Lyrik

Was hier noch fehlt, ist ein Forum wo man sich vom drögen und harten Alltag des Internet - Surfens erholen kann um sich den Harfenklängen der Poesie hinzugeben. Alles ist erlaubt : sowohl selbstverfaßte Zeilen, wie auch die berühmter Poeten, ob politisch oder unpolitisch, ob satirisch oder ernst, ob Goethe, Schiller, Rilke, Wedler oder Morath: Nur keine Hemmungen!
  1. #16130

    Alles eitel

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was hier noch fehlt, ist ein Forum wo man sich vom drögen und harten Alltag des Internet - Surfens erholen kann um sich den Harfenklängen der Poesie hinzugeben. Alles ist erlaubt : sowohl selbstverfaßte Zeilen, wie auch die berühmter Poeten, ob politisch oder unpolitisch, ob satirisch oder ernst, ob Goethe, Schiller, Rilke, Wedler oder Morath: Nur keine Hemmungen!


    Es ist alles eitel

    Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
    Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein,
    Wo jetzt die Städte stehn, wird eine Wiese sein,
    Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

    Was jetzt und prächtig blüht, soll bald zertreten werden,
    Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch' und Bein
    Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
    Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

    Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
    Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
    Ach, was ist alles dies, was wir für köstlich achten,
    Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,
    Als eine Wiesenblum', die man nicht wiederfind't!
    Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.

    Andreas Gryphius
    (Spätfassung 1663)
  2. #16131

    Heinrich Heine

    In der Fremde

    Es treibt dich fort von Ort zu Ort,
    Du weißt nicht mal warum;
    Im Winde klingt ein sanftes Wort,
    Schaust dich verwundert um.

    Die Liebe, die dahinten blieb,
    Sie ruft dich sanft zurück:
    O komm zurück, ich hab dich lieb,
    Du bist mein einzges Glück!

    Doch weiter, weiter, sonder Rast,
    Du darfst nicht stillestehn;
    Was du so sehr geliebet hast,
    Sollst du nicht wiedersehn.
  3. #16132

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was hier noch fehlt, ist ein Forum wo man sich vom drögen und harten Alltag des Internet - Surfens erholen kann um sich den Harfenklängen der Poesie hinzugeben. Alles ist erlaubt : sowohl selbstverfaßte Zeilen, wie auch die berühmter Poeten, ob politisch oder unpolitisch, ob satirisch oder ernst, ob Goethe, Schiller, Rilke, Wedler oder Morath: Nur keine Hemmungen!


    Alexandra – Mein Freund der Baum

    Ich wollt dich längst schon wieder sehn mein alter Freund aus Kindertagen
    ich hatte manches dir zu sagen und wusste du wirst mich verstehn
    als kleines Mädchen kam ich schon zu dir mit all den Kindersorgen
    ich fühlte mich bei dir geborgen und aller Kummer flog davon
    hab ich in deinem Arm geweint strichst du mit deinen grünen Blättern
    mir übers Haar mein alter Freund

    Mein Freund der Baum ist tot er fiel im frühen Morgenrot

    Du fielst heut früh ich kam zu spät du wirst dich nie im Wind mehr wiegen
    du musst gefällt am Wege liegen und mancher der vorüber geht
    der achtet nicht den Rest von Leben und reißt an deinen grünen Zweigen
    die sterbend sich zur Erde neigen wer wird mir nun die Ruhe geben
    die ich in deinem Schatten fand mein bester Freund ist mir verloren
    der mit der Kindheit mich verband

    Mein Freund der Baum ist tot er fiel im frühen Morgenrot

    Bald wächst ein Haus aus Glas und Stein dort wo man ihn hat abgeschlagen
    bald werden graue Mauern ragen dort wo er liegt im Sonnenschein
    vielleicht wird es ein Wunder geben ich werde heimlich darauf warten
    vielleicht blüht vor dem Haus ein Garten und er erwacht zu neuem Leben
    doch ist er dann noch schwach und klein und wenn auch viele Jahren gehen
    er wird nie mehr derselbe sein

    Mein Freund der Baum ist tot er fiel im frühen Morgenrot
  4. #16133

    Heinrich Heine (1797-1856)

    Zitat von KurtT. Beitrag anzeigen
    In der Fremde

    Es treibt dich fort von Ort zu Ort,
    Du weißt nicht mal warum;
    Im Winde klingt ein sanftes Wort,
    Schaust dich.....
    ..oft zitiert, und immer noch aktuell:

    Du bist wie eine Blume
    so hold und schön und rein;
    ...
    betend, daß Gott dich erhalte
    so rein und schön und hold.
    ...und: Seegespenst

    ....
    Und mit ausbreiteten Armen
    stürz' ich hinab an dein Herz-
    ....

    (Wie ich es weiß, hat Heine im Jahr 1825 des Spätsommer in einen Nordseeinsel verbracht: wenn meinem Erinnerung-nach Schulunterricht- mich nicht täuscht; es war der Insel: Norderney. Hoffentlich hat damals Heine nicht sich -ohne zu schwimmen zu können im Wellen gestürzt. Sorry von alle Heine Liebhaber/in!!!)
  5. #16134

    In der Fremde

    Ich hör die Bächlein rauschen
    Im Walde her und hin,
    Im Walde in dem Rauschen
    Ich weiß nicht, wo ich bin.

