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Ukraine - könnte ein Boykott der Fußball-EM die Menschenrechte stärken?

Spät erst intensivierte sich die Diskussion um den Austragungsort der kommenden Fußball-Europameisterschaft. Menschenrechte, die Inhaftierung einer prominenten Oppositionspolitikerin, die zweifelhaften Haftbedingungen sorgen für Stirnrunzeln im Westen. Das ist nicht genug sagen vielen - aber könnte ein Boykott der EM die Menschenrechte in der Ukraine stärken?
  1. #120

    Ich vergaß zu schreiben dass der Aufstand, zu dessen Niederschlagung Saudi-Arabien nun wohl deutsche Panzer einsetzt, in Bahrain stattfindet.
  2. #121

    Zitat von Oback_Barama Beitrag anzeigen
    Ihr5spieltjetzt4gegen2,

    Ja, das stimmt, dass viele Ukrainer Timoschenko nicht gut finden, aber es gibt "die Ukrainer" nicht. Anscheinend gibt es quasi mehrere Identitäten dort. Die einen fühlen...
    Das gesamte Thema ist viel zu komplex und auch kompliziert, als dass es in einem solchen Forum oder einer dieser fürchterlichen Polit-Talkshow auch nur annähernd adäquat behandelt werden könnte.

    Wobei es den allermeisten (schließe mich da nicht aus) sehr schwer fällt, ihre Vorurteilskiste geschlossen zu halten. Es ist z.B. sehr leicht, auf 'unsere Politker' zu schimpfen. Ganz gleich, ob oder wie sie etwas tun oder lassen - es finden sich immer Kritikaster, die aus ihrer politischen Ecke einfach nicht hinaus können. Wäre ein Politiker des 'eigenen' Lagers in der Verantwortung, würde man dessen Handeln selbstverständlich anders bewerten.

    Ich bin kein Parteigänger Merkels. Aber im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, der den Autokraten Putin nach wie vor für einen 'lupenreinen Demokraten' hält, hat sie sich auch auf offiziellen Russland-Besuchen mit Vertretern der dortigen politischen Opposition und mit Vertetern von NGOs getroffen. Wenn man mit diesen Menschen spricht, hört man nur Positives über die Kanzlerin. Gleichzeitig weiß sie, dass an einer Sicherheitspartnerschaft mit Russland kein Weg vorbeiführt. Und dass Russland nicht nur ein wichtiger Energie-Lieferant ist, sondern auch ein wichtiger Handelspartner. Die aktuelle positive Arbeitsmarktsituation in D hängt auch mit der Nachfrage aus Russland, China oder den Golf-Staaten zusammen. Wenn die Energie-Wende funktionieren soll, dann benötigen wir in D auch neue Gas-Kraftwerke. Das sehen auch Grüne und SPD so. Und woher soll das Gas kommen? Richtig, aus Russland. Da ist es nicht leicht, den richtigen Weg zwischen Handeln nach demokratischer Grundüberzeugung und Handeln im Interesse des eigenen Landes zu finden. Da sind schon einige Spagate nötig. Ich
    finde, Merkel macht dies so schlecht nicht. Zu den Oplympischen Spielen in Peking ist sie m.W.n. auch nicht gereist.
  3. #122

    Ich habe meine persönliche Meinung schon im anderen thread geäußert, was ich mir für ein Verhalten deutscher Politiker bzgl. des Besuches der Spiele der deutschen NM bei der EM in der Ukraine wünschte (hinfahren, Regierung dort ignorieren oder treffen und dann eigene Meinung öffentlich äußern, sich mit Vertretern von NGOs treffen, evtl. auch mit integeren Oppositionspolitikern). Nicht hinfahren ist m.M.n. auch ok, aber die schwächere Variante. Auf keinen Fall irgendeine Pseudo-Show.

