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Abgewürgt: Mobiles Leiden

Aschewolken, Brösel-Autobahnen, kaputte ICEs: Es wird immer schwieriger, halbwegs stressfrei von A nach B zukommen. Dank seines Jobs müsste Autoredakteur Thomas Hillenbrand da eigentlich im Vorteil sein. Stattdessen tritt er auf der Stelle.

http://www.spiegel.de/auto/fahrkultu...695442,00.html
  1. #10

    "Früher war alles besser, auch die Autobahn" - das klingt sehr nach präsenilem Genörgel, deshalb dazu an dieser Stelle einige Zahlen, um zu belegen, dass ich mir nicht einfach die Vergangenheit rosig rede: Die Verkehrsleistung von Lkw hat sich von 1990 bis 2009 um fast 300 Prozent erhöht, auf 472 Milliarden Tonnenkilometer. Die Zahl der Autobahnbaustellen lag Anfang der Neunziger bei etwa 80; derzeit sind es laut Auto Club Europa 498.

    Hier gibt der Autor sich die Antwort doch quasi selbst: Früher war hinter Helmstedt die Welt zu Ende, heute herrscht da ein Durchgangsverkehr, das man sich fragt wo die überhaupt alle herkommen. Wenn er in seinen tollen Z4, Porsche, Mercedes oder was immer er auch für tolle Karren fährt plötzlich drei oder viermal so viel im selben Zeitraum fährt, dann kommt auch der Zeitpunkt der nächsten Inspektion viel schneller, und dann muß auch viel mehr ausgetauscht werden. Dieses Phänomen nennt sich Verschleiß und läßt sich nur begrenzt einschränken, es sei denn man baut demnächst Autobahnen aus Carbon-Werkstoffen oder ähnlichem. Das hätte aber gigantische Steuererhöhungen zur Folge, und wer dann hier wieder rumjammert dürfte wohl jedem klar sein...
  2. #11

    das versprechen

    Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
    Dieser Satz des Artikels ist bemerkenswert:
    "Autobahnen verstopft, Flughäfen dicht, Bahn entgleist. Vielleicht, das denke ich mir manchmal, sollte man einfach ein paar Jahre zu Hause bleiben, bis sich das alles wieder eingerenkt hat."
    und sollte vielleicht noch um diesen Satz ergänzt werden: "Wer alles so schwarz sieht und malt, bleibt ohnehin am besten zu Hause."
    So schlimm ist das nämlich alles nicht. Jammern auf hohen Niveau.
    jammer-niveau oder schlimm oder nicht:
    darum geht es doch gar nicht.
    Es geht um's nicht eingelöste versprechen!

    + "zahlt steuern - und wir bauen von maut und steuergeldern schöne & v.a. benutzbare autobahnen".
    + "kaufe ein ticket, und der deal, dass wir dich für dein teures geld sicher, pünktlich (!), mit zeitgemäßer bequemlichkeit und mit einem leistungsorientierten serviceangebot usw. von A nach B bringen, wird erfüllt."
    + "wählt uns, und wir kümmern uns darum, dass nicht irgendwelche wildgewordenen konzernchefs staats- (=volks-)eigentum wegen irgendwelcher finanzgröfaz-phantasieen soweit verrotten lassen, dass eine grundbedingung moderner gesellschaften, nämlich mobilität, ernsthaft gefährdet wird (siehe Berliner S-bahn)".
    + und wenn das alles schon teuer bezahlt wird, dan gibt's auch das geld zurück, wenn die gegenleistung nicht oder nur teilweise oder nur schlecht erfüllt wird. (von einer entschädigung für ärger, zeitverlust , folgekosten (notwendig gewordene taxifahrten, oder nasenspray für den auf dem zugigen feuchten bahnsteig eigefangenen schnupfen ganz zu schweigen!)

    = Es braucht endlich in deuschlandesh ein vernünftiges dienstleistungshaftungsrecht!
    Kein mensch würde für sein teures geld beim bäcker ein eingetrocknetes brötchen, beschmiert mit ranziger buter und belegt mit angegammelter wurst akzeptieren. Im gegenteil: einem solchen bäcker würde man den wirtschaftskontrolldienst auf den hals hetzen.
    Nur bei dienstlestungen, z.b. transportwesen & öffentliche infrastruktur, soll das alles nicht gelten.

    DARUM geht es!
    Und nicht um "jammern" oder "schlimm".

    Ganze bevölkerungsschichten KÖNNEN diesen überteuerten wahnsinn schon nicht mehr mitmachen. Dass immer mehr leute darunter ihn auch nicht mehr mitmachen WOLLEN - denn wer wird schon gerne verarscht? - liegt doch auf der hand.
    Und auch das hat nichts mit schwarzsehen und zu hause bleiben zu tun.

