Forum


 

ADHS, Burnout, Depression: Forscher warnen vor Millionen Scheinpatienten

DPAPsychische Störungen scheinen zum Massenphänomen zu werden, die Zahl der Diagnosen gerade bei Kindern steigt rasant. Jetzt soll das wichtigste Handbuch für Psychiater noch mehr Krankheitsformen aufzählen. Mehr als 9000 Mediziner protestieren dagegen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...819842,00.html
  1. #100

    Psychiatrie für alle? - Aber schön gewaltfrei!

    °
    °
    Ein allgemeines Unbehagen scheint sich jedenfalls auszubreiten gegenüber der Pseudowissenschaft Psychiatrie und ihrem Einfluß auf die Gesellschaft.

    (Da ist es doch sehr gut, dass die Zwangsbehandlung in der BRD demnächst auslaufen wird und einer gewaltfreien Psychiatrie platz machen muß.
    Siehe:
    "Endlich:
    Das Bundesverfassungsgericht hat die gewaltfreie Psychiatrie verordnet!"
    Zwangsbehandlung illegal
    Dann gibt es diese Drogen nur noch mit eigenem Einverständnis und freiwillig eingenommen.
    Psychiater werden dann weiterhin Drogen-Dealer sein oder Drogen-Vermittler oder Drogen-Berater -
    nur eben, wie alle Drogen-Dealer, ohne Zwangs-Kundschaft!)

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    ADHS, Burnout, Depression
    Forscher warnen vor Millionen Scheinpatienten
    "Scheinpatienten", die dann plötzlich (2013 mit dem DSM V) auftauchen?
    Genau.
    Und bis zum DSM IV waren es aber "richtige Patienten" - oder was?

    Auch in der "taz" berichtete schon im Mai 2011 Nicole Simon unter dem Titel:
    "Krankheitsbegriff wird erweitert
    Psychiatrie für alle
    Aktuell überarbeiten Psychiater das DSM-System zur Einstufung psychischer Krankheiten. Nächste Stufe: DSM-V. Das könnte Krankheiten schaffen, wo gar keine sind."
    vom DSM V.
    Krankheitsbegriff wird erweitert: Psychiatrie für alle - taz.de

    Sie differenziert (auch nicht zwischen Leiden und "Krankheiten" und meint:
    "Es gibt Menschen, die zerbrechen an sich selbst, an schrecklichen Erlebnissen, werden von einem Wahn heimgesucht oder einer irrationalen Angst. Psychische Leiden sind real und Betroffene müssen die Chance auf Hilfe bekommen. Doch Menschen in einer Lebenskrise, Trauernde oder Impulsive, müssen davor bewahrt werden, als krank zu gelten. Zudem gibt es für den Großteil dieser Störungen und Syndrome keine eigene Therapie."

    Ganz aktuell ist ein auch nur halb-kritischer Artikel von Olivier Appaix in der deutschsprachigen "LE MONDE diplomatique" erschienen (leider wie immer nicht online).
    Unter dem Titel
    "Schädliche kleine Helfer
    In den USA gibt es immer mehr Medikamente gegen immer mehr Zustände"
    berichtet Herr Appaix von Bildgebenden "Diagnose"-Verfahren, dem DSM, der Geschiechte der "Psychopharmaka" und den Verflechtungen von Psychiatrie und Pharma-Industrie.
    Erst kommt er kritisch daher:
    "Zwar kann niemand die allgemeinen Verhaltenserwartungen und die ihnen zugrunde liegenden Normen eindeutig benennen." und
    "Klinische Tests von pharmakologische[n; Anmerk. mussein] Therapien mit Erwachsenen sind allerdings wenig aussagekräftig in Bezug auf die langfristige Wirkung bei psychischen Leiden."
    Um dann am Ende des Artikels die "fehlende Behandlung" von den, auf psychiatrischem Gebiet glücklichen, 16 Prozent der nicht krankenversicherten US-Bürger und der Strafgefangenen zu beklagen.
    Le Monde diplomatique, deutsche Ausgabe

    Ein durch und durch "beklagenswerter" Artikel!

