Abgewürgt: Wir überdachen Schleswig-Holstein

Mieses Wetter, schlechte Wege, aggressive Autofahrer: Wer nicht mit dem Drahtesel fahren will, findet dafür reichlich Ausreden. Doch bald wird alles besser: Der Präsident des Verkehrsgerichtstags hat genialische Gedanken formuliert, die Deutschland zu Radl-Republik machen könnten.

http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0...604403,00.html
  1. #10

    Nee, Herr Hllenbrand, ...

    ... in Hamburg sind Radwege nicht unbekannt, sondern in einem unmöglichen Zustand. Jahrzehntelang hat man 70 bis 100 cm schmale Streifchen vom Bürgersteig abgeknapst, ein blaues Schild davorgepappt und Radfahrer gezwungen, diese vorschriftswidrigen Hindernisparcours zu benutzen. Egal ob sich Autos, Mülltonnen, Stellagen, kackende Hunde oder - am schönsten - Pollerstangen auf diesen Pisten befanden; egal ob die Pisten Löcher im Asphalt, Frostaufbrüche, hochgedrückte Baumwurzeln oder fehlende Pflastersteine aufwiesen; egal ob wuchernde Büsche, ausschlagende Bäume oder sich öffnende Autotüren in den Weg hineinragten; egal ob die Wege sich um Bushaltestellen, Laternenmasten und andere bauliche Hindernisse herumschlängelten (ich empfehle beispielhaft, den Erdkampsweg stadteinwärts zu befahren): überall standen diese blauen Schilder. Gerne auch in Zwangskombination mit Fußgängern; typisches Beispiel: erst getrennter Fuß- und Radweg, dann liegt aber eine Bushaltestelle voraus, die als Haltebucht ausgeführt ist, damit der Autoverkehr weiter zweistreifig pro Richtung fließen kann. Deswegen wechselt die Beschilderung zu "gemeinsamer Fuß- und Radweg", selbiger schrumpft in der Breite von zwei Metern auf etwa 1,20 m, gemessen von Hauswand bis Bordsteinkante, und genau dort warten die Fahrgäste auf den Bus und Sie als Radfahrer müssen da mittendurch. Wenn keine Fahrgäste herumstehen, kann man erkennen, dass in der Hauswand Eingänge sind und die erste Trittstufe 10 cm in den Fuß- und Radweg hineinragt. Da kann also jederzeit die Oma mit den drei Einkaufstüten oder auch ein tobendes Kind vor Ihrem Vorderrad auftauchen. Da Sie mit so etwas rechnen müssen, sind Sie gezwungen, zur Vermeidung von Unfällen und Bestrafung praktisch Schritttempo zu fahren, und das, obwohl sie nebenan, auf der rund 15 Meter breiten Fahrbahn (FAHRbahn, nicht AUTObahn!) bei Rückenwind locker 35 oder 40 km/h fahren könnten.

    Das nennt sich Schikane, und genau das ist es, wofür Hamburgs Radwege berüchtigt sind. Deswegen: besser keine Radwege als solche!

    So viel dazu.

    Ansonsten finde ich den Vorschlag putzig. Leider für mich nicht praktikabel, denn ich muss auch ungefähr 12 Kilo Dienstunterlagen inclusive Laptop, Kamera und Wäsche für drei Tage von und zur Arbeit befördern. Da nehme ich doch lieber den Trolley und die S-Bahn.
  2. #11

    Überdachte Radwege - schön und gut ...

    Zitat von Nellodee Beitrag anzeigen
    Und dann könnte man vielleicht überhaupt Radwege einrichten wo keine sind (gefühlte 99% der Straßen) und die existierenden von den Schlaglöchern, Wurzelhöckern, Mülltonnen, Autos und Fußgängern befreien.
    Aber seit wann benutzen Radfahrer überhaupt Fahrradwege? Wenn keiner da ist, wird nach einem gerufen, wenn er da ist, wird trotzdem auf der Straße oder Bürgersteig gefahren.
  3. #12

    Jawollja! Utopie für alle!

    Zitat von Nellodee Beitrag anzeigen
    Als ob der Regen das Hauptproblem der Radfahrer wäre! Bevor solche Vorschläge kommen, könnte man vielleicht zunächst dafür sorgen, dass im Winter auch die Radwege geräumt werden - statt gar nicht oder, auch immer gern genommen, als "Abstellfläche" für den Fußweg-/Straßenschnee missbraucht.
    Und dann könnte man vielleicht überhaupt Radwege einrichten wo keine sind (gefühlte 99% der Straßen) und die existierenden von den Schlaglöchern, Wurzelhöckern, Mülltonnen, Autos und Fußgängern befreien.
    DEN Vorschlag würde ich gern hören.
    DAS klingt dochmal sinnvoll! Vorhandene Radwege benutzbar machen.
    Zum Beispiel indem man dafür sorgt, dass sie nicht plötzlich im Nichts enden und man unverhofft und unfreiwillig in Mitten einer vierspurigen Kreuzung steht und einem vom Hupkonzert schon die Ohren bluten.
    Oder gepflastere Radwege in einen Zustand versetzen, der die Milch im Fahrradkorb nicht in einem Kilometer zu Butter werden lässt.
    Oder überhaupt mal Radwege anlegt, die nicht so schmal sind, dass man zwischen Autoaußenspiegeln, Häuserwand und Lenkerenden höchstens den Durchmesser eines Streichholzes hat.
    Oder, oder, oder...

