Zitat von
trafozsatsfm
Ich bin Lehrer, nicht Arzt oder Psychologe (auch wenn manche glauben, dass ich automatisch auch letzteres sein müsste). Ich will gar nicht darüber spekulieren, ob es früher mehr oder weniger Kinder mit AD(H)S oder Asperger-Syndrom gab oder nicht, oder darüber, woran all das liegen mag. Denn wie gesagt: Ich bin kein Psychologe!
Ich kenne nur die Praxis: Es gibt extrem verhaltensauffällige Kinder, die eben mit AD(H)S oder (seltener) mit Asperger-Syndrom diagnostiziert sind. Und ich muss Klassen mit bis zu 30 Schülern unterrichten, von denen viele an der Allerweltskrankheit "Pubertät" leiden. Das ist nicht immer ganz einfach. Bis zu einer gewissen Verhaltensauffälligkeit sind Schüler tolerierbar, ab einem gewissen Punkt nicht mehr, denn dann ist kein Unterricht mehr möglich. Aber es wird von mir erwartet, dass ich unterrichte, das wird von mir erwartet und dafür werde ich bezahlt.
Ganz leidenschaftslos betrachtet, gibt es für den Umgang mit Schülern, die die "Toleranzgrenze" überschreiten, zwei Möglichkeiten:
1. Man schickt sie in Förderschulen, in denen sie separat unterrichtet werden - mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen. Das ist die gegenwärtige Praxis.
2. Man behält sie an der Regelschule und stellt dem Lehrer eine angemessene Zahl (je nach Zahl der betroffenen Schüler) von zusätzlichen Betreuern zur Seite, die sich speziell um diese Schüler kümmern können. Soll mir auch recht sein!
Ganz sachlich und "unideologisch" betrachtet, sind das die beiden Möglichkeiten, bei denen ich die Arbeit, für die ich bezahlt werde, auch machen kann.
Bei der dritten Möglichkeit, die ich allerdings manchmal befürchte, geht das nicht: nämlich, dass man einfach in Klassen von 30 Schülern zwei extrem verhaltensauffällige setzt und dem Lehrer sagt: "Tja, damit musst du klarkommen... Du weißt ja, die UNO..."
Das im Text beschriebene Ferienlager finde ich als Lehrer übrigens auch toll.