ADHS-Ferienlager: "Hier hat jeder einen Knall"

Urlaub für schwierige*Gäste: In Mecklenburg-Vorpommern findet jährlich*ein Sommercamp für Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom statt. Weil dort jeder ein bisschen anders ist, fällt keiner mehr*auf.*Das entspannt - und zur Not*gibt es*immer noch den Ruheraum.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0...777329,00.html
  1. #60

    tolle Aussichten

    57 Caldwhyn

    „Für so ziemlich alle gängigen psychischen Erkrankungen gibt es klare wissenschaftliche Beweise, da braucht sich niemand "was ausdenken". Sogar Depression kann mit bildgeben-den Verfahren nachgewiesen werden, genauso wie der Erfolg von Psychotherapie als Be-handlung, trollen sie also bitte wo anders weiter oder informieren Sie sich erstmal.“

    Hübsch, wie Sie das deklinieren. Dummerweise gibt es bereits in der Wikipedia (und bei Volker Faust) sehr hübsche Formulierungen, was die Symptome psychischer Krankheiten angeht. Da liest man dann, daß die Symptome nur selten gemeinsam auftreten oder nur manchmal oder nur unter ganz bestimmten Bedingungen, und was mich immer von Herzen freut, daß keiner wirklich weiß, warum das so ist und daß nicht unwesentliche Teile eines Krankheitsbildes noch nicht so recht verbindlich erforscht sind, oder daß die hehre Wissenschaft sich nicht so recht einig ist. Es gibt real allerdings praxisnahe Anweisungen, wie der Arzt zu handeln habe, und die kommen fast ausschließlich von der Pharmaindustrie (die verdammt viel weiß und das kaum preisgibt). Einen gewissen Effekt haben die Medikamente zuzweilen und man ist es zufrieden, zumal der Placeboeffekt bei diesen Malaisen gut fünfzig Prozent des Erfolgs ausmacht. Mit Erziehung vergleichbar. Der Glaube des Kunden versetzt Berge. Götter können ähnlich wirken.

    Ich mache mir die Sache einfach. Bei Ärzten ist ein wirklich guter unter zehn, und für den fahre ich vierhundert Kilometer, bei den Psychos ist es einer von hundert, was daran liegen mag, daß mein Vater und manch einer seiner und meiner Freunde Psychologen sind. Einen schätze ich sehr, nicht nur weil er außerordentlich gebildet ist, Psychotherapeut und Neurologe, sondern weil er früher schon, und zunehmend überzeugter, Psychopharmaka für blanken Unfug hält. Er weigert sich solche Mittel zu verschreiben, und setzt nur auf die Selbstheilungsmöglichkeiten des Individuums und Gesprächstherapien. Das heißt nicht unbedingt, daß es keine psychischen Kalamitäten gibt, aber daß sie verdammt selten sind oder so richtig schön unzugänglich. Mit deren Heilung kann man natürlich eine Menge Geld verdienen, und das ist für den Kunden zumindest lästig. Ein Glas Wein oder eine Runde um den Block sind nicht selten effektiver, ganz ohne Glauben an die Allwissenheit der Seelenpanscher. Die vielen Jogger legen davon beredt Zeugnis ab. Und die Säufer, immerhin sind wir in dieser Disziplin Weltspitze.

    Ich hab übrigens einen gewissen Respekt vor den zumeist amerikanischen Positivisten, Empirikern, Verhaltensforschern und Behavioristen, die sehr nüchtern an die komische Seele drangehen, die so recht keiner kennt, und auf die allzu waghalsigen Behauptungen der Kontin2entalpsychos verzichten. Es gibt natürlich auch Mißerfolge. In Vietnam sind 50.000 Männer gefallen, weit mehr als 100.000 haben ihren Seelenschmerz nie verwunden, obwohl der psychologische Beistand enorme Ausmaße hatte. Aber wahrscheinlich haben die nur so zweckdienliche Sprüche auf Lager gehabt wie „reiß dich am Riemen, du schaffst das schon, andere haben das doch auch gemacht“. Das können Patres und Pastores genausogut wie Eltern, Lehrer, Schleifer.

