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Albanerin in Deutschland: "Grandios, so was als Ausländerin zu leisten"

Sandra OttenwälderSie lebt in zwei Kulturen, spricht zwei Sprachen, hat zwei Heimaten: Egzona Hyseni, 18, ist Kosovo-Albanerin in Deutschland. Sie geht aufs Gymnasium, ist Klassenbeste in Deutsch, muss ständig ihren Namen buchstabieren und die Frage beantworten: Woher kommst du? Das nervt sie! Sehr!

http://www.spiegel.de/schulspiegel/l...833143,00.html
  1. #140

    Zitat von Analyser Beitrag anzeigen
    Wer "ganz" dazugehören will, muss sich einfach mehr assimilieren. Das mag in Deutschland besonders notwendig sein. Aber: Niemand wird gezwungen, hier zu leben. Gerade Eltern sollten sich sehr gut überlegen, ob sie sich wirklich so mit Deutschland identifizieren oder ob sie letztlich nur wegen des Geldes hier bleiben.
    Außerdem wird die Zuwanderung in ein anderes Land oft verharmlost.
    Eine erfolgreiche Integration ist nun mal eine 2-Bahn-Strasse die nicht Assimilation bedeutet. Ich lebe seit 20 Jahren in D,etwas mehr als die Hälfte meines Lebens. Ich habe Abitur aus dem Heimatland mitgebracht, danach hier studiert, Sprache gelernt. Seit fast 15 Jahren arbeite ich als selbstständige Informatiker, überwiegend für amerikanische Firmen. Ich bin mit einer Deutschen verheiratet, wir haben 2 Kinder die bewusst sehr internationale Namen haben, die ganze Familie hat den deutschen Nachnamen der Frau angenommen. So weit, so gut. Man würde meinen, perfekte Integration. Nun, wir leben 2 Kulturen. Die Kinder wachsen 2-Sprachig auf, lernen beide Kulturen kennnen und sind orthodox getauft worden weil ich will daß ein Stück meiner Kultur weitergegeben wird. Im Kindergarten hat dann der Ortspfarer meiner 2,5 jährigen Tochter vor allen erklärt daß sie wohl zu einer Sekte gehört. Inzwischen ist es in fast allen europäischen Ländern möglich ganz legal doppelte Staatsbürgerschaft zu haben, warum auch hier nicht? Wir versuchen an unsere Kinder daß Beste aus beiden Kulturen weiter zu geben. Die sollen weitere Sprachen lernen und gute Bildung erhalten. Wir erziehen sie zu den echten Europäern, lehren sie das Gute zu respektieren und das Schlechte zu hinterfragen. Mir hat meine Deutschlehrerin vor vielen Jahren mal gesagt "Stell dich nicht so unbeholfen an, du kanst sehr viel besser Deutsch als die Deutschen deine Heimatsprache. Spreche einfach, der Rest kommt von alleine" - 7 Monate später habe ich die Aufnahme Prüfung an der Uni bestanden. Und ja, mich nervt die Frage "Und woher kommst du?" auch. Von wildfremden Menschen gestellt, ist es eine Verletzung der Privatsphäre. Nach hunderten von Büchern, Studium und akademischem Umfeld, würde ich sogar behaupten daß mein Deutsch besser und reicher ist als Deutsch der mind. 50% der gebürtigen Deutschen. Und trotzdem, einen leichten Akzent habe ich immer noch...nicht zuzuordnen, aber vorhanden.
    Einen "klares Bekenntnis zur neuen Heimat" lehne ich ab. Das habe ich damit getan daß ich ein ehrlicher, arbeitender und steuerzahlender Mensch bin der allen seinen Pflichten nachgeht.. und trotzdem seinen Kindern eine 2. Sprache beibringt, bei der Fussbal-EM mehrere Favoriten hat und am Auto 2 verschiedene Flagen wehen, neben Rouladen und Schweinsbraten auch andere Dinge auf den Tisch kommen. So what?
    15 Mio. Bunderbürger haben inzwischen "Migrationshintergrund", Tendenz - stark steigend. Wenn man die alle täglich fragt "Und woher kommen Sie eigentlich"??? Irgendwie lächerlich. Aber damit wird einem immer das Gefühl vermittelt nicht dazu zu gehören und das ist meiner Meinung nach eine der Hauptgründe warum sich so viele dem Ganzen verweigern. Egal was man anstellt und wie sehr man sich bemüht, bleibt man immer "der Fremde", "der Andersartige", "der der nicht dazu gehört". Daher halte ich mich selbst für einen echten Europäer und betrachte Europa als meine Heimat.
  2. #141

