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Abitur: Entdeckung der Langsamkeit

In mehreren Bundesländern wenden sich Eltern und Politiker gegen die Abschaffung des 13. Schuljahrs. Aus Unmut über den missratenen Großversuch bleiben Schüler sogar absichtlich sitzen.

http://www.spiegel.de/0,1518,780349,00.html
  1. #230

    nix gekürzt

    Zitat von macfan Beitrag anzeigen
    Dann funktioniert das System an Ihrer Schule eben nicht. Lesen Sie einmal die Pflichtstundenzahlen des G8-Modells nach, die liegen wesentlich höher. Also wird an Ihrer Schule gekürzt. Es gibt etliche Gymnasien, die den Unterricht so kürzen, dass die Belastung auf G9-Niveau oder knapp darüber liegt. Aber bei gekürztem Unterricht von einem "funktionierenden System" zu sprechen, halte ich dann doch für kein zulässiges Argument.
    Hier können Sie die Stundentafel aus NRW nachlesen:

    http://www.schulministerium.nrw.de/B...nasiumNeu.html

    Unsere Schule erfüllt die Stundentafel. Es ist bei uns auch noch in nicht vorgekommen, dass ein Fach wegen Lehrermangels nicht erteilt wurde. Allein in Klasse 7 wurden in einem Halbjahr statt 4 h Sport nur 3 h gegeben.
  2. #231

    Veraltete Stundentafel?

    Zitat von leonardo01 Beitrag anzeigen
    Hier können Sie die Stundentafel aus NRW nachlesen:

    http://www.schulministerium.nrw.de/B...nasiumNeu.html

    Unsere Schule erfüllt die Stundentafel. Es ist bei uns auch noch in nicht vorgekommen, dass ein Fach wegen Lehrermangels nicht erteilt wurde. Allein in Klasse 7 wurden in einem Halbjahr statt 4 h Sport nur 3 h gegeben.
    Äh... hier finden Sie die aktuell gültige Stundentafel, Ihre ist von 2005:
    http://www.schulministerium.nrw.de/S...19-05-2006.pdf
  3. #232

    .

    Zitat von macfan Beitrag anzeigen
    Als Lehrer, der in NRW leider G8 unterrichten muss, muss ich energisch widersprechen. Das überhastet eingeführte G8 führt zu erhöhtem Druck und zu einer großen Arbeitsbelastung der Schüler. Durch drei lange Nachmittage und die dann trotzdem noch nötige Arbeit für die Schule (auch hier muss ich Leonardo widersprechen) fällt für die Kinder und Jugendlichen die wichtige Möglichkeit, sich außerschulisch musisch, sportlich usw. zu betätigen, praktisch ziemlich weg.
    Mein Bruder hat in der 7. Klasse ein Mal die Woche Gitarre gespielt und war drei Mal beim Fußball. Und das trotz 34 Stunden. Die meisten seiner Kumpels hatten ähnliche Freizeitbeschäftigungen. Die, die das nicht hatten, hatten schon seit der Grundschule Nachhilfe, da hätte man es also von Anfang an eher lassen sollen mit dem Gymnasium.
    Zitat von macfan Beitrag anzeigen
    Durch die Verkürzung wird auch der Schulstoff ein Jahr vorgezogen. So muss ich z. B. Siebtklässlern Terme,
    Oh mein Gott, mir kommen die Tränen. Der Begriff "Term" wurde bei mir im G9 (ich war 1996 in der 5. Klasse) gleich zu Beginn von Klasse 5 eingeführt. ich lebe noch. Und stellen Sie sich vor: ich habs sogar mit 10 schon verstanden!!!! (und ich war schlecht in Mathe...)

    Zitat von macfan Beitrag anzeigen
    Gleichungen
    Mit einer Unbekannten ebenfalls Stoff in der 5. Klasse bei mir.

