Forum: Uni + Bildung
Schule - ist die Fremdsprache Spanisch wichtiger als Französisch?
Auch die Gewichtung des Sprachenlernens unterliegt dem Zeitgeist und gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Anforderungen. Französisch, ehemals die klassische Diplomatensprache und ohnehin Ausweis der kulturellen Kompetenz, ist ins Gerede gekommen. Wie essentiell ist die Sprache noch? Ist Spanisch inzwischen viel wichtiger geworden?
- #240 25.04.2012 14:59 von
jeder wie er möchte
Für Schüler, die die Schule verlassen ohne richtig Deutsch zu können, handelt diese Diskussion wohl von der Kaiser Bärte. Aber, um die geht es wohl nicht.
Es geht wohl auch nicht um die vielen Leute wie meine Kollegen, die zwar alle Ingenieure sind und daher irgendwann mal irgendwie eine Hochschulzugangsberechtigung erworben haben müssen, aber zum größten Teil mehr schlecht als recht Englisch sprechen, obwohl das heutzutage absolut unverzichtbar, aber eben auch ausreichend ist um überall durchzukommen.
Es handelt sich vielmehr um ein Luxusproblem, um eine Entscheidung, die wahrlich von jedem selbst nach Gusto getroffen werden kann.
Wenn man schon eine allgemeine Empfehlung für die eine oder andere der beiden Sprachen abgeben möchte, woran soll die sich orientieren?
Weltgeltung beanspruchen beide Sprachen gleichermaßen für sich, aber was nützt die dem geplagten G- 12- Gymnasiasten oder demjenigen, der den 2. Bildungsweg beschreitet und so zur 2. Fremdsprache gezwungen wird?
Meine persönliche Empfehlung lautet daher: man lerne die Sprache, die für den durchschnittlich guten Schüler einfacher zu erlernen ist, wo er also bessere Noten bekommen wird.
Das aber ist unbestritten die spanische Sprache. Da wird alles exakt so ausgesprochen, wie es geschrieben steht. Orthographie und Hörverständnis stellen also kein Problem dar. Rechtschreibfehler wird ein Schüler selbst dann im Spanischen kaum welche machen, wenn er in Deutsch und Englisch regelmäßig davon heimgesucht wird.
Grammatikalisch, so scheint mir, schenken sich die beiden Sprachen nichts, und was die allgemeine Verständlichkeit der Muttersprachler angeht, auch nicht. - #241 26.04.2012 21:35 von
...
Naja: Da gibt es aber noch das "ch" (tsch), das "ñ" und das "ll" (je nach Land zwischen ye und sche angesiedelt) - und das "x" hat sowieso 4 verschiedene Aussprachen.
Und überhaupt, wer hat denn nur 2 Fremdsprachen am Gymnasium? Doch nur die MINTler, oder? - #242 28.04.2012 11:14 von
Soweit ich weiß, wird im Schulunterricht IMMER die jeweilige Hochsprache unterrichtet, in dem Fall also das Kastellano, bei dem für jeden Lautwert eine verbindliche Aussprache festgelegt ist, und Abweichungen nur bei Fremdwörtern vorkommen. (so wie z.B. das 'x' in Mexico, das tatsächlich wie ein rauhes 'ch' ausgesprochen wird, weil es eben KEIN spanisches Wort ist)
Und soweit ich weiß, sind zumindest rein zahlenmäßig im Gymnasium 2 Fremdsprachen die Regel, und drei die Ausnahme. - #243 28.04.2012 17:53 von
Das ist so nicht richtig.
Im Schulunterricht wird nur dann Castellano unterrichtet, wenn es sich um einen spanischen Lehrer handelt. Selbst die Real Academia führt Worte wie "wey" (auch "güey" geschrieben) im Diccionario.
Ansonsten lernt man das, was die Journalisten "neutral" nennen, ein modifiziertes Castellano, bei dem jede Silbe deutlich ausgesprochen wird, aber "c" und "z" wie "s" klingen und die 2. Person Plural "vosotros" durch die Höflichkeitsform "ustedes" ersetzt wird.
