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Toleranz - immer der richtige Weg?

Toleranz gilt als echte soziale Tugend, Basis von fruchtbarem Miteinander von Menschen, Staaten und Kulturen. Aber Toleranz hat für jeden auch Grenzen. Wo liegen sie? Gibt es "gute" und "schlechte" Toleranz, zum Beispiel in der Erziehung? Was ist Ihre Einstellung zur allseits geforderten Toleranz?
  1. #6040

    Zitat von KLMO Beitrag anzeigen
    Damit kann man einverstanden sein. Aber dann ist der Mensch für mich ebenso ohne Belang!
    Das folgere ich so nicht. Ich kann doch einerseits um die Sinnlosigkeit alles Seienden wissen und mein Leben dennoch nicht sinnlos finden. Das ist für mich überhaupt kein Widerspruch. Viele Menschen meinen, ohne Religion seien sie nur belanglose Bioreaktoren, diese Menschen brauchen Religion, Mystik, eine höhere Instanz, um ihr Leben sinnvoll zu finden. Ich brauche solche Krücken nicht. Ich kann auch so wissen, daß das Leben wertvoll ist.
  2. #6041

    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    Das folgere ich so nicht. Ich kann doch einerseits um die Sinnlosigkeit alles Seienden wissen und mein Leben dennoch nicht sinnlos finden. Das ist für mich überhaupt kein Widerspruch. Viele Menschen meinen, ohne Religion seien sie nur belanglose Bioreaktoren, diese Menschen brauchen Religion, Mystik, eine höhere Instanz, um ihr Leben sinnvoll zu finden. Ich brauche solche Krücken nicht. Ich kann auch so wissen, daß das Leben wertvoll ist.
    Es ist Lebenskunst, das leben als sinnlos bezeichnen zu können und trotzdem zu lachen und sich seiner zu erfreuen mit der selbstaufelegten Selbstbestimmung und Sinnsuche mit gleichzeitiger Sinnentfaltung, diese durch Hingabe im Moment zu erzielen- So wird das leben wertvoll, wie sinnvoll, auch wenn ich weiß, daß es letzten Endes ein Hauch gewesen sein wird ...vergänglich und dem Tode geweiht. Diesbezüglich gebe ich Dir recht, daß es durch innere Fülle nur lebendig sein kann, doch die will erworben oder erwirkt sein, um einen Wert in jedem tag, jeder Stunde zu sehen, und nicht über die Aussicht, nicht ewig zu sein, zerbrechen zu müssen.
  3. #6042

    worthülseritis

    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    Ich habe es heute nachmittag schon im Café gepostet, aber es paßt noch besser in den Toleranzstrang. Hier ein paar Zeilen von Norbert Bolz:

    "Dagegen mobilisieren die neuen Jakobiner Zauberwörter wie »Multikulturalismus«, »Respekt« und neuerdings »Diversität«. Diese Begriffe leben davon, dass sie undurchdacht bleiben. Denn nur wenn es eine Leitkultur gibt, kann man multikulturell eingestellt sein. Man kann nicht tolerant sein, wenn man keine eigenen Werte zu verteidigen hat. Man kann nicht offen sein, wenn man nicht selbstbewusst ist. Ich stehe zu meinen Überzeugungen – im vollen Bewusstsein der Alternativen. Und ich muss nicht respektieren, was ich toleriere. Toleranz ist nämlich das Klima der Koexistenz von Andersgläubigen. Friedliche Koexistenz gibt es nur durch Verzicht auf Konsens."
    dagegen mobilisieren die alten jakobiner zauberwörter wie "leitkultur", "werte" und neuerdings "offenheit". diese begriffe leben davon, dass sie undurchdacht bleiben. denn nur wenn mir endlich einmal jemand erklärt, was diese lustige leitkultur eigentlich sein und was sie wie leisten soll, kommen wir hier ein iota weiter. welche werte, und warum verteidigen, wogegen und gegen wen, mit welchen mitteln und warum? man kann nicht offen sein, wenn man nicht selbstbewusst ist. ich stehe zu meinen überzeugungen - im vollen bewusstsein der alternativen. und ich muss auch respektieren, was ich toleriere, ansonsten toleriere ich nicht. toleranz ist nämlich das klima der koexistenz von unterschiedlichen, wie auch immer definierten kulturen. friedliche koexistenz gibt es nur durch einen konsens über menschen- und grundrechte.
  4. #6043

    Zitat von AndersSehend Beitrag anzeigen
    dagegen mobilisieren die alten jakobiner zauberwörter wie "leitkultur", "werte" und neuerdings "offenheit". diese begriffe leben davon, dass sie undurchdacht bleiben. denn nur wenn mir endlich einmal jemand erklärt, was diese lustige leitkultur eigentlich sein und was sie wie leisten soll, kommen wir hier ein iota weiter.
    Ich weiß, wie sehr man sich über das Wort "Leitkultur" lustiggemacht hat. Mir gefällt es auch nicht. Wer ein besseres Wort hat, möge es vorschlagen. Ich will mich also nicht an diesem Wort festbeißen, sondern eher die Idee beleuchten.