    Wir sind wohl ein besonders weinerliches Volk voller Selbstmitleid.
  2. #61

    gnarf

    Zitat von albert schulz Beitrag anzeigen
    Da liest man dann, daß die Symptome nur selten gemeinsam auftreten oder nur manchmal oder nur unter ganz bestimmten Bedingungen, und was mich immer von Herzen freut, daß keiner wirklich weiß, warum das so ist und daß nicht unwesentliche Teile eines Krankheitsbildes noch nicht so recht verbindlich erforscht sind, oder daß die hehre Wissenschaft sich nicht so recht einig ist.
    Sie haben von Naturwissenschaften keine Ahnung, oder?

    Es ergäbe überhaupt keinen Sinn, wenn man verlangen würde dass alle Symptome auftreten. Bei einem so komplexen System mit sovielen Variablen ist sowas fast unmöglich.
    Als ob etwas nur Null oder Eins ist. Entweder oder. Alleine die Tatsache, dass Aspirin Kinder töten würde, aber fünf Jahre später nicht mehr. Und dass diese Schwelle von Person zu Person unterschiedlich ist.

    Vielleicht sollten Sie mal darüber nachdenken, dass nicht alles so einfach ist, wie man es gerne hätte.
  3. #62

    @JoachimSch

    Sie argumentieren exakt wie eine Medizinmann oder Schamane. Alles zu wissen behaupten kann jeder Trottel. Wenn die Belege so ganz ausbleiben, fängt das Publikum irgendwann an zu lächeln, und das schwillt dann an zu einem beachtlichen Gelächter.

    Goethe hat lange vor jeder Tiefenpsychologie sehr treffend bemerkt, ein Zehntel des Menschen wäre mit der Vernunft erreichbar und erkennbar, der Rest wäre Wahn. Mediziner und Psychos sollten sich erst mal einigen, wo der Körper aufhört und die Seele anfängt. Für Lebensfreude, Verzweiflung, Interesse und viele andere der „Seele“ zugeschriebenen Erscheinungen sind Vegetativum, Mandelkern, limbisches System zuständig, und das sind tatsächliche Organe und sicher keine Seele, deren Existenz ein seriöser Mediziner ohnehin leugnet. Ritalin wirkt auch nicht auf die Seele, sondern auf den Balg. Es ist immer wieder hübsch zu sehen, wie alte jähzornige Männer „eingestellt“ werden. Es ist, als hätte man ihnen das Gehänge abgeschnitten. Die Kotzbrocken sind danach ganz lieb und umgänglich, pflegeleicht zu händeln, ganz wie die abnormen ADHS – Verbrecher nach ihrer Dröhnung.
  4. #63

    .

    Zitat von Caldwhyn Beitrag anzeigen
    Also die generelle Zahl der Erkrankungen bleibt für nahezu alle typischen Störungsbilder gleich, wobei es da schwer ist an gute Zahlen zu kommen. Die respektabelsten Zahlen für Deutschland sind dabei aus dem Bundesgesundheitssurvey und der ist von 1998. Dieses Jahr endet aber die Folgeuntersuchung, nur bis die ausgewertet und veröffentlicht ist werden wir hier nicht mehr diskutieren ;)

    Lediglich im Themenkomplex Burn-out/Depression würde ich eine Zunahme vermuten, aber dafür gibt es auch durchaus bessere Erklärungsansätze als eine Zunahme von Psychotherapeuten. Beispielsweise die Tatsache, dass Depressionen chronisch unterdiagnostiziert sind (früher gabs dann eben Medikamente die auf -zepam enden wenn der Hausarzt genervt war, heute denkt zum Glück der eine oder andere doch an F-Diagnosen).

    Bei Kindern kenne ich mich jezt auch nur aus Blickwinkel des Vaters und nicht wirklich gut aus beruflicher Perspektive aus, jedoch (wie oben schon geschrieben) halte ich gerade ADHS auch für überdiagnostiziert. Eine generelle Zunahme von neurologisch bedingten Entwicklungsstörungen ist aber anscheinend nicht von der Hand zu weisen, ADHS, Asperger, Tic-Störungen nehmen wohl tatsächlich zu.

    Das daran aber die Kollegen von der KJP ursächlich beteiligt sind halte ich zumindest für unwahrscheinlich. Zumal dieser Zuwachs sich ja nich nur auf Deutschland sondern auf die gesamte westliche Welt bezieht sofern ich das richtig erinnere.
    Asperger nimmt nicht zu. Es ist nur populärer geworden. Und es ist weder eine Krankheit noch irgendwie behandlungsbedürftig, solange es nicht die Lebens-, Lern- oder Arbeitsfähigkeit massiv behindert. Das tut es aber bei den wenigsten.

