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Lyrik

Was hier noch fehlt, ist ein Forum wo man sich vom drögen und harten Alltag des Internet - Surfens erholen kann um sich den Harfenklängen der Poesie hinzugeben. Alles ist erlaubt : sowohl selbstverfaßte Zeilen, wie auch die berühmter Poeten, ob politisch oder unpolitisch, ob satirisch oder ernst, ob Goethe, Schiller, Rilke, Wedler oder Morath: Nur keine Hemmungen!
  1. #15650

    Faustformel

    Es sind nicht zwei Seelen in unserer Brust,
    es sind zwei konzentrisch rotierende Kreise.
    Der eine ist Liebe, der andere Lust,
    wir müssen entscheiden: Reich oder weise.

    HM 3.6.12
  2. #15651

    Mahnung

    Macht euch die Erde
    untertan,
    verändert sie
    wie es euch gefällt.
    Nur sollte man alles
    sorgfältig erkunden,
    sonst ist man plötzlich
    und fast versehentlich,
    ebenfalls verschwunden.
  3. #15652

    Ein Bild

    Im Morgenwinde sah ich Blumen wanken
    Und sah, wie sie den Tau der goldnen Frühe,
    Dass jede voller dufte, tiefer glühe,
    Mit heißem Mund begierig in sich tranken.
    Gesättigt sah ich bald die meisten schwanken,
    Als glaubten sie, dass keine nun verblühe,
    Die Rosen tranken fort mit süßer Mühe,
    Bis ihre Kelche fast zur Erde sanken.
    Die andern wiegten sich in Lustgefühlen.
    Sie wollten eben Spott erheben,
    Da schoss die Sonne ihre Flammenpfeile.
    Die Rosen löschten sie im Tau, dem kühlen,
    Doch jenen drangen sie in Mark und Leben,
    Man sah sie hingewelkt nach kurzer Weile.

    (Friedrich Hebbel)
  4. #15653

    Verhalten auf der Kirmes I

    Zufallsfund, Einblicke in die deutsche Seele - der Autor heißt Marc Crede:

    Verhalten auf der Kirmes:

    Ein Bier bestellen geht gar nicht. Damit
    sagt man, daß man ne knickerige Sau ist,
    keine Freunde hat oder Antialkoholiker ist,
    quasi das Allerletzte.

    2. Also immer mindestens zehn Stück, einen
    Meter oder ein ganzes Tablett. Nie vorher
    abzählen, wie viel Leute um einen herumstehen
    und dann genau die Anzahl bestellen. Am
    besten irgendeine Zahl über die Theke grölen
    und ab dafür.

    3. Ganz falsch: Die Umstehenden fragen, ob
    sie überhaupt noch ein Bier haben wollen.
    Wichtige Regel: gefragt wird nicht. Saufen
    ist schließlich kein Spaß.

    4. Wenn der Stoff da ist, nicht blöd
    rumgucken und überlegen, wem man denn eins in
    die Hand drücken soll. Am besten die Gläser
    wild in der Umgebung verteilen, denn nur so
    zeigt man seine Großzügigkeit. Nur der
    kleinkarierte Pisser stellt sich da an.

    5. Wer zahlt wann welche Runde? In der Regel
    kommt jeder der Reihe nach dran. Ganz miese
    Wichser saufen die ersten neun Runden an der
    Theke mit und wenn sie an der Reihe wären,
    müssen sie plötzlich pissen. Der erste
    Besteller bestimmt meist die Dauer des
    Projekts: Wenn er zwölf Bier bestellt, müssen
    alle solange warten, bis zwölf Runden durch
    sind. Wichtig ist, daß der Strom nie
    abreißt. Also wenn alle noch die Hälfte im
    Glas haben, sofort die nächste Runde ordern
    und das neue Glas in die Hand drücken. Was
    voll peinlich ist: Mit zwei Gläsern in der
    Hand an der Theke stehen, deshalb ist Tempo
    angesagt beim reinschütten, ist schließlich
    kein Kindergeburtstag.

    6. Richtig fiese Schweine bestellen
    zwischendurch noch ne Runde Korn oder die
    absolute Hölle "Jägermeister". Hier
    wird es ernst. Sollte sich so was andeuten,
    kann man bloß noch die Flucht ergreifen.
    Merke: Biersaufen kann man überleben auf dem
    Dorffest mit etwas Planung und Glück, aber
    nach Jägermeister weigert sich sogar der
    Notarzt, diese Schweinerei wiederzubeleben.

    7. Konsequent durchgezogen, bist Du
    normalerweise auf dem Zelt um halb Neun
    stramm wie die Kesselflicker. Geht natürlich
    nicht, weil Du kannst ja noch nicht Hause,
    wegen Verdacht auf Weichei. Was also dann?
    Pausen machen! Dafür sind in der Regel zwei
    Sachen vorgesehen: Bratwurstfressen und
    Tanzen.

