Die Gruppen sind ausgelost, Deutschland bekommt es mit den hochkarätigen Gegnern Niederlande, Portugal und Dänemark zu tun. Was glauben Sie - wird sich die deutsche Elf für das Viertelfinale qualifizieren? Ist sogar der EM-Titel möglich?
Wie weit nun Deutschland bei der EM kommt, das werden wir sehen.
Eigentlich war man lange nicht mehr so nahe an der absoluten Spitze als in den vergangenen 12 Monaten. Insofern könnte auch einmal wieder ein Titel herausspringen.
Jedenfalls kann man feststellen, dass die Leute schon voll im EM-(Spekulations-) Fieber sind.
Zum ersten Absatz: erster Teil: meine Zustimmung. Ich war ja auch dafür, dass Löw weitermacht, nachdem Klinsmann aufgegeben hat. Er war das „fußball-technische Gehirn“ in Klinsmanns „Ex-Europameister1996-Team“.
Die Entwicklung der NM aber ist nicht ausschließlich Löws Verdienst! Da spielen auch noch andere mit… Deshalb gab es nicht ohne Grund immer wieder Zwist zwischen Löw und Sammer.
Erinnere Dich bitte an die Situation nach der EM 2004, als Völler hingeschmissen hat!
Nach langen Hick-Hack ist Klinsmann – offenbar auf Empfehlung des letzten EM`96-Siegertrainers Vogts – eingestiegen und hat im DFB für einige Umwälzungen gesorgt.
Als Europameister hatte er innerhalb des DFB das „standing“, um grundlegende Änderungen durchzusetzen… Löw hätte das nie geschafft. Von diesen „Änderungen“ aber profitiert er bis heute.
Klinsmann hat damals das Ganze als Projekt 2006 gesehen… und ein Projekt-Team zusammengestellt, ähnlich den Konzepten in der Wirtschaft. Und so arbeitet das „Team“ bis heute, nur dass der eigentliche „Team-Leader“ weg ist… und nun die Teamleitung zwischen dem technischen Leiter (Löw) und dem organisatorischen und Marketing-Leiter (Bierhoff) aufgeteilt ist. (flache Hierarchie, ist ja auch das Credo, das man immer wieder hört.)
Ich habe diesen Ansatz ebenso wenig vergessen wie die Historie. Also denke ich auch jetzt noch in diesen (unternehmerischen) Projektkategorien. Und da zählen halt nicht nur fachliche, sondern auch persönliche Qualitäten der Führungsfiguren.
Wenn ich mich dabei – als akademisch Ausgebildeter in Personal- und Unternehmensführung – hin und wieder in „amateurpsychologischen“ Aussagen verliere, bitte ich untertänigst um Vergebung.
Zu Deinem zweiten Absatz:
Mit diesem Argument nimmst Du mir natürlich allen Wind aus den Segeln…
Das jedenfalls scheinst Du zu glauben, übersiehst dabei aber geflissentlich Dein eigenes Argument, dass das „schon immer so war“…
Warum gab es dann früher nicht auch schon dieses Spielerpotential in Deutschland…?
„Der DFB trägt… auch noch etwas bei.“ – Sag das bitte mal dem Sammer!
Ich meine: Der DFB trägt mit seinem Konzept und den (erklärten) Leistungszentren das Entscheidende bei.
Ich meine: Der DFB trägt mit seinem Konzept und den (erklärten) Leistungszentren das Entscheidende bei. Dieses Konzept nämlich schafft den "personellen Nachschub bzw. die personelle Auswahl" für das Projekt.
Die ersten Früchte dieses Konzepts konnte schon Klinsmann ernten… mit Lahm, Podolski und Schweinsteiger. Klinsmann hat diese drei als 20-Jährige schon ins Team geholt – und dabei die U20, die damals schon hätte Weltmeister werden können, geschwächt. (Ich erinnere mich deshalb noch gut daran, weil ich auch die U-Mannschaften im Blick habe und mich damals darüber geärgert habe.)
Diese Drei sind heute – zusammen mit Mertesacker - das Gerüst der NM. Unter Klinsmann waren es noch Ballack, Frings, Klose und – mit Abstrichen – auch Friedrich und Metzelder sowie Lehmann im Tor.
Löw hat dann nach und nach aussortiert und ergänzt, das letzte Mal (bei Ballack) mehr oder weniger der Not gehorchend. Dabei kamen ihm natürlich die U21-Europameister von 2009 gerade recht.