    Und wenn wir schonmal beim Unmöglichen sind:
    Dann könnten Radfahrer die Wege auch nutzen und nicht in Zehnerpulks nebeneinander auf Bundesstraßen fahren, dass man mit dem Auto nicht mehr vorbeikommt.
    Sie könnten die richtige Straßenseite nutzen, damit man nicht aus Versehen einen aus der falschen Richtung kommenden übersieht und plattmangelt.
    Sie könnten ihre Drahtesel korrekt beleuchten, damit man auch im Winter wenigstens eine Chance hat sie rechtzeitig zu bemerken.
    Oder, oder, oder...

    Niemand ist perfekt, aber bevor man großartige Vorschläge zur VERBESSERUNG der Radwege macht, sollte man erstmal eine Grundlage für die NUTZUNG derselben schaffen!
  4. #13

    Jo, mir san mitm Radl do

    Zitat von MasterMurks Beitrag anzeigen
    DAS klingt dochmal sinnvoll! Vorhandene Radwege benutzbar machen.
    Zum Beispiel indem man dafür sorgt, dass sie nicht plötzlich im Nichts enden und man unverhofft und unfreiwillig in Mitten einer vierspurigen Kreuzung steht und einem vom Hupkonzert schon die Ohren bluten.
    Oder gepflastere Radwege in einen Zustand versetzen, der die Milch im Fahrradkorb nicht in einem Kilometer zu Butter werden lässt.
    Oder überhaupt mal Radwege anlegt, die nicht so schmal sind, dass man zwischen Autoaußenspiegeln, Häuserwand und Lenkerenden höchstens den Durchmesser eines Streichholzes hat.
    Oder, oder, oder...

    Und wenn wir schonmal beim Unmöglichen sind:
    Dann könnten Radfahrer die Wege auch nutzen und nicht in Zehnerpulks nebeneinander auf Bundesstraßen fahren, dass man mit dem Auto nicht mehr vorbeikommt.
    Sie könnten die richtige Straßenseite nutzen, damit man nicht aus Versehen einen aus der falschen Richtung kommenden übersieht und plattmangelt.
    Sie könnten ihre Drahtesel korrekt beleuchten, damit man auch im Winter wenigstens eine Chance hat sie rechtzeitig zu bemerken.
    Oder, oder, oder...

    Niemand ist perfekt, aber bevor man großartige Vorschläge zur VERBESSERUNG der Radwege macht, sollte man erstmal eine Grundlage für die NUTZUNG derselben schaffen!
    Die Witterungsverhältnisse sind sicher das geringste Problem der Radfahrer: Politiker (oder artverwande Wesen) lösen halt besonders gerne die "Probleme", die gar keine sind.

    Radfahren ist z.Zt. letztlich nur dort verantwortungsvoll praktikabel, wo man sich bestens auskennt: alle Macken der Wegführung kennt, bereits Alternativen ausgeknobelt hat und 'ne Menge Eventualitäten schon mal erlebt hat.

    Einfach zu sagen: "Ich komm' dann mal mit'm Rad" ist bei unbekannten Strecken immer ein lustiges Abenteuer. Um das Vorhaben in die Tat umsetzen zu können, ist eine phantasievolle Interpretation der StVO geradezu Vorbedingung ;-)

    Man stelle sich nur den Aufschrei vor, wäre die Wegführung für Autofahrer ähnlich surrealistisch.

    Eine überdachte Katastrophe ist dann eben immer noch eine Katastrophe - da nützen auch trockene Socken nix.
  5. #14

    Man kann ja mal drüber nachdenken ...

    Zitat von MasterMurks Beitrag anzeigen
    DAS klingt dochmal sinnvoll! Vorhandene Radwege benutzbar machen.
    ...
    Und wenn wir schonmal beim Unmöglichen sind:
    Dann könnten Radfahrer die Wege auch nutzen und nicht in Zehnerpulks nebeneinander auf Bundesstraßen fahren, dass man mit dem Auto nicht mehr vorbeikommt.
    Jetzt mache ich mir mal Feinde im Forum. (Autsch! - Das gibt Ärger ...)

    Wenn man wirklich etwas für Fahrradfahrer machen wollte, könnte man ja in so manchen Kernbereichen von Innenstädten so mancher Großstadt als Äquivalent zu 30-Zonen eine Art "Fahrradbevorzugte Zone" einrichten und die Radwege ganz weg machen. Ich denke da an solche Innenstädte, wo man mit dem Auto eh nur Stop and Go hat. Dort könnte man auch hingehen und Radfahrern generell Vorrang vor Autos einräumen, so weit gehend, dass Radfahrer auch nebeneinander fahren dürfen, was natürlich erhebliche Verlangsamung des Verkehrs mitbringt, aber evtl. auch den Anreiz auf ÖNV umzusteigen. Wer trotzdem mit dem Auto fährt, ist dort praktisch beim Unfall mit dem Radfahrer immer schuldig, muss jederzeit besonders bremsbereit sein und besonders vorausschauend fahren, mit plötzlichen Fahrspurwechseln von Radfahrern rechnen.