    (wollte ihn nur mal der Vollständigkeit halber erwähnen)

    Ein durchaus berechtigtes allgemeines Unbehagen breitet sich aus!!
  2. #101

    der Mensch braucht eine Religion

    Die Medizin hat bereits beträchtliche Schwierigkeiten, in ihren Diagnosen als objektiv und nachvollziehbar wahrgenommen zu werden, insbesondere eindeutig. Dazu gehört eine klare Maßstäblichkeit ihrer Erfolge, eine Quantifizierbarkeit der Maßnahmen, mal abgesehen davon, was wie zu definieren ist. Bei Seelenbeurteilungen wird genau das zum echten Problem. Zig Schulen (und Kontinente) streiten sich über Definitionen, ob ein oder zwei Symptome (von zwanzig möglichen) ausreichen, oder ob der ganze Katalog erfüllt sein muß, ehe man einen Patienten per medikamentöser Behandlung ins Nirwana schicken sollte. Die ganzen psychopathologischen Wissensgebiete sind nichts anderes als modernes Schamanentum, reine Hexerei, man weiß alles und kann alles, hat für alles einen Namen, wobei man tunlichst die guten alten Bedeutungen erst gar nicht mehr erwähnt. Man würde sonst gewahr, daß die Leute nur schlechte Laune haben. Oder gestern abend zuviel gegessen.

    Immerhin respektiert der Arzt den Körper. Die Seele scheint wie vor Jahrtausenden das zu sein, was keiner definieren kann. Ein Arzt versucht es erst gar nicht. Jedenfalls scheint die „Seelenkunde“ bei den beobachtenden Schriftstellern besser aufgehoben als bei diesen ideologisch verbohrten Weisen. Wenn im Hirnkastl was zerstört ist (Burnout), ist regelmäßig nichts mehr zu heilen, schon gar nicht durch Besprechen. Dann versucht der Neurologe die schlimmsten Folgen zu lindern, nicht mehr. Depression ist so vielschichtig, daß sich jede Diskussion verbietet. Und ADHS ist nur Mode.

    Die Kiste ist im Grunde pervers. Über das eigentliche Thema spricht man nämlich nicht: Für ein Kind sind die brutalsten Erlebnisse die Eltern, später die ganzen Pädagogen, hernach die Ärzte. Alle nicht ganz dicht. Man muß jedenfalls verdammt viel Kraft und Glück haben, um sich ihrer zu erwehren. Die Journalisten sind bei der Prozedur nicht unbedingt hilfreich. Die GKV übrigens auch nicht, die sich von Herzen zu freuen scheinen, daß es endlich wieder immensurable Krankheitsbilder gibt, die sich bei Umsatzrückgang aktivieren lassen.

    An diesen ausgesprochenen Modekrankheiten gefällt vor allem, daß es sich um klare gesellschaftliche Ausschlußkriterien handelt. Man kommt aufs Abstellgleis, wird weggesperrt, untauglich als Schwiegersohn oder Mitarbeiter. Das gab es nicht nur im Dritten Reich oder im Mittelalter, sondern immer schon. „So etwas tut man nicht“ oder „so ist man nicht“ waren immer höchst beliebte Leitsätze, um sich unangenehmer Menschen zu entledigen. Wobei es nur vermeintlich um Normierungen und das Wahre, Gute und Schöne geht. Diese Argumente sind lediglich Vorwand zum Ausmerzen, in die Ecke stellen, Abschieben. „Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche.“ (R. Gernhardt)
  3. #102

    Syndromos = der Zusammenlauf

    Wahre Freundschaft darf nicht wanken,
    schlucket alle Medizin!
    Lebet fort noch in Gedanken
    für die Pharmaindustrien!

    Ich zahl meine Krankenkasse,
    sie gibt mir den kranken Schein.
    Wenn der Tod mir nimmt das Leben,
    hör ich auf Patient zu sein.