Ein „Sonderfall“ sind die beiden von Bayern München, Müller und Badstuber. Die haben den Sprung in die NM wohl nur über die CL-Erfolge von BM in 2010 geschafft. Die viel zitierte „internationale Erfahrung“…, von der die Bayern-Spieler bis heute (bei Löw) profitieren.
Die ersten zwei Löw-Jahre (ohne die U21-Europameister) waren noch ziemlich holprig, die Auftritte bei der EM 2008 (noch mit Ballack und Frings als „Leader auf dem Feld“) durchwachsen, das Erreichen des Finales auch teilweise „Glückssache“.
2010 aber hatte Löw quasi „nichts zu verlieren“. – Nach der Verletzung von Ballack als dem „Capitano“ wurde von der NM nur wenig erwartet… Er hatte also Schonzeit – und die Gegner in Südafrika kannten die Mannschaft und ihre Spielweise auch nicht… Deshalb hat der „Überraschungs-Effekt“ bei Gegnern ebenso wie in der deutschen Öffentlichkeit den Erfolg begünstigt.
Del Bosque allerdings hatte das „Löw-System“ noch rechtzeitig durchschaut und entsprechend reagiert.
Heute – in 2012 vor der EM – ist die Situation grundlegend verschieden:
1. kennen die Gegner das Spielsystem der deutschen Nationalmannschaft und
2. ist die Erwartungshaltung im Land ungleich höher als 2010.
Deshalb habe ich schon vor einigen Wochen hier im Forum geschrieben, dass Löw jetzt sein Meisterstück abliefern muss. Ja mehr noch: er ist jetzt zum Erfolg verdammt!
Und, was auch noch wichtig ist – und letztlich auch meine Beiträge hier beeinflusst hat, ist sein Auftreten in den letzten Wochen. Damit nämlich erhöht er – in meinen „amateurpsychologischen“ Augen – sogar den Druck auf sich selbst. Ob das klug ist, lass ich mal dahingestellt…
Mich interessieren – und das kannst Du aus meinen Beiträgen ja auch selbst entnehmen – vor allem technische und taktische Fragen… und da meine ich halt, dass es da durchaus das Eine oder Andere noch zu verbessern gibt.
Aber wir werden ja sehen.
Die Nagelprobe wird kommen, wenn er mit seiner Mannschaft auf ausgesprochene Taktikfüchse trifft. Und dabei denke ich vor allem - außer Spanien - auch an Frankreich und Italien.
Was mich angeht, so werde ich die Spiele vor allem mit Interesse, hoffentlich aber auch mit genügend Spaß und Freude verfolgen (können).
Na, zum einen gönne ich mir z.Zt. noch einige kulinarische Schmankerln, weil ich die nächsten Wochen da doch wieder eher weniger verwöhnt werde. Zum anderen ist es ja so, dass mein Herz auch ein wenig an der Équipe Tricolore hängt. Und das letzte Vorbereitungsspiel (ich weiß, auf diese Spiele darf man nichts geben) war einfach geil, zumindest solange die erste Besetzung auf dem Platz war. Das war klasse Fußball, einfach ansteckend. Und die Stimmung auch. Die Blauen haben auch ihre Verletzungsprobleme und ihre Baustellen und so manch anderes Problem. Aber sie haben ihren Optimismus und ihre Begeisterung wieder. Da färbt sicher etwas auf mich ab, dass ich die Dinge vom Grundtenor etwas entspannter und optimistischer auch hinsichtlich der deutschen Elf sehe.
Was Deine Auflistung anbelangt, so hätte man die 1974 sicher ähnlich machen können. Da waren auch etliche Spieler im Kader, die durch die DFB-Nachwuchsmannschaften gelaufen sind. Die Spieler von Bayern sind durch Cajkovski, Zebec und Lattek geprägt worden, die Gladbacher durch Weisweiler, die anderen kamen auch nicht gerade auf der Brennsuppe dahergeschwommen. War da denn eine regelrechte Schön-Entdeckung dabei? Die Mannschaft hat sich quasi von allein aufgestellt, und als es nicht so recht gepasst hat, hat der Franz es passend gemacht. War der Titel nun nur zum Teil Schöns Erfolg?
