Forum: Treffpunkt
Lyrik
Was hier noch fehlt, ist ein Forum wo man sich vom drögen und harten Alltag des Internet - Surfens erholen kann um sich den Harfenklängen der Poesie hinzugeben. Alles ist erlaubt : sowohl selbstverfaßte Zeilen, wie auch die berühmter Poeten, ob politisch oder unpolitisch, ob satirisch oder ernst, ob Goethe, Schiller, Rilke, Wedler oder Morath: Nur keine Hemmungen!
- #16130 16.07.2012 14:51 von
Alles eitel
Es ist alles eitel
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein,
Wo jetzt die Städte stehn, wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.
Was jetzt und prächtig blüht, soll bald zertreten werden,
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch' und Bein
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir für köstlich achten,
Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,
Als eine Wiesenblum', die man nicht wiederfind't!
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.
Andreas Gryphius
(Spätfassung 1663) - #16131 16.07.2012 15:12 von
Heinrich Heine
In der Fremde
Es treibt dich fort von Ort zu Ort,
Du weißt nicht mal warum;
Im Winde klingt ein sanftes Wort,
Schaust dich verwundert um.
Die Liebe, die dahinten blieb,
Sie ruft dich sanft zurück:
O komm zurück, ich hab dich lieb,
Du bist mein einzges Glück!
Doch weiter, weiter, sonder Rast,
Du darfst nicht stillestehn;
Was du so sehr geliebet hast,
Sollst du nicht wiedersehn. - #16132 16.07.2012 15:14 von
Alexandra – Mein Freund der Baum
Ich wollt dich längst schon wieder sehn mein alter Freund aus Kindertagen
ich hatte manches dir zu sagen und wusste du wirst mich verstehn
als kleines Mädchen kam ich schon zu dir mit all den Kindersorgen
ich fühlte mich bei dir geborgen und aller Kummer flog davon
hab ich in deinem Arm geweint strichst du mit deinen grünen Blättern
mir übers Haar mein alter Freund
Mein Freund der Baum ist tot er fiel im frühen Morgenrot
Du fielst heut früh ich kam zu spät du wirst dich nie im Wind mehr wiegen
du musst gefällt am Wege liegen und mancher der vorüber geht
der achtet nicht den Rest von Leben und reißt an deinen grünen Zweigen
die sterbend sich zur Erde neigen wer wird mir nun die Ruhe geben
die ich in deinem Schatten fand mein bester Freund ist mir verloren
der mit der Kindheit mich verband
Mein Freund der Baum ist tot er fiel im frühen Morgenrot
Bald wächst ein Haus aus Glas und Stein dort wo man ihn hat abgeschlagen
bald werden graue Mauern ragen dort wo er liegt im Sonnenschein
vielleicht wird es ein Wunder geben ich werde heimlich darauf warten
vielleicht blüht vor dem Haus ein Garten und er erwacht zu neuem Leben
doch ist er dann noch schwach und klein und wenn auch viele Jahren gehen
er wird nie mehr derselbe sein
Mein Freund der Baum ist tot er fiel im frühen Morgenrot - #16133 16.07.2012 15:47 von oglokea
Heinrich Heine (1797-1856)
..oft zitiert, und immer noch aktuell:
Du bist wie eine Blume
so hold und schön und rein;
...
betend, daß Gott dich erhalte
so rein und schön und hold.
...und: Seegespenst
....
Und mit ausbreiteten Armen
stürz' ich hinab an dein Herz-
....
(Wie ich es weiß, hat Heine im Jahr 1825 des Spätsommer in einen Nordseeinsel verbracht: wenn meinem Erinnerung-nach Schulunterricht- mich nicht täuscht; es war der Insel: Norderney. Hoffentlich hat damals Heine nicht sich -ohne zu schwimmen zu können im Wellen gestürzt. Sorry von alle Heine Liebhaber/in!!!) - #16134 16.07.2012 15:55 von
In der Fremde
Ich hör die Bächlein rauschen
Im Walde her und hin,
Im Walde in dem Rauschen
Ich weiß nicht, wo ich bin.
Die Nachtigallen schlagen
Hier in der Einsamkeit,
Als wollten sie was sagen
Von der alten, schönen Zeit.
