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Was hat dieser Papst der Welt gebracht?

Die Nachricht vom Tod des Papstes löste weltweit Trauer und große Anteilnahme aus. Johannes Paul II. bewegte Vieles, scheute keine Kontroversen, gilt als einer der bedeutendsten Päpste der Geschichte. Er arbeitete mit den Medien und war doch konservativer Traditionalist. Was bedeutete Ihnen Johannes Paul II.? Welche Ereignisse seines Pontifikats bleiben Ihnen im Gedächtnis?
  1. #10

    Requiem für (nicht nur) eine Leiche! (nicht nur) eine Leiche

    Bitte sehr, man will ja nicht mäkeln. Bei uns zu Hause war das ein strenges Gebot: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. (Nur hatten wir damals noch keinen Fernseher, so daß die Medienkost beschränkt war.) Aber irgendwann reicht es einem schon, wenn man eine ganze Woche lang immer nur das Gleiche vorgesetzt bekommt. Von Freitag letzter Woche an bis zum heutigen Freitag, morgens, mittags, abends, nachts -- ständig gab's und gibt's das Gleiche: immer nur toten Papst. Gewissermaßen das Ewig-Gleiche. Da streikt auch beim abgestumpftesten Konsumenten irgendwann die Magensonde.

    Auf den kanarischen Inseln, so las ich, wurde aus Gründen der Pietät ein heimisches Kartoffel-Gericht von der Speisekarte genommen: "Papas arrugadas" heißt es, was man im Spanischen auch als "verhutzelte Päpste" mißverstehen könnte. Geschmacklos, finden Sie? Sag ich doch! Nun ja, über Geschmack soll man bekanntlich nicht streiten. Schon gar nicht, wenn es um einen verblichenen Heiligen Vater geht.

    Acht lange Tag mußten wir den öffentlich-rechtlichen Fundamentalismus ertragen: Fanatischer Papismus in Reinkultur. Da krochen die Intendanten bäuchlings zur Wallfahrt nach Rom. Obwohl es nicht sehr viel mehr zu berichten gab als daß das Oberhaupt der katholischen Kirche gestorben war und daß der Leichnam, in Balsam eingelegt, rund um die Uhr zur Besichtigung freigegeben war und daß er nun schließlich doch beerdigt wird. Was gäb's da noch, was von News-Wert wäre? Ach ja, George Bush kam auch zur Beisetzung. Seine Sicherheits-Fuzzis forderten zwar von der italienischen Regierung, ganz Rom zu evakuieren, wie es vor kurzem auch in Mainz geschehen ist, aber blöderweise waren schon zwei Millionen Polen im Anmarsch und noch mal zwei Millionen von anderwärts, um zu erleben, wie sich ein hirntoter Präsident an der Bahre eines ganz toten Papstes macht.

    De mortuis nihil sine bene! "Nischt außa tote Jebeene", so übersetzten wir Schüler das einst ins Berlinische. Nun habe ich schon zu den Halbwegs-Lebzeiten des Herrn Woytila so manchen üblen Nachruf verfaßt. War er doch ein Machthaber, der nicht ein Jota im Psalm seines Dogmas verrücken ließ. Nichts ums Verrecken! Und das im Wortsinne, will sagen: Egal, wieviel Menschen an diesem Dogma verreckten. So zählte er es zu seinen Heiligsten Vater-Pflichten, die drohende weltumspannende Condomisierung der katholischen Christenheit abzuwehren. Der apostolische Pillen-Paule aus dem Peters-Condom hatte es ex cathedra verkündet: Wenn Urbi et Orbi es miteinander treiben, dann gibt es auch in Zukunft kein Verhüterli. Darf man da nicht auch postum mal ganz leise und schüchtern anfragen, wieviel AIDS-Opfer in aller Welt, und besonders in Afrika, wohl auf das Leichen-Konto seiner Heiligkeit gehen?

    Entsprechend menschenfeindlich war auch die Haltung des Vatikan auf der letzten Weltbevölkerungs-Konferenz der UNO. Die "Frankfurter Rundschau" schrieb damals: Die Konferenz sei beherrscht vom "Horror des Heiligen Stuhls". Profaner formuliert: Der Heilige Stuhl hatte Schiß, gewissermaßen Heiligen Stuhlgang - denn es kann der Frömmste nicht in Frieden zeugen, wenn es der bösen UNO nicht gefällt. (Wobei dieses "Frömmste" natürlich keine Steigerungsform von "Fromm's" sein soll.)

