20 Jahre WWW: Eine*bessere Welt ist googlebar!

Das Internet verändert unser Gehirn. Ob zum Guten? Ob zum Schlechten? Erst wenn wir aufhören, auf so fürchterlich deutsche Weise das gesamte Medium charakterisieren zu wollen, wird der Blick frei auf die Chancen und Risiken, die die*Technologie bietet.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...777162,00.html
  1. #1

    Ungewohnt?

    "Mit ungewohnt kämpferischer Entschiedenheit wird da ein Pessimismus praktiziert"

    Was bitte ist denn an dieser Haltung ungewohnt? Man muss dazu sagen, ich lebe in Berlin und hier mache ich mich tagtäglich verdächtig, weil ich ab und zu Dinge gut finde, die man auch schlecht finden könnte. Das darf man hier nur bei den eigenen Sprösslingen und deren Produkten (sei es ein Sonett oder eine volle Windel), dort dann aber uneingeschränkt und rückhaltlos.

    Aber immerhin gibt das dem postmodern Gebildeten ja die Möglichkeit, sich über diese unsägliche deutsche Meckerei zu beschweren! :-)

    Vgl. http://www.zeno.org/Literatur/M/Tuch...ner+auf+Reisen.
  2. #2

    Gemecker über Gemecker

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Internet verändert unser Gehirn. Ob zum Guten? Ob zum Schlechten? Erst wenn wir aufhören, auf so fürchterlich deutsche Weise das gesamte Medium charakterisieren zu wollen, wird der Blick frei auf die Chancen und Risiken, die die*Technologie bietet.

    http://www.spiegel.de/kultur/gesells...777162,00.html
    Stimmt schon, man sollte nicht nur Risiken sehen -- wie bei allem auch beim Internet. Was das Nutzen der Vorteile angeht, sind viele Deutsche (sowohl Privatpersonen als auch Firmen) gut dabei. Warum also das Gemecker über deutschen Manichäismus?

    Und was das Visionäre angeht, woraus in den USA immer wieder neue Weltkonzerne entstehen: nun, das mag in Deutschland tatsächlich zu kurz kommen. Wie auch in diesem Artikel.
  3. #3

    Ich finde Google gut

    Denn es wird noch eine ganze Weile dauern, bis ich alles weiss, was andere wissen.

    "Das Internet dagegen und speziell Google gebe vor, dass man nur das finde, was man suche..."

    Mt 7,7 u.ö.

    s.a.: http://www.joerg-sieger.de/einleit/a...ra/all07.htm#e

    5. Das Kreisdenken
    Der Grieche denkt abstrakt, linear, in logischen Entwicklungszusammenhängen. Der Hebräer liebt es, einen Gegenstand mit den Gedanken zu umkreisen und ihm dabei immer wieder neue Aspekte abzugewinnen (Kreisdenken). Vgl. hierzu die Reden Jesu bei Johannes oder den 1. Johannesbrief.

    Das verleiht in unseren Ohren einem Text vielleicht den Charakter der Ungeordnetheit und des Durcheinanders. Man hat das Gefühl, dass immer wieder das gleiche gesagt wird. ...
  4. #4

    Die Nutzung macht den Wert aus

    Sehr plausibler Beitrag. Technik gibt nie eine unumkehrbare Richtung vor und neue Techniken bedeuten halt immer in erster Linie neues Potential.

    Ich find's witzig, dass das Ganze unter "wir müssen uns weniger merken, deswegen werden wir dümmer" summiert wird, denn das ist natürlich genau der Effekt von z.B. Nummernspeichern in Mobiltelefonen ohne dass jemand das Ende der Zivilisation beschreit.

    Oder von GPS-Empfängern gegenüber Landkarten, von Video- und Tonaufzeichnungen, oder um's mal extrem anzugehen, von schriftlich festgehaltenem Wissen gegenüber mündlicher Überlieferung. Trotzdem will irgendwie niemand zurück zu der Zeit vor dem Buchdruck. :)
  5. #5

    "volles Gehirn"

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Internet verändert unser Gehirn. Ob zum Guten? Ob zum Schlechten? Sehen wir darin Verlust? Gefahr? Das Ende - wahlweise: der Aufmerksamkeit, der Anwesenheit, des Abendlandes? Oder sehen wir darin eine Chance: weil wir mehr Zeit und mehr Raum im Kopf haben, über anderes nachzudenken?

