denken/wissen" ;o))
  3. #32

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Sie lebt in zwei Kulturen, spricht zwei Sprachen, hat zwei Heimaten: Egzona Hyseni, 18, ist Kosovo-Albanerin in Deutschland. Sie geht aufs Gymnasium, ist Klassenbeste in Deutsch, muss ständig ihren Namen buchstabieren und die Frage beantworten: Woher kommst du? Das nervt sie! Sehr!(...)
    Klar dass es sie nervt, denn sie selbst scheint nicht zu wissen wohin sie gehört.
    Kosowo, Deutschland? Am besten irgendwo dazwischen. Sie steht jedenfalls nicht so sehr zu unserem Land, dass sie die deutsche Staatsangehörigkeit annimmt. Also am besten erstmal sich selbst auf eine Seite verorten und dann beschweren, dass man nicht sofort als Deutsche erkannt wird.
  4. #33

    Ganz einfach

    Zitat von hohlzahn Beitrag anzeigen
    Was ich nicht verstehe: Warum nervt es so ungemein, wenn Leute Interesse an Einem haben?
    Vielleicht, weil man mit der Kultur, aus der der Name kommt, gar nichts anfangen kann und sich einfach nur als normaler Deutscher fühlt? So ist es jedenfalls mit mir. Das ewige Nachgefrage nervt einfach irgendwann. Es geht auch niemanden etwas an, woher ein Elternteil von mir kommt, jedenfalls nicht wenn ich den erst seit einer Minute kenne.
    Deutsche sind einfach zu provinziell eingestellt, wer hier nicht Hans oder Stefan heißt (oder Kevin, hähä) ist erstmal Ausländer. Das gefällt mir ja an den USA so gut, man mag Chang heißen und Schlitzaugen haben, ist aber trotzdem Amerikaner.
  5. #34

    Berichte über ggeglückte Integration

    brauchen wir nicht. Da ist ja alles gut gelaufen, da muß man nichts mehr dran machen.

    Wichtiger ist es den Fokus auf die Fälle zu setzen, wo nichts funktioniert.
    Dies sind die Fälle, wo man helfen muß und schauen, was schief läuft.
  6. #35

    Zitat von SirJazz Beitrag anzeigen
    (...)

    Ich hab in Berlin mein Abitur gemacht und musste mir oft sowas anhören. Mittlerweile immernoch. Letztens hat mich jemand gefragt ob meine Ehe arrangiert ist.

    Aber das leidige Thema, die Dummen bleiben hier, die Schlauen wandern wieder in die Türkei. Weil sie da besser bezahlt werden. Und anerkannt. Zumindestens beruflich.(...)
    Ja, es ist entsetzlich, die einen reißen das Image ein, die Guten haben darunter zu leiden. Von denen vermisse ich aber auch oft Signale, dass sie sich mit diesem Land und der Kultur identifizieren. Wie wäre es, wenn die integrierte Gruppe der Migranten auf die Nichtintegrerten einwirkt? So erlebe ich immer wieder eine Solidarisierung mit denen, die das Migrantenbild negativ beeinflussen.

    Es entsteht so oft der Eindruck, dass das Wirtschaftliche und die persönliche Freiheit willkommen sind, der Rest aber abgelehnt wird. Man hat ja noch eine "Reserveheimat".
  7. #36

    Zitat von acyonyx Beitrag anzeigen
    ...es ist irgendwie immer die selbe Laien.
    Jedes Zucken und normale verhalten Menschen gegenüber, die anders sind (nichtdeutsch) wird gleich als böse stigmatisiert. Ich werde hier in Bayern auch ständig gefragt woher ich eigentlich komme als Rheinländer... Na und? Ich erzähle das gerne.
    Bei Ihnen hört die Fragerei aber auch danach auf. Sie werden nicht gefragt, wo Sie denn "wirklich" herkommen!

    Meine Mutter hatte einen polnischen Geburtsnamen, obwohl es seit 3 Generationen keinen Polen in der Familie gab (davor ist nicht genau bekannt, ob es einer oder mehrere waren). Wenn ich mir vorstelle, sie hätte den Namen behalten und an ihre Kinder weitergegeben und man würde mich heute fragen, wo ich denn "wirklich" herkomme, weil ich ja immerhin einen fremländisch klingenden Namen trage, wäre ich ziehmlich angepisst.
    Immerhin bin ich hier geboren und habe keinerlei Verbindung nach bzw. mit Polen. Trotzdem würde man mich in die Einwandererschublade stecken und mich für mein gutes Deutsch loben, weil ich mit dem Nachnamen nun wirklich keine Deutsche sein kann.

    Es ist also nicht die interessierte Frage nach der Herkunft, sondern das Anzweifeln der Antwort, weil Name/Aussehen/whatever ja eindeutig aussagen, dass diese Person ein Ausländer sein MUSS und gar nicht aus Deutschland kommen KANN. Dieses Schubladendenken ist einfach nur traurig, wenn nicht gar erbärmlich!
  8. #37

    Zitat von hphersel Beitrag anzeigen
    Ich kann die junge Dame sehr gut verstehen - und nein, das passiert nicht nur im Schwabenland, auch in Großstädten wie Köln. Anscheinend wird einfach nicht erwartet, dass ein Mensch, der erkennbar nicht aus Deutschland stammt, akzentfreies und grammatikalisch korrektes Deutsch sprechen kann.
    Wenn ichg jemanden frage, warum er Arimadasdande Yuripratwada heisst und er kaeme sagen wir aus Pakistan, tue ich auch immer etwas ueberzogen erstaunt.

    Dies ist fuer denjenigen ein Kompliment, dass jemand positiv ueberrascht ist so gut Deutsch sprechen zu koennen.

    Ich habe Aehnliches in Italien immer als Kompliment aufgefasst und nie als Problem gesehen. Aber eventuell gehe ich auch erst einmal nicht davon aus, dass es negativ gemeint sein koennte.
  9. #38

    Zitat von strandeule Beitrag anzeigen
    Bei Ihnen hört die Fragerei aber auch danach auf. Sie werden nicht gefragt, wo Sie denn "wirklich" herkommen!
    Ja und?

    Ist halt Interesse. Oder was wollen wir da unterstellen nach guter alter Deutscher Manier? :) Wenn wir selbst nicht aufhoeren, immer das Begative hineinzuinterpretieren, wird's nie besser werden.

    Dann bleibt immer das Schubladendenken.

    Ich wurde in China taeglich gefragt, wo ich herkomme. Problem? Nein, warum sollte es?

    Bissken entspannt, Leute.
  10. #39

    Nicht in Ordnung

    Warum sollte es in Ordnung sein, 2012 andauernd auf die Herkunft aufgrund eines Namens oder Aussehens angesprochen zu werden? Natürlich kann die Frage situationsbedingt in Ordnung sein und eine Basis für ein interessantes Gespräch sein, jedoch nur in manchen Situationen. In den meisten anderen ist diese Frage unangebracht, genauso wie der Kommentar 'Sie sprechen aber gut Deutsch'. Leider können das nur ganz wenige nachempfinden, von daher sind die meisten Kommentare hier absolut nicht zielführend.

    Es ist schade, dass in einem so progressiven Land wie Deutschland in den meisten ländlichen Gegenden noch so viel kurzsichtige Ignoranz herrscht gegenüber Anderssein.

    Und letztlich ist der Artikel nicht unnötig sondern zeigt auf, wie es sich anfühlt zwischen 2 Stühlen zu sitzen, eine Situation, vor der man im Angesicht der steigenden Zahlen nicht die Augen verschliessen kann.