    Zitat von macfan Beitrag anzeigen
    und Funktionen beibringen.
    Die kamen bei uns tatsächlich in der 8. erst. Aber uns hat man in der 5. Klasse schon das Prinzip der Proportionalität (direkt UND indirekt) beigebracht. Wenn das in NRW jetzt erst in der 7. kommt (sagt der Kernlehrplan) ist es kein Wunder, dass sich die Kinder schwer tun.

    Zitat von macfan Beitrag anzeigen
    In der 8. Klasse war das kein Problem, in der 7. merkt man, dass etliche Schüler in diesem Alter noch nicht das nötige Abstraktionsvermögen haben. Das läuft alles andere als rund.
    Terme und Gleichungen sind doch nun wirklich trivial. Da ich bezweifle, dass die Bayern genetisch vorprogrammiert schon mit 10 Terme verstehen können, die NRWler aber erst mit 12 oder 13, scheint das wohl an der Methodik zu liegen...
  4. #233

    Voraussetzung

    Zitat von Kaninc Beitrag anzeigen
    Muss nicht immer nur Literatur sein. Ich finde, man könnte auch in der Oberstufe im Deutschunterricht noch viel interessantere Dinge machen. Zum Thema Textverständnis und dem Schreiben flüssiger Texte zum Beispiel, da haben viele Oberstüfler noch furchtbare Defizite. Von der Rechtschreibung einiger meiner Stufenkollegen mal ganz abgesehen... Da wäre weiterhin Deutsch als Pflichtfach angebracht, alternativ dazu kann man ja als Wahlfach Literaturkunde oder sowas anbieten.

    Und ja, Literatur ist immernoch ein wichtiges Gut. Muss ja nicht alles auf dem Altar der Naturwissenschaften geopfert werden. Vielseitigkeit ist immernoch ein Attribut einer allgemeinen Hochschulreife.
    Ich sage ja nicht, das Deutsch abgeschafft werden soll, lediglich die Gewichtung müsste in der Oberstufe eben eine andere sein.
    Im übrigen sollte die notwendige Beherrschung der Deutschen Sprache sowohl vom Leseverständnis als auch von der schriftlichen Ausdrucksweise eine Voraussetzung für die Aufnahme in die Oberstufe sein. Wer es nach der 10. Klasse nicht kann, der kann es auch nach der 12. oder 13. nicht.
  5. #234

    Keiner

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    Alles richtig, aber BaWü hat die höchste Migrantenquote der westlichen Flächenländer? Kann ich nicht ausschließen, aber NRW dürfte von der Quote nicht weit entfernt sein. Vor allem in den Ballungsräumen.
    Baden-Württemberg liegt in dieser Quote näher bei Berlin als bei NRW. Die genauen Zahlen habe ich mal irgendwo in wikipedia gelesen. Kann mich im Augenblick aber nicht mehr an das Stichwort erinnern.

    Zitat von dickebank Beitrag anzeigen
    Ein weiteres Momentum in er Diskussion fehlt, nämlich der "freie Elternwille" beim Schulwechsel. Die 42% Übertrittsquote von der GS ans Gym in NRW kommen ja nicht aus dem Nichts. Wie sieht es da im Osten aus? Eher bairische Verhältnisse, oder?

    Oder ist das der Grund warum BB, ST und MV BaWü nicht übertrumpfen?
    Die verbindliche Grundschulempfehlung wird in BW unter GrünRot gerade abgeschafft. Man rechnet damit dass die Hauptschule (Werkrealschule) in den unteren Klassen ausgedünnt wird und erst dann ab der sechsten wieder durch überforderte Realschüler aufgefüllt wird. Das Schulniveau soll ja angeblich nicht angetastet werden.
  6. #235

    Keiner

    Zitat von hdwinkel Beitrag anzeigen
    Sie können die Gymnasien vergleichen. Das sind die meisten Kinder mit Migrationshintergrund bereits ausgesiebt (was nebenbei eine Ungerechtigkeit ersten Ranges darstellt, hier aber nicht Thema ist).
    Diese „Studie“ hatte aber nicht das Gymnasium auf dem Schirm sondern das ganze Schulsystem. Abbrecherquoten sind in die Bewertung eingeflossen und die soziale Selektion. Ohne Schüler mit Migrationshintergrund sind hier leicht gute Ergebnisse zu erzielen, zumal diese schwächeren Schüler, gerade in grossen Klassen einen grossen Teil der Aufmerksamkeit des Lehrers auf sich ziehen was dann auch wieder den stärkeren Schülern nicht hilft. Ich bin kein Lehrer, aber dass eine homogene kleine Klasse leichter zu unterrichten sein muss halte ich für unzweifelhaft.