    Erstens: Bratwurstfressen
    Vorteil: an der Bude gibst kein Jägermeister,
    da bist Du also ne zeitlang sicher vor der
    Alkoholvergiftung durch andere. Nu sind die
    Bratwurststände auf Dorffesten immer so
    Konzipiert, daß die Nachfrage immer größer
    ist als das Angebot. In der Bude arbeiten
    auch meistens Fachkräfte, denen man beim
    Grillen die Schuhe besohlen kann. Einzige
    Qualifikation: sie können mit einem
    Sauerstoffanteil in der Luft von unter 1%
    überleben, deswegen wirken sie auch so
    scheintot. Nu sagt der Laie: watn Scheiß, das
    könnte man doch viel besser organisieren:
    zackzack kämen die Riemen übern Tresen.
    Falsch: die mickrigen Bratwurstbuden mit den
    Untoten am Grill stehen da nicht aus
    Versehen, sondern absichtlich. Hier kann man
    Asyl beantragen von der Sauferei und je
    länger man auf den verkohlten Prengel warten
    muß, desto größer die Überlebenschance.
  5. #15654

    Verhalten auf der Kirmes II

    Zweitens: Tanzen
    Im Vergleich zu Bratwurstfressen natürlich
    die schlechtere Wahl, weil anstrengend und
    mit Frauen. Aber irgendwann geht halt kein
    Riemen mehr rein in den Pansen und Du mußt
    in den sauren Apfel beißen. Also zack, einen
    Rochen von den Bänken gerissen und irgendwie
    bescheuerte Bewegungen machen. Wenn Du Glück
    hast, spielt die Kapelle mehr als zwei Stücke
    und Du kannst Dir ein paar Bier aus den
    Rippen schwitzen. Hast Du Pech, kommt sofort
    nach dem ersten Stück der Thekenmarsch und Du
    stehst wieder da, von wo Du gerade geflohen
    bist.

    Drittens: Sektbar
    Eine richtig gruselige Bude, quasi die
    Abferkelbox im Festzelt. Hier iss es so voll
    und eng, hier bleibst Du auch noch stehen,
    wenn's eigentlich nicht mehr geht. Es soll
    schon Kriegsverletzte gegeben haben, denen
    hat man in der Sektbar beide Beinprothesen
    geklaut und sie haben's nicht gemerkt. Doch
    der Preis, den Du für die Stehhilfe zahlst
    ist hoch: Du mußt Sekt saufen aus so
    mickrigen Blumenvasen, die man von der
    Spermaprobe beim Urologen kennt. Ziemlich
    eklig alles. Wenn's keine Sektbar gibt, gibst
    meist ne Cocktailbar: Cocktail heißt im Zelt
    aber nicht Caipirinha oder Margerita sondern
    Fanta/Korn oder Korn mit Fanta. Also
    vorsichtig. Hier kann's ganz schnell zu Ende
    gehen. Eine Alternative für den ganzen
    schnellen Weg ins Nirvana ist noch der
    Zaubertrank: Korea. Vom
    Preis-Leistungs-Verhältnis her immer noch ne
    reelle Sache: So besäuft sich der kritische
    Verbraucher und hat es ruckzuck geschafft.
    Doch bevor Du nach Hause darfst, kommt noch
    ein ganz wichtiger Punkt, nämlich...

    Viertens: Kotzen
    Klingt scheiße, Du wirst aber dankbar sein,
    wenn Dein Körper, Dir dieses Geschenk
    bereitet. Du hast Platz für neue Bratwürste
    und vielleicht sogar Glück, daß Du die
    letzten zwanzig Bier noch erwischt, bevor sie
    Dein Gehirn erreicht haben. Der Profi
    jedenfalls kotzt oft und gern. So jetzt wären
    wir auch schon bald beim Nachhause gehen.
    Haha. Wenn Du aber den Zeitpunkt verpaßt
    hast, und Du kommst vom Pissen oder
    Bratwurstkotzen wieder ins Zelt und es sind
    bloß noch zwanzig Mann übrig. Ätsch:
    Arschkarte gezogen. Denn jetzt heißt es:

    Fünftens: Die Letzten
    Ab jetzt geht es um so spannende Sachen wie
    Faßaussaufen - es ist immer mehr drin, als Du
    denkst, oder Absacker trinken, wenn's ein
    Jägermeister ist, kannst Du Dir gleich den
    Umweg über den Notarzt sparen und den
    Bestatter anrufen. Vorteil dieser Phase des Dorffestes:
    Du mußt nicht mehr extra nach draußen
    latschen für Pissen und Kotzen: geht jetzt
    alles vor Ort.