    Das war sein päpstlicher Segen: Urbi et uteri! Der römisch-orthodoxe Ayatollah und seine Furienkardinäle hatten in ihrer Heidenangst sogar die Angst vor den Heiden überwunden: Gemeinsam mit den islamischen Ober-Mullahs bildete man auf der UNO-Konferenz eine fundamentalistische Einheitsfront. Alles Mullah - oder was? Hie das geistliche Oberhaupt, dort der weibliche Unterleib: Die Internationale der Patriarchen war sich in diesem Herrschaftsanspruch schon immer einig. Ihr Bauch gehört IHM!

    So hat es der Papst gepredigt: Die Frau liegt zugrunde - und der Herr kommt über sie. Das seien die "ethischen Gundlagen der Sexualität", die der polnische Au-Woy-tila anmahnte in einem Schreiben an die UNO-Konferenz. Die "Kultur der verantwortlichen Fortpflanzung" müsse gepflegt werden. Fort-Pflanzung im agrikulturellen Sinne: Die Frau wird beackert, der Samen gesät, die Frucht geerntet.

    Eine Fruchtbarkeit, die in der Dritten Welt zur Furchtbarkeit wird: Ihr Kinder, verkommet! Der Missionar wird schon für ein christliches Begräbnis sorgen - vorausgesetzt, daß das Kind noch rechtzeitig getauft werden konnte. Dafür hat man schließlich Priester, um für einen würdigen Abgang aus dieser Welt zu sorgen. Das gebietet allein schon der Respekt vor dem dahingegangenen Leben.

    Das ist das Tröstliche: Die Würde des Lebens bleibt auf diese Weise gewahrt. Man hat Respekt zu haben vor dem werdenden Leben und vor dem dahingegangenen Leben... Falls dazwischen auch noch ein Leben stattfinden sollte, ist das schon in der Größenordnung - also im Verhältnis zum ewigen Leben - eine zu vernachlässigende Nebensächlichkeit.

    Es sei denn: Dazwischen hat ein päpstliches Leben stattgefunden. Dann ist auch das Ableben ein mediales Dauer-Ereignis. Für seine Opfer allerdings wird keine achttägige Leichenschau veranstaltet. Für die gab und gibt es kein großes Gewese um ihr Gewesen-Sein. Da hieß und heißt es sang- und klanglos: Ab ins Massengrab der vergessenen Millionen! Außer Verwesen nichts gewesen.

    Und aus dem Jenseits ertönt der päpstliche Nachruf: So sei es! Amen!
  2. #11

    Perfektionierte Oberflächlichkeit

    Ich frage mich, wie groß der Anteil wirkllicher Pilger bei dem ganzen Affentheater war, das die Medien - auch der SPIEGEL - so ungeheuerlich gepuscht haben. Ein Mensch ist gestorben. Punkt. Für mich Atheist eine Alltäglichkeit, die zum Kreislauf des Lebens gehört. Aber was man sonst so sah neben einigen, die wohl auch vorher schon dieser Religion und Kirche zugetan waren, erinnerte mehr an die ebenso gepuschte Pseudo-Ergriffenheit bei Lady Di oder Mosi - Tod und Trauer als Medienereignis.

    Zugleich stellt sich mir die Frage danach, was solche Menschen, um die so ein Zirkus veranstaltet wird, besonderes geleistet haben sollen, was nicht jeder andere
    in einer vergleichbaren Position auch hätte leisten können. Meist ist es schlicht die per Medieninteresse oder Vermögen / Macht erweiterte Spanne der Potenz, solche Dinge tun zu können. Insofern ist diese "Invasion der Pilger" für mich nichts anderes als vergleichbare Medienereignisse um prominente Tote der letzten Zeit: eine armselige Leichenschau der perfekt inszenierten
    Oberflächlichkeit unseres Medienzeitalters.

    MfG

    Daniel
  3. #12

    Nachdem JP II nun ausgiebig als Heilsbringer gewürdigt wurde, der uns den Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa beschert hat, nun die Frage:

    Was machen eigentlich Bärbel Bohley und all die anderen vergessenen Bürgerrechtler, die nach der Wende keine Karriere in den Parteien und Organisationen machen konnten oder wollten?

