Wie schlägt sich die Deutschland bei der Handball-EM?

Bei der Europameisterschaft trifft die deutsche Handball-Nationalmannschaft in der Vorrunde auf Schweden, Tschechien und Mazedonien. Ziel ist das Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele. Dafür muss die DHB-Auswahl mindestens die Hauptrunde erreichen. Was ist für Deutschland beim Turnier in Serbien möglich?
  1. #1

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was ist für Deutschland beim Turnier in Serbien möglich?
    Bis jetzt läuft es so wie befürchtet. Selbst die dem Papier nach leichteste Gruppe scheint die NM nicht vor dem völligen Absturz zu bewahren. Die eigentlichen Leistungsträger, beinahe schon gewohnt, in der NM außer Form, der Nachwuchs ohne internationale Erfahrung (und teilweise, auch deshalb, schlicht nicht konkurrenzfähig), und obendrein ein Trainer, der nicht gerade eine glückliche Figur macht. Natürlich kann das Spiel gegen Mazedonien schon wieder ganz anders laufen, allein es fehlt der Glaube.
    Damit die NM aus ihrem Tief mittelfristig herauskommt, müsste die Liga schon über ein gentlemen's agreement nachdenken hinsichtlich des Einsatzes ausländischer Spieler/Pflichteinsatzes deutscher Nachwuchsspieler (formal ist das ja nicht möglich).
  2. #2

    Weltmeister 2007

    Nach meiner Meinung hat sich der WM Titel 2007 als Bumerang erwiesen. Man hat diese Mannschaft zu sehr hochgejubelt und darüber hinaus vergessen, sie weiter zu entwickeln. Seitdem gibt es eine Stagnation auf mässigem Niveau. Ich bin nicht dicht genug dran, um beurteilen zu können, wer daran Schuld ist. Ich habe das Gefühl, dass die Stammspieler dem Nachwuchs keine Chance geben, aufzuschließen.
    Vielleicht war auch Heiner Brand zu wenig risikofreudig und hat geglaubt, mit einer einmal erfolgreichen Mannschaft in die Erfolgsspur zurückkehren zu können.
    Ein wirkliches Konzept kann ich bei dem neuen Bundestrainer allerdings auch nicht erkennen. Bei erkennbaren Schwächen, gestern z.B. Kreismitte, wird nicht oder zu spät reagiert. Torwartwechsel Mitte der ersten Halbzeit hätte er zumindest einmal probieren können. Im Rückraum haben wir einfach nicht die wirklichen Alternativen.

    Zum ZDF und der Übertragung: Es gab Licht und Schatten. Der Vorbericht unter Einbeziehung der beiden Spieler Dominik Klein und Filip Jicha war eine gute Idee. Das hat mir Spaß gemacht.
    Dass der Reporter dann nach frühem 3-4 Tore Rückstand die Deutsche Mannschaft gnadenlos heruntergemacht hat, war einfach nur traurig. Unerfahrene Zuschauer werden durch solche Kommentare vergrault.
    Dass das Spiel hätte noch gedreht werden können, konnte man in der zweiten Halbzeit sehen.
  3. #3

    Jetzt ist schon wieder eine EM? War nicht erst vor 2 Jahren eine?
  4. #4

    Ja und das ist der große Unsinn. Dass diese EM, bzw. die EM überhupt, kein Mensch braucht.
    Wie in keinem anderen Mannschaftsport gibt es im Handball ein Overkill an großen Turnieren und die Spieler sind öfter ermüdet und unmotiviert.
    5 große Turniere in 4 Jahren, das ist doch wahnsinnig..jedes ungerade Jahr ist die WM, jedes gerade Jahr die EM, plus jede vier Jahren das Olympia-Turnier...(kommt in dem Jahr im Sommer).
    Man muss sich vorstellen...
    Also Deutschland war Weltmeister 2007, also erst 5 Jahren her. Und dazwischen gab es noch 2 WMs (2009 und 2011) zwei EMs (2008 und 2010), sowie das Olympiaturnier 2008...
    Wer hat was und wo gewonnen, da verlieren den Überblick auch die Handball-Fans...
  5. #5

    ++

    Zitat von ChristianW. Beitrag anzeigen
    Jetzt ist schon wieder eine EM? War nicht erst vor 2 Jahren eine?
    Das war wohl so. Mir scheint auch, dass immer öfter diese events durchgeführt werden: pecuniae causa! Allerdings wird diese Formation keine große Rolle bei der EM spielen. Das scheint mir ausgeschlossen.
  6. #6