    Sechstens: Nach Hause
    Fällt aus. Mach Dir keine Illusionen: alleine
    schaffst Du es nicht mehr, Taxis gibst nicht
    auf dem Land, und wenn, würden sie Dich nicht
    mitnehmen. Deine Frau kommt nicht, um Dich zu
    holen, die ist froh, daß dieses Wrack nicht
    in deiner Wohnung liegt und der Gestank in
    die Möbel zieht. Was bleibt ist...

    Siebtens: Der Morgen danach
    Die ersten Sonnenstrahlen brechen durch die
    Ritzen in der Zeltfestplane. Du wirst wach
    von einem Zungenkuß, wie Du ihn noch nie in
    Deinem Leben gekriegt hast. Leidenschaftlich
    küßt Du zurück. Dann machst Du Deine
    verklebten Augen auf und blickst in das
    fröhliche Gesicht des zottigen Köters von dem
    Zeltfritzen. Und mit einem eigenen Beitrag
    zum Thema Würfelhusten fängt der Tag wieder
    an. Dein Kopf fühlt sich an wie nach einem
    Steckschuß. Jetzt hilft nur noch: Stützbier
    bis die Maschine wieder halbwegs normal läuft...
  6. #15655

    .

    Fast.. so ....

    Der Haar ist fast braun(?),
    nur "ein wenig"(?) graut.
    Der Auge sieht gut,
    was er will, nur.
    Der Charakter ist stark,
    darum nur "Mittelmaß".
    Der Geist ist ZU wach,
    für Logik zu schwach.
    Glücklich, zufrieden,
    will immer Frieden.
    Du muss schon Krieg
    machen, über den Frieden
    zu wachen, mein Freund,
    du ewige Freud.
    Lügst dich selbst an,
    bleibst allein.
  7. #15656

    Roulette

    Wir unterhielten uns
    ernsthaft
    spielten
    Russisches Roulette
    Die vorstellbare Konsequenz
    war mal wieder schlimmer
    als der Augenblick
    in dem deine Patrone
    platzte
    Vielleicht hätte eine Kugel
    in meinem Kopf
    einen bleibenden Eindruck
    hinterlassen
  8. #15657

    Farbenlehre

    Schwarzes Loch
    Rotes Schild
    Gold'ner Wein
  9. #15658

    nur so

    Zitat von oglokea Beitrag anzeigen
    Fast.. so ....

    Der Haar ist fast braun(?),
    nur "ein wenig"(?) graut.
    Der Auge sieht gut,
    was er will, nur.
    Der Charakter ist stark,
    darum nur "Mittelmaß".
    Der Geist ist ZU wach,
    für Logik zu schwach.
    Glücklich, zufrieden,
    will immer Frieden.
    Du muss schon Krieg
    machen, über den Frieden
    zu wachen, mein Freund,
    du ewige Freud.
    Lügst dich selbst an,
    bleibst allein.


    Liebste Oglokea, danke für Deine Rückmeldung. Immerhin hast Du meinen längeren Text auch gelesen und persönlich finde ich den auch gar nicht mal schlecht.
    Bei Deinem Gedicht sind die grammatischen Fehler nicht so wichtig, Hauptsache es wird weitgehend verstanden. Die letzten zwei Zeilen sind ja ziemlich klar und richtig. "Wer sich selbst belügt, der ist eigentlich arm dran und vor allem allein".
  10. #15659

    Wahre Lügen

    Zitat von oglokea Beitrag anzeigen
    Fast.. so ....

    Der Haar ist fast braun(?),
    nur "ein wenig"(?) graut.
    Der Auge sieht gut,
    was er will, nur.
    Der Charakter ist stark,
    darum nur "Mittelmaß".
    Der Geist ist ZU wach,
    für Logik zu schwach.
    Glücklich, zufrieden,
    will immer Frieden.
    Du muss schon Krieg
    machen, über den Frieden
    zu wachen, mein Freund,
    du ewige Freud.
    Lügst dich selbst an,
    bleibst allein.
    Hm, ein Text der Verschiedenes anspricht. Da holt sich jeder "sein" Häppchen heraus. Mir liegt das...

    Du muss schon Krieg
    machen, über den Frieden
    zu wachen, mein Freund,
    du ewige Freud.


    ...näher, da Frieden sich nicht fixieren lässt, sondern sich stets neu erweisen muss.

    Der Selbstlüge stehe ich etwas gelassener gegenüber. Ich halte sie für eine unverzichtbare Überlebensstrategie der Psyche. Und wer sich erfolgreich selbst belügt, befindet sich in bester Gesellschaft, nicht nur in der Politik. Die Wahrheit macht uns einsam, die Lüge verbindet uns.








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