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Abgabestress: Hausarbeitenambulanzen leiden an Personalmangel

CorbisDen Schreibzentren an deutschen Unis fehlen gute Leute. Während sich in der Plagiatskrise alle um das wissenschaftliche Schreiben sorgen, wird der Unterricht darin sträflich vernachlässigt. Die Hochschulzeitschrift "duz" erklärt, was in den Text-Schmieden besser laufen muss.

http://www.spiegel.de/unispiegel/wun...-a-885084.html
  1. #1

    Cool, dass es das überhaupt gibt

    In meiner Studienzeit Anfang der 90er an der Humboldt-Uni in Berlin (eh nicht allzusehr zu loben) war das echt noch ganz anders. Wer da einen Dozenten um Hilfe oder Hinweise bat, bekam zu hören: "Die Ideale des preußischen Forschers sind Freiheit und Einsamkeit - hier ist schließlich keine Schule!". Sprechstunden bei den hohen Herren und Damen waren eh selten. Ich bin im übrigen in der DDR zur Schule gegangen und hatte mit dem hohen Grad der geforderten Selbstorganisation und Planung ein großes Problem. Aber - das war allein mein Problem.
  2. #2

    coole nummer...

    Aufgrund der "internationalen" Fachbegriffe (Peer Tutoring, CL, LM etc) vermute ich, diese Idee wurde an englischen oder amerikanischen Unis geboren ;-) cleverer Einfall - so schaffen sich Germanisten, Anglisten, Sprachwissenschaftler selbst ein - bezahltes - Betaetigungsfeld und muessen nicht mehr Taxifahren... Ich frag mich wirklich, wie Studenten frueherer Zeit ueberhaupt Sprach- und Schreibkompetenz erlangen konnten, als sie noch nicht so professionell unterstuetzt wurden. Und ich stelle mir amuesiert das Entsetzen der heutigen Jungakademiker vor, wenn sie ihren ersten Job antreten und bei ihren Arbeitgebern vergeblich Schreibzentrum und "Praesentationsambulanz" (waere ja die logische Fortfuehrung der Hausaufgabenambulanz) suchen :)
  3. #3

    Zitat von ijf Beitrag anzeigen
    Ich frag mich wirklich, wie Studenten frueherer Zeit ueberhaupt Sprach- und Schreibkompetenz erlangen konnten, als sie noch nicht so professionell unterstuetzt wurden.
    Nun, in früherer Zeit waren Sprechen und Schreiben ja auch die wesentlichen Kommunikationsformen, gerade in der Vermittlung von (schulischem oder akademischem) Wissen. Heutige Studenten können ihr Thema ganz sicher in einem Rollenspiel, einem buntbebilderten Plakat oder einer Sammlung von Powerpointfolien vermarkten.

    Aber Inhalte(!), zu einem knappen(!) Text verdichtet(!), wie man das in den Naturwissenschaften gerne hätte - so etwas wird doch heutzutage in der Schule weder produziert noch rezipiert. Würde die Schüler ja überfordern.

    Modern ausgedrückt: Die Methoden des 20. Jahrhunderts sind heute einfach nicht mehr zeitgemäß.

    Oder: Ist doch voll eighties, man!
  4. #4

    3. Zitrone! ;-)

    Na, was bin ich froh, dass ich schon bald 50 bin und die Kulturtechniken anno dunnemals noch erlernen/verinnerlichen durfte... Und ich hab noch was konterrevolutionaeres getan: ich habe diese Faehigkeiten an meinen Sohn und die Tochter meiner Schwester weitergegeben ;-) natuerlich werde ich mich bemuehen, dies auch meinem gerade geborenen Enkel weiterzugeben... Aber im Ernst: Schule allein ist dafuer nicht verantwortlich - wie viele Buecher finden sich heute noch in den Elternhaeusern? Wie viele Eltern/Grosseltern fuehren ihre Nachkommen heut noch in die Wunderwelt von Bibliotheken? Und komme mir bloss keiner mit "Weltwissen im Internet" oder e-books... Das haptische Erlebnis von bedrucktem Papier, der Geruch von Druckfarbe, das "Bekritzeln" von Zeitungsseiten mit interessanten Artikeln - DAS macht schreiben und lesen spannend. Und das sollten Kinder zuhause erleben - selbstverstaendlich kann/sollte daraus dann auch eine Befaehigung zur Nutzung der modernen Medien entstehen (es ist halt einfach bequemer, schnell ein Wort/Begriff/Ding/Person via smartphone in wiki nachzuschlagen, als aufzustehen und zum Lexikon zu laufen, ganz zu schweigen von der mittlerweile recht geringen Halbwertzeit von in gedruckten Lexika befindlichen Informationen) Meine 15jaehrige Nichte hat (natuerlich) einen Kindle - aber sie will tatsaechlich jedes Buch doppelt. Ihr Argument: zuhause lese ich die "richtigen" Buecher, aber in der Strassenbahn oder unterwegs ist der Kindle praktischer, ausserdem wird das Buch dadurch geschont, wenn es nicht ueberall mit hingeschleppt wird ;-)
  5. #5