    Das Kernproblem liegt m.A.n. aber woanders. Nämlich bei den Sportverbänden. Hatte ich irgendwann auch 'mal gepostet glaube ich. Die FIFA z.B. hat wieviel Mitglieder? Und wieviel Länder sind davon im 'westlichen' Sinne demokratisch regiert? Es ist so wie bei der UNO, ein durch und durch korrupter Laden.
    Ich sehe jetzt z.B. den DFB, aber auch die UEFA am Zuge. In den letzten Jahrzehnten, insbesondere in den letzten 15 Jahren, hat man sich immer mehr 'Aufgaben' ganz offiziell zu neigen gemacht. Da fordert man 'Respect' für den andersartigen Mitspieler ein. Da sollen Rassismus, Anisemitismus, Homophobie, ja Diskriminierung ganz allgemein keinen Platz in den Stadien haben. Man sieht sich in einer gesellschaftlichen Verantwortung, will zu Integration beitragen. Etc.. Wer sich so exponiert, kann nicht einfach die Augen vor gravierenden Menschenrechtsverletzungen in Gastgeberländern von Turnieren verschließen. Dies ist m.M.n. eine Frage der Glaubwürdigkeit.
  4. #123

    Zitat von Ihr5spieltjetzt4gegen2 Beitrag anzeigen
    Das gesamte Thema ist viel zu komplex und auch kompliziert, als dass es in einem solchen Forum oder einer dieser fürchterlichen Polit-Talkshow auch nur annähernd adäquat behandelt werden könnte.

    Wobei es den allermeisten (schließe mich da nicht aus) sehr schwer fällt, ihre Vorurteilskiste geschlossen zu halten. Es ist z.B. sehr leicht, auf 'unsere Politker' zu schimpfen. Ganz gleich, ob oder wie sie etwas tun oder lassen - es finden sich
    t.
    Auf die Politiker zu schimpfen ist inzwischen ein billiger Populismus geworden, und daraus möchte ich mich raushalten. Im Rudel mizuschreien, habe ich nie gemocht. Ausserdem nutzen diese Beschimpfungen die linken und rechten Ränder aus.
    Die deutsche Politiker machen einen Knochenjob in einer sehr komplizierten Welt und dafür sind sie ja, nicht so toll bezahlt. Wer würde sich eigentlich das antun, zum Teil auch 16 Stunden am Tag, 7 Tage der Woche, immer unterweges zu sein und dann sich noch beschimpfen zu lassen? Nein, Danke. Die Politiker sind im Vergleich mit Fußballspielern, Pop-Stars, Menagern, etc... wirklich arme Säue und trotzdem sind sie die Prügelknaben der Nation.

    Überwiegend Zustimmung zu Merkel.
    Bin auch kein Fan von ihr, wünschte mir eher mal klare Kante zu zeigen, aber gut O.K. das ist ihr Stil, keine Konfroation sondern Moderation.
    Die demokratischen westlichen Länder müssen im Umgang mit den undemokratischen Staaten und Regimen bei den ganzen Beziehungen, immer zwischen den drei Punkten gut abwiegen:
    1)-eigene Interessen (wirtschaftliche und politische),
    2)-demokratische Prinzipe und Menschenrechte
    3)-die Realpolitik, bzw. was möglich ist

    Natürlich kann man die Regimen in Russland, China, Saudi-Arabien, Iran, etc.. nicht ändern, bzw. man kann wenig oder gar keinen Einfluß nehmen. Denn dafür müsste man ja auch die Mentalitäte der großen Teile der Bevökerung in den Ländern auch ändern. Und das ist unmöglich.
    China macht wenigstens einem nicht vor dass es eine Demokratie ist. Sie behaupten es auch nicht und wollen es nicht sein. Also man weiss worauf man ist mit den Chinesen. Und sie sind, was die wirtschaftlichen Fragen angeht immer zuverlässig. Da ist die Mentalität ganz anders, asiatische Ehrlichkeit eben.
    Bei Russland, Ukraine und Co..ist anders. Da habe nicht nur ich das Gefühl, dass sie einen, irgendwie immer über Tisch ziehen wollen. Es gab mal hier im SPON gerade einen kritischen Artikel darüber, warum Chinesen sich wirtschaftlich so rasant schnell entwickelt haben, während bei den Russen das immer irgendwie holprig und schwer geht und das hat auch etwas mit Mentalitäten zu tun.
  5. #124