Ausserdem erlaubt (zu meinem Leidwesen) die Real Academia bei Lehnwörtern und Eigennamen die Hispanisierung in der Aussprache. - #244 28.04.2012 17:56 von
Fremdsprachen
- #245 29.04.2012 10:22 von
was sonst?
Ich habe sowohl spanische (aus Toledo) als auch südamerikanische (aus Santiago de Chile) Dozenten gehabt, und beide sprachen das 'z' sowie das 'c' vor hellen Vokalen wie ein stimmloses, englisches 'th' aus und benutzten in der 2. Person Plural das 'vosotros'.
Wie kommen Sie darauf?
Ich habe eine allgemeine HS- Reife aus Baden- Württemberg, besuchte eine staatliche Schule und darin (wie 2/3 aller Schüler) den mathematisch- naturwissenschaftlich- neusprachlichen Zweig, wo mit Englisch angefangen wird und in der Regel ab der 7. Klasse Französisch als 2. Fremdsprache hinzu kommt. (mit der Möglichkeit als Alternative Latein zu wählen) Latein hätte ich ab der 9. freiwillig machen können; war aber nicht Pflicht.
Daneben existierte damals nur der sprachliche Zweig mit Latein als erster, Englisch als zweiter und Französisch als dritter Fremdsprache.
Andere Sprachen wurden nicht angeboten.
Darf ich Sie meinerseits fragen, was für eine Art des Spanischen Sie gelernt haben und wo? - #246 29.04.2012 17:09 von
Ich hatte Spanisch ab der 2. Klasse im Colegio Alemán Alexander von Humboldt, A.C. unterrichtet bekommen, und zwar im damals noch existierenden Colegio Central in Mexico City.
Wir (meine Familie) waren allerdings auch in Buenos Aires ansässig, aber dort wird ja auch das "vos" statt des "tú" verwendet.
"Vosotros" ist in LatAm im Alltag völlig unbekannt - auch in Chile - obwohl man es man in der Schule streift.
Nicht einmal auf den Kanarischen Inseln benützt man es:
Tuteo - Wikipedia, la enciclopedia libre - #247 29.04.2012 22:29 von
Ich könnte natürlich noch anfügen, dass ich an der LMU Romanistik auf Magister im Hauptstudium hatte, mit Schwerpunkt spanischsprachige Philologie.
Da hat man eben auch mal Linguistik durchgenommen.
Meine Sprachensequenz während der Schulzeit war:
Deutsch - Spanisch (2.) - Englisch (5.) - Latein (7.) - Französisch (9.)
mathematisch-naturwissenschaftlicher Zweig
Freunde von mir haben zudem noch Russisch oder Italienisch gewählt. - #248 30.04.2012 08:50 von
Obwohl Sie in einem Spanisch- sprachigen Land aufgewachsen sind, Ihr Urteil also nicht völlig neutral ausfällt, sollten Sie als Linguistin doch beurteilen können, ob Spanisch oder Französisch für einen durchschnittlich guten Schüler als 2. Fremdsprache mit besserem Ergebnis zu erlernen sein dürfte. (also unabhängig davon, ob es für einen Schüler in S-H nicht sinnvoller wäre Dansk, für einen vom Niederrhein Nederlands, für einen aus Brandenburg Polski zu erlernen)
- #249 30.04.2012 18:00 von
Spanisch hat weniger grammatikalische Ausnahmen und ist natürlich schneller zu erlernen als Französisch, aber mir ging es um den Punkt, dass nicht alles im Spanischen so ausgesprochen wird, wie es geschrieben wird.
Wenn man im globalen Handel/Transport oder Bankwesen arbeitet, dann ist Spanisch immer dem Französischen vorzuziehen, sobald es politisch wird, ist Französisch wichtiger.
Beide Sprachen sind eine gute Investition.
Die aktuellen Top-Themen

Antworten / Zitieren

