„Zufallsmeister“ scheint mir ein nicht ganz passender Begriff zu sein für das geschilderte Phänomen. Immerhin hatten der VfB (8 Siege in Folge am Saisonende) und VW (Aufholen von 9 Punkten Rückstand zur Winterpause) überzeugende Serien vorzuweisen. Sie waren zur richtigen Zeit in Topform, während die Konkurrenz diese nicht zeigen konnte. Da steckte schon eine Menge Arbeit der Trainerteams und der Verantwortlichen für die Kaderzusammenstellung hinter. Interessant finde ich die Frage (bzw. die Antworten darauf), warum diese Mannschaften nach dem Titel so abgesackt sind.
Was Werder anbelangt, so sehe ich es fast genauso wie Du. Man hatte sich durchgängig für die CL qualifiziert, war national als also immer ganz oben mit dabei. Zwar hat man in der CL nie groß etwas gerissen, hatte aber auch mitunter ‚Hammergruppen’ und etwas Pech. Qualität war also da, warum ist man dennoch nicht wieder Meister geworden? Da gibt es sicher vielfältige Erklärungsansätze. Ein ganz wichtiger ist m.A.n. die für Werder einzigartige Kaderzusammenstellung in der Meistersaison. Um nur einige Namen zu nennen: Ismael, Krstajic, Ernst, Klasnic, Ailton – und vor allem und zuerst Micoud. Stratege, Ideen- und Taktgeber, Spielgestalter, Passgeber, Torschütze – einfach ein genialer Spieler. Le Chef. Mit so einem wirst du Meister. Alle, die danach kamen, spielten vielleicht spektakulärer (Diego) oder besaßen mehr Potential (Özil) – aber an einen Micoud kamen sie (zumindest in dem Zeitraum, als sie für Werder spielten) nicht heran. Und wenn man dann „in die Mannschaft investiert“ (was gleichbedeutend ist mit deutlichen Gehaltserhöhungen für Spieler, die man unbedingt halten will), und es handelt sich um solche, die auf dem absteigenden Ast sind (Frings) oder die auf weniger wichtigen Positionen spielen (Wiese) – dann wirst du auch nicht mehr Meister.



