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Zu viel "sehr gut" an der Uni?

Deutsche Universitätsdozenten stehen in der Kritik: An unseren Hochschulen sollen die Noten für Semester- und Abschlussarbeiten regelmäßig zu gut ausfallen. Stimmt das? Gefährden "Kuschelnoten" das Bildungsniveau?
  1. #1

    Ja, an der Uni kann man Noten nicht mehr ernst nehmen - fast jeder bekommt heute ein "sehr gut" - oft von wohlmeinenden Dozenten, die so die Chancen des Absolventen auf dem Arbeitsmarkt verbessern wollen. Einzige Ausnahme sind hier wohl noch die Juristen.
  2. #2

    Das muss Studienfachabhängig sein. Bei Rechtswissenschaften gibt es dieses Problem nicht.
  3. #3

    Zitat von Karendric Beitrag anzeigen
    Ja, an der Uni kann man Noten nicht mehr ernst nehmen - fast jeder bekommt heute ein "sehr gut" - oft von wohlmeinenden Dozenten, die so die Chancen des Absolventen auf dem Arbeitsmarkt verbessern wollen. Einzige Ausnahme sind hier wohl noch die Juristen.
    In den geistes- und Sozialwissenschaften war es zu meiner Zeit (Abschluss 99) sicher so. Wobei das schlicht auch von den Dozenten abhängt. Ich hatte eine Professorin, die auch gleich sagte, sie gäbe prinzipiell nur 1 und 2. Andere gerierten sich als streng und gaben prinzipiell (fast) nur 2 + 3, aber generell waren 1 und 2 das Maß - allerdings eben sehr willkürlich angewandt und ausschließlich abhängig vom jeweiligen Dozenten.
  4. #4

    Verkehrte Welt

    Als mein Mann Ende der Achtziger Ingenieurwesen studierte, rühmten sich manche Professoren an der Uni mit Durchfallquoten von 100 Prozent.

    Das war etwas ganz tolles - für die! Für die Studenten sah das natürlich ganz anders aus.
    Nun soll es gute Noten für Nüsse geben?
    Wer soll denn davon profitieren? Die Uni? Die Studenten wohl eher nicht, denn die Wahrheit kommt doch raus. Spätestens im Beruf merkt man, ob jemand etwas kann oder nicht.
  5. #5

    Ich muss das falsche studieren (oder am falschen Ort :) ), hier ist "sehr gut" gegenüber "gut" bzw. "befriediegend" klar in der Minderheit.
  6. #6

    Gerade nachgeschaut. 2003 haben 0,2% der Prüflinge im ersten Juraexamen ein Sehr Gut erlangt, 2,7% ein Gut.
  7. #7

    Es stimmt, es gibt Fähcher mit Durchschnittsnote 2,0 in den Abschlusszeugnissen; von 1,8 in den Zwischenklausuren ganz zu schweigen. Ich hab im vergangenen Jahr meinen Abschluß in Jura gemacht- bei uns ist ein "befriedigend" im Examen schon ein großer Erfolg.
    Aber die Notenvergabe der Geisteswissenschaftler und anderer Disziplinen ist auch eine Reaktion auf die Vergangenheit, in der häufiger gezielt durchfallen gelassen wurde (bei den Juristen auch heute noch an der Tagesordnung) und die Gegenwart, in der nur noch gute Noten Erfolg im Beruf bzw. überhaupt Sicherheit vor Arbeitslosigkeit versprechen. Aber gerade dies ist das Dilemma der Notenvergabe einiger Fächer: Zu gute Noten (oder besser gesagt nicht mehr aussagekräftige Noten) helfen niemanden. Welcher Personalchef weiß einerseits nicht,wie Noten zu Stande kommen; und adererseits wo soll das hinführen? Soll es zu einer Scheinelite führe? zu fraglichen Toprankings der Uni?

    Die Antwort darauf vermag kaum ein Hochschuldozent zu geben. Aber wenn diese Entwicklung nicht langfristig korrigiert wird, sei es duch den Bologna- Prozess oder Institutionen geht das Prüfungswesen im allgemeinen Chaos unter, daß wir aus anderen Ländern kennen. Leidtragenden sind sowieso die Studenten, die stolz sind auf Noten, die ihnen letztlich doch keine Türen öffnen!
  8. #8

    Zitat von W.E.P. Beitrag anzeigen
    Aber die Notenvergabe der Geisteswissenschaftler und anderer Disziplinen ist auch eine Reaktion auf die Vergangenheit, in der häufiger gezielt durchfallen gelassen wurde
    Nein, sie ist einfach nur der Versuch erstens den Studenten zu helfen und zweitens Nervensägen und Gewohnheitskläger (die schon per Gericht ihren Studienplatz erstritten haben) loszuwerden. Wie soll der Dozent die sonst aus seiner Sprechstunde weg bekommen?

    Übrigens hörte ich kürzlich, dass die meisten Einsen nicht bei Geisteswissenschaftlern vergeben werden, sondern bei den Biologen. Habe aber gerade keine Statistik zur Hand.

    Zitat von W.E.P. Beitrag anzeigen
    Zu gute Noten (oder besser gesagt nicht mehr aussagekräftige Noten) helfen niemanden. Welcher Personalchef weiß einerseits nicht,wie Noten zu Stande kommen; und adererseits wo soll das hinführen?
    Angewandte Spieltheorie: Solange es noch hinreichend andere Fakultäten und Dozenten gibt, die ernsthaft bewerten, haben die Absolventen mit den geschenkten Noten einen Vorteil. Erst wenn alle Dozenten Operettennoten vergeben, scheitert das System.
  9. #9

    Die Realität gewinnt immer

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Deutsche Universitätsdozenten stehen in der Kritik: An unseren Hochschulen sollen die Noten für Semester- und Abschlussarbeiten regelmäßig zu gut ausfallen. Stimmt das? Gefährden "Kuschelnoten" das Bildungsniveau?
    Unabhängig davon ob berechtigt oder nicht - eine Untersuchung der Notengebung und Vergleich mit dem bisherigen Niveau nach den nächsten 2 Semestern wäre wohl sehr interessant. Danach dürfte sich alles wieder einpendeln. Man sollte den Betroffenen fairerweise einen entsprechenden Vermerk ins Zeugnis setzen.
    Doch es geht ja schon früher los: Die vielen "Abi-Einser" haben mich schon immer verblüfft. Ich erinnere mich noch an den Spruch eines Lehrers: "Die "Eins" ist nur für den Lieben Gott....".

    Das grösste Problem haben jedoch die mit "sehr gut" Benoteten, wenn es zum Praxistest kommt. Ich liess einmal einen solchen Praktikanten ein französisches Rundschreiben an unsere Kunden aufsetzen. Es tut mir heute noch Leid, dass ich zur Korrektur einen roten Kugelschreiber benutzte. Der arme Kerl war über das "Massaker" selbst am allermeisten entsetzt.








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