    Zitat von uli_san Beitrag anzeigen
    Ein wirkliches Konzept kann ich bei dem neuen Bundestrainer allerdings auch nicht erkennen. Bei erkennbaren Schwächen, gestern z.B. Kreismitte, wird nicht oder zu spät reagiert. Torwartwechsel Mitte der ersten Halbzeit hätte er zumindest einmal probieren können. Im Rückraum haben wir einfach nicht die wirklichen Alternativen.....
    Yep, Heinevetter hätte raus gemusst. Ich kenne es auch (auch aus eigener aktiver Zeit) nur so, dass ein Keeper, der keine Hand an den Ball bekommt, selber raus geht, um der Mannschaft zu helfen. Nicht so der Egomane Heinevetter. Ich bin mir sicher, dass Bitter nach solchen bitteren 10-15 Minuten gegangen wäre.

    Zitat von uli_san Beitrag anzeigen
    .....Dass der Reporter dann nach frühem 3-4 Tore Rückstand die Deutsche Mannschaft gnadenlos heruntergemacht hat, war einfach nur traurig. Unerfahrene Zuschauer werden durch solche Kommentare vergrault.
    Dass das Spiel hätte noch gedreht werden können, konnte man in der zweiten Halbzeit sehen.
    Die erste Hz war so grauenhaft, da war nix schönzureden. Insofern empfand ich die Kommentierung als ok. Ohne Aufbau (Glandorf und Henz = Totalausfälle und Kaufmann als Option ist der spielerische Offenbarungseid) kannst Du kein Spiel gewinnen.

    In Deutschland zeigt sich im Handball ein strukturelles Problem. Kaum koordinierte Jugendarbeit und in der besten Liga der Welt (BuLi): Auf den Schlüsselpositionen Ausländer. Die deutsche Nationalmannschaft hat derzeit in der Weltelite nix zu suchen.
  7. #7

    Radikale Änderungen nötig

    Zitat von uli_san Beitrag anzeigen
    Nach meiner Meinung hat sich der WM Titel 2007 als Bumerang erwiesen. Man hat diese Mannschaft zu sehr hochgejubelt und darüber hinaus vergessen, sie weiter zu entwickeln. Seitdem gibt es eine Stagnation auf mässigem Niveau. Ich bin nicht dicht genug dran, um beurteilen zu können, wer daran Schuld ist. Ich habe das Gefühl, dass die Stammspieler dem Nachwuchs keine Chance geben, aufzuschließen.
    Vielleicht war auch Heiner Brand zu wenig risikofreudig und hat geglaubt, mit einer einmal erfolgreichen Mannschaft in die Erfolgsspur zurückkehren zu können.
    Da ist m.A.n. einiges dran. Ein klein wenig kann man die Entwicklung mit derjenigen im deutschen Fußball vergleichen. 90 Weltmeister, 96 Europameister. Erfolge ja, aber die Entwicklung verpasst. Entsprechend das Absinken des Niveaus und das Ausbleiben der Erfolge. Erst die MV-Entscheidung, Jugendzentren wie in France zu etablieren und die Revolution Klinsmanns, die alten Strukturen umzukrempeln, ein neues Spielsystem einzuführen und auf junge Spieler zu setzen, die dazu passen, haben die Wende eingeleitet. D ist wieder ernsthafter Titelkandidat und spielt klasse Fußball.
    Nach 2007 hat der DHB es versäumt, eine Zäsur zu machen und alles auf den Prüfstand zu stellen. Nun gibt es aber schon lange eine gute Jugendarbeit, nur in der NM bringt diese keine Rendite. Zu langes Festhalten an Spielern, die ihren Zenit überschritten haben und fehlende Einsätze in den BL-Mannschaften sind sicherlich wichtige Ursachen.

    Zitat von uli_san Beitrag anzeigen
    Ein wirkliches Konzept kann ich bei dem neuen Bundestrainer allerdings auch nicht erkennen. Bei erkennbaren Schwächen, gestern z.B. Kreismitte, wird nicht oder zu spät reagiert. Torwartwechsel Mitte der ersten Halbzeit hätte er zumindest einmal probieren können. Im Rückraum haben wir einfach nicht die wirklichen Alternativen. ...
    In der Tat war es erschreckend, dass Heuberger solch gravierende spieltaktische Fehler gemacht hat. Es mit einer 5:1-Deckung zu Beginn zu versuchen, mag nachzuvollziehen sein. Dass die Tschechen aber nicht nur von einem Spieler abhängig sind und diese Variante als Einladung verstanden haben, hätte er schneller realisieren müssen. Den Gegentoren aus dieser Phase ist man dann das ganze restliche Spiel trotz großer Kraftanstrengung vergeblich hinterhergelaufen.