Schön hat seinen Kader so zusammengestellt und die Mannschaft so zusammengeführt, wie er es für richtig gehalten hat. Löw hat nichts anderes getan. Schön hat sich für, aber auch gegen bestimmte Spieler entschieden. Genau das hat Löw auch getan. Nicht immer mit klarer Kante und manchmal nit einem stärkeren ie Spieler aufstellt, trägt die aktuelle NM seine Handschrift. Dies macht er m.M.n. in Großen und Ganzen recht gut. In einigen Detailfragen habe ich wie 80 Mio. Andere Bundestrainer auch eine andere Meinung. Aber wir alle sind nicht so nah an den spielern wie der BT, der letzten Endes natürlich die Verantwortung für seine Entscheidungen trägt. Einige Dinge halte ich definitiv für nicht richtig, aber das ist meine Meinung, mehr nicht, und ich trage die Verantwortung eben nicht. Ich mache mir eher Gedanken über die Weiterentwicklung dieser Mannschaft in Richtung 2014 und darüber hinaus, insbesondere was Spielentwicklungen wie Gegenpressing und Umschaltspiel anbelangt. Hier hat C. Biermann neulich auf ein mögliches aktuelles (was ich weniger glaube), aber auf jeden Fall zukünftiges Thema hingewiesen, wo Defizite drohen. Hier bin ich auf Löws Arbeit in diesem Bereich gespannt.
Vergiss bei einem Turnier nicht den Faktor Glück. Drückt sich besonders stark aus in Form des Elmeterschießens. Alle reden von Beckenbauer als der Lichtgestalt, welche die Mannschaft zum WM-Titel geführt habe. Dabei hätte das Elfmeterschießen im Halbfinale 1990 auch anders ausgehen können. Auch die Spanier hatten dieses Glück 2008, als sie gegen Italien im Elfmeterschießen gewannen. Und die wiederum, als sie 2006 gegen Frankreich gewannen. Oder Brasilien 1994 gegen Italien. Kann man für Glück oder Pech den Trainer verantwortlich machen?
Binsenwahrheit: M.M.n. hat ein Trainer (auch ein Auswahltrainer) grundsätzlich immer eine Mit-Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg. Genauso die Mannschaft. Wenn Neuer am Ball vorbeisegelt und so ein Gegentor verschuldet, ist das nun sein Fehler, weil er die falsche Entscheidung getroffen hat, der seiner Mitspieler, die ihn vielleicht erst zu dieser Entscheidung gezwungen haben, oder der des Trainers, weil er ihn aufgestellt hat? Dabei muss man über die Qualität eines Manuel Neuer nicht diskutieren. Ich denke, erst wenn ein Auswahl-Trainer grundsätzliche Fehler in puncto System, Taktik oder Aufstellung macht, steht er in der Hauptverantwortung für eine Niederlage. Und bei diesen grundsätzlichen Dingen bin ich Löw gegenüber trotz aller Mäkeleien meinerseits in Detailfragen positiv eingestellt.
Deutschland – Portugal 4:1.
Nun, so ganz weit hergeholt ist das nicht. Effe hat – was ungewöhnlich ist, da kein regelmäßiger Freistoßschütze – 2001 mit gutem Instinkt Patrick Andersson auserkoren. Er wusste, dass es einen mit "Klebe" braucht.
Er hat im CL-Finale in der regulären Spielzeit auch den Elfer zum Ausgleich verwandelt, im Shoot-Out den zweiten und zwar sicher, wenn ich mich recht erinnere. Zvor hatte Scholl verschossen. Ich denke schon, dass das Nervenstärke ausstrahlt und auf die Mannschaft wirkt. Verglichen mit Robben...
Zum Thema. Löw hat in der gestrigen PK eigentlich nur klargestellt, dass Lahm links spielt. Bei allen anderen Fragen hat er sich ein Hintertürchen offen gelassen und sogar das Abschlusstraining noch als Entscheidungshilfe genannt. Wer's glaubt...
Ich ziehe daraus dennoch einen Rest Hoffnung, dass er die Sache mit Merte noch mal überdenkt. Und auch wenn es angesichts der Tatsache, dass die Abwehr noch nie so zusammen gespielt hat und Bender unerfahren ist, gefährlich ist, wäre eine rechte Abwehrseite Hummels/Bender zumindest beweglicher und (vor allem gegenüber dem womöglich ohnehin verunsicherten Boateng) vielleicht auch einen Tick konzentrierter. Hängt aber davon ab, welche Trainingseindrücke Jogi gewonnen hat.
Mein Tipp: Bender spielt auf rechts, aber Merte bleibt innen neben Badstuber. Ansonsten keine Überraschungen in der Anfangself, d.h. mit Klose, Podolski, Schweinsteiger.
Das habe ich bei der Auslosung auch spontan gedacht, bin mir da aber garnicht mehr so sicher. In Gruppe A gibt es für mich 2 klare Favoriten. Russland und Polen. Die Russen halte ich dabei für stärker.
Deshalb sollten wir Gruppensieger werden, dann können die Holländer wieder wie 2008 im VF gegen Russland ausscheiden.