    Die Nachtigallen schlagen
    Hier in der Einsamkeit,
    Als wollten sie was sagen
    Von der alten, schönen Zeit.

    Die Mondesschimmer fliegen,
    Als säh ich unter mir
    Das Schloß im Tale liegen,
    Und ist doch so weit von hier!

    Als müßte in dem Garten,
    Voll Rosen weiß und rot,
    Meine Liebste auf mich warten,
    Und ist doch lange tot.

    (Joseph von Eichendorff)
  6. #16135

    Vom Menschsein

    Zitat von marion2012 Beitrag anzeigen
    Es ist alles eitel
    ...

    Andreas Gryphius
    (Spätfassung 1663)


    Selbst Salomon in all seiner Pracht
    hat den Sinn seines Reichtums durchdacht
    und sagte deutlich, woran wir sind :
    Alles sei nur Haschen nach Wind.

    Wenn das so ist, was tun wir dann hier
    im ird’schen Kampf- und Lügenrevier?
    Was gründet unser Sein auf Erden?
    Einfach gute Menschen werden.

    Ist das getan,
    geht’s himmelan,
    aus Saus und Braus
    zurück nach Haus.
  7. #16136

    Zitat von HeinrichMatten Beitrag anzeigen
    (...)

    Ist das getan,
    geht’s himmelan,
    aus Saus und Braus
    zurück nach Haus.

    kürbisreisen

    ein kürbis einst auf reisen ging
    die welt schien ihm so bunt
    doch als er dann zum rand gerollt
    er wusst': sie ist nicht rund ...

    der kürbis rollte darum heim
    und fand ins hier zurück
    so ist nun mal die illusion
    vom "fernen großen glück" ...

    von mir ...
  8. #16137

    Lyrik und "klein Krieg beim Reim"...

    ..obwohl ich kann nicht dichten, aber lesen(!), und ich bin frohe dass KurtT in den "Bude" Leben bringt: ich möchte sehr gern hier zitieren;
    (Ulysses ist an der Spitze einer grichischen Gesandschaft nach Troja gekommen, um Helena zurückzufordern.)

    Hektor: Ihr wollt den Krieg?

    Ulysses: Ich will ihn nicht. Seiner eigenen Absichten aber bin ich nicht so sicher.

    Hektor: Unsere Völker haben uns beide hierher beschieden, ihn abzuwenden.
    Unsere Begegnung allein ist schon der Beweis, daß nicht alles verloren ist.

    (Jean Giraudoux: 1882-1944 : aus dem Schauspiel:Kein Krieg in Troja:1935)

    PS: warum sind wir so "kleinlich"? Der sysop hat erlaubt in diese Thread selbstgefasste Gedichte (und Prosa?) zu posten: also:dieses zu lesen, oder Auge zu: und durch: aber dann, warum freue ich(allein????) so sehr, dass KurtT da ist, und in die "Bude" seit Tagen "Leben" bringt?
    Es ist schon eine merkwürdige Einstellung: Jeder will hier nur perfekte literalischen Werke zu lesen zu bekommen: obwohl
    wer ist hier "perfekt"? Außer natürlich.........
    aber dieser Herrschaften und Damen ohne uns Laien(und von unseren, immer mit dem Hände zu klatschen zu hören) können nur sich selbst unterhalten. Es ist wie die ......Und im selbe Kreis sich zu drehen. Und dann: entweder unter dem Dusche zu "singen" oder sich "bewundern" zu lassen...von die eigene "Artgenossen"...natürlich nur sich untereinander, von die wirklich talentierte Gedicht-Schreibern...und sie sagen: wer sich hingehören darf...aber was nützt beim eine Theatervorstellung: wenn beim Vorhang auf: k e i n e Zuschauer kuck zu?

    Also:eine wiederholte Bewunderung von mir: an : liebe HeinrichMatten: ich werde mich wie eine Butter verschmälzen: ich möchte so gern von Ihnen der Wort hören-wieder: GF!!!...und...
    Bitte :Cirkus und Brot und ich werde meine Mund halten.
    Versprochen.
  9. #16138

    Limerick-Poem

    Erkenntnisse vor'm Spiegel

    Das eitel "Schön", wohl jede/r weiß,
    und hätt' man auch 'nen fetten Steiß:
    Denn ist's dann leider weg,
    verliert es jeglich' "Zweck":
    Das ist des Lebens Preis ...

    von mir ...
  10. #16139

    "Sängerkriege" ...

    Zitat von oglokea Beitrag anzeigen
    ..obwohl ich kann nicht dichten, aber lesen(!), und ich bin frohe dass KurtT in den "Bude" Leben bringt: ich möchte ...
    Es gab ja mal sowas wie "Sängerkriege auf der Wartburg" > Sängerkrieg auf der Wartburg < in deren Nähe ich geboren bin. Man gab dort auch "armen Poeten" die Möglichkeit, ihre - mehr oder weniger - "kreativen Werke" vorzutragen: Der "Lohn" dafür war meist "die Hand einer holden Jungfer" ...*

    * Womit ich aber nicht andeuten möchte, dass ich auf eine solche "hoffe"!

    Schönen Abend noch ...