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1000 Fragen: Warum bleiben Zugvögel nicht im Süden?

Wenn der Herbst naht, machen sich die Zugvögel auf den Weg in den Süden. Dort finden sie Nahrung und Lebensraum, sie müssen keinen frostigen Winter überstehen. Aber warum bloß sind sie Pendler und kommen immer wieder zurück, wo es doch im Süden so behaglich ist?

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...725966,00.html
  1. #1

    Oft diskutiert...

    Als ich Anfang der 80er Jahre in Saudi Arabien als Firmenlehrer arbeitete, beobachtete ich auch einige Jahre den dortigen Vogelzug durch die arabischen Wüsten, Die Zieher stammten vermutlich meistens aus den eurasischen Gebieten.
    Ich bekam damals Besuch von dem bekannten deutschen Vogelforscher Prof. W. Wiltschko, der die Orientierung der Zugvögel am Erdmagnetfeld beim Rotkehlchen entdeckte, eine Entdeckung, die heutzutage fast auf alle Tierarten als Navigationshilfe ausgeweitet wurde.
    Schon damals fragten wir uns, warum die Vögel diese riesgen Strapazen auf sich nehmen..
    Neben der hiuer gemachten Erklärung ist aber auch möglich, dass einige Arten aus dem Süden stammen und sich zur Brutzeit aufgrund des Populationsdrucks nach Norden begaben, um dann im Winter wieder zurück zu ziehen. Nicht vergessen darf man aber, dass die Zugvögel eine verschieden starke Zugunruhe genetisch bedingt zur Zugzeit befällt, die sie praktisch zwingt, in eine vorgegebene Richtung abzufliegen. Es ist daher nicht unbedingt Intelligenz, die den einen Vogel weiter als den anderen fliegen lässt.
    Zudem muss man wissen, dass nicht wenige Vögel in die "falsche" Richtung ziehen, wobei sie dann sterben und diese Richtung nicht weiter vererben können. So hat sich bei einer Art (Gartengrasmücke?) aufgrund der Klimaerwärmung auch eine nördliche Zugroute über Britannien entwickelt, weil die Zieher ja nun nicht unbedingt absterben.
    Man sieht also, das Thema ist wesentlich komplizierter, als es auf den ersten Blick zu sein scheint.
  2. #2

    Länge des Tages

    Ein wichtiger Gesichtspunkt ist bisher nicht erwähnt worden: Je weiter die Vögel nach Norden ziehen, umso länger haben sie Tageslicht und umso länger können sie Futter für ihre Brut sammeln. Das heißt, dass die nach Norden ausweichenden Vögel mehr Nachwuchs großziehen können und deshalb gegenüber "Bleibern" einen Evolutionsvorteil haben. Ich glaube, dass dies der entscheidende Faktor bei der Ausbildung der Zugvogelarten war. Da ich in Finnland lebe und mehrere Vogelarten auf meinem Grundstück brüten, kann ich beobachten, dass sie wirklich bis zu 18 Stunden am Tag ihre Brut mit Futter versorgen.
  3. #3

    Weitere Gesichtspunkte

    Zitat von Kaksonen Beitrag anzeigen
    Ein wichtiger Gesichtspunkt ist bisher nicht erwähnt worden: Je weiter die Vögel nach Norden ziehen, umso länger haben sie Tageslicht und umso länger können sie Futter für ihre Brut sammeln. Das heißt, dass die nach Norden ausweichenden Vögel mehr Nachwuchs großziehen können und deshalb gegenüber "Bleibern" einen Evolutionsvorteil haben. Ich glaube, dass dies der entscheidende Faktor bei der Ausbildung der Zugvogelarten war. Da ich in Finnland lebe und mehrere Vogelarten auf meinem Grundstück brüten, kann ich beobachten, dass sie wirklich bis zu 18 Stunden am Tag ihre Brut mit Futter versorgen.
    In Deutschland betrug die Mortalitätsrate bei Stand- wie auch Zugvöglen ca 50% , war also meist gleich groß. Aufgrund der wärmeren Winter und der Winterfütterung besitzen manche Jahres- bzw. vagabundierende Arten einen Vorteil, weil sie die Nistplätze vor den ankommenden Ziehern besetzen können. Daher leidet z.B, der Trauerschnäpper, weil sein "Kontrahent", die Meise, dadurch einen Vorteil hat. Die nördl. Arten ziehen auch verstärkt, da eine Überwinterung sehr viel riskanter ist, zudem können sie ihre Nistplätze erst später besetzen. Die längeren Tageszeiten im Sommer sind da eher ein Ausgleich als ein wirklicher Standortvorteil...Im Laufe der Zeit haben sich eben verschiedene Strategien durchgesetzt, die das Überleben sichern... Manches ist allerdings nicht unbedingt besonders vorteilhaft. So ziehen die Mauersegler unabhängig der jeweiligen Witterung und des Nahrungsangebots stur nach der Tageslänge. Wenn diese einen bestimmten Wert unterschreitet, wird abgeflogen..andere Arten sind da wesentlich flexibler.
  4. #4

    hm

    Wenn die, ich nenn sie mal deutsche Vögel, im Sommer zurück kommen, da es Futter im Überfluss gibt, warum fliegen die sibirischen Vögel nach dem Winterquartier in Deutschland wieder zurück? Oder hab ich da was falsch verstanden.
    Rein logisch müsste es ja so sein. (Obwohl mir klar ist, dass das wahrscheinlich von der Vogelart abhängt)
  5. #5

