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Summerhill - Modell für die Zukunft?

Linksliberale Eltern schicken ihre Kinder auf katholische Privatschulen oder streng regierte Internate, zugleich suchen konservative Eltern Schulen ohne Zwang und Leistungsdrill.

Sind die Summerhill-Ideale überholt, oder erleben die Ideale der antiautoritären Erziehung eine Renaissance? Was meinen Sie?
  1. #10

    Der schlafende Staat

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    .....Sind die Summerhill-Ideale überholt, oder erleben die Ideale der antiautoritären Erziehung eine Renaissance? Was meinen Sie?
    Es gibt einen alten Spruch: man kann alle Zimmer eines Hauses vortäuschen, bis auf die Kinderstube, die bleibt ein Leben lang.

    Das bedeutet, die Eltern sind für die Erziehung ihrer Kinder zuständig. Die meisten Menschen die ich kenne, haben nur die Erziehung durch ihre Eltern und sind recht umgängliche Menschen. Was fehlt ist die Unterstützung dieser ganz normalen Eltern durch ein Konzept des Staates. Jeder Quatschkopf erzählt irgend einen Mist, schreibt ein Buch darüber, wandert durch einige Talkshows und lässt den normalen Bürger mit den Problemen allein.

    Endlose Diskussionen über Bueb, das Wort Disziplin wird zum Unwort des Jahres aufgebauscht, der Staat macht nur noch Tagespolitik nach Anweisung von Industrie und Wirtschaft und der Bildzeitung. Ein Armutszeugnis für den Bundesstaat, jedes Land will (offiziell) das Gleiche, nur anders;o).

    Erst wenn die Probleme der Jugendgewalt, der Bildung, nicht mehr zu beherrschen sind, dann kommen alle aus dem Mustopf.

    MfG,
    Rainer
  2. #11

    Schülersicht

    Ich habe mit regem Interesse den Summerhill Artikel gelesen und bin echt fasziniert, dass heute noch solch ein Schulkonzept exisitiert.

    Ich bin selbst Schüler im 12. Schuljahr am Gymnasium und muss dem Summerhill-Konzept weitesgehend Recht geben:
    Die größte Schwäche unseres Schulsystems liegt darin, dass den Schülern niemals der Lernstoff als Chance offeriert wird. Der Schulalltag ist geprägt von hohen Leistungsdruck und starren Strukturen. Im bisherigen Lauf meiner Schulkarriere war es weitestgehend so, dass ich in den früheren Schuljahren wirklich Lerninteresse hatte und dieses mehr und mehr abgeflacht ist. Der Unterricht ist immer gleich bleibend, Kreativität wird kaum gefördert und es liegt konstant eine Atmosphäre des Zwangs im Raum. Anstatt das Lerninteresse geweckt wird, werden Themen wie der Nationalsozialismus mehrfach durchgewälzt und die Lehrer halten meist am Frontalunterricht fest.
    Demnach finde ich die Grundthese wirklich gut, den Schülern mehr Freiheit zu gewähren und ihnen mehr Macht, wie auch Eigenständigkeit zu vermitteln. Jedoch denke ich, dass nur ein Mittelweg aus beiden Schulkonzepten wirklich sinnvoll wäre: Totale Freiheit ist fatal, da zwar ein Teil der Kinder selbstständig Lerninteresse entwickeln, aber sie auch bei vielen Schülern dazu führen würde, dass sie sich von jedem Lernstoff loslösen (Wie die Beispiele im Artikel zeigen).
    Aus meiner Sicht sollte eine gewisse Leistungskontrolle weiterhin existieren, jedoch sollte die Schule den Schülern auch viel stärker vermitteln, dass Lernen zum einen Spass machen kann und zudem auch relevant für die Zukunft ist. An dem Punkt sehe ich auch in den zuvor angesprochenen starren Strukturen ein großes Problem: Bis auf die Schwerpunktsetzung in der Oberstufe ist der Lernstoff in den unteren Stufen weitestgehend gleich, ohne dass auf verschiedene Interessen acht genommen wird, noch dass bestimmte Fähigkeiten gesondert gefördert werden.
    Oftmals wird die Individualität im Schulwesen unterschlagen und gerade dies führt zu starkem Frust bei den Schülern.
  3. #12

