Eine erfolgreiche Integration ist nun mal eine 2-Bahn-Strasse die nicht Assimilation bedeutet. Ich lebe seit 20 Jahren in D,etwas mehr als die Hälfte meines Lebens. Ich habe Abitur aus dem Heimatland mitgebracht, danach hier studiert, Sprache gelernt. Seit fast 15 Jahren arbeite ich als selbstständige Informatiker, überwiegend für amerikanische Firmen. Ich bin mit einer Deutschen verheiratet, wir haben 2 Kinder die bewusst sehr internationale Namen haben, die ganze Familie hat den deutschen Nachnamen der Frau angenommen. So weit, so gut. Man würde meinen, perfekte Integration. Nun, wir leben 2 Kulturen. Die Kinder wachsen 2-Sprachig auf, lernen beide Kulturen kennnen und sind orthodox getauft worden weil ich will daß ein Stück meiner Kultur weitergegeben wird. Im Kindergarten hat dann der Ortspfarer meiner 2,5 jährigen Tochter vor allen erklärt daß sie wohl zu einer Sekte gehört. Inzwischen ist es in fast allen europäischen Ländern möglich ganz legal doppelte Staatsbürgerschaft zu haben, warum auch hier nicht? Wir versuchen an unsere Kinder daß Beste aus beiden Kulturen weiter zu geben. Die sollen weitere Sprachen lernen und gute Bildung erhalten. Wir erziehen sie zu den echten Europäern, lehren sie das Gute zu respektieren und das Schlechte zu hinterfragen. Mir hat meine Deutschlehrerin vor vielen Jahren mal gesagt "Stell dich nicht so unbeholfen an, du kanst sehr viel besser Deutsch als die Deutschen deine Heimatsprache. Spreche einfach, der Rest kommt von alleine" - 7 Monate später habe ich die Aufnahme Prüfung an der Uni bestanden. Und ja, mich nervt die Frage "Und woher kommst du?" auch. Von wildfremden Menschen gestellt, ist es eine Verletzung der Privatsphäre. Nach hunderten von Büchern, Studium und akademischem Umfeld, würde ich sogar behaupten daß mein Deutsch besser und reicher ist als Deutsch der mind. 50% der gebürtigen Deutschen. Und trotzdem, einen leichten Akzent habe ich immer noch...nicht zuzuordnen, aber vorhanden.
Einen "klares Bekenntnis zur neuen Heimat" lehne ich ab. Das habe ich damit getan daß ich ein ehrlicher, arbeitender und steuerzahlender Mensch bin der allen seinen Pflichten nachgeht.. und trotzdem seinen Kindern eine 2. Sprache beibringt, bei der Fussbal-EM mehrere Favoriten hat und am Auto 2 verschiedene Flagen wehen, neben Rouladen und Schweinsbraten auch andere Dinge auf den Tisch kommen. So what?
15 Mio. Bunderbürger haben inzwischen "Migrationshintergrund", Tendenz - stark steigend. Wenn man die alle täglich fragt "Und woher kommen Sie eigentlich"??? Irgendwie lächerlich. Aber damit wird einem immer das Gefühl vermittelt nicht dazu zu gehören und das ist meiner Meinung nach eine der Hauptgründe warum sich so viele dem Ganzen verweigern. Egal was man anstellt und wie sehr man sich bemüht, bleibt man immer "der Fremde", "der Andersartige", "der der nicht dazu gehört". Daher halte ich mich selbst für einen echten Europäer und betrachte Europa als meine Heimat.

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