Sehr geehrte Frau Ourghi,
es reicht nicht immer, nur ein Wörterbuch, den Alavi, zu konsultieren – zumal wenn es sich dabei um ein Wörterbuch handelt, das schon über fünfzig Jahre alt ist und schon in seinem Erscheinungsjahr als umstritten galt. Denn häufig wird darin – wie auch in diesem Fall – nur das ursprüngliche arabische Wort übersetzt, ohne darauf zu achten, welchen Kontext dieses Wort annimmt, wenn es beispielsweise zusammen mit den persischen Hilfsverben shodan oder kardan verwendet wird.
Als Quelle würde ich Ihnen künftig das Farhang-e bozorg-e sokhan, ein persisch-persisches Wörterbuch von Hassan Anvari empfehlen. Es hat den entscheidenden Vorteil, dass es das Sprachgefühl der heute lebenden Iraner wiedergibt. Dort findet sich der Hinweis, mahv shodan sei masdar-e lazem, was – ich vermute, ich brauche Ihnen das nicht zu erklären – „intransitiver Infinitiv“ bedeutet. Anvari gibt auch die Synonyme für mahv shodan wieder: az beyn raftan und pak shodan, die allesamt gleichfalls intransitiv sind.
Weil shodan im Persischen auch als Hilfsverb für Passivkonstruktionen verwendet wird, kommt es des öfteren vor, dass, wer kein Sprachgefühl besitzt, alle mit shodan gebildete Konstruktionen für Passivkonstruktionen hält. Dem ist jedoch nicht so. Es gibt auch Konstruktionen mit shodan, die dem so zusammengesetzten Verb einen intransitiven Sinn verleihen – wie auch in unserem Fall. Und genau deshalb heißt mahv shodan ‚verschwinden’ und nicht ‚vernichtet werden’.
Anbei auch noch ein link zu einem amerikanischen Nahostwissenschaftler, Juan Cole, der diese Aussage bestätigt.
Steele On Ahmadinejad Of Arenas Of | Informed Comment
Erstaunlich überdies, dass Sie sämtliche meiner Hinweise auf den Kontext der Ahmadinejad-Äußerung, die eigentlich deutlich machen, wie der Satz zu übersetzen ist, so geflissentlich übergehen, um dann in epischer Breite auf Ahmadinejads absurden Mahdi-Rekurs einzugehen, dessen gleichzeitige Ungefährlichkeit Sie mit dem Hinweis auf die von mir erwähnte relative Unwichtigkeit Ahmadinejads im Räderwerk der iranischen Politik belegen.
Davon abgesehen kann ich nur sagen: wenn solche Übersetzungen als Legitimation von Angriffskriegen dienen könnten, kann ich es mir und Ihnen nicht ersparen, mich in Haarspaltereien zu ergehen.
Mit freundlichen Grüßen
Katajun Amirpur