    In Deutschland haben wir, wie ich finde, das Problem, daß wir unsere Lebensart, unsere Vorstellung von Freiheit, viel zu gering schätzen. Nicht selten steigert sich das zur Selbstverachtung: so ist es vielen Deutschen schon unangenehm, sich überhaupt einmal der Tatsache bewußt zu werden, daß sie Deutsche sind. Solche Leute behaupten dann gern, so etwas wie Kultur hätte "der deutsche Michel" gar nicht. Man gesteht sich vielleicht zähneknirschend ein, deutsch zu sein, aber ein typischer Deutscher, nein, das niemals. Ich doch nicht. Da frage ich mich, was wir ernsthaft einer so totalitären und gefestigten Ideologie wie dem Islam, der unsere Vorstellung von Freiheit keineswegs teilt, entgegenzusetzen haben, wenn wir von vornherein freiwillig am Katzentisch platznehmen. Da müssen wir uns nicht wundern, wenn Einwanderer merken, daß sie hier ohne Probleme auch als Kolonisten auftreten können. Der politisch korrekte Deutsche kuscht, weil er alle Verbrechen, die an den Juden begangen wurden, nun bei den Moslems wiedergutmachen will. Und er merkt gar nicht, wie er damit die Feinde der Freiheit gewähren läßt. Möglicherweise sind wir einfach zu faul und zu satt geworden, aber ich will mich daran einfach nicht gewöhnen.

    Und weil es leider notwendig ist, das immer wieder zu betonen: Nein, ich sehe mich nicht als Konservativen, aber als Freund der Demokratie und der Freiheit, die ich bedroht sehe, wenn wir weiterhin so naiv agieren.
  5. #6044

    Zitat von AndersSehend Beitrag anzeigen
    friedliche koexistenz gibt es nur durch einen konsens über menschen- und grundrechte.
    Dieser Konsens ist aber leider nur ein Wunschtraum.
  6. #6045

    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    In Deutschland haben wir, wie ich finde, das Problem, daß wir unsere Lebensart, unsere Vorstellung von Freiheit, viel zu gering schätzen.
    ich habe das problem, dass ich mir beim besten willen keine vorstellung von unserer lebensart machen kann, diese unsere lebensart existiert für mich schlicht und einfach nicht. außerdem wüsste ich auch nicht, wie sie definiert werden könnte und ob sich eine definition überhaupt lohnt.
    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    Nicht selten steigert sich das zur Selbstverachtung: so ist es vielen Deutschen schon unangenehm, sich überhaupt einmal der Tatsache bewußt zu werden, daß sie Deutsche sind. [...], so etwas wie Kultur hätte "der deutsche Michel" gar nicht. Man gesteht sich vielleicht zähneknirschend ein, deutsch zu sein, aber ein typischer Deutscher, nein, das niemals. Ich doch nicht.
    wir sind hier 82 millionen menschen in diesem ding, das wir als deutschland bezeichnen. auch hier wieder: was ist denn ein typischer deutscher? wodurch zeichnet er sich aus, was macht ihn aus, und warum? außer der sprache und diversen mit dieser in zusammenhang stehenden kulturellen errungenschaften - wenn diese auch auf den heutigen nationalstaat deutschland territorial keineswegs beschränkt sind - sehe ich absolut keine gemeinsamkeiten, die eine typisch deutsche kultur oder einen typisch deutschen konstituieren könnten. meistens fühle ich mich einem billy wilder z.b. näher als einem wolfgang schäuble, wenn du weißt, was ich meine. :-)
    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    Da frage ich mich, was wir ernsthaft einer so totalitären und gefestigten Ideologie wie dem Islam, der unsere Vorstellung von Freiheit keineswegs teilt, entgegenzusetzen haben, wenn wir von vornherein freiwillig am Katzentisch platznehmen. Da müssen wir uns nicht wundern, wenn Einwanderer merken, daß sie hier ohne Probleme auch als Kolonisten auftreten können.
    genausowenig wie die deutschen existiert der islam als homogene einheit, die kategorien stimmen für mich nicht, sie sind viel zu grobgranular und orientieren sich an den falschen kriterien in ihrer konstituierung. wegen der begriffskanone 'kolonialisierung' habe ich mich bereits mit eberschmidt im erst-zweit-muttersprachen-thread gefetzt, halte mich daher eher kurz dazu hier; sorry, aber was für ein propagandamumpitz.
    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    Der politisch korrekte Deutsche kuscht, weil er alle Verbrechen, die an den Juden begangen wurden, nun bei den Moslems wiedergutmachen will. Und er merkt gar nicht, wie er damit die Feinde der Freiheit gewähren läßt.
    das erbe der nazizeit ist sicherlich nicht ganz unproblematisch, aber ich glaube nicht, dass der zusammenhang in dem kontext existiert, von dem du hier sprichst.
    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    Und weil es leider notwendig ist, das immer wieder zu betonen: Nein, ich sehe mich nicht als Konservativen, aber als Freund der Demokratie und der Freiheit, die ich bedroht sehe, wenn wir weiterhin so naiv agieren.
    mir sind diese ganzen kategorien wie konservativ, links, rechts usw. sowas von egal, egaler könnten sie mir gar nicht sein. du wirst lachen, aber auch ich bin ein freund der demokratie und der freiheit, von ersterem könnten wir allerdings im hinblick auf zweiteres eine kräftige dosis 'direkt' gebrauchen, um die begrifflichkeit weiter in ihrem wesen aufrechterhalten zu können. die bedrohung durch eine bewusst aufgebaute bedrohungskulisse halte ich für viel gefährlicher als es der islam je sein könnte.
  7. #6046