    Zitat von hdwinkel Beitrag anzeigen

    Hier dürfte es mehrere Gründe geben, mein Favorit:
    Mit Ende der DDR fiel bekanntlich die Mauer und der Grund für die Mauer war ja vor allem die Abwanderung der Fachkräfte zu verhindern. Das passierte mit Öffnung der Mauer:
    Ein nicht eben kleiner Teil des gut ausgebildeten Bildungsbürgertums der DDR ging gen Westen. Natürlich da zuerst, wo der industrielle Kahlschlag am nachhaltigsten war, weil es schon vorher nicht viel gab. Auch in der DDR gab es ein Nord-Süd Gefälle in der Industrialisierung.
    Dieser Braindrain http://de.wikipedia.org/wiki/Braindrain
    kann nicht so ohne weiteres aufgeholt werden.
    Aber freuen Sie sich, davon hat der Westen ja profitiert.
    Warum sollte ich mich als deutscher Bürger freuen wenn ein Bildungsbürger innerhalb von Deutschland umzieht. Es geht nur darum die richtigen Schlüsse aus der Studie zu ziehen.

    Vergleich zweier Autofahrer (als Beispiel wie man es nicht machen soll):

    Die Fahrkünste von Fahrer B und Fahrer S werden verglichen. Fahrer B muss sehr sparsam fahren um die Strecke bewältigen zu können, weil er Fahrer S einen Teil seines Treibstoffes abtreten soll.

    Fahrer B muss einen Reisebus durch eine viel befahrene Serpentinenstrecke steuern. Fahrer S fährt mit dem Kleinbus und dem Zusatzsprit von B eine ebene, wenig befahrene Strecke. Das einzige vergleichbare besteht also darin, dass beide Fahrer mit etwa der gleichen Streckenlänge ans Ziel kommen sollen.

    Vieles spricht dafür dass B der bessere Fahrer ist obwohl er 2% mehr Zeit benötigt hat. Beweisen kann er es nur wenn er mal die andere Strecke mit dem anderen Auto und mehr Sprit fahren darf. Da die Studie nur oberflächlich ausgewertet wird kommt man leider voreilig zum Schluß dass der Fahrer S den optimalen Fahrstil hat den man dann kopieren sollte.
  7. #236

    Verklärung der Vergangenheit?

    Viele hier scheinen ihre eigene Vergangenheit bis ins Absurde zu verklären.
    Alle die hier davon reden wie toll sie doch waren und was sie nicht alles schon im Vorschulalter begriffen haben sollten sich mal mit ihren Eltern unterhalten und fragen wie es wirklich war...

    In meinen Augen macht G8 ohne komplette Entrümplung des Lehrplans keinerlei Sinn. Ich habe die Vermutung dass es in Sachsen im G8 seit vielen Jahren auch andere/reduzierte Inhalte geben wird. Das hier beschriebene "Bummeln" in Klasse 13 wird einfach auf Klasse 12 verlagert und die kompletten Inhalte werden auf die Klassen 5-10 verteilt.
    Wenn 17 Jährige studieren sollen müssen auch die Unis sehr umdenken. Da aber die meissten Eltern ihre Kinder in so jungem Altern nicht in fremden Städten studieren lassen werden, wird man sicher bald drauf kommen Warteschleifen einzubauen damit die Kids ihre Schulpflicht erfüllen können. Und die, die doch studieren können werden mit 20 den Bacelor und mit 21 den Master in der Tasche haben. Dann haben die Betriebe zwar ganz früh fertig ausgebildete Akademiker aber ob Fachleute die z.T. noch unters Jugendstrafrecht fallen so vertrauenserweckend und lebensklug sind? Na, wenn die Wirtschaft meint sie bräuchte das... Ob dann allerdins die persönlichen Entwicklungszeiten in späteren Jahren nachgeholt werden sei auch noch dahingestellt.