    Wacht endlich mal auf!
  3. #12

    ganz ihrer meinung!

    es ist wirklich eine kathastrophe. auf vielen strecken verkauft einem die bahn mitterweile ohnehin umlackierte interregios als ic. das flugzeug lohnt sich zeitlich erst ab etwa 400km und ist zudem zum arbeiten schlecht geeignet. dennoch empfinde ich lufthansa noch immer als würdigste form des reisens, dazu die bahn auf ausgewählten strecken wie hh-berlin der franfurt-köln. wieso gibt es nicht viel mehr sprinter? dass ices in hagen oder montabaur halten ist einfach absurd. auto für längere strecken nur nachts, d'accord!
  4. #13

    Zitat von Westpol Beitrag anzeigen
    wieso gibt es nicht viel mehr sprinter? dass ices in hagen oder montabaur halten ist einfach absurd. auto für längere strecken nur nachts, d'accord!
    Da können Sie sich bei diversen Ministerpräsidenten und Provinzbürgermeistern bedanken, die damals so lange gequengelt haben, bis sie endlich ihren schönen schmucken ICE-Bahnhof bekommen haben. Da lob ich mir Frankreich: Da wird für jede Region (bsp. Haute-Picardie) ein TGV-Halt auf der grünen Wiese gebaut, und fertig.

    Vor Jahren hat mal einer vorgeschlagen, außerhalb von Aachen einen neuen Haltepunkt für den Thalys nach Paris zu bauen, damit der Zug sich nicht mehr durch das hoffnungslos veraltete Schienennetz in der Aachener Region quälen muß, das teilweise noch aus der Zeit der Dampfloks stammt. Man hätte dann einfach einen hochgeschwindigkeitsfähigen Abzweig von der normalen Strecke gebaut, der dann hinter Aachen wieder auf die Original-Trasse verschwenkt worden wäre.

    Das man den guten Mann nicht gekreuzigt hat, war alles. Da würde der Thalys ja tatsächlich, wenn "Aachen" als Fahrtziel angegeben ist, im Kreisgebiet halten und nicht im Stadtgebiet: DAS DARF NICHT SEIN!!!!!!!
  5. #14

    -

    Zitat von autocrator Beitrag anzeigen
    jammer-niveau oder schlimm oder nicht:
    darum geht es doch gar nicht.
    Es geht um's nicht eingelöste versprechen!

    (...)

    Ganze bevölkerungsschichten KÖNNEN diesen überteuerten wahnsinn schon nicht mehr mitmachen. Dass immer mehr leute darunter ihn auch nicht mehr mitmachen WOLLEN - denn wer wird schon gerne verarscht? - liegt doch auf der hand.
    Und auch das hat nichts mit schwarzsehen und zu hause bleiben zu tun.

    Wacht endlich mal auf!
    Ich besitze zwei "Zauberkärtchen" von zwei unterschiedlichen Airlines und ausserdem eine Bahncard 100. Dementsprechend viel bin ich unterwegs. Und ich habe natürlich auch die Probleme, die der Autor in seinem Artikel schildert; dies aber im absoluten Promillebereich - also verkraftbar. Und darüber rege ich mich nicht auf.
  6. #15

    -

    Zitat von Stäffelesrutscher Beitrag anzeigen
    Das ist das größte Problem, der überbordende LKW Verkehr auf den Strassen, besonders in Massengütern die geradezu prädestiniert für die Eisenbahn wären. Aber der liebe Onkel Hartmut hat ja lieber Gleisanschlüsse kappen lassen und Speditionen rund um den Globus aufgekauft, so fährt heute alles auf der Straße.
    Richtig. Und der Strube, der zwar keine Speditionen mehr kauft, sondern Bahnunternehmen, ist keinen Hack besser. Und der 100%-Eigentümer, die Bundesrepublik Deutschland - vertreten durch trottelige Beamte, schaut dem Ganzen nicht nur zu. Nein, die geben Strube auch noch das Geld dafür.
  7. #16

    Grube

    Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
    Richtig. Und der Strube, der zwar keine Speditionen mehr kauft, sondern Bahnunternehmen, ist keinen Hack besser. Und der 100%-Eigentümer, die Bundesrepublik Deutschland - vertreten durch trottelige Beamte, schaut dem Ganzen nicht nur zu. Nein, die geben Strube auch noch das Geld dafür.
    Der Mann heißt Grube,
    was die Sache nicht besser macht. Noch hat er mich nicht überzeugt, dass er wirklich etwas anderes will als sein Vorgänger.
  8. #17

