Platz eins in der Medaillenwertung hat Deutschland an Gastgeber Kanada verloren. Wie bewerten Sie den Auftritt der deutschen Mannschaft bei den XXI. Olympischen Winterspielen? In welchen Disziplinen gab es positive Überraschungen, in welchen enttäuschende Leistungen?
Wenn man berücksichtigt, dass die Deutschen im Biathlon und Langlauf meistens unterlegenes Material hatten und dass die Kombinierer zweimal durch den Wind und die Deutschen zweimal durch die Startnummern benachteiligt waren (Biathlon Sprint Herren, Super-G Damen), dann ist die Bilanz wirklich gut. Die Medaillenzahl aus Turin erreicht, dazu viele Plazierungen zwischen 5 und 8.
Noch dazu sind wir wohl die ausgeglichenste Wintersportnation. In 10 von 15 Sportarten konnten Medaillen gewonnen werden. Im Snowboard, Short Track und Curling gab es zudem gute Plazierungen. Und auch beide Eishockeyteams gehören immerhin zu den besten 10 bis 12 Teams in der Welt. Das kann keine andere Nation vorweisen, alle anderen haben deutliche Schwachpunkte, in denen sie praktish nicht konkurrenzfähig sind (Norwegen in den Bob- und Rodelwettbewerben, USA und Kanada im Langlauf und Skispringen, beide auch mit Abstrichen im Biathlon, ...).
Noch dazu muss man feststellen, dass viele Medaillen auch von jungen Sportlern gewonnen wurden, die noch die ein oder anderen olympischen Spiele vor sich haben: Neuner, Riesch, Loch, Beckert, Geisenberger, Rebensburg, Tscharnke...
Allerdings muss man über die Arbeit der deutschen Skitechniker wirklich mal nachdenken. Auch wenn die Bedingungen vor Ort schwierig sind, kann es nicht sein, dass man in allen zehn Biathlonwettbewerben einen unterlegenen Ski präpariert. Nur Magdalena Neuner konnte dieses Handicap annährend kompensieren, ohne sie wäre Biathlon ein Trauerspiel gewesen. Ich hoffe, die Goldmedaillen von Neuner kaschieren das nicht.
Mit der Bilanz Deutschlands kann man zufrieden sein. Überraschend für mich war das schwache Abschneiden von Russland, Italien und besonders von Finnland.
Der User "Wasserrutsche" hat ein Fazit gezogen, dass ich voll unterschreiben kann. Da waren schon sehr schöne Leistungen deutscher Athleten zu besichtigen.
Interessant scheint mir: Warum ist es im Wintersport fast zu 100% gelungen, das Nachwende-Niveau (92) bis heute zu halten, während bei den Sommerspielen von Olympiade zu Olympiade beträchtliche Einbrüche zu verzeichnen sind? Ein Grund ist sicherlich, dass bei den Sommerspielen neue Nationen dazugekommen sind, aber dies kann nicht alles sein. Irgendwie scheinen mir die deutschen Wintersportverbände besser geführt; auch die Einbindung früherer Weltklasseathleten in Trainer- und Betreuerstäbe scheint hier viel reibungsloser und harmonischer zu erfolgen.
Grüße
Ist ein interessanter Punkt. Dazu muss man allerdings anmerken, dass das Niveau von Barcelona 1992 mit 82(!) Medaillen nicht zu halten war, da hierbei noch sehr von den DDR-Athleten profitiert wurde. Deshalb stellen diese Spiele für ein relativ kleines Land wie Deutschland keinen Maßstab dar. Was die Einbrüche bei Sommerspielen angeht, denke ich, dass wir uns mittlerweile auf Normalniveau eingependelt haben und die Medaillenzahl bei den nächsten Sommerspielen annährend konstant bleiben wird.
Ich muss ihnen aber recht geben, was die Führung von Verbänden angeht. Im Wintersport ist es deutlich besser gelungen mit Leuten wie Georg Hackl, Wolfgang Hoppe, Jochen Behle, Gianni Romme oder Mark Kirchner die Erfahrung und Kompetenz nachhaltig zu sichern. Dies vermisse ich gerade bei den Kernsportarten Schwimmen und Leichtathletik. Immerhin können wir da auf viele vergangene Erfolge zurückblicken, jedoch schaffen es die Schwimmer in den letzten Jahren zu JEDEM Großereignis falsch trainiert zu sein und die Leichtathleten ihren Vorleistungen hinterherzulaiufen. Dies lässt sich meiner Meinung auf die zu hohen Normen und die zu frühen erzwungenen Leistungshöhepunkte der Athleten zurückführen. Die fallende Medaillenzahl ist eben hauptsächlich auf diese beiden Sportarten mit insgesamt ca. 90 (von 300) Entscheidungen bei Sommerspielen zurückzuführen.
Sam Hawkins und QuixX, ich wette, sie sehen außer Fußball und Formel 1 keinerlei Sport, stehen drauf, sich einfach mal einzumischen und ihr Halbwissen mit pauschalen Unterstellungen und Meinungen, die sie irgendwo aufgeschnappt haben, zu garnieren, um sie dann hier ins Forum zu posten.
Aus ihrem kleinen Satz lassen sich so viele Anhaltspunkte herauslesen, dass sie keinerlei Ahnung vom Wintersport haben.