    http://www.spiegel.de/kultur/gesells...777162,00.html
    die Vorstellung von Herrn Diez, dass man sein Gehirn besser nicht benutzt, weil man dann "mehr Zeit und Raum im Kopf" hat passt vielleicht zu Ihm. Bei den meisten anderen Menschen verhält es sich umgekehrt, je mehr man sein Gehirn benutzt umso mehr Kapazität entwickelt es.
  6. #6

    --------4499811037j

    Die Wissenschaft und ihre Grenzen. Solche Studien sind erstens zeitlich und zweitens örtlich begrenzt, das sollte man immer im Hinterkopf behalten.

    Für mich ist klar, das das Internet klüger macht als Fernsehen. Die Kritiker des Internet machen womöglich den Fehler, das Internet zu benutzen wie das Fernsehen: Sie wählen sich einen Informationsstrom aus und lassen sich führen von diesem Strom. Die Auswahl des Stromes ist die erste wesentliche Entscheidung und Problematik. Das richtige Portal ist dasjenige, das beim Nutzer die "richtigen" Gedanken anregt. Der Nutzer muss daher erst einmal in sich gehen und sich fragen was er wirklich braucht, er muss ahnen, was er braucht, er muss sich selbst führen.
    Dann muss er zweitens das richtige finden- Google ist wahrscheinlich nicht die optimale Methode dafür. Optimal ist, einen vertrauenswürdigen Hinweis aus einer Kommune zu haben. Wer hat, dem wird gegeben.
    Langfristig könnte sich das Internet lokalisieren. Nichtlokale Portale könnten von lokalen Kommunen abgelöst werden. Aber das ist eine schwere Aufgabe, es könnte eine Weile dauern.
  7. #7

    Mehr Skepsis gegeüber den Skeptikern

    Hätte man in der langen Geschichte der Menschheit immer auf die Zweifler gehört, gäbe es das Rad wahrscheinlich immer noch nicht.
    Und an die Zweifler: versucht auch mal, etwas positiv zu sehen.
  8. #8

    Danke

    Danke Herr Diez!
  9. #9

    Das Netz am Wickel

    Lobo unausweichlich, Augstein gelegentlich, Diez eher selten, aber sogar Fleischhauer, der eigentlich rund um die Uhr mit dem linken Gesocks beschäftigt sein sollte – sie alle sind der journalistischen Netz-Manie verfallen. Das Internet wird zur spiegelspezifischen Kolumnen-Klamotte, es wird durchleuchtet, hinterfragt, verdammt, geliebt, es wird ins Epochale überhöht, es wird mokant relativiert und verächtlich marginalisiert. Das Netz, das Netz, das Netz. So langsam nervt das Internet, ich benutze es zwar gerade, aber ich habe den Eindruck, dass es mich in Ruhe lässt, solange ich ihm nicht dumm komme – manchmal hat das Netz allerdings seine Tage, dann bestraft es mich mit jähen Abstürzen, der schwarze Monitor ist die Höchststrafe für den User, und manchmal wird das Netz auch müde, es gähnt, die Datenpakete schleppen sich zäh durch die Kabeltunnel, die Reaktionszeiten wirken schläfrig, der Seitenaufbau schleppt sich dahin, das sind dann düstere Stunden.

    Wie hat Herr Diez das Netz denn dieses Mal am Wickel? Hätte ich fast schon wieder vergessen, aber ich glaube, es geht um die Netzfeindlichkeit des deutschen Wesen, es geht unter anderem um „einen Hang zum Manichäischen“ – manichäisch das sitzt, das muss man erst einmal vor sich selbst aufsagen, und was sich so super anhört, das muss man gar nicht verstehen. Herr Diez sagt „Ja“ zum Netz, er bemüht den wunderbaren amerikanischen Pragmatismus, er sagt ebenso „Ja“ zur Googelbar wie wahrscheinlich zur Milchbar, wo er einen kuhlen Shake mit dem Strohhalm abpumpt, ein vorbildlich modernes Selbstverständnis. Ich finde überhaupt, dass für das Netz dringend ein neuer Name erfunden werden muss, ein Name, der seiner gewaltigen Bedeutung angemessen ist – Netz, Internet, das macht nichts her, wie wäre es mit, äh... nein, ich muss noch mal überlegen.