    Das Problem ist, daß alleine schon die Möglichkeit einer Diagnosestellung, die vor dreißig, vierzig Jahren noch mehr oder weniger unbekannt war, dazu führt, daß Asperger-typisches Verhalten bei Kindern als solches erkannt und genau aus diesem Grund danach erst so richtig als störend empfunden wird. Schließlich müßte man das Störende doch auch wegtherapieren können, nicht wahr?

    Für ADHS gilt Ähnliches: Die Grenze, ab der Kinder, die vom allermittelsten Durchschnittswert irgendwie abweichen, als unerträglich störend empfunden werden, hat sich verschoben, und meinem Gefühl nach verschiebt sie sich auch jetzt noch immer weiter.

    Bei den Depressionen gebe ich Ihnen sogar recht. Den Psycho-Gläubigen, die sich am Restauranttisch nebenan selig gegenseitig die schicken Therapien aufzählen, die sie schon gemacht haben und die ihnen "irgendwie echt viel gebracht haben", stehen eigentlich schon immer auch die Leute gegenüber, bei denen man das deutliche Gefühl hat, sie stehen sich nicht nur permanent selbst im Weg, sondern sind offensichtlich kreuzunglücklich dabei und bräuchten wegen dieser Kombination eindeutig irgendeine Hilfestellung, um in ihrem Leben den Faden wiederzufinden.

    Ich bin da absolut kein Ideologe, was am Ende geholfen hat, war das Richtige. Sogar, wenn's nur der Placebo-Effekt gewesen sein sollte.

    Woher der Burnout kommt, ist nicht schwer herauszubekommen. Burnout ist der Heldennotausgang, wenn ein Mensch mit Hang zur Selbstausbeutung das Pech hatte, in einem ausbeuterischen System zu landen, das seine psychische Disposition gnadenlos und bis zum Letzten auszunutzen bereit ist. Es gibt nicht mehr Menschen mit diesem Hang als früher, aber die ausbeuterischen Systeme sind der Normalfall in der Arbeitswelt geworden.
  5. #64

    .

    Zitat von **Kiki** Beitrag anzeigen
    Asperger nimmt nicht zu. Es ist nur populärer geworden. Und es ist weder eine Krankheit noch irgendwie behandlungsbedürftig, solange es nicht die Lebens-, Lern- oder Arbeitsfähigkeit massiv behindert. Das tut es aber bei den wenigsten.

    Das Problem ist, daß alleine schon die Möglichkeit einer Diagnosestellung, die vor dreißig, vierzig Jahren noch mehr oder weniger unbekannt war, dazu führt, daß Asperger-typisches Verhalten bei Kindern als solches erkannt und genau aus diesem Grund danach erst so richtig als störend empfunden wird. Schließlich müßte man das Störende doch auch wegtherapieren können, nicht wahr?
    Beim Nochmal-Lesen scheint mir, daß ich hierzu einen wichtigen Gesichtspunkt vergessen habe und daß das zu Mißverständnissen führen könnte:

    Asperger fällt am stärksten bei Kindern und Jugendlichen auf, während man bei Erwachsenen häufig gar nichts mehr merkt, ohne daß aber jemals eine Behandlung stattgefunden hätte. Daß die Sache mit dem sozialen Lernen aus neurologischen Gründen nicht so funktioniert wie bei anderen Kindern, heißt nämlich nicht, daß das soziale Lernen bei Asperger-Syndrom überhaupt nicht stattfindet.

    Am Ende ist es nur ein Bruchteil der Betroffenen, die sich auch als Erwachsene noch so auffällig verhalten, daß irgendwer auf den Gedanken käme, sie könnten Asperger-Fälle sein. Und auch von denen kommt der größte Teil gut genug mit ihrem Leben und ihrem Umfeld zurecht, um keinerlei Hilfe zu benötigen.

    Hilfe braucht man schließlich dann, wenn man nicht zurechtkommt, oder? Die Hilfsbedürftigkeit entsteht wegen einer niedrigeren Frustrationsschwelle der Umgebung, nicht weil es heute mehr Asperger-Kinder gäbe als vor dreißig oder vierzig Jahren.

    Vielleicht wäre es aber doch hilfreicher, die Umgebung zu therapieren. Irgendwie kann es keine gesunde Entwicklung sein, daß unsere Gesellschaft Abweichungen auch relativ geringfügiger Art so schlecht ertragen kann.
  6. #65

    Lüge oder Unwissen?