    Was die Vergabe der EM angeht, es war schon ein Fehler die EM an zwei so große Länder zu vergeben.
    Die Entfernungen zwischen den einzelnen Austragungsorte (zum Beispiel Danzig-Charkow) sind über 1000, oder 1200 km.
    Bin ohnehin kein Freund der Vergaben an 2 Ländern und wenn es nach mir ginge würde ich diese Praxis abschaffen. Aber, gut O.K., bei den kleinen Ländern, wie Holland & Belgien, oder Schweiz & Österreich ging's ja noch, aber sonst..eher nicht. Aber das ist ja auch gerade ein Problem, dass die EMs und WMs heute so gewaltig kommerziell geworden sind, dass alle kleinere Länder es sich nicht leisten können, sie einzeln zu veranstalten. Selbst die Spanier haben sich für die WM 2018 nicht alleine, sondern zusammen mit Portugal beworben. Dabei haben sie 1982. noch alleine die WM veranstaltet und klein war diese WM ja auch nicht, zum ersten Mal spielten damals 24 Teams. Aber diesen ganzen gewaltigen Rummel von heute um die WM, gab es damals noch nicht.
    Eigentlich, gibt es nur eine Handvoll Staaten in Europa, die eine EM problemlos organisieren können und ebenso eine Handvoll Staaten in der ganzen Welt die eine WM problemlos organisieren können.
    Nur, weder UEFA, noch FIFA können immer an die selben 7-8 Staaten, die WMs und EMS vergeben und müssen ja auch mal an die anderen vergeben..., trotz all den Mängeln. Man darf also die anderen nicht ausschliessen. Und das muss man ja bei der FIFA- und UEFA-Kritik auch berücksichtigen.

    Und was das Organisatorische, die Demokratie etc..in Ukraine angeht, im Nachhinein sieht man jetzt, dass es auch unter den Aspekten ein Fehler war.
    Aber als die beiden sich zusammen beworben haben, es war damals die Absicht dahinter von den Polen und den damaligen ukrainischen Regierung der prowestlichen Orangenen, mit der EM, die Ukraine mehr an den Westen ranzuführen, was auch anscheinend ein Interesse der Polen ist.
    Ist alles gescheitert und die ganze Organisation ist auf dem letzten Drucker irgendwie noch geschafft worden, und dafür hat UEFA viel Druck ausüben müssen und die Hilfe einiger ukrainischer Oligarchen in Anspruch nehmen müssen.

    Aber man muss es jetzt durch. Die EM wird in der Ukraine stattfinden, hoffentlich ohne schlimmere Vorkommnisse..
    The Show must go on...hiess es schon 1972 in München, 1978 in Argentinien, und 1985 bei dem CL-Finale in Brüssel...und 2008..in Peking...und wird immer so sein.
  6. #125

    Zitat von ObackoBarama Beitrag anzeigen
    Und was das Organisatorische, die Demokratie etc..in Ukraine angeht, im Nachhinein sieht man jetzt, dass es auch unter den Aspekten ein Fehler war.
    Aber als die beiden sich zusammen beworben haben, es war damals die Absicht dahinter von den Polen und den damaligen ukrainischen Regierung der prowestlichen Orangenen, mit der EM, die Ukraine mehr an den Westen ranzuführen, was auch anscheinend ein Interesse der Polen ist.
    natürlich war die Vergabe eine politische Entscheidung, und wenn sich manch ein Sportsfreund nun auf eine rein sportliche Verantaltung beruft, und es strikt trennen möchte, dann ist er spätestens jetzt aufgewacht, oder man stellt sich naiv und blauäugig an. Eine Austiegsklausel bei unerwünschter polit-konstellation war nicht vorgesehen... zu viel investiert.
  7. #126

    jaja

    Zitat von almöhi Beitrag anzeigen
    Ich vergaß zu schreiben dass der Aufstand, zu dessen Niederschlagung Saudi-Arabien nun wohl deutsche Panzer einsetzt, in Bahrain stattfindet.
    .........