    Beiseite

    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    In Deutschland haben wir, wie ich finde, das Problem, daß wir unsere Lebensart, unsere Vorstellung von Freiheit, viel zu gering schätzen...
    Neulich in einem Artikel über Brüssel (Europ. Parlament, Kommissionen etc. pp.) sinngemäß: die Deutschen fallen in Brüssel dadurch auf, daß sie die Interessen ihres Landes besonders leidenschaftlich außer acht lassen.
  8. #6047

    Deutsche Leidkultur

    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    Ich weiß, wie sehr man sich über das Wort "Leitkultur" lustiggemacht hat. Mir gefällt es auch nicht. Wer ein besseres Wort hat, möge es vorschlagen. Ich will mich also nicht an diesem Wort festbeißen, sondern eher die Idee beleuchten.
    [...]
    Das Traurige daran ist nur, dass es eine Leitkultur im Sinne des Leben und Lebenlassens in Deutschland tatsächlich nie gegeben hat. Man kann in der Geschichte ansetzen wo man will, stets gab es einen blutigen Kampf um das, was Deutschland (nicht) sein sollte. Von der Reformation über den 30jährigen Krieg bis hin zur Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus, der wesentliche Bestandteil der Leitkultur bestand darin, seinen Glaubensgegner zu erschlagen, aber niemals zu tolerieren.
    Insofern ist das Eis der Toleranz auf dem See der Deutschen Traditionen von recht dünner Art und nicht etwa aus dem Wesen der Kultur geschöpft, sondern aus der Zwangsvorgabe der Siegermächte des 2.Weltkriegs.
    Wenn es jemals eine Deutsche Leitkultur gegeben hat, dann die, seinen Nachbarn bei passender Gelegenheit den Schädel einzuschlagen. Militarismus und Gesinnungsbündelei. Und das verbindende christliche Element bestand im gemeinsamen Hass auf Juden. Die Nationalsozialisten haben den Antisemitismus nicht erfunden, sondern ihn als Schlüssel zur Macht genutzt.

    Wenn es aber um eine Leitkultur der Freiheit, Gleichberechtigung, Brüderlichkeit und Toleranz gehen sollte, so wäre die zunächst zu etablieren, bevor man ihren Verlust betrauern könnte. Doch dazu müsste man sich zuerst auf Neues und Fremdes einlassen. Da man das weder will noch kann, bleibt nur die Flucht in die Larmoyanz der Sonntagsreden (bisweilen auch aschermittwochs), wo in nostalgischen Gesten eine untergegangene Kultur schön geredet wird, die es so nie gegeben hat.
  9. #6048

    Toleranz - immer der richtige Weg?

    Zitat von Ty Coon Beitrag anzeigen
    Ich habe es heute nachmittag schon im Café gepostet, aber es paßt noch besser in den Toleranzstrang. Hier ein paar Zeilen von Norbert Bolz:

    "Dagegen mobilisieren die neuen Jakobiner Zauberwörter wie »Multikulturalismus«, »Respekt« und neuerdings »Diversität«. Diese Begriffe leben davon, dass sie undurchdacht bleiben. Denn nur wenn es eine Leitkultur gibt, kann man multikulturell eingestellt sein. Man kann nicht tolerant sein, wenn man keine eigenen Werte zu verteidigen hat. Man kann nicht offen sein, wenn man nicht selbstbewusst ist. Ich stehe zu meinen Überzeugungen – im vollen Bewusstsein der Alternativen. Und ich muss nicht respektieren, was ich toleriere. Toleranz ist nämlich das Klima der Koexistenz von Andersgläubigen. Friedliche Koexistenz gibt es nur durch Verzicht auf Konsens."
    Sehr schön ausgeführt! Aber das alles haben wir leider kaum noch in Deutschland - im Grunde genommen hätten unsere Politiker Herrn Erdogan bei seinen Ausführungen wenigstens Pari bieten müssen.








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