    Das sind zwei jahrzehntealte Strophen aus einem meiner Lebens-Lieder. Dass der Mensch EIGENE Kräfte hat, die sich lenken und enmtwickeln und mehr noch lassen, davon sind wir alle durch eine Lehrplanvollzugs-Pädagogik von kleinauf ständig abgebracht worden. Wir verstehen uns folglich nicht nur nicht, wir verstehen noch nicht mal, dass es da was zu verstehen gibt.
    Eine Warnung von "Forschern" vor Scheinpatienten zeigt nur dass a) weder die Forscher noch b) die, die sich sowas als seriöse Meldung andrehen lassen, auch nur das Kernproblem verstanden haben.
    WARNER sind immer Alleswisser und NICHTSKÖNNER. Wenn ich auch nur eine leise Ahungt von konkreter Problemlösung habe, dann wäre doch DAS das Thema. Wenn ich aber von praktischer Problemlösung keinen blassen Schimmer habe, dann halt ich doch den Mund und mache mich bzw. andere nicht mit Tratsch wichtig.
    In der neuen Ich-kann-Schule zeige ich seit über 35 Jahren ganz konkret anhand von Schlüsselerlebnissen auf a) was so ein Problem jeweils gelöst hat und b) was es verursacht und groß gemacht hat und ggf. weiterhin noch größer machen würde.
    Der SCHABLONENHANDEL im Pädagogik- und Therapiegeschäft sollte doch langsam als völlig unzweckmäßig für konkrete Problemlölsung erkannt und benannt worden sein.
    Griech. SYNDROMOS ist der ZUSAMMENLAUF. Alle Begriffe mit SYNDROM bedeutet ganz praktisch nur, dass da soviel zusammengekommen ist, dass keiner Lust hat, genauer nach konkreten Ursachen und Hintergründen zu forschen. SYNDROM eignet sich also noch nicht mal als Arbeitshyothese; es ist ein Synonym für Faulheit, Unkreativität, Schlamperei und mehr desgleichen. Wenn jemand glaubt, er sei auf ein Syndrom abgeklärt worden, ist das eine absolute Lachnummer. In der neuen Ich-kann-Schule heißt ADHS deshalb auch ganz gütig-sachlich: "Alle Dummen haben´s schwer."
    Allen Betroffenen UND BETEILIGTEN fehlt also wirklich etwas, aber etwas anderes als man uns glauben macht.
    Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe
  4. #103

    Zappelphilip

    Zitat von donmartin1974 Beitrag anzeigen
    Auch mir kommt das sehr bekannt vor.
    Unser damals 8 jähriger Sohn war in der Grundschule sehr lebhaft.
    Somit war für seine Lehrerin klar-ADHS!

    Unser zu Rate gezogener Kinderarzt hielt dies für absoluten Blödsinn,aber die Schule bestand auf eine Vorstellung bei der Schulpsychologin.
    Deren Diagnose,natürlich ADHS.

    Da wir unser Kind aber nicht mit Medikamenten vollstopfen wollten und auch nicht den Eindruck hatten der Junge sei irgendwie gestört handelten wir uns auf dem Untersuchungsbefund für die Schule den Vermerk "uneinsichtige Eltern" ein.

    Kurz nach diesen unerfreulichen Wochen entdeckte unser Sohnemann seine Liebe zum Handballspielen,er trainierte 3x die Woche im Verein und oh Wunder...seine "Verhaltensauffälligkeiten" wurden immer weniger bis sie zum Schluss ganz verschwunden waren.Er brauchte nur eine Gelegenheit seine überschüssigen Energien sinnvoll abzubauen.
    Jetzt ist er,allen Diagnosen arroganter Lehrer und Psychologen zum Trotz ein ganz normaler Teenager,besucht das Gymnasium,ohne Auffälligkeiten,Phantomkrankheit und Tabletten!!
    Kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich habe auch so einen "Zappelphilip" im Haus. Schon im Kindergarten hätten die Erzieherinnen ihn gern abgeschoben, war wohl zu anstrengend. Mittlerweile - Ende der Grundschule - hat sich das "Problem" relativiert, ohne Pillen und Psychoquatsch. Früher hat man solche Kinder einfach auf den Bolzplatz gelassen; der Computer ist natürlich kein Ersatz dafür ...
  5. #104