    Zitat von Blaukraut Beitrag anzeigen
    Die antiautoritäre Erziehung ist falsch, denn Kindern, den keine Grenzen gesetzt werden, werden nicht glücklich.
    Eine solche absolute Aussage ist auf jeden Fall unsinnig.
    Kinder sind so verschieden, dass man, um die bestmöglichen Erwachsenen aus ihnen zu machen, hunderte von Erziehungsmethoden anwenden müsste, je nachdem welches Kind man zu erziehen hat. Dies ist erst einmal aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich, und auch, weil man gar nicht so ohne weiteres herausfinden kann, welches nun die beste Methode für ein bestimmtes Kind ist.

    Eines ist aber bestimmt richtig: Es gibt Kinder die am besten in einer "antiautoritären Umgebung" florieren, und andere, die eine "strenge Erziehung" brauchen.

    Welcher Prozentsatz dies jeweils ist, hängt natürlich auch vom Entwicklungsstand des Staates ab, in dem sie gross werden (reich/arm - demokratisch/diktatorisch etc.)
  4. #13

    Zitat von Rainer Helmbrecht Beitrag anzeigen
    ..... Jeder Quatschkopf erzählt irgend einen Mist, schreibt ein Buch darüber ...
    Hallo Rainer,

    wen meinst Du da mit Quatschkopf? Den Herrn Alexander Sutherland Neill und sein Buch "theorie und praxis der antiautoritären Erziehung"?

    Mein Exemplar ist rund 37 Jahre alt und hoch interessant, und zwar für beide Seiten. Für diejenigen, die das Modell "Summerhill" befürworten, quasi als Bedienungsanleitung. Und für diejenigen, die nichts davon halten, als Warnung wie man's nicht machen sollte.

    Dieser "Mist" ist auf jeden Fall gut zu gebrauchen. ;-)
  5. #14

    Das System Summerhill funktioniert nur, wenn man es so nennen will, da die dort angemeldeten Schüler bereits von der Gesellschaft sozialisiert wurden, die man in Summerhill an sich ablehnt.

    Daß die Gesellschaft Fehler bei der Sozialisierung macht, ist nicht abzustreiten. Aber das eine Gesellschaft nach dem Modell Summerhill nicht funktionieren könnte, ebenso.
  6. #15

    es gibt sie noch, und das ist gut so

    Ich hoffe mal, mit "jeder Quatschkopf schreibt ein Buch" war der Bueb gemeint und nicht Alexander S. Neill

    Und es gibt sie doch noch (ganz wichtig in unseren Zeiten der PISA-Hysterie):

    http://www.freieschulefrankfurt.de

    Zwar kein Internat, aber dennoch

    "Die Freie Schule Frankfurt (FSF) ist eine private Grundschule mit Förderstufe und angeschlossener Kindertagesstätte.
    Sie existiert seit 1974 als erfolgreiche Alternative zur Regelschule und gehört damit
    zu den ältesten Alternativschulen in der BRD. "

    Grüsse
  7. #16

    Ganz oder gar nicht

    Zitat von Umberto Beitrag anzeigen
    Hallo Rainer,
    wen meinst Du da mit Quatschkopf? Den Herrn Alexander Sutherland Neill und sein Buch "theorie und praxis der antiautoritären Erziehung"?....
    Hallo Umberto,

    da habe ich meinem Frust Ausdruck verliehen. Also ich meinte die ganzen "Berater" der Regierung, die sich zwar selbst vermarkten aber keine Lösungen anbieten. Den Bueb meinte ich nicht und den Neill nur bedingt.

    Wie Du schreibst, gibt der für beide Seiten Munition. Was bei seinem System zu kurz kommt ist, dass er selbst ein guter Pädagoge ist, aber die, die sein Buch besonders verteidigen eben meist nicht.

    Jeder der seine Kinder machen ließ, was sie wollten, behauptete anschließen, er würde antiautoritäre Erziehung praktizieren. Ich bin mir sehr sicher, wer den S. Neill zum Vorbild nehmen will, muss selbst alles kapiert haben, was da steht.

