Natürlich beides.
Radsport-Beichten - sind Radfahrer Täter oder Opfer?
Natürlich beides.
Beides. Opfer, weil sie in Kauf nehmen ihren Körper für ihren Sport massiv zu schädigen und weil das Vertrauensverhältnis zwischen Trainer, Arzt und Athlet häufig von ersteren missbraucht wird, ohne daß es dem einzelnen Sportler immer bewusst wäre. Andererseits ist es zu billig, den Sportler von jeder Schuld freizusprechen, ich denke, die allermeisten Sportler, die dopen, wissen ganz genau, was sie tun und haben auch ein gutes Gespür dafür, daß sie betrügen. Und dopen trotzdem. Insofern sollten sie auch die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen, sie verschaffen sich ja auch bei erfolgreichem Doping, d.h. durch Betrug, ansehnliche Summen durch Sponsorenverträge, Werbung etc., warum also sollten sie als Begünstigte bei einer Bestrafung leer ausgehen? Oder man ist konsequent und gibt jede Form von Doping frei, dann hat man halt einen Wettkampf, weniger um die Lesitungen des Sportlers, als um die beste Chemiefirma...wer das dann sehen möchte...
Da es bei der Tour kein Trikot für den ersten ungedopten Fahrer gibt, bleibt einem Leistungssportler über kurz oder lang nur der griff zu Unerlaubtem. Wenn man dies auch noch vom eigenen Teamarzt bekommt, um so leichter... Ganz nebenbei: Das Leistungsgefälle unter den Fahrern ist für mich schon immer sehr auffällig gewesen. Wenn eine Gruppe zeitgleich das Ziel erreicht, und auch nur einer aus dieser Gruppe gedopt ist, was ist dann mit den anderen?
Siehe Udo Bölts Geständnis: "Mit EPO angefangen zu dopen weil die Zukunft des Telekomengagment auf der Kippe stand, in den Anfangsjahren des Telekomteams ist man immer hinterher gefahren und mit EPO-Doping konnte man mit allen anderen mithalten".
Stellt sich jetzt die Frage, erst Opfer und dann Täter oder umgekehrt.
Zum damaligen Zeitpunkt, wir reden ja von Anfang bis Mitte der 90er Jahre, gab es für einen Profiradrennfahrer gar keine andere Möglichkeit, außer auf seinen Beruf Rennradfahrer gleich zu verzichten.
Anzumerken bleibt auch, daß der Radsportverband UCI unter seinem Präsidenten Hein Verbruggen die Dopingsproblematik ebenfalls unter den Keller kehrte und nur nach solchen Substanzen wie Anabolika fahndete, weil man wußte daß die eh nicht mehr genommen werden.
Opfer überstiegener Anforderungen an den menschlichen Körper
Opfer skrupelloser Teamsponsoren
Opfer der Pharmaindustrie
Opfer hungriger Klinikärzte
Opfer des Medienhypes
Die einzige Konsequenz, die aus meiner Sicht zu ziehen wäre:
Lasst in diesem Jahr die Tour de France und alle sonstigen Radrennen weltweit ausfallen.
Lasst die Radfahrer ein Jahr Entzug machen und startet wieder neu.
Ich werde garantiert keine Dope-Tour mehr schauen, außer... ein Liveticker läuft mit.
"TrikotNr 23 - heutiger Epo-Spiegel XY.., Sonstige Mittel: ZABC"
Das wäre ein Menschenexperiment vor laufender Kamera, in höchstem Maße unethisch und gerade deswegen würde es bestimmt die Massen faszinieren.
Meines Erachtens sind Sportler dieses Kaliebers ausschließlich Täter. Sie haben anderen Sportlern, die auf "normalen" Wege trainieren die Teilnahme an profitablen Radrennen genommen. Sie haben im Wissen um die Illegalität ihrer Methoden mit Epo gedopt. Sie haben andere Rennställe und Sportler um Erfolge gebracht, sie haben gelogen und sich selbst gefeiert. Keiner hat jemals ausgepackt in seiner aktiven Zeit. Jetzt stellen sie sich hin, und heulen rum und bitten um Verzeihung bei den Fans. Was ist mit den anderen Sportlern, die nicht ins Rampenlicht kamen, weil sie nicht dopten, und hinterher fahren mußten? Bei denen sollten sie sich entschuldigen. Nicht bei nur bei den Fans. Sie haben diese um Lohn und Brot betrogen! Keiner hatte den Mumm in den Knochen zu sagen: "So nicht, so geht das nicht!" Während in der ehem. DDR von Staats wegen gedopt wurde, es die Sportler oftmals nicht wußten ist das hier ein anderer Fall. Aber in einem Land, in dem der Betrug salonfähig ist, man sich in privater Runde amüsiert, wie man den Staat und wen auch immer betrogen hat, ist das eh nur viel Lärm um Nichts. Diese Sportler und Ärzte sollen ihr Geld und ihre Titel zurückgeben und Buße tun. Aber im Land der Ackermanns und Pierer geht das sowieso nicht wirklich. Jeder ist sich halt selbst der nächste und Ehrlichkeit währt schon lange nicht mehr am längsten.