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Abgesang auf die Juniorprofessur: Es hätte so schön sein können

DPAWissenschaft mit Begeisterung statt jahrelanger Arbeit an einem dickbäuchigen Text: Die Juniorprofessur sollte den Weg zum Lehrstuhl modernisieren - doch nach zehn Jahren herrscht Ernüchterung. Albert Kümmel-Schnur beklagt im Hochschulmagazin "duz" den Niedergang eines hoffnungsvollen Konzepts.

http://www.spiegel.de/unispiegel/job...823692,00.html
  1. #70

    Re:

    Zitat von Dumme Fragen Beitrag anzeigen
    Liege ich da richtig, oder hab ich eine einseitige Wahrnehmung??
    Wir wurde, ohne dass ich mich um irgendetwas beworben habe, etwa ein Dutzend Stellen angeboten (als Informatiker). Ob das repräsentativ ist, weiss ich nicht. Aus eigener Erfahrung an unserem Lehrstuhl weiss ich aber, wie schwer es ist adequate Bewerber für eine PostDoc-Stelle zu finden. Bei uns wurde teils jahrelang vergeblich gesucht.
  2. #71

    Lehre unbedeutend?

    Zitat von rocky balboa Beitrag anzeigen
    Wir wurde, ohne dass ich mich um irgendetwas beworben habe, etwa ein Dutzend Stellen angeboten (als Informatiker). Ob das repräsentativ ist, weiss ich nicht. Aus eigener Erfahrung an unserem Lehrstuhl weiss ich aber, wie schwer es ist adequate Bewerber für eine PostDoc-Stelle zu finden. Bei uns wurde teils jahrelang vergeblich gesucht.
    Die Informatik ist sicher nicht sehr typisch, da Sie auch außerhalb der akademischen Welt ohne Probleme einen gutbezahlten Job finden könnten. In den Geisteswissenschaften und einigen anderen Fächern ist dies nicht so, und ein PostDoc oft die beste/einzige Möglichkeit.

    Ich denke, der Bericht des Juniorprofs ist auf viele andere Fächer übertragbar - auch in den Naturwissenschaften zählen nur die Publikationen und gute Lehre gilt bestenfalls als "nice to have". Mir ist im Studium aufgefallen, dass es fast ausnahmslos Juniorprofessoren waren, deren Vorlesungen wirkten, als ob sie schnell aus eigenen Konferenzbeiträgen zusammengeschustert wären, ohne didaktisches Konzept auf den Folien und viel zu detailversessen in Bezug auf den eigenen Forschungsbereich.

    Natürlich gab es schlechte Vorlesungen auch von älteren Lehrstuhlinhabern, aber da lag es eher am fehlenden didaktischen Talent und nicht daran, dass die Lehre als eine nicht lohnende Zeitverschwendung galt. Sehr schade ist es, dass Engagement in der Lehre bei den Juniorprofs (denn auch diese Sorte von Dozenten gibt es!) so wenig gewürdigt wird. Nach meinem Verständnis ist dies doch mit das wichtigste Ziel einer Professur. Gerade in den Geisteswissenschaften, in denen das Rad nun wirklich nicht neu erfunden wird und das Überleben der Menschheit auch nicht von den Forschungsergebnissen abhängt.
  3. #72

    Vorsicht: Fake!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wissenschaft mit Begeisterung statt jahrelanger Arbeit an einem dickbäuchigen Text: ...nach zehn Jahren herrscht Ernüchterung. <i>Albert Kümmel-Schnur</i> beklagt im Hochschulmagazin "duz" den Niedergang eines hoffnungsvollen Konzepts.

    Abgesang auf die Juniorprofessur: Es hätte so schön sein können - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - UniSPIEGEL
    Man liests und man wundert sich: der Mann (Akademiker) hat einen Vertrag unterschrieben. Die Uni gab ihm eine Stelle, ein prima Budget, viel Freiheit und Zeit. Seine Gegenleistung war, sich dafür zu habilitieren. Jetzt, viele Jahre später gibt er sich überrascht und enttäuscht über diese Bedingungen. Wer soll diesen Käse glauben?