    Sind die froh oder traurig darüber, dass sie offenbar nicht so dolle Public-Relations-Manager wie der verstorbene Papst haben?
  4. #13

    Zitat von Henner Dehn
    Herr Merl,

    "[Die] Verherrlichung des verstorbenen Papstes und die der katholischen Kirche kann man nicht mehr ernst nehmen. Da wundert es nicht, wenn immer wieder religiöser Fanatismus jedweder Art diskutiert wird."
    Ich bewundere Karol Wojtyla aber, wenn auch nicht in erster Linie wegen seines Pontifikats, sondern mehr wegen der Zeit davor.

    Als Folie dient mir das Verhalten der Kirchenfürsten in Deutschland während der zwei Diktaturen.

    Nur ZWEI ev. Bischöfe der DDR waren KEINE Zuarbeiter der Stasi.

    Von den Kirchenfürsten in Deutschland unter den Nazis ist ebenfalls nur in Ausnahmefällen (wie zB bei Bischof von Galen/ Münster) Rühmliches zu berichten.

    Ich enthalte mich allzu weitreichenden Tadels bei diesen Mitläufern. Der Druck auf den Einzelnen zum Konformismus in Diktaturen ist enorm. Ich erinnere mich an die irrationale Angst, die mich an der DDR-Grenze zu befallen pflegte. In Diktaturen kann man sich nichts ausrechnen. Gesetze werden nach der politischen Opportunität angewendet oder auch nicht.

    Aber in Polen waren sie trotzdem aufmüpfig. So sehr, dass sie auch den Bürgerrechtlern der DDR zur Inspiration dienten. Schon um 1965 organisierte der Magdeburger Katholik Günther Särchen sog Polenseminare, in denen er Kontakte zwischen DDR-Oppositionellen und regimekritischen Polen aufbaute.

    Wie war dieser Mut in Polen möglich? Offenbar stellte ja die Arbeiterbewegung der Solidarnosc um 1980 nur die Spitze eines Eisbergs dar, die Stimmung war seit Langem entsprechend vorbereitet.

    Zweifellos hätte sich diese ganze Zivilcourage nicht entwickeln können, wenn die polnischen Kirchenführer so konformistisch wie die in der DDR gewesen wären.

    Einer der mutigsten war der Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla, der diejenigen, die für ihre Menschenrechte kämpften, in seiner Zeit dort zwischen 1962 bis 1978 (seiner Papstwahl) immer unterstützte. Sein Motto war, dass auch Lawinen ihren Weg ändern müssen, wenn ihnen auf ihrer Bahn von dem Geröll zuviel Widerstand entgegengesetzt wird, und er nutzte alle Freiräume, die er als Kirchenführer hatte, systematisch aus.

    Dieser Mensch hat sich also nicht nur dem Druck zum Konformismus in der Diktatur ENTZOGEN, sondern hatte außerdem noch den Mumm und die Initiative, kleine Löcher in dies System zu schießen. Als er dann Papst wurde, konnte er zB mit der Entwicklung der Solidarnosc um 1980 davon die Früchte ernten.

    Er hat unter einer Diktatur VIEL VIEL mehr für Menschenrechte getan als seine Pendants in Deutschland unter den Diktaturen jemals auf die Beine gebracht haben.

    Dafür bewundere ich Karol Wojtyla. Und das hat mit meinem Katholischsein gar nichts zu tun, denn ich glaube, dass ihn alle Deutschen im Vergleich immerhin dafür bewundern dürften, egal welcher Konfession sie sind. Ohne die polnische Aufmüpfigkeit wäre auch die Demokratiebewegung in der DDR zusammengefallen. Ein evangelischer Freund von mir, Wehrdienstverweigerer und Nicht-Wähler in der DDR hatte in seinem Dienstzimmer bei der Inneren Mission in Zwickau 1987 ein Porträt des Papstes hängen. Auch ER unterhielt lebhafte Kontakte zu regimekritischen polnischen Freunden.

    (Zum Vergleich: Noch 1980 erläuterte der damalige Konsistorialrat Manfred Stolpe in einer konspirativen Wohnung einem MfS-Offizier seinen Eindruck "dass die leitenden Persönlichkeiten der Kirchen der Meinung seien [deren Zustandekommen er durch Bearbeiten der entsprechenden Kirchenstellen nachdrücklich herbeigeführt hatte], dass 'man sich diese polnische Jacke nicht anziehen werde'". Die verzweifelte Selbst-Verbrennung von Pfarrer Oskar Brüsewitz 1976 erfogte vor allem, weil er von seiner korrupten Kirchenspitze unter Druck gesezt worden war. Aus Deutschland selber konnte die Inspiration für die Menschenrechtler in der DDR niemals kommen.)