    Was sollen betroffene Eltern denn noch machen?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Psychische Störungen scheinen zum Massenphänomen zu werden, die Zahl der Diagnosen gerade bei Kindern steigt rasant. Jetzt soll das wichtigste Handbuch für Psychiater noch mehr Krankheitsformen aufzählen. Mehr als 9000 Mediziner protestieren dagegen.

    ADHS, Burnout, Depression: Forscher*warnen vor Millionen Scheinpatienten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    Wir sind "eine ganz normale Familie", beide Elternteile berufstätig, nehmen uns trotz allem viel Zeit für die Kinder, sind sozial engagiert usw.. Aber wir haben ein Kind, welches aus "dem normalem Rahmen" fällt. Schon vor der Kindergartenzeit, wurde er als sehr ruhig bezeichnet, schloss sich aus fast allen Spielen aus, wenn bei einem Spaziergang aber einmal ein anderer Weg gewählt wurde, wie bekannt oder geplant, schmiss unser Kind sich auf den Boden und schrie. Später in der Schule hatte er die besten schriftlichen Arbeiten, bekam aber schlechte Noten aufgrund des Mündlichen: Arbeitsverweigerung wurde dieses bezechnet. Erfahrungen mit Cyber-Mobbing von Mitschülern haben wir auch gesammelt. Endlich nach Jahren von Erziehungsberatungen, Ergotherapien, Sprachtherapien usw. wird er auf das Asperger-Syndrom behandelt und seit kurzer Zeit beginnt er mit uns zureden. Sind wir deswegen schlechte Eltern? Wir brauchen Hilfe und unser Kind benötigt dringend diese Therapie.
  6. #105

    .

    Zitat von anitrama Beitrag anzeigen
    Wir sind "eine ganz normale Familie", beide Elternteile berufstätig, nehmen uns trotz allem viel Zeit für die Kinder, sind sozial engagiert usw.. Aber wir haben ein Kind, welches aus "dem normalem Rahmen" fällt. Schon vor der Kindergartenzeit, wurde er als sehr ruhig bezeichnet,.....
    Erst mal: RESPEKT.
    Ist eben nicht alles so einfach, wie mancher es glauben machen will.
    Und in der Schule mit dem mündlich / schriftlich kenne ich selber bei meiner eigenen Vergangenheit zur Genüge. Es gibt dann Lehrer, die das je nach Stärke auch ausgleichen auf 40/60 oder 60/40 - statt 50/50. Das nenne ich dann Pädagogik. Seltenst erlebt, dass dies so gehandhabt wird...

    Niemand sagt, dass es hier Unterschiede geben soll, wenn wirkliche Probleme anstehen. Es geht aber hier mehr darum, dass eben nicht jede Menge FALSCHER Behandlungen erfolgen sollen. So ist der Artikel aus meiner Sicht gemeint. Und dass die Medizin auch mal einen Treffer landet, sehe ich an mir und vielen anderen Beispielen ja auch...

    Insofern: Alles Gute weiterhin!
    Tolle Familie haben Sie da - allem zum Trotz!!
    Sie stehen zu Ihrem Kind, was leider eher selten ist. Glückwunsch!!!
  7. #106

    .cont

    Zitat von noeufmaison Beitrag anzeigen
    Das Kreieren von Krankheiten setzt sich bei den Erwachsenen fort: [...] Auch Polizeibeamte entwickeln eine psychologisch attestierte Waffenphobie oder werden durch einen blutigen Einsatz so traumatisiert, dass sie von ihrem Dienstherren Versorgung begehren. Alles bestätigen dann dann Gutachter, und man fragt sich, wie die eigene Oma WK II überstanden und alleinerziehend trotz ihrer sicherlich vorhandenen multiplen Traumata 84 Jahre gewordern ist ohne zu jammern.
    Krass, aber nicht ganz falsch! - Wunderte mich auch schon oft, leider war ich mit 15 zu blöde, meine Oma mal zu befragen, was die so alles erlebt hat. Sehr "traurig", im Nachhinein. Finde ich. Sie wurde aber AUCH ihre gut 83/84 Jahre alt...