    Zitat von Schäfer Beitrag anzeigen
    Dass es um die Herkunft des Namens ginge, habe ich dem Artikel nicht entnommen. MMn ging es um die Herkunft der Kosovarin. Und wer nicht in der Lage ist, eine Frage so zu formulieren, dass "Kosovo" als Antwort herauskommt, ist minderbemittelt.

    Selbstverständlich ist die Antwort "von da" oder "aus Schwaben" richtig, wenn nach der Herunft gefragt wird. Aber dass moniert wird, dass der Fragende sich nicht damit zufriedengibt, ist nach meinem Dafürhalten Unverständnis der Kosovarin für unsere Kommunikationskultur.
    Die Klassenbeste in Deutsch hat doch aber die Intention der Frage verstanden. Warum sagt sie nicht einfach als Antwort, ihr Name ist kosovarisch. Egzona ist nunmal ziemlich selten in Deutschland, also ruft es automatisch Interesse nach der Herkunft hervor. Und wenn die Kassiererin minderbemittelt wäre, wäre es sogar Intoleranz ihr gegenüber nur mit einem "von da" zu antworten, obwohl man verstanden hat worum es ging.

    Zum Thema USA was hier immer wieder aufkommt kann ich mich nicht anschließen. Ich war einige Zeit dort und mein Name ist immer relativ schnell aufgefallen und sofort wurde ich fast überall gefragt woher ich denn komme. Das ist normal dort und wenn ich dann sagte aus Deutschland haben einige sogar freudig sofort über ihre Vorfahren, die aus Deutschland kommen geredet. Es ist zwar nicht wichtig für einen woher jemand kommt, aber interessant ist es nunmal. Teilweise auch sinnvoll damit man nicht in kulturelle Fettnäpfchen trifft.

    In Afrika war diese Frage sogar noch häufiger, da ich mich aus 100m Entfernung von den anderen Menschen um mich herum abgegrenzt habe.

    Und zuletzt noch: von ihren Zitaten hier halte ich nicht viel. In Wahrheit kann die Fragestellung oder der Kommentar der Deutschlehrerin doch viel "politisch korrekter" gewesen sein als hier dargestellt.
  3. #142

    Das alte Märchen

    vom Ausländer, der in Deutschland alles erreichen kann.
    Ist ja nur eine Willenssache? Trotz gutem Willen bekommen viele Migranten keinen Arbeitsplatz, auch wenn sie besser qualifiziert sind, viele bekommen die Mietwohnung dann doch nicht, wenn der Vermieter vom Nachnamen erfährt. Kinder werden nicht regulär eingeschult, wenn sie nicht den Normalitätserwartungen entsprechen, sondern sie erfahren eine Zurückstellung im Bildungssystem, das ihnen Bildungschancen vorenthält.
    Die Autorin hat den entscheidenden Vorteil, perfekt Deutsch zu können. Sonst wäre sie wahrscheinlich in ihrer schulischen Laufbahn ausselektiert worden.
  4. #143