    Natürlich freue ich mich auch darüber, zufällig derselben Konfession zu sein wie es Karol Wojtyla war.
  5. #14

    @ Julia B.

    Sie beschimpfen Intellektuelle als tölenähnliche Mondanbeter und legen hier beredtes Zeugnis von einem durch und durch rückwärts gerichteten Denken ab. Sie sollten Ihre geistigen Grundlagen wahrhaftig revidieren.
  6. #15

    Ich hatte heute morgen im "alten" Forum die Frage gestellt:

    Was würde in unserer freiheitlichen Demokratie passieren, wenn Gott noch einen Sohn, Jesus II in die Welt schickte. Würde dieser Versuch eher in Berlin, oder in Bayern gelingen?

    Würde Otto (IM)/ Beckstein, die Rolle Pontius Pilatus übernehmen.

    Da es ja keine Todesstrafe gibt, würde dieser Mensch, der ja auch ein Schwarzer sein könnte, überhaupt die Möglichkeit haben Asyl zu erhalten, mit solchen "mauen Ausreden" wie: "ich bin der Sohn Gottes".

    MfG. Rainer Helmbrecht
  7. #16

    Lieber DJ Doena,

    [i]Jetzt wo es PM/PN (Private Message/ Private Nachrichten) gibt, können Sie ja bitte Ihren Streit, wer wo zu wem und warum Pastor sagt, darüber klären, das bringt die Diskussion nicht wirklich weiter.(/i]

    Dann werden Sie ja herrn Merl schon eine private Nachricht zugesandt haben, der diesen albernen Eiertanz in Szene gesetzt hat.

    Habe mich auch gewundert, was er da ins Forum gestellt hat. Da sind wir auf einer Linie.

    Mit freundlichen Grüßen

    Hans H.
  8. #17

    Zitat von Dr Margret Popp
    Ich bewundere Karol Wojtyla aber, wenn auch nicht in erster Linie wegen seines Pontifikats, sondern mehr wegen der Zeit davor.

    Als Folie dient mir das Verhalten der Kirchenfürsten in Deutschland während der zwei Diktaturen.

    Nur ZWEI ev. Bischöfe der DDR waren KEINE Zuarbeiter der Stasi.

    (Zum Vergleich: Noch 1980 erläuterte der damalige Konsistorialrat Manfred Stolpe in einer konspirativen Wohnung einem MfS-Offizier seinen Eindruck "dass die leitenden Persönlichkeiten der Kirchen der Meinung seien [deren Zustandekommen er durch Bearbeiten der entsprechenden Kirchenstellen nachdrücklich herbeigeführt hatte], dass 'man sich diese ponische Jacke nicht anziehen werde'".
    Ihr Beitrag, wie immer "erste Sahne".

    Aber Sie haben vergessen zu erwähnen, daß der arme Stolpe nun in der Gurkentruppe dienen muß und dauerhaft den letzten Platz verteidigt. Seine Opfer sind wie üblich die gemeinen Bürger, denn seinen Speckgürtel durchdringt nichts mehr (in dieser Welt).

    MfG. Rainer Helmbrecht
  9. #18

    Ein GROSSER Mann ist von uns gegangen? War Adolf Hitler auch ein GROSSER Mann?

    Für mich bedeutet der Papst: NICHTS.
    Leider mischt sich die Kirche gerne in die Belange der Nichtchristen ein. Siehe Link weiter unten.
    Daher bedeutet mir die Kirche etwas, und zwar dass ich unfreiwillig mit meinen Steuergeldern staatlich verordneten Glauben unterstütze......
    Wer etwas davon hat und in welchem Interesse das geschieht, darüber soll jeder selbst nachdenken.

    Artikel JW zum Konkordat Brandenburg-Vatikan: http://www.jungewelt.de/2003/10-18/005.php
  10. #19

    Herr Dehn,

    ich nehme an, Ihr Beitrag soll eine Retourkutsche gegen mich sein. Ich gönne Ihnen das Vergnügen.

    >Verherrlichung des verstorbenen Papstes und der katholischen Kirche

    habe ich nicht gemacht.

    MFG

    Merl








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