    Gerade wegen dieser Abgründe ist es wichtig, daß Länder nicht nur von Menschenrechten reden, sondern gelegentlich auch dementsprechend handeln, beispielsweise die Verstöße in der Ukraine lautstark und folgenreich zu geißeln. Um ihrer eigenen Werte willen!
    rabenkrähe
    Geändert von ( um Uhr)
    Es gibt ein Leben vor dem Tod. Der wahre Pazifist ist bereit, mit der Waffe für seine Überzeugung zu kämpfen.....
  8. #127

    es brauch Zeit

    Zitat von marant Beitrag anzeigen
    nicht wahr, wäre ein Deal, aber da wird eher die Gazprinzessin befreit, als man sich dem Sepp annimmt...
    es könnte aber auch ( das Boykott ) sich dem Janukowitsch aus dem Spagat ( zwischen Russland und EU zu lavieren ) notgedrungen zu "befreien" helfen, und entscheidende Konzessionen an Russland abzugeben, was seine Oligarchenstellung zwar schwächen würde - aber immerhin gemeisamkeiten sind vorhanden, wie bsw. die Geheimdienstler, hier Choroschkowski da Putin, auf der Ebene dürfte eine Einigung möglich sein - ob damit den Menschenrechten geholfen sei, ist auch so eine Sache...
    ich verstehe zwar nur der Spur nach, was Du meinst, aber dass die Menschenrechte in der ganzen Region auf wackligen Beinen stehen, ist nicht nur am Beispiel der Gazprinzessin angemacht. 2054 feiert die FIFA das 150.-Jahr-Jubiläum. Blatter wird dann wohl nicht mehr unter uns weilen. Ich auch nicht. Dann können sich alle neu orientieren. Bis 2104, beim 200. wirds der Ukraine vermutlich auch für die EU reichen;-)
  9. #128

    Zitat von ray4912 Beitrag anzeigen
    ich verstehe zwar nur der Spur nach, was Du meinst, aber dass die Menschenrechte in der ganzen Region auf wackligen Beinen stehen, ist nicht nur am Beispiel der Gazprinzessin angemacht. 2054 feiert die FIFA das 150.-Jahr-Jubiläum. Blatter wird dann wohl nicht mehr unter uns weilen. Ich auch nicht. Dann können sich alle neu orientieren. Bis 2104, beim 200. wirds der Ukraine vermutlich auch für die EU reichen;-)
    in einem gebe ich dir recht, es braucht zeit, und die versuchte man zu erzwingen, auf biegen und brechen, nun steht man vor dem scherbenhaufen, und sucht es zusammenzukehren.
    in anderem habe ich so meine zweifel, ob es DIE EU dann noch gibt.

    was ich im falle Janukowitsch meinte, war, wie man die eigene Pfründe am besten sichert, EU vs. GUS, ganz neutral zu bleiben kann sich die Ukraine nicht leisten, aber im Falle eines Boykottes kann die Entscheidung leichter fallen, Herr Westerwelle weiss es, daher kein Boykott in dem Sinne...
  10. #129

    Der lachende Vierte

    Zitat von marant Beitrag anzeigen
    in einem gebe ich dir recht, es braucht zeit, und die versuchte man zu erzwingen, auf biegen und brechen, nun steht man vor dem scherbenhaufen, und sucht es zusammenzukehren.
    in anderem habe ich so meine zweifel, ob es DIE EU dann noch gibt.

    was ich im falle Janukowitsch meinte, war, wie man die eigene Pfründe am besten sichert, EU vs. GUS, ganz neutral zu bleiben kann sich die Ukraine nicht leisten, aber im Falle eines Boykottes kann die Entscheidung leichter fallen, Herr Westerwelle weiss es, daher kein Boykott in dem Sinne...
    nun versteh ich, der kurzfristige Aspekt leuchtet ein. Wobei man sich fragen kann, welche Option (Ru oder EU) die bessere ist, und zwar aus Sicht der Russen und der von uns Europäern. Müssen wir wirklich alleim Feudalismus stehen gebliebenen retten, wo wir doch selber genug Probleme haben. Das gilt besonders auch für alle, die J. und T. in den gleichen Topf werfen und bloss finden, der Zufall habe die eine hart und den andern bequem landen lassen.

    Wie dem auch sei: EM Boykott war nie eine Option und die Politik funktioniert jetzt ohne Sport weiter. Im Pokerspiel haben alle drei Seiten (inkl. Russland) zweifelhafte Hände. Wem der Bluff gelingt, wissen wir alle nicht. Vielleicht gewinnt ja Löw;-)


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