    Deutscher mit auslaendischem Namen im Ausland

    In anderen Laendern ist es ganz normal dass man gefragt wird woher man kommt. In amerika sagt man dann auch ganz normal und stolz ich bin amerikaner mit iranischen wurzeln.
    NUR in deutschland ist die frage woher man kommt verpoent.
    Mich stoert es kein bischen wenn mich die leute fragen woher ich komme.
  5. #144

    Zitat von Davoud_ Beitrag anzeigen
    In anderen Laendern ist es ganz normal dass man gefragt wird woher man kommt. In amerika sagt man dann auch ganz normal und stolz ich bin amerikaner mit iranischen wurzeln.
    NUR in deutschland ist die frage woher man kommt verpoent.
    Mich stoert es kein bischen wenn mich die leute fragen woher ich komme.
    Die Frage ist doch, wieso solch eine Frage in Deutschland (oder etwa auch der Schweiz) solche Spannungen auslösen kann. Meines Erachtens liegt das eben gerade im kleinen, aber feinen Unterschied, dass Gesellschaften wie die USA viel mehr akzeptieren, ein Immigrationsland zu sein. Schon alleine weil fast jeder über kurz oder lang auf einen "Migrationshintergrund" verweisen kann.

    Weshalb es dann auch kein Problem ist, sich über die Herkunft zu unterhalten, im Gegenteil. In Deutschland oder der Schweiz aber schwingt m.E. bei dem Thema hingegen oft eine Abgrenzung mit - wir "richtigen" Staatsbürger auf der einen Seite, der Rest auf der anderen. Selbst wenn jemand rechtlich wie kulturell mindestens ebenso deutsch ist. "Unpassendes" Aussehen, "falscher" Name, etc. und man bleibt ewig der "Ausländer".

    Wobei das wohlgemerkt auch situativ ist. Was hier viele übersehen ist, dass sich die Frage nach der Herkunft nicht vom Kontext losgelöst betrachtet werden sollte. Das kann immer von freundschaftlichem Interesse bis zu unverhohlener Feindseligkeit reichen, abhängig vom Bezug zu der Person, Situation, Tonalität, etc. Es greift darum zu kurz, seine Partytalk-Erfahrungen aus dem Auslandssemester eins zu eins mit jener von Ausländern wie im Artikel zu vergleichen, wie das hier manche machen..
  6. #145

    Grossartiges Mädchen

    Egzona macht und machte alles richtig. Die Frage stellt sich, wie schwer würden wir persönlich es haben gerade diese beiden Kulturen miteinander vernünftig zu verbinden.
    Unsere Welt wird täglich kleiner und die verschiedensten Einflüsse rücken näher und nur junge Menschen wie Egnoza können eine gemeinsame Zukunft gestalten. Unsere momentanen Entscheidungsträger sind nicht mehr in der Lage die richtigen Zeichen zu setzen.
  7. #146

    Zitat von Celegorm Beitrag anzeigen
    Wobei das wohlgemerkt auch situativ ist. Was hier viele übersehen ist, dass sich die Frage nach der Herkunft nicht vom Kontext losgelöst betrachtet werden sollte. Das kann immer von freundschaftlichem Interesse bis zu unverhohlener Feindseligkeit reichen, abhängig vom Bezug zu der Person, Situation, Tonalität, etc. Es greift darum zu kurz, seine Partytalk-Erfahrungen aus dem Auslandssemester eins zu eins mit jener von Ausländern wie im Artikel zu vergleichen, wie das hier manche machen..
    Man hat es in Deutschland vielleicht auch immer ein wenig schwerer, wenn man anders ist. Damit ist nicht nur die Staatsangehörigkeit gemeint.

    Die Probleme liegen auf beiden Seiten. Einerseits ist es einem selbst als Deutscher sehr wichtig, bloß nicht aufzufallen, andererseits wird von anderen auf Anderssein auch meist irgendwie reagiert.

    Da bestehen also auf der einen Seite Empfindlichkeiten und auf der anderen Seite eine gewisse Gedankenlosigkeit.
  8. #147

    Schmarrn!