    Profiteurinnen werden auf jeden Fall Mädchen bzw. junge Frauen sein. Diese sind in der psychischen und physischen Entwicklung den Jungen weit voraus. G8 und Studienstraffung werden also vor allem den Frauen nutzen...
  8. #237

    Sie haben Recht

    Zitat von twinketoe Beitrag anzeigen
    Äh... hier finden Sie die aktuell gültige Stundentafel, Ihre ist von 2005:
    http://www.schulministerium.nrw.de/S...19-05-2006.pdf
    Danke, ja ich war mit 2005 und 2006 durcheinander gekommen. Es ist aber auch so, dass unsere Schule die von Ihnen richtig zitierte Stundentafel erfüllt.
  9. #238

    Nichts

    Zitat von sarah_h Beitrag anzeigen
    Ganz einfach: weil die guten Lehrer lieber im Westen arbeiten, denn dort hat man noch Chancen auf einen Arbeitsplatz auf Lebenszeit (Verbeamtung), im Osten sind die Lehrer fast alles kleine Angstellte. Buschzulage gibts schon lange nicht mehr, also kriegen wir Ossis nicht mal die schlechten Westlehrer ab (wie kurz nach der Wende), es fehlen einfach Lehrer.
    Das ist kein Vorteil für den Westen. Es gibt nichts Einfacheres als einen Beamten zu demotivieren. Ich kenne hier aus unterschiedlichen Schulenarten genug Beispiele bei denen beamtete Lehrer deutlich und natürlich zum Nachteil der Schüler zeigen wie arbeitsunlustig sie sind. Einen kenne ich persönlich sehr gut. Von einigen seiner Ex-Kollegen weiß ich, dass er eine Frühpensionierung forciert hat indem er einfach extrem häufig krank war. Nach der Pensionierung ging es ihm wieder schlagartig gut.

    Dieses Phänomen und die frühzeitige innere Kündigung ist unter Beamten weit verbreitet. Als vor einigen Jahren die Frühpensionierungsbedingungen verschlechtert wurden, gab es noch mal eine richtige Epidemie von verschiedenen Erkrankungen wie BurnOut-Syndrom, psychosomatische Störungen etc. unter den Lehrern. Im Interesse der Schüler ist es dann tatsächlich sinnvoll die Leute in den Ruhestand zu verabschieden. Kosten sind dann zweitrangig.

    Ob dieser Effekt durch überdurchschnittlich motivierte andere Beamte ausgeglichen werden kann, ist der Studie so nicht zu entnehmen. Das wäre aber hilfreich um herauszufinden wie sinnvoll die Verbeamtung von Lehrern ist.

    Dazu müsste man Schüler von überwiegend beamteten mit Schülern von überwiegend angestellten Lehrern innerhalb eines Bundeslandes vergleichen. Ob die dafür erforderlichen Daten erhoben worden sind und ausgewertet werden können ist mir unbekannt.

    Dieselben Vergleiche müsste man mit großssen und kleinen Klassen und mit der Zusammensetzung (Anteil sprachlich unreifer Schüler) der Klassen anstellen. Wenn man die Ergebnisse der einzelnen Bundesländer um diese Effekte bereinigen würde könnte man tatsächlich die richtigen Schlüsse aus diesen Ergebnissen ziehen.
  10. #239

    Keiner

    Zitat von nervmann Beitrag anzeigen
    Also, weg mit dem Turbo-Mist. In Zeiten von Google und Wikipedia braucht man keine Festplatten auf zwei Beinen, sondern (Nach)Denker.
    Ein bisschen was auf der eigenen Fest-Platte sollte man aber schon noch vorweisen können. Wenn man nicht weiß was ein Kalman Filter ist und was man damit anstellen kann wird man auch nicht danach googeln.








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