    Was für ein Unsinn

    Als wäre ein Schöner Schreibstil das Ziel wissenschaftlichen Arbeitens! Bei so etwas kommen dann x neue Kandidaten für das Belanglosigkeitskabinett der Hausarbeiten zustande...
  6. #6

    Ausgerechnet die Uni Viadrina? Die, mit dem esoterischen Schwachsinn als Studienfach?

    Im Übrigen: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nicht die Germanisten, Anglisten, Romanisten, Historiker, Politologen, Philosophen usw. Probleme mit ihren Hausarbeiten haben - weil diese viele schreiben - sondern gerade die Studenten der MINT-Fächer hier von (Entschuldigung) Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Da kommen dann Sätze wie von einem Vierzehnjährigen, Satzbau ist immer der gleiche, die Arbeit ist zwar voll mit Wissen, lässt sich aber kaum lesen.

    Diese Leute gehen aber auch nur selten (zumindest an dieser Uni) in die Kurse, die das "Schreiben" lehren sollen sondern versuchen es lieber selbst. Halte ich persönlich auch für sinnvoller, als sich von jemandem sagen zu lassen, wie man schreiben soll (das klappt bei den wenigsten, weshalb auch so wenig Leute, die viele Hausarbeiten schreiben, auf Bücher zurückgreifen, in denen beschrieben wird, wie man schreibt). Nur sollte auch in den MINT-Fächern nicht nur das Abfragen von Wissen in Klausuren erfolgen, sondern viel mehr auch das Schreiben von Texten deutlicher fokussiert werden. Aber bis das passiert, müssen wohl noch viele Klausuren geschrieben werden.
  7. #7

    Zitat von ijf Beitrag anzeigen
    Na, was bin ich froh, dass ich schon bald 50 bin und die Kulturtechniken anno dunnemals noch erlernen/verinnerlichen durfte... ....
    Verwechseln hier einige die Schreibzentren etwa mit dem Schreiben lernen in der Schule? Keine Sorge, das können Studenten heute auch noch und Rechtschreibfehler sind dank Korrekturfunktionen sogar seltener geworden. Bücher zu lesen bringt für das wissenschaftliche Schreiben relativ wenig, da es dort ganz bestimmte Konventionen gibt, die mit normaler Prosa überhaupt nichts zu tun haben.

    In solchen Zentren wird es eher um Fragen gehen, wie (Vermutung): Wie strukturiere ich die Arbeit, wie zitiere ich verschiedene Arten von Quellen richtig, wie kann man seinen Stil verbessern, wo fängt ein Plagiat an, Schreiben englischer Texte und Detailfragen zu Schreibsoftware und ähnlichem. Also alles, was man in der Schule nicht beigebracht bekommt und wofür Professoren sich zu schade sind, ihre Zeit damit zu verschwenden.

    Schavans Arbeit beweist immerhin, dass schon vor Jahrzehnten schlampig gearbeitet wurde und bestimmt nicht weniger Bedarf an solchen Einrichtungen bestand als heute.
  8. #8

    ...

    Unterricht im wissenschaftlichen Schreiben?

    Ich kann mich nicht erinnern, daß es das in expliziter Form gegeben hätte, in meinem naturwissenschaftlichen Studium. Andererseits, wenn man das Hundertste Protokoll abgefasst hat, gibt es so etwas wie Learning-by-doing. Unterm Strich wäre aber durchaus auch mal eine Vorlesung dazu interessant gewesen. Wenn man es nämlich nicht "wie nebenbei" lernt, dann bringt es einem auch tatsächlich keiner bei. Weder schreiben noch vortragen.
  9. #9

    optional

    Ich frage mich wirklich, wie es sein kann, dass ich eine Promotion in einem, und einen Magister in einem anderen Fach geschafft habe, ohne auch nur einmal eine solche "Ambulanz" um Hilfe rufen zu muessen - was auch nichts genutzt haette, denn so etwas gab es damals nicht. Wir konnten als Studenten noch schreiben. Oder haben es eben irgendwie gelernt, ohne hoch bezahlte "Tutoren." Unfassbar.








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