    Zitat von benG Beitrag anzeigen
    Wenn die, ich nenn sie mal deutsche Vögel, im Sommer zurück kommen, da es Futter im Überfluss gibt, warum fliegen die sibirischen Vögel nach dem Winterquartier in Deutschland wieder zurück? Oder hab ich da was falsch verstanden.
    Rein logisch müsste es ja so sein. (Obwohl mir klar ist, dass das wahrscheinlich von der Vogelart abhängt)
    Vermutlich werden es die selben Gründe sein, weswegen unsere "deutschen" Vögel heimwärts ziehen : Nahrungs- und Brutplatzkonkurrenz mit einheimischen Arten und im Verhältnis zu große Hitze&Trockenheit im Sommer.
  6. #6

    Zerdenken

    Zitat von benG Beitrag anzeigen
    Wenn die, ich nenn sie mal deutsche Vögel, im Sommer zurück kommen, da es Futter im Überfluss gibt, warum fliegen die sibirischen Vögel nach dem Winterquartier in Deutschland wieder zurück? Oder hab ich da was falsch verstanden.
    Rein logisch müsste es ja so sein. (Obwohl mir klar ist, dass das wahrscheinlich von der Vogelart abhängt)
    Mauersegler (meine Lieblingsvögel und absolut faszinierend; man stelle sich vor: die schlafen in der Luft (!!!), wenn sie nicht gerade brüten. Die füttern sogar in der Luft, wenn die Brut ausgeflogen ist; phantastische Flugmanöver und nicht ohne Grund, die Delphine der Lüfte genannt) verduften sich spätestens Mitte August nach Südafrika. Kommen aber immer wieder ca. Mitte Mai exakt an den Ort zurück, an dem sie "Kinder" waren. Warum?
    Und warum nehmen Pinguine den beschwerlichen und lebensbedrohlichen Weg zu bestimmten Brutplätzen auf sich?
    http://www.kinowelt.de/kino/die_reise_der_pinguine
    Es liegt in ihrer Natur, sag ich, so einfach ist das. Doch wie will der Mensch, der mittlerweile alles andere als natürlich lebt, eine Erklärung dafür finden? Und wenn er eine Erklärung dafür finden würde, wäre er dann zufriedener? Kleiner Sprung die Karriereleiter hinauf, gar zur Professur? Naja, wenn's in der Natur der betreffenden Person liegt...

    Home is, where the heart is.
  7. #7

    Hm

    Zitat von benG Beitrag anzeigen
    Wenn die, ich nenn sie mal deutsche Vögel, im Sommer zurück kommen, da es Futter im Überfluss gibt, warum fliegen die sibirischen Vögel nach dem Winterquartier in Deutschland wieder zurück?...
    Ich habe doch versucht, es zu erklären, aber offensichtlich liest das niemand! Im Norden von Sibirien sind die Tage länger, die Vögel können länger für ihre Brut Futter suchen und deshalb können die nach Sibirien umgezogenen Vögel mehr Nachkommen erbrüten als zu Hause gebliebene derselben Art. Ein klarer evolutionärer Vorteil!
  8. #8

    Parasiten

    ...scheinen auch eine Rolle zu spielen. In warmen Ländern gibt es viel mehr Krankheitserreger, vor denen sich die Zugvögel im Norden schützen können.

    Eine wichtige Frage wurde aber weder vom Artikel noch von den Leserbriefen beantwortet: Wie konnte der Vogelzug in der Evolution überhaupt entstehen? Welche Zwischenstufen gibt es? Wie ist die Genetik? Kann man z.B. Zugvögel und Standvögel kreuzen und was kommt dabei heraus? Nochmal 1000 Fragen...
  9. #9

    Ja schon.

    Zitat von Kaksonen Beitrag anzeigen
    Ich habe doch versucht, es zu erklären, aber offensichtlich liest das niemand! Im Norden von Sibirien sind die Tage länger, die Vögel können länger für ihre Brut Futter suchen und deshalb können die nach Sibirien umgezogenen Vögel mehr Nachkommen erbrüten als zu Hause gebliebene derselben Art. Ein klarer evolutionärer Vorteil!
    Aber ich als Laie finde die Frage auch berechtigt.
    Das es in Sibirien und Nordeuropa noch besser ist wie sie
    beschreiben -
    macht doch noch unverständlicher das "unsere" Vögel
    nicht noch ein Stück weiterfliegen. Scheinbar hat es sich
    eben alles so eingepegelt.


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