    Zitat von riga_ernest Beitrag anzeigen
    ... Wir sind auch weg. Meine Tochter, Halb-Chinesin, setze ich der deutschen, provinziellen Piefigkeit nicht aus. Wenn wir meine alte Heimat besuchen, sieht sie nur die netten Seiten des Landes, und wenn jemand doofe Fragen stellt, macht das nichts - wir sind ja bald wieder weg.
    Meine kleine Halbschwester ist Halb-Deutsche, Viertel-Mexikanerin und Viertel-Chinesin mit Geburtsort Singapore. Optisch eine gelungene Mischung (braune Haare, braune Augen, helle, leicht gelbliche Haut) und definitiv Deutsche in Wien (für die Österreicher sogar Bayerin).
    Ihre Freunde sind u.a. Russlanddeutsche, Deutsch-Perserinnen, Deutsch-Chinesinnen, Deutsch-Kolumbianer, Deutsch-Amerikaner - alle fühlen sich der deutschen Kultur genauso zugehörig wie die ihres anderen Elternteils.
    Zum Oktoberfest wird dann in München Lederhose oder Dirndl getragen. Bei ihrer chinesischen Freundin, die sich dann passend die Haare blond färbt und blaue Kontaktlinsen trägt, sieht das dann besonders witzig aus. Man kann ja auch mit den Kulturen spielen und feiern und muss das alles nicht so bierernst nehmen.
  9. #148

    Schengenabkommen

    "Am Schalter nimmt mich eine Frau zur Seite. "Sie sind Kosovo-Albanerin, Sie dürfen nicht einreisen""

    So ein Quatsch, mit einem unbefristeten Aufenthaltstitel kann man sehr wohl nach Spanien reisen. Es werden wohl alle möglichen Klischees ausgepackt, nur damit der Artikel interessanter wird.
  10. #149

    Wir sind alle Bürger des Planten Erde!

    Zitat von rakatak Beitrag anzeigen
    Klar dass es sie nervt, denn sie selbst scheint nicht zu wissen wohin sie gehört.
    Kosowo, Deutschland? Am besten irgendwo dazwischen. Sie steht jedenfalls nicht so sehr zu unserem Land, dass sie die deutsche Staatsangehörigkeit annimmt. Also am besten erstmal sich selbst auf eine Seite verorten und dann beschweren, dass man nicht sofort als Deutsche erkannt wird.
    Die Entscheidung zur Staatsbürgerschaft beeinflussen viele Faktoren. Ich selbst komme aus einem nicht EU-Land, kann demnach auch keine doppelte (deutsche) Staatsbürgerschaft haben. Die Kosten für die Exmatrikulation aus meiner ursprünglichen Staatsbürgerschaft, die Verwaltungsgebühren für die deutsche sowie die Kosten für die Überprüfung durch den BND und Verfassungsschutz belaufen sich insgesamt auf ca. € 4000. Hat meiner Schwester durchgemacht. Unbezahlbar sind noch die ganzen Nerven und der 1,5-2 jährige Prozess bis man alles erledigt hat.

    Nun, ich hatte glücklicherweise die Option, die Staatsbürgerschaft des Heimatlandes meiner Frau annehmen zu können. Auch EU-Land. Kosten: keine. Dauer: ca. 9 Monate. Der einzige Grund diese anzunehmen war, ein EU-Reisedokument zu erhalten, welches visumreies Reisen ermöglicht.

    Den, wenn man zwischen verschiedenen Kulturen aufwächst, lernt man, dass man doch nur ein Mensch unter 7.000.000.000 auf dieser Welt ist. Nicht mehr und nicht weniger. Alles andere sind künstlich geschaffene Abgrenzungen im Laufe der letzten 10.000 Jahre. Dabei existiert unser Planet doch 4.500.000.000 Jahre!


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