AFPWolfgang Schäuble ergreift in den aktuellen Tarifrunden eindeutig Partei: Deutschland könne sich höhere Steigerungen bei den Löhnen besser leisten als andere Länder. Dem Finanzminister käme ein spürbares Lohnplus für die Beschäftigten auch europapolitisch entgegen.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...831526,00.html
Was schlecht für den Rest Europas ist, muss nämlich automatisch gut für die Deutschen sein, die ja bisher so furchtbar von den Ungleichgewichten profitiert haben, und umgekehrt. Wirtschaft ist schließlich ein Nullsummenspiel, und wenn man wettbewerbsfähig genug ist gewinnt man irgendwann den Wettbewerb und alles wird gut. Seinen Lebensstandard erhöht man am besten, wenn sich jemand anders die Gewinne einsteckt. Bei der Forderung stattdessen die Steuern zu senken war ja immerhin noch ein Argument da.
Das ist richtig, progression gab es bei der steuer schon immer. Neu ist, dass die progression steiler sein kann als die inflation, so dass man nach einem lohnplus weniger (!) kaufkraft hat. Dann ist die progression "kalt".
Beispiel:
brutto 1000, steuersatz 20% = netto 800
brutto 1100, steuersatz 21% = netto 869
Das ist eine lohnerhöhung von 10%, aber netto nur etwa 8,6%. Falls die inflation höher wäre als 8,6%, hat der arbeitnehmer verloren.
Die lösung dazu wäre, die progression wieder flacher zu machen. In den 1950'er jahren wurde der spitzensteuersatz nur von wenigen top-verdienern erreicht; heute wird der spitzensteuersatz schon von einem abteilungsleiter geknackt. Wenn natürlich immer nur die steuer-untergrenze angehoben wird, niemals aber die obergrenze, dann wird der progressionsverlauf natütlich immer steiler (DOH!).
Wenn die inflation noch stärker wird, dann dauert es nicht lange bis wir ganz von alleine eine flat-tax haben, weil dann jede frieseuse nach spitzensteuersatz behandelt wird. Und 2050 sind wir dann allesamt einkommensmillionäre!