Schweinsbraten oder Schweinebraten? Der Butter? Das Radio? Oder gar das Tunell? Deutsch ist eine Sprache voller Zweifelsfälle. Diskutieren Sie mit dem Zwiebelfisch seinem Schöpfer über falsche Konjunktive, gefühlte Kommas und willkürlich gesetzte Kommata oder über das Kruzifix mit den Fremdwörtern. Sprachpabst und Stilkonifere Bastian Sick steht Ihnen hier willig Rede und Antwort. Der Chat beginnt um 12.30 Uhr. Sie können aber bereits jetzt Ihre Fragen stellen.
Oft aber gibt es für ein Wort zwei mögliche Anwendungen. Denken Sie nur mal an das Wort "zeitgleich". Das bedeutet eigentlich "in derselben Zeit, mit derselben Dauer", wird aber heute meistens im Sinne von "gleichzeitig", "zugleich" gebraucht.
Sylvi Kerber: In einem Sprachenseminar an der Uni wollte uns der Dozent überzeugen, dass man sagen könne: "Er ist für Jugend Gruppenleiter." Das Sprachgefühl der Student(innen überwiegend) widersprach dem zutiefst, doch der Dozent bestand darauf. Was sagen Sie? Geht Jugend ohne Artikel in dem Zusammenhang?
Hmmm - die gesprochene Sprache neigt zu Verkürzungen, ich stehe auf dem Standpunkt, dass man da sehr flexibel sein muss. Ich selbst würde vor dem Wort "Jugend" allerdings auch einen Artikel setzen...
Wolf Zur: Sie betonen des Öfteren, dass es wichtig ist, daß Sprache lebt. Inwieweit muss dann ein oberstes Kontrollorgan über rechtsgültige Sprache entscheiden? Seit wann gibt es verbindliches Rechtschreibregeln? Gibt es so etwas auch in anderen Ländern? Und abschließend, schränkt das nicht die gelebte Sprache ein?
Nein, keineswegs. Der Duden und die Rechtschreibkommission legen ja nicht die Sprache fest, sondern nur die Rechtschreibung. Dass es da einheitliche und verbindliche Regeln gibt, ist wichtig.
Eine erste gesetzliche Festlegung der Rechtschreibung gab es meines Wissens im Jahre 1901. Damals wurde zum Beispiel das "th" abgeschafft, "Thür" und "Thor" wurden zu "Tür" und "Tor". Nur beim "Thron" hat man sich nicht getraut, das "h" zu steichen. damals gab's ja noch einen Kaiser, dem konnte man nicht einfach so einen Buchstaben unterm Hintern wegziehen...
Liebe Leser, es tauchen hier mehrfach Beschwerden über die Schreibweise des Wortes "Sprachpabst" in der Einleitung auf. Das war ein Scherz in Anspielung auf eine Zwiebelfisch-Kolumne. Ich bedaure jegliche Irritationen. Deshalb möchte ich zur Sicherheit auch noch klarstellen, dass es mir fernlag (oder: fern lag???), den Kollegen als Nadelbaum zu bezeichnen.