    In Wahrheit hat die Uni Konstanz ihm diesen Vertrag nochmal und nochmal verlängert, seinen schriftlichen Zusicherungen glaubend, er hätte seine Habilschrift fast fertig und werde *versprochen* zuverlässig liefern. Nix wars. Stattdessen baut er über dieses persönliche Versagen ein riesiges ideologisches Gebäude. Er geriert sich als Systemkritiker und ist doch nur einer der sich mit seinem nächsten Buch schwertut. Letzteres ist sympathisch. Ersteres weniger.

    Während dieser Zeit haben die ihm gewährten Gelder zwei bis drei anderen Jungakademikern (die sich evtl. besser organisiert hätten) den Zugang zur Juniorprofessur blockiert.

    Herr Kümmel-Schnur lehrt immer noch gegen Bezahlung an der Uni, die er jetzt diffamiert. Warum wird so ein Blech abgedruckt?
  4. #73

    Zitat von hjm Beitrag anzeigen
    Eben. Genau das ist doch der Unterscheid.

    Ein ganz normaler Angestellter in der Wirtschaft, der nach 10 Jahren kein Abteilungsleiter ist, ist nach 10 Jahren kein Abteilungsleiter, sondern ein ganz normaler Angestellter.

    Ein ganz normaler Angestellter an der Universität, der nach 10 Jahren kein Professor ist, ist nach 10 Jahren kein Professor, sondern arbeitslos.
    ...und hat kaum eine Chance, ein "normales" Anstellungsverhältnis außerhalb der Uni zu Erlangen, da er um die vierzig Jahre alt ist und über keine Berufsausbildung verfügt.
    Deshalb empfehle ich allen Wissenschaftlern, sich einen Plan B zurechtzulegen - ich für meinen Teil absolviere neben Forschung und Lehre eine pädagogische Ausbildung zum Gymnasiallehrer, auf die ich notfalls zurückfallen kann.
  5. #74

    Zitat von Creepwood Beitrag anzeigen
    Deshalb empfehle ich allen Wissenschaftlern, sich einen Plan B zurechtzulegen - ich für meinen Teil absolviere neben Forschung und Lehre eine pädagogische Ausbildung zum Gymnasiallehrer, auf die ich notfalls zurückfallen kann.
    Keine schlechte Sache, wenn Sie das richtige Fach wählen (können). Ein junger Mathelehrer, der kürzlich bei uns anfing, hatte sich bei uns und an der Nachbarschule beworben. Die Nachbarschule hatte ihn zu einem offiziellen „Bewerbungsgespräch“ vorgeladen. Unsere Schuleitung hat ihn durch die Schule geführt und die Kollegen haben ihn eingeladen, mit in den Unterricht zu kommen und mit den Schülern zu reden. Wie gesagt, ein junger Mathelehrer, der kürzlich bei uns angefangen hat.

    Und so ein Plan B hat auch noch einen ganz anderen Vorteil: Als junger Wissenschaftler genießen Sie dadurch de fakto mehr Freiheit als ein gestandener Professor. Sie können nämlich wirklich machen, was Sie wollen, ohne irgendjemandem Rechenschaft (oder Schleimerei) zu schulden. Denn von den befristeten Stellen gibt es noch immer genug, und wenn Sie nicht zur Sicherung Ihres Lebensunterhaltes unbedingt auf eine Verlängerung angewiesen sind, also keinen Druck haben, lässt es sich damit doch recht gut und vor allem frei (also ohne Stechuhr) leben. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, während dieser Zeit jemals Urlaubsanträge ausgefüllt zu haben.
  6. #75

    Wer gegen

    stattdessen "Server kauft, Wiki-Systeme installiert" .... hat auf einer Professor auch nicht zu suchen. Das Zeug gehört an eine Fachhochschule, wo man konquenterweise keine Habilitation braucht. Die Habilitation wurde nur abgeschafft, um anstudierten Politikern und Frauen (um die Quoten aufzufüllen) auf Professuren zu hieven. Daher auch die geringere Qualität des Lehrpersonals. Viele sind keine "Null-Bock Professoren", sondern schlicht nichthabilitierte Nullen








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