    Neulich mit dem IC

    Ich staunte neulich nicht schlecht, anstatt eines ICE nur ein IC (Ersatzzug) von München nach Frankfurt - aber auf die Minute die gleiche Reisezeit und die bequemeren Sitze!
    Wenn Youngtimer genauso schnell auf manchen Strecken betrieben werden können, dazu auch noch bequemer sind, dann fehlt nur die Nachrüstung von Steckdosen und die Bahn dürfte - wenn Sie im Gegenzug die Fahrpreise senkt - mir gerne wieder kostengünstige IC´s statt der teuren, anfälligen und somit häufig verspäteten ICE vorsetzen. Das ICE-Marketing suggeriert "Hochgeschwindigkeit", die Bahn verlangt entsprechende Prime-Preise, dabei sind "wir" nur selten mit über 250km/h unterwegs (Ausnahme: ffm-Köln; Ffm-Berlin). Da könnte ich auf einen schicken Zug gerne verzichten, bis es uns in Deutschland finanziell wieder ein wenig besser geht oder der ICE wirklich deutlich kürzere Reisezeiten als der IC auf mehr als den o.g. Strecken realisiert.

    Aber in der Tat, ist man sowohl mit dem Auto als auch mit der Bahn derzeit "hoffnungslos" verloren. Ich persönlich hoffe, dass die Anzahl an Baustellen wieder abnimmt und irgendwann das Überholverbot für LKW kommt - es ist schon ärgerlich, wenn viele Autos von 130km/h runterbremsen müssen, weil der eine LKW mit 84km/h an einem mit 82km/h vorbeizuppelt und währendessen die Autobahn dicht macht.

    Das Fliegen ist seit 9/11 bis 400km wirklich keine echte Alternative: teuer (mit den Park- bzw. Anreisekosten zum Flughafen) und mit wenig Gelegenheit am Stück arbeiten zu können. Das wäre noch OK, wenn mann nur 2 mal die Woche fliegen muss, aber für die, die jeden Tag woanders sein müssen, ist fliegen derzeit nur die 2. Wahl. Vielleicht erlauben die Fluggesellschaften aber auch irgendwann mal ein frühzeitiges Boarding, dann könnte man sich statt erst noch in der Lounge rumzulungern gleich zum arbeiten im Flieger einfinden und vielleicht noch ein paar Minuten zustäzlich en Block zum arbeiten nutzen.
  9. #18

    Kauf Dir doch ein Titel!

    Zitat von semper fi Beitrag anzeigen
    Zitat von Stäffelesrutscher
    Das ist das größte Problem, der überbordende LKW Verkehr auf den Strassen, besonders in Massengütern die geradezu prädestiniert für die Eisenbahn wären. Aber der liebe Onkel Hartmut hat ja lieber Gleisanschlüsse kappen lassen und Speditionen rund um den Globus aufgekauft, so fährt heute alles auf der Straße.
    Richtig. Und der Strube, der zwar keine Speditionen mehr kauft, sondern Bahnunternehmen, ist keinen Hack besser. Und der 100%-Eigentümer, die Bundesrepublik Deutschland - vertreten durch trottelige Beamte, schaut dem Ganzen nicht nur zu. Nein, die geben Strube auch noch das Geld dafür.
    Woran liegt das?
    Die ehemalige BEHÖRDE BUNDESBAHN (das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen) wurde zu einem LOGISTIK-Konzern umgebaut. Personentransfer ist aber mal keine Logistik in dem Sinn, wie es ein KONZERN gern hätte: personalintensiv, bequemlichkeitsorientiert, möchte mit warmen Wasser den Arsch gewaschen haben, und das alles nahezu umsonst und bitte PÜNKTLICHST! So sehen es zumindest die Manager. Dass die Aufrechterhaltung eines vernünftigen (Nah-) Verkehrssystems eine der grundlegenden Pflichten des Staates ist, wird dabei als Nachrangig angesehen.

    Denn anstatt ihrer Verpflichtung dem Volk gegenüber nachzukommen, wird einzig und allein auf die Rendite oder den Shareholder Value geschaut, und das zudem kurzfristig aufs Quartal gesehen. Langfristige Investitionen und Planung, die zu einer zunehmenden Zufriedenheit des Kunden führen würden, ist nicht nur im Verkehrssektor seit Jahren passé.

    Und wenn ich sehe, dass IMHO alle Frachtverteilzentren der Fa. Schenker (100% Bahntochter) KEINEN Gleisanschluß haben....sagt doch alles.

    Ach, was könnt ich schreiben zu dem Thema, da würden 20 Foren nicht reichen. Man kann sich nur aufregen.

    gruß
    dr kaos
  10. #19

    ...

    "Autoredakteur"?? Da hätte der Herr halt etwas Gescheites und Seriöses lernen sollen, Zuhälter vielleicht. Zumindest seine Einschätzung der Bahn ist korrekt, es fehlt aber als Hintergrund, wessen politischer Wille diese Zustände darstellen.

    Eine Buchempfehlung zum Thema Mobilität:
    Klaus Gietinger:
    Totalschaden - Das Autohasserbuch
    Westend Verlag


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