Forum: Sport
Fußball - sollen deutsche Spieler während der EM in Polen die Gedenkstätte in Auschwi
Die kommende Fußball-Europameisterschaft wird in Polen und der Ukraine ausgetragen. Ist es richtig und wünschenswert, wenn deutsche Nationalspieler im Rahmen dieser Veranstaltung die Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers in Auschwitz besuchen? Oder böte dieser Besuch aus dem sportlichen Anlass heraus einen eher zwiespältigen Eindruck?
- #1 20.03.2012 11:42 von
Sport und Politik-Sport und Ethik
Nein. Es wäre/ist m. M. n. nicht richtig. Sport muss für sich gelten dürfen, und es darf keine Verknüpfungen mit Politik, Historie oder Gesamtgesellschaftlichen Themen geben!
Aber es gibt auch den "zivilen" Sportler, der durchaus, seinem Wunsche folgend, dorthin gehn kann, nicht muss. Ich bin davon überzeugt, dass man in Polen auch nicht derartiges Verhalten wünscht. - #2 20.03.2012 16:49 von
Ich sehe dies schon etwas anders. Ob man es mag oder nicht, Sport wurde schon immer zu politischen Zwecken benutzt oder auch mißbraucht. Das war in der Antike so und in der modernen Zeit sowieso. Ich bin ein großer Verehrer des Coubertinschen Gedankens, weiß aber auch darum, dass Olympia schon immer auch Sportpolitik war. 36, 68, 72, 76, 80, 84, 2008 - nur ein paar Beispiele.
Auch die Vergabe von Sportereignissen ist Politik. Die anstehende EM ist ein gutes Beispiel. Oder die WM in Südafrika.
Auch wenn IOC, FIFA UEFA oder sonst wer scheinheilig anders tun, Sport und Politik lassen sich nicht trennen. Leider.
Das Thema wühlt mich etwas auf. Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugetan. Erst die Meldungen aus Toulouse, dann im deutschen TV / ZDF ein 'Doku-Drama' über München 72. Habe mich irgendwie versucht abzulenken. Als junger Bursche war ich sehr nahe am Geschehen. Wenn ich die Worte von Avery Brundage wieder höre, "The Games must go on", dann steigt es in mir hoch und ich muss kotzen.
Aber "Politik, Historie, Gesamtgesellschaftliche Themen" - all dem fühlt sich der DFB verpflichtet. Er sieht sich (nicht nur als der immerhin größte Einzelsportverband der Welt) schon in einer gewissen gesamtgesellschaftlichen Verantwortung. Mittlerweile wird auch die eigene Rolle in der Zeit des Nationalsozialismus kritisch reflektiert. Man engagiert sich für Integration und gegen Rassismus. Vergibt den Julius Hirsch –Preis für das Engagement für Demokratie, Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten. Besucht Yad Vashem.
Das alles ist Politik, und nicht die schlechteste. Daraus resultiert für mich, dass ein Besuch der Gedenkstätte Auschwitz durch eine Delegation des DFB im Rahmen der EM angezeigt und auch im Sinne des DFB ist. Ich denke, dass aufgrund der Reiseumstände (es handelt sich um ein Turnier mit großen Reisestrecken und nicht um ein Freundschaftsspiel gegen Polen in Krakau) eine kleine, aber gewichtige Delegation angemessen wäre. DFB-Präsident, Teammanager, Bundestrainer, Mannschaftskapitän, 2 oder 3 weitere Spieler wie Klose, Schweinsteiger, Podolski oder Khedira. Wenn der Besuch gleich zu Beginn stattfände, wäre er auch organisatorisch vielleicht am besten zu integrieren. - #3 20.03.2012 18:06 von
In dem Rahmen wie von dir oben geschildert, finde auch ich es als angebracht. Dezent ist gut. Pompös mit allen und jedem nicht so gut.
Allerdings müsste dann der DFB entscheiden wer mitfährt. Auf freiwilliger Basis wird doch dann derjenige der nicht gerne mit möchte wieder schief angesehen. - #4 20.03.2012 18:51 von
Von kollektivem Zwangsbüßertum halte ich nichts. Es sollte jedem selbst überlassen werden ob er das machen möchte oder nicht.
- #5 20.03.2012 18:51 von
Genau das ist der Punkt. Der richtige Rahmen. Seinerzeit in Israel, beim Besuch von Yad Vashem, war der journalistische Auflauf nur störend und dem eigentlichen Anlass zuwiderlaufend. Klinsmann
und auch Vogts haben sich hinterher auch entsprechend geäußert.
Neben den Funktionären, Bierhoff und Löw Lahm als Mannschaftskapitän und 2 weitere Mitglieder des Mannschaftsrats. Das ist angemessen. - #6 20.03.2012 18:59 von
Das ist eine ganz
private Angelegenheit die jeder für sich entscheiden sollte.
Im Büsserhemd* dort aufzutreten halte ich für überzogen, denn diese Generation kennt das eh nur vom Hörensagen, TV oder Presse.
Ihre Gedanken darüber haben sie sich sicher schon gemacht und können danach handeln und zwar zwanglos - #7 26.03.2012 15:55 von
Warum
nicht? Jeder Schüler zieht einen quasi-Ferientag an einer Kranzabwurfstelle einem normalen Schultag - schlimmstenfalls mit Mathe-Arbeit - vor. Wenn die Spieler damit einen schweisstreibenden Trainingstag weniger haben, dürften sie keine Einwände haben. Betroffene Körpersprache haben sie ja drauf - siehe vergebene 100%-Chancen.
- #8 26.03.2012 18:49 von
Als Deutsche sind wir "von Natur aus schlecht"...
... und werden deshalb nicht nur mit der Erbsünde, sondern auch mit der deutschen Kollektivschuld geboren! Welch eine Grausamkeit!
Als "liberaler Individualist" akzeptiere ich weder eine kollektive Verantwortung, solange ich nicht in den dazu gehörigen Entscheidungsprozess integriert war, noch weniger eine Kollektivschuld.
Ebenso lehne ich die christlich-jüdische Erbsünde ab...
Beides wird m.E. als Macht- oder Manipulationsmittel permanent missbraucht.
Seit mir ein älterer Jude, als der er sich zu erkennen gab, auf dem Flughafen Santamaria in San José - in dem Wissen, dass ich Deutscher bin - direkt ins Gesicht gesagt hat, dass "die Deutschen von Natur aus schlecht" seien, habe ich zu diesem Thema sowieso eine weniger wohlwollende Meinung. - #9 27.04.2012 20:18 von
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