1. Es heißt Zwangsstörung, nicht Zwangsneurose, das Neurose/Psychose-System ist längst Vergangenheit. Und man geht von einer Genom-Umwelt-Kombination bei der Entstehung aus, eine spezifische Ätiologie gibt es dabei ebensowenig wie bei der ADHS. Vielleicht hängen Sie da noch älteren tiefenpsychologischen oder systemischen Theorien an, die heute überholt sind. Genau wie bei ADHS gibt es neurobiologische Befunde, die die Vorgänge beim Zwang zeigen, genetische Korrelate und psychosoziale Risikofaktoren, aber keine kausale Wirkungskette. Es gibt also gut und gerne 50 Gründe.
2. Das Bild von z.B. einer Depression ist genauso unspezifisch und individuell unterschiedlich wie das der ADHS, schauen Sie sich mal die möglichen Symptome dafür aus dem ICD-10 an, dann können Sie sich vorstellen wie es in der klinischen Realität aussieht.
3.Das ganze ICD-10 ist darauf aufgebaut, dass Störungen durch Zusammenauftreten ähnlicher Symptome definiert sind. Dabei wird, ich wiederhole mich, NICHT von einer monokausalen Entstehung oder allgemein einer gleichen Entstehung bei allen Patienten ausgegangen. Woher die Störung beim individuellen Patienten kommt, können weder neurobiologische, tiefenpsychologische noch lerntheoretische Modelle erklären.
4. Ich kenne keine Befunde dafür, dass ADHS-Symptome stattdessen auf anderen Störungen beruhen (außer von Armstrong, den Sie erwähnen, aber seine reine Behauptung ist ja auch kein Beleg). Natürlich gibt es viel Komorbidität bei ADHS-Patienten, aber es gibt gewisse charakteristische Zeichen für ADHS, die sich durch andere Störungen nicht erklären lassen.
5. Ich denke aber nicht, dass ich Sie hier irgendwie überzeugen kann, daher ziehe ich mich hier auch zurück.

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