    Zitat von albert schulz Beitrag anzeigen

    Klassen an Hauptschulen haben übrigens bis heute an die vierzig Schüler,
    Also, ich weiß ja nicht, in welchem Land Sie leben, aber wahrscheinlich eher in Südkorea, in Deutsvhland sind in Hauptschulen maximal 20 Schüler Usus. Das mit den 40 Schülern war in den 60ern...
  7. #66

    ?

    Zitat von albert schulz Beitrag anzeigen
    Es ist immer wieder hübsch zu sehen, wie alte jähzornige Männer „eingestellt“ werden. Es ist, als hätte man ihnen das Gehänge abgeschnitten. Die Kotzbrocken sind danach ganz lieb und umgänglich, pflegeleicht zu händeln, ganz wie die abnormen ADHS – Verbrecher nach ihrer Dröhnung.
    Was wollen Sie überhaupt? Natürlich ist das hübsch zu sehen. Menschen sind nämlich in der Regel nicht freiwillig Arschlöcher.

    Bevor ich Medikamente bekam, hätte ich gerne mir selbst und unzähligen Menschen eine reingehauen. Nun zucke ich mit den Schultern und widme mich etwas sinnvollem.
    Butter bei die Fische: Ist das nicht toll? Was ist denn die Alternative? Ich poliere Leuten die Fresse, während mein Anwalt, Albert Schulz, dem Gericht erzählt, er hätte wenigstens keine Medikamente genommen?
  8. #67

    Chefsatiriker ?

    DanielaMund

    "Also, ich weiß ja nicht, in welchem Land Sie leben, aber wahrscheinlich eher in Südkorea, in Deutsvhland sind in Hauptschulen maximal 20 Schüler Usus. Das mit den 40 Schülern war in den 60ern..."

    Da haben Sie mich aber gewaltig geholfen. Jetzt weiß ich endlich die Klagen der Hauptschullehrer über die großen Klassenstärken zu schätzen, und daß sie derentwegen mit fünfzig den totalen Burnout haben. Und natürlich weiß ich jetzt auch, warum Hauptschulen zwanzig Prozent ihrer Schüler ohne Abschluß entlassen, in Großstädten schaffen sie locker fünfzig Prozent.

    Verwirrt bin ich trotzdem. Zwei meiner Eltern, meiner Geschwister und meiner Frauen waren oder sind noch Lehrer. Und deren Freunde sind es auch. Alles in allem ziemlich viele, und es sind auch Hauptschullehrer dabei.
  9. #68

    Ganz ruhig, alter Junge.

    JoachimSch

    "Was wollen Sie überhaupt? Natürlich ist das hübsch zu sehen. Menschen sind nämlich in der Regel nicht freiwillig Arschlöcher.

    Bevor ich Medikamente bekam, hätte ich gerne mir selbst und unzähligen Menschen eine reingehauen. Nun zucke ich mit den Schultern und widme mich etwas sinnvollem.
    Butter bei die Fische: Ist das nicht toll? Was ist denn die Alternative? Ich poliere Leuten die Fresse, während mein Anwalt, Albert Schulz, dem Gericht erzählt, er hätte wenigstens keine Medikamente genommen?"

    Wenn so ein altes Arschloch wie ich oder Sie das Zeug bekommen, wird sich daran wenig ändern lassen, kann auch so viel nicht schaden. Wenn ein KInd in den für seine Entwicklung wichtigsten Jahren heruntergedämmert w1rd, ist das ein Verbrechen.

    Ein Zweites noch. Gerade geistig hyperkinetische Kinder sind zu ganz außerordentlichen Leistungen fähig. Davon haben auch durchschnittliche Lahmärsche etwas.
  10. #69

    Privilegierte Krankheiten

    Es empfiehlt sich auf jeden Fall, im Falle von Neurosen, Schizophrenien oder auch einfachen Depressionen zu einer privaten Krankenkasse zu wechseln. Die kennen nicht nur Krankheiten, die dem gemeinen Volk verborgen bleiben, sondern auch die entsprechenden Abrechnungsmethoden.

    Und ganz nebenbei: ein Privatpatient bekommt bei jedem Psychiater sofort einen Termin.

    Na ja, Burnout bei einem einfachen Arbeiter wäre eine echte Lachnummer. Obwohl die Jungs den objektiv viel häufiger haben als Fachleute der mittleren Ebene. Es wird nur nie erkannt. Wird wohl was mit den Kassen und den Ärzten zu tun haben. Also mit echter Ethik.