    Ist es aber nicht schon eine PTBS, wenn Kinder überhaupt solche echt "starken" Pharma-Hammer wie "Neuroleptika" (auch "Anti-Psychotika" genannt) bekommen? Oder sogar gleich "Speed" = Amphetamine = "Ritalin"? Wegen der paradoxen Wirkung! Hyperaktive werden durch Speed eben ruhiger, obwohl es "echte" AUFPUTSCHMITTEL sind!!! Keine wirklich hilfreichen Medikamente... Kinder sind nicht psychotisch, die haben PHANTASIE! Das ist doch keine Krankheit! Und toben, nach dem Unterricht, ja - im Bus die Leute nerven. Na und? Können die KINDER doch nix für!!

    Was soll auch das ganze Neben-Wirkungs-Gequatsche - es geht hier schlicht und einfach um die Gabe von mehr oder weniger starkem "GIFT"!!

    Erwachsene mögen das ja noch "irgendwie" - wenn begründet - aushalten; aber diese ganzen (sogenannten) NEBEN-Wirkungen, die OFT auftreten, das sind in Wirklichkeit die HAUPTWIRKUNGEN dieser "GIFTE"! Mal nen Beipackzettel gelesen???

    Die "erwünschte" Wirkung ist eben nur eine "NEBEN"-Wirkung!! Und: was ist denn mit der NW "Akathisie"? Das kann man auch als ADHS verwechseln!!! Das ist nämlich ein WAHRHAFT SCHMERZLICHER UND UNERTRÄGLICHER "Bewegungsdrang"! Und die Extrapyramidalen NW? Die (eventuelle und noch kaum erforschte) Zerstörung des (HIRN-) Stoffwechsels?? Mitten in den wichtigsten Entwicklungsphasen des Gehirns???

    Naja, ich mein ja nur mal...

    psy
  8. #107

    nicht nur bei Asperger, auch bei ADHS

    Zitat von psycheciety Beitrag anzeigen
    Ist eben nicht alles so einfach, wie mancher es glauben machen will
    Wie wahr!
    Zitat von psycheciety
    Niemand sagt, dass es hier Unterschiede geben soll, wenn wirkliche Probleme anstehen
    Meine Erfahrung sagt mir das Gegenteil: 70% der Leute sind nicht bereit, Diversität in den Charakteren zu akzeptieren. Wenn jemand anders wahrnimmt, denkt und fühlt als sie, wird das ignoriert. Fängt der Jemand auch noch an, anders zu leben, andere Dinge als wichtig und unwichtig zu erachten, entwickeln jene 70% reflexartig Zwangsanpassungsphantasien. D.h. sie ersinnen Maßnahmen mit dem Ziel, jene anderen in ihrem Sinne umzubiegen. Und bei Kindern wird erst einmal Druck auf ihre Eltern ausgeübt.
    Zitat von psycheciety
    Es geht aber hier mehr darum, dass eben nicht jede Menge FALSCHER Behandlungen erfolgen
    Was genau ist "FALSCH"?

    Bei ADHS hört man oft "von der Pharmaindustrie erfunden". Seltsamerweise stammt aber die bis heute beste Beschreibung dieser Kinder von 1848, als es noch gar keine Pharmaindustrie gab:
    (1) Mindestens 7 der 10 Figuren des Struwwelpeter in ein und demselben Kind,
    (2) weder als alterstypische Durchgangsphase (sondern über mindestens 5 Jahre anhaltend)
    (3) noch episodenhaft (sondern an mindestens 100 Tagen im Jahr wiederkehrend)
    (4) und darüberhinaus weder durch Lob noch durch Strafe änderbar.