    Man kann ja mal drüber nachdenken, oder es lassen ... nur so eine Idee...
  6. #15

    Ich verspreche:

    Überdachte Radwege mit wohl temperiertem Rückenwind für die Radfahrer!
  7. #16

    War das witzig?

    Ironie ist bei diesem Thema nicht angebracht, es sei denn man möchte mal darüber sprechen, welche Anstrengungen Politiker und Behörden in den letzten Jahrzehnten unternommen haben, die Leute vom Rad aufs Auto umzuschulen.
    Es gibt einfach zu viele Verkehrstote, zuviele adipöse Menschen und zuviel CO2, um so weiter zu machen wie bisher.
    Und vor allen Dingen gibt es zu viele Entscheidungsträger, die ihr Fahrrad bestensfalls mal am Sonntag (bei gutem Wetter und mindestens 15 Grad Celsius) für ein paar Minuten unter ihren Hintern klemmen und ansonsten lieber 1 bis 2 Tonnen Blech durch die Landschaft prügeln.
    Vielleicht sind die Ideen des Herrn Dencker nicht besonders gut durchdacht, aber ein Wandel tut not.
    Yes, we can!
  8. #17

    Radwege in Hamburg

    in jeder Verkehrsteilnehmergruppe gibt es verantwortungslose Zeitgenossen, die sich nicht verkehrsgerecht verhalten.(Radler ohne Beleuchtung; Fussgänger, die ohne zu gucken, den Radweg kreuzen; Autofahrer, die.... ).
    Das wunderschöne Hamburg vergrault sich durch die miese Radwegsituation die immer größer werdende Klientel der radwandernden zahlungskräftigen Touristen.
    Auch das muss ein Argumtent sein, um die teilweise katastrophalen Zustände der Radwege zu ändern.
  9. #18

    ...

    Zitat von B. Wunram Beitrag anzeigen
    Jetzt mache ich mir mal Feinde im Forum. (Autsch! - Das gibt Ärger ...)

    Wenn man wirklich etwas für Fahrradfahrer machen wollte, könnte man ja in so manchen Kernbereichen von Innenstädten so mancher Großstadt als Äquivalent zu 30-Zonen eine Art "Fahrradbevorzugte Zone" einrichten und die Radwege ganz weg machen.....
    Gibt es bereits in der STVO und nennt sich "Fahrradstrasse". Davon gibt es in Berlin mittlerweile zwei Stück. Dort dürfen unter anderem nur Anlieger mit dem Auto hinein und Radfahrer haben Vorrang.

    Ansonsten leben wir leider in einem Autofahrerland, wo das Fahrrad in den Köpfen als Freitzeitfortbewegungsmittel eingebrannt ist und nicht als ernst zunehmendes Verkehrsmittel. Das erlebe ich fast jeden Tag auf den 12km Arbeitsweg mit dem Rad. Zum Glück ist Berlin relativ fahrradfreundlich. Aber eben auch nur relativ. Handlungsbdarf gibt es noch an vielen Stellen. Die fahrradpolitische Entwicklung würde ich in Berlin aber als positiv bezeichnen.
    Und was ich als ganzjährig fahrender Radfahrer bestimmt NICHT brauche, sind überdachte Radwege! Als Radfahrer braucht man eine vernünftige, sichere, eindeutige Infrastruktur und Verkehrsführung auf der man flott vorankommt und nicht permanent durch Hindernisse ausgebremst wird. Das ist in vielen Fällen nun mal die Strasse. Daher bin ich für das weitere Ausbauen von Radspuren auf den Strassen und den Rückbau von holprigen Hindernissstrecken, gennant Radwege. Dann wird es für alle Beteiligten im Strassenverkehr sicherer und angenehmer.
  10. #19

    Gute Frage ...

    Zitat von B. Wunram Beitrag anzeigen
    Aber seit wann benutzen Radfahrer überhaupt Fahrradwege? Wenn keiner da ist, wird nach einem gerufen, wenn er da ist, wird trotzdem auf der Straße oder Bürgersteig gefahren.
    ... aber, sie zieht gleich die nächste Frage nach sich: Warum benutzen die Radfahrer einen vorhandenen Radweg nicht? Radfahrer sind ja nun nicht alle geborene Ignoranten oder Rebellen gegen die StVO! Wenn Sie sich also um Antworten auf die zweite Frage bemühen, dann stoßen Sie oft genug auf zu schmale Radwege, auf Radwege, die in einem desolaten Zustand sind - seit Jahren! - oder auf Radwege, die von zuvorkommenden Autofahrern zugeparkt wurden. Am lustigsten ist es, wenn man von empörten Fußgängern vorgeworfen bekommt, dass man doch den Radweg benutzen sollte - auf dem sie gerade selber fröhlich schwatzend im Wege stehen!