Die Mondesschimmer fliegen,
Als säh ich unter mir
Das Schloß im Tale liegen,
Und ist doch so weit von hier!
Als müßte in dem Garten,
Voll Rosen weiß und rot,
Meine Liebste auf mich warten,
Und ist doch lange tot.
(Joseph von Eichendorff) - #16135 16.07.2012 16:02 von
Vom Menschsein
Selbst Salomon in all seiner Pracht
hat den Sinn seines Reichtums durchdacht
und sagte deutlich, woran wir sind :
Alles sei nur Haschen nach Wind.
Wenn das so ist, was tun wir dann hier
im ird’schen Kampf- und Lügenrevier?
Was gründet unser Sein auf Erden?
Einfach gute Menschen werden.
Ist das getan,
geht’s himmelan,
aus Saus und Braus
zurück nach Haus. - #16136 16.07.2012 16:29 von
- #16137 16.07.2012 17:07 von oglokea
Lyrik und "klein Krieg beim Reim"...
..obwohl ich kann nicht dichten, aber lesen(!), und ich bin frohe dass KurtT in den "Bude" Leben bringt: ich möchte sehr gern hier zitieren;
(Ulysses ist an der Spitze einer grichischen Gesandschaft nach Troja gekommen, um Helena zurückzufordern.)
Hektor: Ihr wollt den Krieg?
Ulysses: Ich will ihn nicht. Seiner eigenen Absichten aber bin ich nicht so sicher.
Hektor: Unsere Völker haben uns beide hierher beschieden, ihn abzuwenden.
Unsere Begegnung allein ist schon der Beweis, daß nicht alles verloren ist.
(Jean Giraudoux: 1882-1944 : aus dem Schauspiel:Kein Krieg in Troja:1935)
PS: warum sind wir so "kleinlich"? Der sysop hat erlaubt in diese Thread selbstgefasste Gedichte (und Prosa?) zu posten: also:dieses zu lesen, oder Auge zu: und durch: aber dann, warum freue ich(allein????) so sehr, dass KurtT da ist, und in die "Bude" seit Tagen "Leben" bringt?
Es ist schon eine merkwürdige Einstellung: Jeder will hier nur perfekte literalischen Werke zu lesen zu bekommen: obwohl
wer ist hier "perfekt"? Außer natürlich.........
aber dieser Herrschaften und Damen ohne uns Laien(und von unseren, immer mit dem Hände zu klatschen zu hören) können nur sich selbst unterhalten. Es ist wie die ......Und im selbe Kreis sich zu drehen. Und dann: entweder unter dem Dusche zu "singen" oder sich "bewundern" zu lassen...von die eigene "Artgenossen"...natürlich nur sich untereinander, von die wirklich talentierte Gedicht-Schreibern...und sie sagen: wer sich hingehören darf...aber was nützt beim eine Theatervorstellung: wenn beim Vorhang auf: k e i n e Zuschauer kuck zu?
Also:eine wiederholte Bewunderung von mir: an : liebe HeinrichMatten: ich werde mich wie eine Butter verschmälzen: ich möchte so gern von Ihnen der Wort hören-wieder: GF!!!...und...
Bitte :Cirkus und Brot und ich werde meine Mund halten.
Versprochen. - #16138 16.07.2012 18:42 von
Limerick-Poem
Erkenntnisse vor'm Spiegel
Das eitel "Schön", wohl jede/r weiß,
und hätt' man auch 'nen fetten Steiß:
Denn ist's dann leider weg,
verliert es jeglich' "Zweck":
Das ist des Lebens Preis ...
von mir ... - #16139 16.07.2012 19:22 von
"Sängerkriege" ...
Es gab ja mal sowas wie "Sängerkriege auf der Wartburg" > Sängerkrieg auf der Wartburg < in deren Nähe ich geboren bin. Man gab dort auch "armen Poeten" die Möglichkeit, ihre - mehr oder weniger - "kreativen Werke" vorzutragen: Der "Lohn" dafür war meist "die Hand einer holden Jungfer" ...*
* Womit ich aber nicht andeuten möchte, dass ich auf eine solche "hoffe"!
Schönen Abend noch ...
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