    Diese Kinder gab es immer. Zu meiner Kindheit nannte man sie "schwer erziehbar", entzog sie ihren Eltern und steckte sie in Heime, wo man sie mit Hilfe körperlicher Züchtigung gewaltsam umbiegen wollte. Heute klagen die damaligen Heimkinder die Träger jener Heime an. Zu Recht.

    Jetzt sagt man nicht mehr "schwer erziehbar" sondern "ADHS". Wenn heute Ritalin zum gleichen Zweck eingesetz wird wie früher die Heime, d.h. um diese Kinder auf eine gesellschaftlich definierte Norm umzubiegen, die nicht der Eigenheit und der Natur dieser Kinder entspricht, wird man m.E. damit langfristig genauso scheitern wie 50 Jahre vorher mit den Heimen.

    Leider basiert die Ritalin-Kritik meist nicht auf differenzierter Betrachtungsweise, sondern auf Ideologie, siehe obiger Spruch. M.E. könnte man sicher auf ca. 80% der Ritalinverschreibungen verzichten ... wenn man für diese Kinder eben solche Schulen vorfinden würde, wie sie Hüther hier fordert (Gerald Hüther Schulen der Zukunft - YouTube), "Schulen, wo die Kinder weinen, wenn es in die Ferien geht". All die gescholtenen Eltern wären froh, wenn es diese Schulen heute gäbe, und sie ihren Kindern eben nicht täglich Psychopharmaka verabreichen müßten.

    "ADHS = erfunden, da ist nichts", diese Formal ist hingegen einfach falsch. Da ist schon etwas, das krass von der Norm abweicht. Die Frage ist nur, inwieweit man Normabweichungen gleich als Störung oder Krankheit etikettieren muss. Eine umgangssprachliche Beschreibung würde in etwa so lauten:
    (1) im Ruhezustand chronische Unzufriedenheit und starke innere Unruhe
    (2) extrem labile Streßverarbeitung (http://treffadhs.lu/rokdownloads/ADH...29092011-2.pdf)
    Bei genauerem Hinsehen lassen sich fast all ihre (andere!) "störenden" Verhaltensweisen auf diese zwei Grundlagen zurückführen: Kompensationsversuche gegen (1), und eine nicht Beherrschbarkeit von (2).
    Zitat von psycheciety
    Sie stehen zu Ihrem Kind, was leider eher selten ist. Glückwunsch!
    Dem schließe ich mich an!
  9. #108

    alles ist relaltiv

    Zitat von anitrama Beitrag anzeigen
    Sind wir deswegen schlechte Eltern? Wir brauchen Hilfe und unser Kind benötigt dringend diese Therapie.
    Man könnte das auch problemlos andersherum formulieren. Die Symptome und Syndrome haben Sie, nicht Ihr armes Kind.

    Tut mir leid, aber ich nehme gern Partei für das Kind, das mehr kann und weiß als wir verblödeten und abgestumpften Erwachsenen. Das Kind ist wertvoller. Und Eltern sind generell eine Plage.
  10. #109

    Pillen sind keine Lösung

    Zitat von The Captain Beitrag anzeigen
    ... statt Pillen und Psychiater bräuchten diese Kinder einfach Eltern, welche das Kindsein, Spiel und Spaß unterstützen und nicht "optimieren" wollen.

    Naja.
    Ich bin auch der Ansicht, dass ein gesundes Umfeld bedeutend mehr dazu beiträgt, dass es Kindern bzw. generell Menschen besser geht, als Pillen und Psychiater. Wenn schon die Trauer um verstorbene Menschen als Geisteskrankheit gelten soll, erhebt sich überhaupt die Frage, wie es mit dem Geisteszustand solcher Leute bestellt ist.


TOP



TOP