    Wer aber überhaupt einem System folgen will UND kann, der kann viele Erziehungssysteme zum Erfolg führen. Einer der Fehler bei der Erziehung ist, dass innerhalb von 5-6 Jahren mehrere Systeme durchprobiert werden;o).

    Meine Theorie ist, lieber ein System, selbst wenn es "falsch" ist, durch zuführen, als ständig einem Guru hinterher zu rennen;o).

    MfG,
    Rainer
  8. #17

    Schwarz-weiß aber wo sind die Graustufen?

    Meine Tochter war 4 Jahre in Summerhill und kehrte zurück. Als Mensch mit 17 Jahren gereift und sehr selbstständig - ohne Prüfungen oder Abschluss. Das größere Problem aber habe ich damit und meine "normale" Umgebung, die da ständig 1000 Fragen stellen: was soll aus dem Kind mal werden? Wie soll sie sich mal ernähren? Ohne Abschlüsse kann man doch keinen Beruf lernen?

    Ich selbst sehe da viel mehr an Graustufen: lieber soll sie sich jetzt austoben und finden, als später beim Therapeuten zu sein. Jedoch ein riesiges Mnko hat Summerhill: aus meiner Sicht nur für Eltern, die das Geld dazu haben. Wer kann schon monatlich weit über 800 € Schulgeld zahlen, wenn das Kindergeld hier 154 € ist. Und damit werden jede Menge Kinder ausgeschlossen, wo die Eltern nicht das Geld aufbringen können.
  9. #18

    Informationsgesellschaft??

    Zitat von Umberto Beitrag anzeigen
    Hallo Rainer,
    wen meinst Du da mit Quatschkopf? Den Herrn Alexander Sutherland Neill und sein Buch "theorie und praxis der antiautoritären Erziehung"?
    Mein Exemplar ist rund 37 Jahre alt und hoch interessant, und zwar für beide Seiten. Für diejenigen, die das Modell "Summerhill" befürworten, quasi als Bedienungsanleitung. Und für diejenigen, die nichts davon halten, als Warnung wie man's nicht machen sollte.
    Dieser "Mist" ist auf jeden Fall gut zu gebrauchen. ;-)
    Hallo Umberto,
    das war schon vor gut 40 jahren so, dass diejenigen am heftigsten über Summerhill und die antiautoritäre Erziehung stritten und diese verurteilten und verunglimpften, die schlich KEINE Ahnung von dem Konzept hatten und sich auch strikt weigerten, sich darüber zu informieren.

    Gruß
    Perleberger
  10. #19

    Zitat von helge60 Beitrag anzeigen
    Respekt. Dann verfügen Sie über soviel Persönlichkeit, dass Ihnen durch diese Schule nicht die gesamte Lebensfähigkeit genommen wurde.

    Was mich interessieren würde:

    1) Wie kommen Sie denn damit zurecht, wenn Ihnen mal jemand sagt, was Sie jetzt zu tun haben.

    2) Viele Waldorfschüler verpflichten sich nach der Schule bei der Armee. Daraus spricht m.E. der tiefe Wunsch nach Regeln und einem festen Rahmen. Empfinden Sie diesen nicht auch?
    Wie kommen Sie denn darauf, dass viele Waldorfschüler sich bei der Armee verpflichten? Dazu hätte ich gerne mal eine Quelle. Die Waldorfschulen sind keine antiautoritären Schulen, sondern fördern Kinder nach ihren Fähigkeiten, was die Regelschulen überhaupt nicht tun. Diese Schule mit Summerhill zu vergleichen, ist mehr als absurd. Übrigens gibt es in den Manageretagen so einige ehemalige Waldorfschüler. Die festen Regeln beim Bund sind doch nichts anderes als purer Drill. Kinder die keine Regeln kennengelernt haben, lernen sie auch nicht beim Bund. Im übrigen hatte Summerhill sehr wohl feste Regeln.
    Beispiele aus dem Buch: eine Mutter erschien mit Ihrer Tochter und meinte, das Kind sei antiautoritär erzogen und müsse deswegen unbedingt nach Summerhill. Nur, dass das Kind auf den Klaviertasten mit den Füssen herumtrampelte, hatte Neil überhaupt nicht gern.


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