    Was das Konzept anbelangt, weiß ich eigentlich gar nicht, welche Art von Handball die deutsche NM spielen soll oder will. Ich persönlich mag den Stil der Dänen, wüsste aber im Moment keine BL-Mannschaft, die so spielt. Frankreich bietet eine Truppe von starken Individualisten auf und ist dadurch die letzten Jahre dominant. Nicht so mein Ding, geht auch nicht ewig. Außerdem haben wir solche Klasse-Spieler in D gar nicht. Andere bauen hauptsächlich auf ihre Physis, aber auch da können die Deutschen nicht so mithalten.

    Vielleicht klappt es ja doch noch mit der Olympia-Quali. Wenn nicht, sollte man sich sofort, wenn ja, nach London zusammensetzen und sich grundlegende Gedanken machen. Welche Handball-Philosophie legen wir zugrunde? Welchen Spielstil wollen wir? Wie können wir diesen implementieren? Etc. Radikal auf junge Spieler setzen, auch wenn sie in der BL nicht so sehr zum Einsatz kommen. Wenn die eh nicht spielen, kann ich sie auch öfter zu Lehrgängen zusammenziehen. Grundlegende, revolutionäre Entscheidungen sind gefragt und kein herumbasteln an Symptomen.
  8. #8

    Zitat von Ihr5spieltjetzt4gegen2 Beitrag anzeigen
    Nach 2007 hat der DHB es versäumt, eine Zäsur zu machen und alles auf den Prüfstand zu stellen. Nun gibt es aber schon lange eine gute Jugendarbeit, nur in der NM bringt diese keine Rendite. Zu langes Festhalten an Spielern, die ihren Zenit überschritten haben und fehlende Einsätze in den BL-Mannschaften sind sicherlich wichtige Ursachen.....
    zutreffend analysiert. Das ist, was ich mit strukturellem Problem meine: Wir haben in D. eine gute Jugendarbeit, aber der Sprung in die BuLi als die wohl weltbeste Liga ist zu groß für die Jungs. Die Schlüsselpositionen sind mit ausländischen Spielern besetzt, Jungspieler bekommen keine oder kaum Spielpraxis. Wo soll das hinführen? Wo sind die Spieler, die 2009 und 2011 Juniorenweltmeister wurden? Haaß, Hens, Glandorf, Kaufmann: Alle zwischen 29 und 32 Jahre alt. Damit (noch) in einem guten Handballeralter, doch es wird Zeit, dass eine neue Generation heranrückt. Aber die spielt derzeit keine oder kaum eine Rolle in der BuLi. Wie soll der DHB es schaffen, dass mehr junge Spieler Fuß fassen in der BuLi? Die BuLi läuft klar nach den Marktgesetzen: Der bestmögliche Spieler wird gekauft, das Geld scheint dort ja vorhanden zu sein. Vielleicht ist das ja der Unterschied zur FuBuLi: Beim Fußball sind die als solche erkannten Stars so teuer geworden, dass die Vereine für sich erkannt haben, dass sich eine ruhige Aufbauarbeit lohnt. Im Handball scheint es in Deutschland immer noch lohnender zu sein, die Größen aus dem Ausland zu kaufen. Wahrscheinlich weil das Geldgefälle anders ist, sprich die Handball-BuLi-Vereine haben im Vergleich zu den deutschen Fußball-BuLi-Vereinen mehr Geld im Verhältnis zur ausländischen Konkurrenz. Also können sie sich am Markt bedienen, ohne selber Risiken bei der Ausbildung eingehen zu müssen. Die abstruse Lösung wäre: Nehmt den Vereinen das Geld weg ;-). Ist natürlich Quatsch. Aber irgendein Belohnungs- oder Bestrafungssystem muss der DHB isch einfallen lassen, um die Präsenz Deutscher Nachwuchsspieler zu fördern. Das wird nicht unbedingt im Interesse der HBL (GmBH) sein werden oder? Oder sehe ich das falsch?
  9. #9

    Nächste Klatsche

    Deutliche Niederlagen in den nächsten Gruppenspielen werden folgen. Ehrlich gesagt gibt es keine Mannschaft bei dieser EM die für diese deutsche Mannschaft bezwingbar erscheint.Der deutsche Handball steht dort, wo der englische Fußball steht.Die beste Liga der Welt - aber auch nur weil nicht viele Deutsche mitspielen.Wenn die Liga nicht umdenkt wird sich daran auch nichts ändern.